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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing CHTHONIC, FLESH JUICER, NOTHNEGAL
Ort Underground, Kln
Datum 23.12.2013
Autor Mario Korn
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Ich gebe zu, htte man mir vor ein paar Jahren erzhlt, dass eine meiner zuknftigen Lieblings- Black Metal Bands aus Taiwan kommen wrde, htte ich zumindest etwas irritiert dreingeschaut. Vielleicht ist es aber auch genau der Hauch von Exotik, der mich von Anfang an in den Bann gezogen hat. Das erste Mal berzeugte mich CHTHONIC am 16.12.2011 in der Essigfabrik Kln im Vorprogramm von Arch Enemy und das unter schwersten Soundbedingungen mit denen auch Arch Enemy an diesem Abend zu kmpfen hatte. Die Mischung aus extremem Metal und traditioneller Folklore ist mir in einer solchen Form seitdem bei keiner anderen Band mehr begegnet. Vor allem der Einsatz von landestypischen Instrumenten, wie der orientalischen Violine Er-Hu gibt der ganzen Sache einen unverkennbaren Klang. Folglich gab es fr mich am 23.12.2013 nur ein Ziel: Das Underground in Kln. Dort angekommen, zeichnete sich schon vor der Tr ab, dass es Chthonic seit ihrer Grndung 1997 trotz des vielen Tourens, zwei echt richtig guten Alben (2011 "Takasago Army" ,2013 -"B-Tik" ) und Auftritten auf groen Festivals wie "Wacken", immer noch nicht schaffen eine grere Fan Gemeinde zu ihren Konzerten in Deutschland zu locken. Am Ende werden das Konzert etwa 70 Gste verfolgt haben.


NOTHNEGAL

CHTHONIC Sehr pnktlich erffneten NOTHNEGAL den Abend. Und wieder versetzte mich das Herkunftsland einer Band ins Staunen. Die Jungs stammen von den Malediven. Da soll ein Mensch behaupten, dass Metal nicht weltweit verbindet. Ich dachte wirklich kurz darber nach mir ein T-Shirt von ihnen zuzulegen. Wer kann schon von sich behaupten, dass er ein T-Shirt einer maledivischen Metal Band besitzt? Bei uns in der Eifel sicher niemand... Leider berzeugten NOTHNEGAL auf der Bhne berhaupt nicht. Die Songs erinnerten mich ein wenig an alte Sepultura Stcke, die instrumental auch ganz gut vorgetragen waren, wenn auch leider nicht immer auf den Punkt. Was die Sache allerdings richtig schlimm macht, ist, dass die Songs gar nicht an alte Sepultura Stcke erinnern sollten/wollten, wie ich in meiner Recherche anschlieend ber die Band herausfand. Es sollte eigentlich nach Melodic Death la frhe Dark Tranquillity oder In Flames Stcke klingen, tat es aber im Gegensatz zu ihren offiziellen Videos nicht...berhaupt nicht! Das Ganze hatte wohl mehrere Grnde, einer davon war, dass der Keyboarder aus mir unbekannten Grnden nicht mit dabei war. Ein weiterer, dass der Gesang auf keiner Linie berzeugen konnte. Dazu kamen noch Gitarrensoli, die doch recht statisch und zu langsam vorgetragen waren. Schade -die Demos und Videos, die ich von ihnen im Netz gefunden habe, htten sicher live Anklang bei mir gefunden. Aber so? Da half es auch nichts, dass Kevin Talley (u.a. Ex-Dying Fetus und Chimaira) die Drums bediente. Auch er konnte es nicht raus reien. Zumindest nehme ich nach der Recherche ber die Band an, dass er es war. Allerdings wrde es, wenn er es nicht war, erklren warum die Band ziemliche Timing-Probleme hatte und sich fter mehr als irritiert ansah und sich gegenseitig die Einstze zeigen musste. So war auch der Tenor bei den Leuten mit denen ich mich nach dem Auftritt unterhalten habe.


