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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PARADISE LOST, LACUNA COIL, KATATONIA
Ort Essigfabrik, Kln
Datum 04.11.2013
Autor Jennifer Laux & Marco Klein, Fotos: Marco Klein
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Seit dem ich erfahren hatte, dass Paradise Lost auf groe Jubilumstour gehen werden, war mir klar, dass ein Konzertbesuch ein absolutes MUSS sein wrde. Diese Band hat mir mit Alben wie "Icon" oder "Draconian Times" eine glckliche Jugend bereitet und mich musikalisch mageblich beeinflusst. Zwar muss ich zugeben, das Interesse ab "Last Second" weitestgehend verloren zu haben - dafr wurde ich aber 2009 mit "Faith Divides Us" wieder vollends abgeholt. Back to the Roots war einfach eine echt gute Idee! Und Anfang November ist es dann endlich soweit: Die Begrnder des Gothic-Metal laden zur "Tragic Illusion 25th Anniversary-Tour mit nicht weniger groartigen Support-Bands ein: die Italo-Rocker Lacuna Coil sowie die schwedischen Dark-Metaller Katatonia. Erst einmal gilt es, sich durch Regen, Baustellen und Feierabendverkehr bis vor die Tore der Klner Essigfabrik zu kmpfen. Endlich dort angekommen, ist die Halle schon gut gefllt und die ersten dunklen Tne beginnen sich pnktlich um 19:30 Uhr aus den Boxen zu drcken. Rund 900 Besucher haben sich eingefunden, um 25 Jahre Musikgeschichte ordentlich abzufeiern.


Katatonia Katatonia

Katatonia Aber nicht nur Paradise Lost haben ein Jubilum zu feiern. Katatonias monumentales Werk "Viva Emptiness" ist nun auch schon 10 Jahre alt und wird daher, nach der frisch erledigten Re-Release, heute in voller Lnge zelebriert. Fr mich stellen Katatonia ohnehin eine der bedeutendsten Bands ihres Genres dar und ich muss zugeben, mich noch nie so sehr auf eine Vorband gefreut zu haben, wie heute Abend! Katatonia sind zwar nicht als die allerbeste Live-Band bekannt, aber da ich sie zuletzt vor einigen Jahren gesehen habe, begegne ich dem Ganzen recht vorurteilslos und mit hohen Erwartungen. Und diese werden nicht enttuscht - schon ab dem ersten Ton ist klar, dass es ein sehr guter Abend werden wird. Etwas leid tut es mir, dass die Jungs aufgrund von Platzproblemen durch den Backline-Aufbau der Hauptband samt Schlagzeug in einer Reihe aufgestellt sind, aber optisch ist das Ganze doch sehr ansprechend: Eine groe Beamer-Leinwand mit dem neuen Album-Cover der "Viva Emptiness" und vier hbsche Banner schmcken die Bhne und noch viel wichtiger: der Sound ist berraschend satt und transparent, was der komplexen Musik Katatonias sehr zu Gute kommt. Los geht es mit "Inside the City of Glass", eigentlich der letzte Song auf dem Album und zudem nun mit Lyrics versehen, ebenso berraschend, da dieses Stck ursprnglich ein reines Instrumental war. Laut Band-Homepage war der Text bereits 2003 im Gesprch, wurde jedoch erst auf der Jubilumsedition vervollstndigt. Der nun knapp 1,5 Minuten lngere Song gewinnt durch die Vokals von Snger Jonas "Lord Seth" Renkse noch mehr an Tiefe, wirklich groartig! Der Applaus hlt sich zwar am Anfang noch in Grenzen, aber das wird sich bald ndern. In umgekehrter Reihenfolge geht es dann auch weiter, als mit dem zweiten Song "Wait Outside" ein Re-Release-Bonus-Titel untergebracht wird. Katatonia bieten ihre Songs sehr souvern und mit viel Spielfreude dar. Das Experiment, ein komplettes Album live zu performen, war sicherlich etwas gewagt, aber durch die kleinen aber feinen nderungen und der umgekehrten Songreihenfolge kommt es aufregend neu daher und ist nicht nur aufgrund des guten Sounds ein wahrer Genuss. Nur eines hat sich wohl nicht gendert: Herr Renkse versteckt sich wie immer hinter seinem Lockenschopf. Whrend seine Bandkollegen gut Stimmung machen, bleibt er als Frontmann im Schlabberpulli weitestgehend unscheinbar. Ganz anders dagegen das Publikum, denn Katatonia wird nun nach jedem Song verdienterweise bejubelt und gefeiert. "One Year From Now", von Gitarrist Anders "Blakkheim" Nystrm sehr cool mit Bottleneck dargeboten, ist ein weiteres Highlight fr mich - ruhig und getragen und unendlich traurig. Auch seine Zweitstimme kommt gut zur Geltung und gliedert sich berzeugend in das Gesamtbild ein. Mit "Ghost Of The Sun" als Schlusslicht des Sets kommt dann auch ein echter Klassiker mit Gnsehautfaktor an den Start. Voller Einsatz, perfekt gespielt und ohne Ende fett! Das Publikum bernimmt inbrnstig das "Fucking Lie" im Refrain und verwandelt damit das Finale des Live-Sets in einen echten Hhepunkt. Diese Band wird von Jahr zu Jahr besser und ich werde mir mit Sicherheit den nchsten Live-Termin nicht entgehen lassen.

