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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DIMMU BORGIR, HYPOCRISY, NORTHER
Ort Kln, Live Music Hall
Datum 21.10.2003
Autor Andre Kreuz
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Volles Haus, net bel! Das dachte ich so bei mir, als wir uns vom Eingang durch die ordentlich geflle Live Music Hall Richtung Theke bewegten - eher kmpften. Und da verweilten wir auch erst mal ein Weilchen/Bierchen, um uns ganz entspannt die erste Band des Abend anzutun, die schon fleiig ihr Set am runterroppen war: Norther. Ich fand die CD schon greulich und was die Jungspunde vorne auf der Bhne boten, war auch nicht grade berauschend, man merkte doch schon arg die noch mangelnde Live-Erfahrung der Band, auch wenn sich die Bass- und Gitarrenfront alle Mhe gab, halbwegs metallisch auszusehen. Was man vom Keyboarder nicht grade behaupten kann. Mann, Keyboarder haben auf Konzerten ja sowieso Hypocrisy - Klick! grundstzlich die Arschkarte gezogen, aber der Kerl... So was von gelangweilt. Der hat keine Miene verzogen, geschweige denn auch nur ansatzweise Bewegung gezeigt. Die Null wrde eher in so einen zusammen gecasteten Misthaufen passen, den man heutzutage dauernd um die Ohren gesch(m)issen bekommt! Aber was reg ich mich auf, war ja glcklicherweise schnell vorbei, so dass ich diesen billigen Children of Bodom Rip-Off nicht lange ertragen musste. Das Publikum war allerdings halbwegs gndig, und so gab es Beifall, der leicht ber der Gteklasse "Hflichkeitsapplaus" anzusiedeln war.
Hypocrisy, Peter - Klick! Nach einer angemessen langen Umbauphase enterte dann endlich der Grund meiner glorreichen Anwesenheit die Bretter: Hypocrisy. Und hier gab es dann auch direkt die erste berraschung des Abends, da die Schweden mit "Rosewell 47" gleich eine absolute Trumpfkarte zogen, immerhin muss das gute Stck sonst als Zugabe herhalten oder ist doch ganz weit hinten in der Setlist anzutreffen. Der Dreier, verstrkt durch den Gitarristen von Pain, gab sich wie immer professionell und bot eine gesunde Mischung aus schnellen und eher langsamen Stcken, wobei ich persnlich es lieber gesehen htte, wenn ein paar schnellere Rammen dabei gewesen wren, das knallt live einfach besser. Auf der flotten Seite standen Songs wie "Penetralia", "Killing Art", "Buried" und irgendwas von dem miesen "Catch 22"-Album, whrend die Hypocrisy, Mikael - Klick! atmosphrischen Momente mit Titeln wie "Fire in the Sky", "Fractured Millenium" (das sonst immer als Intro herhalten muss), "Apocalypse" und "The Final Chapter" gestellt wurden. Wobei ich mich grade bei letzterem Song immer wieder frage, was die Band selber und anscheinend auch das Publikum so toll daran finden. Ist nicht schlecht das Lied, aber Hypocrisy haben weit bessere Titel in ihrer Diskographie vorzuweisen, zum Beispiel htte ich gern "Osculum Obscenum" gehrt. Vom musikalische abgesehen war es auch interessant, sich einfach nur mal die Musiker selbst anzugucken: Whrend die Zeit an Mikael Hedlund scheinbar unbemerkt vorbei zieht, sah uns Peter "Lord of the Augenrings" Tgtgren wie immer ziemlich im Eimer aus. Drummer Lars Szke erinnerte dagegen permanent an ein schwergewichtiges Kind, das im Sandkasten mit Frmchen spielt. Er wirkte manchmal halt ziemlich unterbeschftigt, Hypocrisy, Lars - Klick! besonders bei den gemchlicheren Sachen. Und bevor ich's vergesse, Hypocrisy lieen sogar noch einen Vorgeschmack auf das kommende neue Studioalbum auf die ahnungslose (und im brigen nicht sonderlich agile) Menge los. Hab vergessen, wie das Lied hie, gefallen hat es mir jedenfalls nicht. Halt wieder recht langsam, aber dabei noch einen Tick progressiver, als zuletzt gewohnt, besonders was die Gitarrenarbeit angeht. Dazu noch mehr als seltsame, irgendwie arhythmische Breaks, aber vielleicht muss man sich da erst reinhren, warten wir's ab!
