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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MONSTER MAGNET, CHURCH OF MISERY
Ort Lindau, Club Vaudeville
Datum 01.02.2014
Autor Jrgen Lugerth
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Ein Fan der US-amerikanischen Space- und Stonerrocker um Mastermind Dave Wyndorf bin ich schon seit ihrer sehr abgedrehten und drogenschwangeren Frhphase. Aber so richtig reingehauen hat dann ihr Meisterwerk "Dopes To Infinity", das damals wohl nicht nur mich in den Rock 'n' Roll-Orbit geschossen hat. Church of Misery Church of Misery Zweimal habe ich den monstrsen Magneten schon live gesehen. brigens in sehr unterschiedlicher Tagesform. Nun, da sie ganz in meiner Nhe mit ihrem guten neuen Album im Gepck auftreten, ist ein Konzertbesuch natrlich Pflicht. Also rein ins Auto und ab nach Lindau in den schnuckeligen Club Vaudeville, der mittlerweile fr Acts der hrteren Gangart eine attraktive Adresse ist. Zur Einstimmung beschallen mich auf der Hinfahrt die Black Space Riders, die so frisch und gut sind, dass ich sie mir live als Supportband wnschen wrde.
Am Vaudeville angekommen stelle ich fest, dass eine richtig lange Menschenschlange auf Einlass wartet. Das habe ich hier noch nie erlebt. Es sagt mir, dass die alten Helden offensichtlich immer noch sehr zugkrftig sind. Sicherlich spielt aber auch eine Rolle, dass wir Samstag haben und dass die Termine von Monster Magnet in Deutschland dnn gest sind. Einer der Wartenden erzhlt mir, dass er sich aus Mnchen auf den Weg gemacht hat. Nun denn, als Reporter werde ich an den Massen zum Eingang vorbeigelotst. Manchmal hat man doch kleine Vorteile. Der Konzertsaal und auch der Vorraum sind schon fast voll. Es kann losgehen.

Als Vorband operieren die mir vllig unbekannten Church Of Misery, die offensichtlich asiatischen Ursprungs sind. Der Vierer prsentiert schweren, doomigen Stonerrock, der aber nicht so recht znden will. Alles klingt ein wenig nach Proberaum, was vielleicht auch an dem Herrn am Mischpult liegt. Darber hinaus hneln sich die Stcke sehr und keines sticht durch einen berraschenden Dreh oder auch nur ein besonderes Gitarrensolo heraus. Auch die Performance ist eher statisch. Sie ernten zwar durchaus Applaus, meine Favoriten werden sie aber so schnell nicht werden.

Monster Magnet Monster Magnet

Inzwischen ist der Club gerammelt voll. Gemtlich ist das nicht mehr. Dazu wird es im Saal durch die zusammengedrngte Menschenmenge verflucht hei. Aber man hat ja ein gemeinsames Verlangen. Also tapfer sein. Allerdings verzgert sich der Beginn des Hauptprogramms mehr als ein bisschen. Herr Wyndorf lsst das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes noch etwas schmoren. Bevor es aber zu richtig deutlichen Unmutsuerungen kommt, erbarmt sich der psychedelische Fnfer endlich und betritt dann doch die Bhne. Es geht aber nicht mit einem Knall los, sondern sehr gemchlich und verhalten. Es ist, wie wenn ein Gterzug langsam ins Rollen kommt. Etwas berraschend, aber doch sehr konsequent spielen Monster Magnet vor allem ihr neues Album "Last Patrol". Das bedeutet schwere psychedelische Soundwellen, unterlegt von Riffs und Rhythmen meist in mittlerem Tempo, Blubbern, Rauschen und Zirpen vom Synthesizer. Den bedient Mastermind Wyndorf immer wieder mit dem Rcken zum Publikum und mit umgehngter Gitarre und liefert abwechselnd beschwrenden Gesang und lange gesprochene berleitungen zwischen den Stcken. Sein Stage Acting ist eher verhalten. Man ist ja nicht mehr der Jngste. Auch die Lightshow bleibt im blichen Rahmen. Das Volk geht gut mit, ohne aber Spitzenwerte an Euphorie zu erreichen. Ich selbst werde nicht richtig so warm mit all dem, denn irgendwie hatte ich doch mehr ein Best-Of-Programm erwartet als ein Set, wo ich lange Zeit kein einziges Stck richtig kenne. Und das als selbsternannter Fachmann des Monstermagneten. So kann man sich irren.
Nach etwa dem siebten Stck kndigt Dave Wyndorf in seiner typischen, immer leicht zynischen Art an, es gbe jetzt ein weiteres "Lullabye" fr das geneigte Publikum. Bevor es aber allzu schlfrig wird, gibt es im Zugabenteil dann endlich zwei alte Bekannte vom anfangs erwhnten Kracheralbum und zum Schluss natrlich den "Space Lord", auf den ja alle Motherfucker gewartet haben und der dementsprechend abgefeiert wird. Aber ich vermisse so manche Lieblinge, die mich frher in Rauschzustnde versetzt haben. "Powertrip", "Kiss Of The Scorpion", "See You In Hell", "I Control, I Fly" oder den Hawkwind-Burner "The Right Stuff", um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nun ja, Monster Magnet hat kein Grndermitglied mehr an Bord auer dem groen Pillenguru selber und der ist inzwischen clean, was wohl auch vernnftig ist, und leicht bergewichtig. Der Wahnsinn und die Magie und die nackten Puppen auf der Bhne sind somit Geschichte.
brig bleibt eine solide Vorstellung mit starken Momenten und ein freundliches Publikum, das lange nach Ende der Show noch das Wochenende feiert. Man mag mich fr einen Miesepeter halten, aber nach dem Konzert schwirrt mir das Lied "Die weien Tauben sind mde" vom ollen Knarzer Hans Hartz im Kopf herum. Auf der Heimfahrt trsten mich die wahnsinnigen, strmischen und beseelten Youngsters von den Black Space Riders. Die werde ich mir mal auf die Agenda schreiben. Besser ist das.





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