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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ORCHID, BLUES PILLS, SCORPION CHILD, ZODIAC
Ort Kln, Gebude 9
Datum 08.11.2013
Autor Roland Wohde
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Was fr ein Billing! Fr jeden der auch nur etwas mit klassischem Rock der Siebziger, Bluesrock oder Doom anfangen kann, drfte dieser Tourverbund, der gerade durch die Republik tingelt, fr feuchte Trume sorgen. Vier der angesagtesten und besten Vertreter ihrer Zunft spielen an diesem nasskalten Freitagabend im Klner Gebude 9. Umso erstaunter bin ich dass das Konzert im Vorfeld noch nicht ausverkauft ist. Dies ndert sich aber relativ bald nach dem offiziellen Einlass, denn es gibt reichlich Mutige, die noch ohne ein Ticket angereist sind, und im Nu ist die Htte voll.
ZODIAC Die Zeit zwischen Einlass und Konzertbeginn reicht gerade noch fr einen kleinen Einkauf an dem ppig bestckten Merchstand und fr die Versorgung mit einem kstlichen Kaltgetrnk.


ZODIAC

ZODIAC

Zodiac aus dem Mnsterland, die einige Besucher gar nicht auf dem Schirm hatten da die Band erst relativ spt fr diesen Konzertstopp angekndigt wurde, stehen pnktlich um halb acht auf der Bhne. Mit ihrem entspannten bluesgetrnkten klassischen Rock stimmen sie perfekt auf den Abend ein. Ein klein wenig schchtern wirken die Jungs noch zu Beginn, doch nachdem die Band erst einmal losgelegt hat, nutzt sie ihre 30 Minuten Spielzeit um eine eindrucksvolle Visitenkarte zu hinterlassen. Ihr feiner Groove, das beseelte Gitarrenspiel und der leicht rauchig bluesige Gesang, der leider ein Stck zu leise daher kommt, gefllt offensichtlich nicht nur mir. Nachdem nach nur drei Songs bereits die letzte Nummer angekndigt wird sieht man, kaum verwunderlich, etliche verwirrte Gesichter. Doch so bleibt der Band genug Zeit fr eine ausgiebige Version ihre Gnsehautnummer "Coming home", die mit zustzlichen Piano/Hammond Parts noch ein wenig ppiger ausfllt als auf dem grandiosen Debtalbum. Stark!



SCORPION CHILD

SCORPION CHILD

Bei einem Bier und einem kleinen Plausch vergeht die ohnehin kurze Pause bis zur nchsten Band wie im Fluge, und ich verpasse sogar die ersten Tne der aus Texas stammenden Scorpion Child. In puncto Bhnenenergie werden hier nun einige Schippen draufgelegt, und man wnscht der Band spontan mehr Platz um sich richtig austoben zu knnen. Auch vor der Bhne ist es nun richtig voll geworden. Die fnf Kerle aus den Staaten, jeder fr sich ein Unikat, geben mchtig Gas und leben ihren stark von Led Zeppelin beeinflussten siebziger Hardrock mit Posen (besonders David Finner), Bangen, Tanzen (besonders Shaun Avants) und Springen (besonders Aryn Jonathan Black) aus. Leider leidet die Show unter dem schlechtesten Sound des Abends der von unangenehmen Rckkopplungen begleitet wird und mit zunehmender Zeit auch die Band nervt. Sehr schade, denn die Songs sind vom Feinsten und es htte ein wahrer Triumph werden knnen. So bleibt aber in jedem Fall die Vorfreude auf den nchsten Gig der Band unter ein wenig besseren Umstnden.





BLUES PILLS BLUES PILLS BLUES PILLS

Der wirkliche Triumphzug des Abends folgt fr mich wirklich berraschend direkt im Anschluss. Denn was Blues Pills in der kargen Betonrumlichkeit des Gebude 9 nun fr eine Atmosphre zaubern ist unglaublich. Ihr von hart bis zart reichender Bluesrock, der die Anwesenden saubere 35-45 Jahre in der Zeit zurckbefrdert, wird von der souligen Stimme Elin Larsson's gekrnt, und auch optisch passt alles perfekt zur Musik. Eigentlich wrde man einer so extrem jungen Band kaum zutrauen solch einen Sound berhaupt zu kennen, geschweige denn ihn mit Leib und Seele verkrpern zu knnen. Doch genau das schaffen Blues Pills heute Abend mit solcher Leichtigkeit und Intensitt dass ich einfach nur staunen kann und die meterdicke Gnsehaut geniee, die mir immer wieder ber den Krper rollt. Klarer Dreh- und Angelpunkt des Bhnengeschehens ist die sympathische und hbsche Sngerin, die mit einer grandiosen Gesangsperformance glnzt und sichtlich in der Musik aufgeht. Mehr als beeindruckend ist auch das was der gerade mal 18(!) Jahre junge Dorrian Sorriaux ganz ohne groes Gehabe auf seiner Gitarre abliefert. Irre! Da luft man glatt Gefahr, das grandios groovende Rhythmusgespann bestehend aus den Bandgrndern Zack Anderson und Cory Berry zu bersehen. Der nicht nur fr mich klare Hhepunkt des Abends, was auch die lautstarke Forderung nach einer Zugabe zeigt, ber die sich die Band mehr als offensichtlich ehrlich freut. Grandios!



ORCHID
ORCHID

ORCHID So haben Orchid im Anschluss die nicht gerade leichte Aufgabe das Level zu halten bzw. zu toppen. Und ich muss sagen, nach meinem Empfinden schaffen sie es nicht. Ohne Frage bieten die Jungs aus San Francisco auch heute wieder einen guten Auftritt, aber die Intensitt der Show ist nicht so ergreifend wie zuvor bei Blues Pills. Nichts desto trotz ist die Stimmung im Publikum klasse, und die bunt gemischte Setlist, die der Tour entsprechend Material aus dem gesamten Schaffen der Band (inklusive der EPs) bietet, kommt gut an. Mittlerweile herrschen im Gebude 9 ordentliche Temperaturen und so ist es nicht verwunderlich, dass die gesamte Band bald schwitzt wie Hulle. Whrend Basser Keith Nickel tapfer seine Lederfransenweste anbehlt und Gitarrist M.T. Baker sein nasses Hemd am Leib klebt, entledigt sich Snger Theo Mindell bald seines Leibchens und absolviert den Rest des Gigs mit freiem Oberkrper. Wobei er vllig schweiberstrmt am Mikro hngend ein ums andere Mal ein grandioses Abbild des Madman in alten Zeiten abgibt. Seine Interaktion mit dem Publikum erscheint mir heute aber nicht so locker und entspannt wie sonst. Viel Zeit verbringt er bangend und mit dem Tamburin bewaffnet fr sich. Die geforderte Zugabe in Form von "Wizard Of War" wird vom Publikum zwar begierig aufgesogen, aber nicht mehr wirklich abgefeiert. Alles in allem also ein guter, aber nicht herausragender Gig der Doomrocker.




Ich kann es nur erneut wiederholen. Ein grandioses Billing, das fr wirklich kleines Geld jedem Freund handgemachter und ehrlicher Rockklnge einen klasse Abend beschert.
Also bewegt die staubigen rsche!




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