Navigation
                
23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing THE DILLINGER ESCAPE PLAN, MAYBESHEWILL, THE HIRSCH EFFEKT
Ort Kln, Luxor
Datum 25.10.2013
Autor David Lang
>> Als E-Mail versenden

Dem Fluchtplan des Herrn Dillinger eilt in der musikalischen Parallelwelt der Ruf voraus, eine sehr extreme Liveband zu sein. "Agil" wrde den Musikern als Beschreibung bei weitem nicht gerecht, und es wird weder auf sich selbst, noch auf das Publikum, besonders das in den ersten Reihen, Rcksicht genommen.


MAYBESHEWILL Da ich die Band sehr mag und sie zudem noch auf meiner "must see"-Liste hatte, war ich geradezu entzckt, als sie im Rahmen der Tour zur neuen, groartigen Platte "One Of Us Is The Killer" Halt im quasi benachbarten Kln machte. Das Luxor schien mir zwar fr eine Band mit dieser Reputation etwas klein, doch stellte sich dies als Trugschluss heraus. "Kurz vor ausverkauft" hie es an der Kasse auf mein Nachfragen. Hat man wohl alles richtig gemacht. Alles? Nope, ein Konzert an einem Freitagabend um 18:30 beginnen zu lassen, halte ich fr ungeschickt.MAYBESHEWILL Da wre es meines Erachtens schlauer gewesen, das nachfolgende Partyprogramm etwas nach hinten zu legen; zumal ich im Nachhinein aus zuverlssigen Quellen erfahren durfte, das dies mies besucht war. THE HIRSCH EFFEKT fielen so meinen Primrbedrfnissen zum Opfer. Pizza statt Postpunk. Sorry, Jungs!

MAYBESHEWILL spielten im Anschluss, und die mir bis dato vllig unbekannten Amis hatten mich (und einen Groteil des Publikums) schnell im Sack. Hochmelodisch und geradezu hypnotisierend lieen sie ihren Soundteppich, erzeugt von zwei Gitarristen, einem Bassisten, einem Drummer, keinem Snger und, ganz wichtig, einem Keyboarder / Synthie-Mann durch den Club krachen. Kraftvoll und doch fragil wussten die Songs mich zu packen. Ich bewundere gerade solche Bands immer wieder, wenn sie es denn schaffen, den fr mich prinzipiell essentiellen Gesang, vergessen zu machen. Bei klarem, druckvollem Sound und annehmbarer Lautstrke heimste das sympathische Quintett dann verdientermaen auch weitaus mehr als Hflichkeitsapplaus ein.


THE DILLINGER ESCAPE PLAN THE DILLINGER ESCAPE PLAN Die Helden des Abends lieen anschlieend etwas auf sich warten. Etwas rgerlich, bedenkt man den frhen Zapfenstreich. Doch auch von einem arschlangen Semi-Intro lie sich das gierig wartende Luxor-Volk nicht aus der Ruhe bringen. Als das Quintett dann tatschlich irgendwann zu einer Epileptiker-unkompatiblen Lightshow die Bhne betritt und sofort mit dem heftigen "Prancer" angreift, ist die Menge vollends aus dem Huschen. Snger Greg Puciato schmeit sich nach den ersten Zeilen in die Menge und die feiert ihren Helden.

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie habe ich mir das Ganze heftiger, martialischer, ja, sogar gefhrlicher vorgestellt. Aber nichts; keine Toten, nicht mal Verletzte gab es whrend des rund 80 Minuten dauernden, akustischen Amoklaufs. Das Publikum war zwar ziemlich enthusiastisch und sang so ziemlich jeden der zumeist melodischen Refrains mit, doch einen heftigen Pit, den man, gerade mit der Spiegelreflex bewaffnet, besser meidet, konnte ich nicht ausmachen. Das soll auch keine richtige Kritik sein. Zum einen kann ich mit diesen ganzen Aggro-Pits absolut NICHTS anfangen und zum anderen, war es eine Wohltat relativ sicher mit meiner Kamera durch die Massen spazieren zu knnen. Lediglich mein Bild einer Dillinger Show war dahin.

THE DILLINGER ESCAPE PLAN Damit konnte ich letztlich aber gut leben. Die Band haute einen Knaller nach dem anderen raus und schien mchtig motiviert ans Werk zu gehen. Da fragte man sich zwischendurch schon, wie die das eine ganze Tour lang durchhalten knnen. Wie schon durchschimmerte legte man den Schwerpunkt auf die halbwegs nachvollziehbaren Songs, was bei einem Konzert dieser Dauer vermutlich auch die Freunde der gepflegten Kakophonie nicht ernsthaft gestrt haben drfte. "Black Bubblegum", "Nothing's Funny", "Gold Teeth On A Bum" oder der Titelsong des aktuellen Albums waren einfach nur zum Niederknien. Doch selbst hektisch-brutale Dampfhmmer wie das Hass-Monster "43% Burnt" zndeten bei den treu ergeben Fans, und derer schien es viele zu geben.

Der Sound war zwar meines Erachtens viel zu laut (ein Glck hatte ich meinen Gehrschutz mal nicht vergessen), doch abgesehen davon, machte es einfach riesigen Spa dem Set bei ansonsten gutem Sound und einer ziemlich tight agierenden Band beizuwohnen. Bei den Mike Patton-affineren Stellen lag Puciato zwar nicht immer ganz auf den Tnen, und besonders Gitarrist Ben Weinman scheiterte bei vereinzelten Backgroundgesngen klglich, doch ber das alles konnte man getrost hinweg sehen. Der Rest stimmte nmlich von vorn bis hinten. Dort, also hinten, spielte man zudem den Aphex Twin Klassiker "Come To Daddy", um die Fans nach einer, letztlich doch krftezehrenden Show in die Nacht zu entlassen. War definitiv eine Reise wert.

<< vorheriges Review
THE OCEAN, TIDES FROM NEBULA, SHINING, HACRIDE, ABRAHAM - Berlin, LIDO
nchstes Review >>
WACKEN OPEN AIR 2013 - Wacken


Zufällige Reviews