Und warten war genau das, was man noch dem Abgang von Peter & Co. machen durfte, immerhin musste die Bhne jetzt von Standart-Bse auf Ultra-Evil umgestaltet werden. Dazu hatte man wenige Stunden vorher kurzerhand den um die Ecke stehenden Klner Dom geplndert und dabei allerhand garstige Utensilien angeschleppt. Zwei umgedreht Holzkreuze im Hintergrund, vorne ein (ebenfalls kopfstehenden) Keltenkreuz und berall verteilt eine ganze Wagenladung Totenschdel. Alle echt. Wie die Titten von Britney Spears. Irgendwann verstummte schlielich die Slayer-Hintergrundbeschallung und wich einem pompsen und Dimmu Borgir, Shagrath - Klick! gnsehauterzeugenden Intro, das zu Teilen aus dem Soundtrack von "Independence Day" bestand. Das zusammen mit der wirklich grandiosen Lichtshow, bei der vor allem die beiden erwhnten Holzkreuze im dichten Nebel genial kamen, erzeugte die ntige Spannung und Dramatik, bevor Dimmu Borgir endlich aus ihren Lchern krochen und ohne Umschweife losbretterten. Hier fiel sofort der maximal mittelprchtige Sound auf, der den Norwegern von der Technik beschert wurde und sich im Laufe des Gigs leider auch nicht mehr ndern sollte. Dafr war es laut wie die Sau, so dass ich jetzt, da ich diese Zeile tippere, immernoch meine helle Freude daran habe... Sei's drum, der Rest vorne auf der Bhne stimmte, angefangen bei der Poserei, ber die technischen Fhigkeiten jedes einzelnen, bis hin zur Auswahl der Songs. Diese stammten zu groen Teilen vom aktuellen "Death Cult Armageddon"-Release, das ich, Dimmu Borgir, Galder - Klick! vorbereitet wie sich das gehrt, dummerweise immer noch nicht gehrt habe. Trotzdem war die Umsetzung gelungen und auch der hinter einem riesigen mit schwarzem Samt verhangenen Podest verborgene Keyboarder Mustis gab sein bestes, die Kompositionen livetauglich ohne Symphonieorchester in Szene zu setzen. Geil auch wie Simen bei Stcken wie "The Insight and the Catharsis" seinen klaren Gesang zum besten gab und damit bewies, dass er das nicht nur auf CD auf die Reihe bekommt. Nach "Tormentor of Christian Souls", "King of the Carnival Creation" und vielen anderen, verschwand Dimmu Borgir schlielich unter lauten Beifallsbekundungen von der Stage, nur um wenige Sekunden spter wieder fr mehrere Zugaben zurckzukommen, darunter "Spellbound (by the Devil)" und den beiden obligatorischen -weil geilen- Krachern "Stormblast" und natrlich "Mourning Palace". Besonders bei "Stormblast" bin ich doch ein ums andre Mal begeistert, um wie vieles heftiger das Stck live kommt, der Sound auf der gleichnamigen CD ist einfach zu sanft ausgefallen. Abschlieend bedankte sich die Band, darunter ein ganz un-evil grinsender Galder und das nicht minder strahlende Dimmu Borgir, Silenoz - Klick! Schlagzeug-Schwergewicht Nick "Uncle Fester" Barker, bei den Fans, und dann war Feierabend. Und irgendwie knnen Dimmu Borgir machen was die wollen, so richtig bse kommen sie einfach nicht rber, ich hab jedenfalls noch selten Prchen knutschen sehen, wenn vorne Spinath, pardon, Shagrath inbrnstig "Sataaaaaaaaaaaaaaaaaaaan" ins Mikro krakeelt... Aber die Musik sollte ja auch im Vordergrund stehen, und die kam beim doch recht jungen Publikum (darunter auch ein paar echt goldige Pandabrchen) verdammt gut an, auch wenn sich am ganzen Abend auf Teufel komm raus kein Pit bilden wollte und die Fans ingesamt eher zurckhaltend wirkten. Das kann aber auch am Klner Publikum an sich liegen, Kollege Rafael hatte ja krzlich hnliche Erfahrungen in der Live Music Hall gesammelt.
Dimmu Borgir, Simen - Klick! Fazit: Netter Konzertabend, der mich aber ehrlichgesagt nicht vom Hocker gerissen htte, htte ich denn auf einem gesessen. Beide Bands (Norther lassen wir mal ganz arrogant auen vor) hab ich schon mehrmals intensiver erleben drften, und ganz besonders bei Hypocrisy hab ich die Konzerte doch weitaus gemeingefhrlicher, was den Moshpit und die Reaktionen insgesamt angeht, in Erinnerung. Zudem war das bisschen Luft, was in der Halle zu spterer Stunde noch brig war, so dermaen stickig, dass man sie noch nicht mal mehr in Scheiben htte schneiden knnen, da wre schon 'ne Hilti ntig gewesen.

Fotos: Rafael Hofmann
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