Setlist: Katatonia
  • Inside the City of Glass
  • Wait Outside
  • Omerta
  • Evidence
  • Complicity
  • Walking by a Wire
  • One Year from Now
  • Wealth
  • Burn the Remembrance
  • Will I Arrive
  • A Premonition
  • Criminals
  • Sleeper
  • Ghost of the Sun

Lacuna Coil Lacuna Coil

Lacuna Coil Jetzt gilt es fr Lacuna Coil noch einen draufzusetzen. Als Schlagzeuger Cristiano Mozzati als erster die Bhne betritt, um die Fans zu begren, ist schnell klar: hier hat jemand richtig Bock, heute Abend alles zu geben. Auch das Gesangsduo Andrea Ferro und die hbsche Cristina Scabbia geben von Anfang an richtig Gas und versprhen pure Energie und Spielfreude. Die Band macht in ihren schwarzen Worker-Einheits-Outfits mit rotem Kreuz und Logo auf dem Arm, Namensschildern mit lustigen Titeln wie "Maus" oder "Pizza" auf der Brust ein in sich geschlossenes Erscheinungsbild, was durch den passenden Beamerhintergrund abgerundet wird. Nach dem Opener lsst es sich Christina auch nicht nehmen, ihren Stolz darber auszusprechen, mit ihren Vorbildern Paradise Lost auf einer Bhne stehen zu drfen, sehr sympathisch! Sie hat generell immer ein Lcheln auf den Lippen und ist stimmlich sicher und sehr prsent. Ihr Gesangspartner Andrea ist zwar gesanglich auch berzeugend, seine Mimik und Krpersprache jedoch, erinnert teilweise an Hiphop, was etwas zu theatralisch bzw. berzogen wirkt. Zwischen den meist poppigen Geradeaus-Nummern, die aber richtig Laune machen, gibt es mit dem Song "Without Fear" auch eine schne Ballade, welche auer im Refrain in der Muttersprache der Band Italienisch gesungen wurde. Lacuna Coil liefern eine amtliche, routinierte Show ab, die vom Publikum entsprechend bejubelt wird. Band und Fans haben einen sehr guten Draht zu einander, das ist offensichtlich. Einer Perle wie der Katatonia-Show haben die Italiener allerdings nicht viel entgegenzusetzen. Aber vielleicht werden sie es auf der nchsten Tour, die Cristina Scabbia als Promotion fr das Anfang 2014 erscheinende neue Album ankndigt, eher verstehen, sich in den Vordergrund zu spielen.



