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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MAYFAIR
Ort Antiquariat Chybulski, Feldkirch
Datum 08.11.2013
Autor Alexander Meyer
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Vor ber 20 Jahren bin ich bereits einmal fr MAYFAIR ins Ausland gefahren, nmlich nach Basel, zu ihrer Show mit den Schweizern Xerxes. Heute bin ich Mitte 40 und immer noch bekloppt genug, um fr eine meiner Lieblingsbands ber 500 km zurckzulegen. Die sterreicher haben in ihre Heimatstadt Feldkirch zur Releaseparty ihres neuen Albums "Schlage, mein Herz, schlage..." eingeladen. Das Wiedersehen mit den beiden verbliebenen Grndungsmitgliedern Rene und Mario ist herzlich. Aus Brieffreunden sind mittlerweile Facebookfreunde geworden und am Ende des Tages kann man sogar von richtigen Freunden sprechen. Die beiden neuen Bandmitglieder Hannes und Jolly sind auch total sympathisch. berhaupt mutet die Veranstaltung mehr wie ein groes Familientreffen an. Das Chybulski ist eine Art Kulturscheune und so etwas wie der kulturelle Mittelpunkt Vorarlbergs. Der Nachmittag vergeht nach einer Hausfhrung durch Betreiber Wuff und den MAYFAIR-Soundcheck wie im Fluge. Am Abend gehen wir gemeinsam Essen und die Spannung steigt so langsam. Wrden Mayfair live bei mir immer noch die gleichen Emotionen hervorrufen wie vor zwei Dekaden?


MAYFAIR

MAYFAIR Als die Jungs um ca. 22 Uhr die kleine Bhne betreten und die ersten Tne von "Tric Trac" erklingen, tauche ich fr die nchsten anderthalb Stunden in die wunderbare Klangwelt von MAYFAIR ein und vergesse alles andere um mich herum. Der Song ist eine exzellente Wahl als Opener, da er die erste gemeinsame Komposition nach der Reunion war und das perfekte Bindeglied zwischen den alten und den neuen MAYFAIR darstellt. Nach dem ebenfalls recht gechillten "Firestorm" bejubeln die rund 150 Gste mit "Madame Pest" den ersten "Behind"-Track. Unglaublicherweise verblasst dieser Klassiker ob der Brachialitt des darauffolgenden Titelstcks der neuen Platte. Wie intensiv ist dieser Song bitteschn?! Man mchte am liebsten die Wnde hochlaufen, doch da wrde man bei den niedrigen Decken im Keller vom Chybulski eh nicht weit kommen. "Wwwrong" beruhigt die Gemter dann wieder ein wenig, bevor ein "Behind"-Triple, bestehend aus dem Titelstck, "Advanced In Years" und "Generation Isolated", den Schuppen in Schutt und Asche legt. Was fr ein emotionaler Overkill! Wie machen die das nur?! Irgendwie entsteht ein Spannungsfeld zwischen dem fast schon entrckt wirkenden Rene, der vllig in sich gekehrt seiner Gitarre diese hypnotisierenden Melodien entlockt und dem exaltierten Frontmann Mario, der mal flsternd, dann wieder wie von Sinnen schreiend seine Text ins Publikum schmettert. Bei der Rhythmusgruppe herrscht eine hnliche Polaritt. Da haben wir auf der einen Seite den technisch versierten Perfektionisten Hannes, der hochkonzentriert seine Basslines zupft und hinter der Schiebude sitzt Jolly mit einem Dauergrinsen, das gleichsam seine Spiel- und Lebensfreude widerspiegelt. Der Typ trgt seinen Spitznamen vllig zurecht! Mit "Last Spring", "Island" und "Der Abschied" wird es dann deutlich ruhiger, aber nicht weniger intensiv. Der atmosphrische bergang zwischen den beiden letztgenannten Stcken wirft die Frage auf, warum man das nicht auch auf dem Album so gemacht hat - einfach wunderschn! Mit "Waterproof" bringen MAYFAIR heute nur einen Track des "Fastest Trip To Cyber-Town"-Albums, allerdings auch den besten. Marios Ansage macht deutlich, dass der damalige Stilwechsel wohl in erster Linie auf Drngen der Plattenfirma zu Stande kam und auch Rene sagte mir im Vorfeld, dass er dieses Werk im Nachhinein nicht mehr so schtze. Umso schner, dass von "Die Flucht" noch das Titelstck und "One Night And A Dream" gebracht werden. Schade, dass man auf meine beiden Favoriten "Adam" und "Sunlight" verzichtet, aber am heutigen Abend wird nunmal das neue Epos vorgestellt, von dem bis auf "Du Allein" alle Stcke zum Zuge kommen. Gerade "Abendp_rno" und "Drei Jahre Zurck" bringen den Saal nochmal so richtig zum Kochen. Besonders der letztgenannte Song mag aus der Konserve zunchst etwas verstrend wirken, ist live aber der absolute Bringer und ein wrdiger Abschluss. Mario bedankt sich nochmals bei allen und die Band stt zur Feier des Tages mit einem guten Tropfen Rotwein an.


    Setlist: MAYFAIR
  • Tric Trac
  • FirestormMAYFAIR
  • Madame Pest
  • Schlage, mein Herz, schlage
  • Wwwrong
  • Behind
  • Advanced In Years
  • Generation Isolated
  • Last Spring
  • Island
  • Der Abschied
  • Bitter Or Sweet
  • One Night And A Dream
  • Waterproof
  • Abendp_rno
  • Die Flucht
  • Drei Jahre Zurck

Wer nun denkt, der Abend ist gelaufen und alle treten brav die Heimreise an, der sieht sich getuscht. Wie oben erwhnt, kennt hier jeder jeden und die Auswrtigen werden mit offenen Armen aufgenommen. Der Alkohol fliet in Strmen und man hat einen DJ engagiert, der einem mit Fates Warning, Warlord, Psychotic Waltz, Crimson Glory, Sanctuary. Savatage, Flotsam & Jetsam usw. den Verstand raubt, den man nicht schon beim vorangegangenen Konzert verloren hat. So gegen drei Uhr morgens muss ich meinem Alter Tribut zollen, die Party geht noch weiter. Am nchsten Morgen schaue ich mir noch das Stdtchen an, wo Samstags immer ein kleiner Markt stattfindet. Das ist hier alles sehr beschaulich, mit den Bergen rundherum. Etwas geschockt bin ich von den CD-Preisen, die im lokalen Musikladen bei ber 20 Euro liegen. Ich mache aus der Not eine Tugend und halte auf dem Rckweg bei Nuclear Blast an, um mich dort einzudecken. Was fr ein gelungenes Wochenende!




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