CHTHONIC FLESH JUICER

"Leck die Katz !?" waren hingegen meine ersten Gedanken als Flesh Juicer mit ihrem brutalen Death Core die Bhnen erzittern lieen. Damit hatten viele Besucher inklusive mir nicht gerechnet. Brachial und przise hmmerten FLESH JUICER ihren aggressiven Sound und die Blastbeats in die Kpfe der Metal-Heads. Die Jungs um Frontmann Gigo Pro, die wie Chthonic ebenfalls aus Taiwan stammen, gaben ihr erstes Konzert in Deutschland. Nervositt war ihnen aufgrund dessen jedoch kaum anzumerken, obwohl es Gigo Pro immer wieder erwhnte. Gewhnungsbedrftig an dem Auftritt war jedoch, dass eben jener Gigo Pro sein Gesicht whrend des gesamten Konzerts unter einer Plastikmaske verbarg, die einen abgetrennten Schweinekopf mit Dreadlocks darstellte. Wenn er darunter die Augen verdrehte, sah das Ganze schon bizarr aus. Seine Growls und Screams htten sicher etwas tiefer sein knnen, passten aber. Dafr klangen seine aggressiven Pig Squeals echt richtig gut. Kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr solche Laute aus der Metzgerei eures Vertrauens hrt: LAUFT! Der Rest der Jungs sollte allerdings an ihren Bhnenoutfits arbeiten; so brav gekleidet mit ihren bunten Hemdchen wirkten sie doch gegenber ihrem Frontmann stark deplatziert, was aber ihr Knnen nicht im Geringsten beeinflusste. Auch wenn Giro Pro sicher das Energiebndel auf der Bhne ist, braucht sich der Rest der Band nicht zu verstecken. Mit guten Riffs und technisch meist einwandfrei legen sie ein gutes Grundgerst fr einen brutalen und gut gemachten Sound. So auch an diesem Tag. Sie machten ihre Aufgabe als Aufheizer sehr gut und das Publikum nahm es dankend an. Ist sicher nicht jedermanns Geschmack, auch nicht an diesem Abend, aber im Allgemeinen ein sehr solides Deutschland-Debt. "A new blood of Taiwanese extreme metal!" lese ich spter auf ihrer Facebook-Seite. Es lohnt sich sicher ihr Wirken weiter zu verfolgen.


CHTHONIC CHTHONIC CHTHONIC

CHTHONIC erffneten ihr Konzert mit dem Intro "Arising Armament" und dem folgenden Opener "Supreme Pain For The Tyrant" ihrer neuen Scheibe "B Tik". Bhnendesign und Kriegsbemalung waren dem neuen Album angepasst und wirkten stimmig - auch wenn fr die kleine Bhne im Underground etwas bertrieben. Der Sound war gut, aber zu meinem Bedauern klangen die ersten vier Stcke nicht so sauber, wie ich es mir erhofft hatte und sie hatten einige kleinere Timing Probleme. Irgendwie schafften es Chthonic jedoch trotz dieser Probleme die Zuschauer auf ihre fernstliche Extremreise mitzunehmen. Zum Glck wurde der Auftritt aber je lnger er dauerte auch immer sauberer und souverner. Freddy zeigte sich gesanglich in guter Form und machte seinem Job als Frontmann alle Ehre. Die Zuschauer dankten es ihm mit fliegenden Haaren und prsentierten der Band immer wieder ihre extra mitgebrachten taiwanesischen Flaggen. Chthonic gelang es auch dieses Mal wieder ihre Mischung aus fernstlichen Klngen und Metal auf einem technisch sehr hohen Niveau vorzutragen und das ohne es dabei an der ntigen Hrte vermissen zu lassen. In der zweiten Hlfte des Konzerts half das Spielen von "jungen" Klassikern wie Broken Jade und Takao es zu einem rundum gelungenen Konzert zu machen. Ein wenig schade fand ich, dass Freddy nur am Anfang bewies, dass er die Kunst des Spielens der Er-Hu beherrscht. Ansonsten wurde alles in dieser Richtung als Sample eingespielt. In Kln vor Arch Enemy hatte er das schon anders gezeigt, kann aber auch an den technischen Mglichkeiten bzw. Schwierigkeiten gelegen haben, dass sie darauf verzichtet haben. Der letzte Song "Defenders of B-Tik Palace" rundete ein gutes Konzert ab. Sehr positiv muss man auch erwhnen, dass Chthonic sich nach dem Konzert noch eine Menge Zeit fr ihre Fans genommen haben und geduldig wirklich jedem einzelnen Foto- und Autogrammwunsch nachkamen und ein paar Stze wechselten. Sehr sympathisch.



CHTHONIC

Es bleibt zu hoffen, dass sie fr ihre Mhe und das viele Touren (38 Konzerte in 40 Tagen wie Doris mir verriet) zuknftig mit mehr Zuschauern belohnt werden. Ein negativer Punkt bleibt noch zu erwhnen fr den allerdings die Bands nichts konnte, sondern fr den sich nur die mnnlichen Besucher des Konzerts verantwortlich zeigten. Liebe Mnner: Ja, Doris Yeh die Bassisten ist eine total se und hbsche Frau. Aber deshalb ist das noch lange kein Grund sie stndig und sobald sie auch nur einen Schritt auf der Bhne macht, mit dem Handy zu fotografieren und das Ganze mit Kommentaren zu versehen wie "Boah, geil! Ich habe nur ihre Titten fotografiert!" Nicht nur, dass es alle anderen strt, wenn permanent ein oder mehrere Handys die Sicht auf die Bhne versperren, aber es ist vor allem echt armselig und respektlos Doris gegenber, sie nur auf ihr Aussehen zu reduzieren. Denn die Dame kann tatschlich "auch" Bass spielen.

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