Paradise Lost Paradise Lost

Paradise Lost Und dann ist es nach einer etwas zu langen Umbaupause um 22:20 Uhr soweit: Nick Holmes, Gregor Mackintosh, Aaron Aedy, Steve Edmondson und Adrian Erlandsson (seit 2009 als Schlagzeuger dabei) betreten die Bhne und erffnen direkt mit "Mortals Watch The Day", einem richtigen Hammer aus alten Tagen. Fr alle die es interessiert, habe ich in der weiter unten aufgefhrten Setlist neben dem Song noch das Album sowie Erscheinungsjahr aufgefhrt. 13 Studioalben sowie 2 Live-Alben in 25 Jahren knnen sich sehen bzw. hren lassen und bis auf das Album "Believe in Nothing" wird jeder Output mit mindestens einem Song reprsentiert. Aus dieser Songvielfalt auswhlen zu knnen ist einerseits ein Luxus, andererseits aber auch eine Brde... natrlich kann die Band nicht alles spielen und somit bleiben ersehnte Kracher wie z.B. "As I Die" leider auen vor. Paradise Lost machen optisch noch eine gute Figur, Greg fr mich ungewohnt mit langen Dreadlocks, weniger wild hingegen Nick mit Kurzhaarschnitt und Vollbart. Neben den mit Kreislogo versehenen Bannern unterstreicht die bereits bewehrte Beamerwand nun mit ansprechend gestalteten Videosequenzen passend zum jeweils angespielten Album das Bhnenbild. Wirklich schn gemacht. Leider muss aber an dieser Stelle erwhnt werden, dass der Sound nicht mit dem der Vorbands mithalten kann. Irgendwie ist das Ganze schon recht fett aber auch sehr matschig. Die Gitarren sind fr meinen Geschmack nicht differenziert genug und die Samples zu leise. Hinzu kommt, dass man Paradise Lost die Erfahrung der letzten 25 Jahre mit stetigen Auf und Abs in einer Mischung aus abgehangener Coolness, gelangweilter Lethargie und nur gelegentlichem Aufblitzen von Spielfreude schon anmerkt. Besonders Nick Holmes wirkt recht unnahbar und abgebrht. Damit hat die Kritik aber auch ein Ende - die Stimmung ist groartig und die Fans kommen voll auf ihre Kosten. Rund herum um mich nur glckselige Gesichter. So auch bei mir, als mit dem vierten Song doch tatschlich "Gothic" aus den Boxen drhnt. Auch hier waren die Samples leider zu leise - die Frauenstimme, die diesen Song zu dem macht, was er ist, ist zwar irgendwie zu erahnen, jedoch geht viel zu viel davon verloren. Dennoch fr mich einer der Hhepunkte des Abends! Gefolgt von "Enchantment", "Faith Divides Us" und "Tragic Idol" sind sptestens ab jetzt alle im akuten Paradise Lost-Fieber und die Hallen der Essigfarbik beben vom Applaus, Jubel und Fanchren. Nach "Say Just Words" und einer kleinen Pause folgen nun noch 4 weitere Songs, die mit "Rotten Misery" vom ersten offiziellen Longplayer "Lost Paradise" erffnet wird. Nick growlt hierzu auch wie in alten Tagen und das Ganze wirkt durchaus glaubhaft - sehr geil! Mit "True Belief" gibt es dann endgltig kein Halten mehr, die Stimmung ist wirklich groartig. Apropos feiern, Nick verkndet in einer Ansage, dass er schon wisse, es sei Montagabend und das Publikum solle Klatschen, als sei es ein Samstag Abend... den Fans kann man nun aber wirklich keine Schlfrigkeit vorwerfen, die sind allesamt vllig aus dem Huschen. Von den Herren auf der Bhne htte jedoch ein bisschen mehr Euphorie kommen knnen, wie ich finde. "Over The Madness" bildet nun das Ende der kurzweiligen Show, die einiges zu bieten hatte und sogar den harten Jungs so manche Trne in die Augen zaubert.

Setlist: Paradise Lost
  • Mortals Watch The Day (Shades Of God, 1992)
  • Paradise Lost
  • So Much Is Lost (Host, 1999)
  • Remembrance (Icon, 1993)
  • Gothic (vom gleichnamigen Album aus 1991)
  • Enchantment (Draconian Times, 1995)
  • Faith Divides Us - Death Unites Us (vom gleichnamigen Album aus 2009)
  • Tragic Idol (vom gleichnamigen Album aus 2012)
  • Never For The Damned (In Requiem, 2007)
  • Isolate (Symbol of Life, 2002)
  • Say Just Words (One Second, 1997)

  • Rotting Misery (Lost Paradise, 1990)
  • One Second (One Second, 1997)
  • True Belief (Icon, 1993)
  • Over The Madness (Paradise Lost, 2005)

Fazit: Ein wundervoller Abend in einer sehr schnen Location mit drei hochkartigen Bands geht zu Ende. Katatonia haben sich von ihrer besten Seite gezeigt, Lacuna Coil mit ihrer Spielfreude und guter Laune die Hallen zum Beben gebracht und Paradise Lost ihr 25jhriges Bandbestehen mit einer berraschenden Songauswahl wrdig prsentiert. Auch wenn ich mir gerade von Paradise Lost noch ein wenig mehr Feierstimmung und vor allem besseren Sound gewnscht htte, bin ich sehr glcklich dabei gewesen zu sein und wieder voller Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Ich bin sehr gespannt auf das, was uns alle drei Bands in Zukunft noch bescheren werden.





Katatonia Lacuna Coil Paradise Lost

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Paradise Lost
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