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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing QUEENSRYCHE, ALPHA TIGER, GLORYFUL
Ort Neue Stadthalle, Langen
Datum 30.10.2013
Autor Alexander Meyer
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Nach der unwrdigen Schlammschlacht, die sich Geoff Tate und seine ehemaligen QR-Mitstreiter lieferten und in Sachen Namensrechte immer noch liefern, lassen Scott Rockenfield und Co. endlich wieder die Musik sprechen. Mit dem neuen, selbstbetitelten Album hat man ein brenstarkes Comeback gefeiert (zumindest fr mich waren Queensryche nach "Promised Land" gestorben) und die ersten Shows mit Neusnger Todd La Torre, z.B. auf dem "Rock Hard"-Festival, lieen aufhorchen. Daher fahre ich voller Vorfreude ins hessiche Langen. Ich bin zum ersten Mal in der Stadthalle, die sich als richtiges Schmuckkstchen prsentiert. Da der Zuschauerschnitt der laufenden QR-Tour bei ca. 400 zahlenden Gsten liegt, hat man die Hallenflche halbiert. Tja, da scheinen sich doch viele der alten Fans von den ehemaligen Megasellern abgewendet zu haben. Diejenigen, die heute hier sind, werden dies jedoch nicht bereuen, soviel sei jetzt schon gesagt.


GLORYFUL ALPHA TIGER

Zunchst mssen aber alle die erste Vorband GLORYFUL ber sich ergehen lassen. Wer hat sich eigentlich den Bandnamen ausgedacht? Das ist Denglisch fr Fortgeschrittene! Rein musikalisch ist der wenig glorreiche True Metal a la Hammerfall, den sich das Quintett auf die Fahnen geschrieben hat, ja noch ertrglich. Optisch kommen einem allerdings die Trnen ob der dmlichen Kopfbedeckungen der beiden Gitarristen (Baseballcap und Bandana) und des Sngers (Kopfsocke). Zudem hat Letzterer stimmlich gravierende Probleme. Wenigstens die Rhythmussektion ist auf der Hhe und hlt den Laden einigermaen zusammen. Auerdem liegt man mit der supersen und supernetten Merchandiserin wenigstens am Verkaufsstand ganz weit vorne.


Da stellen ALPHA TIGER schon eine ganz andere Hausnummer dar und zeigen wie teutonischer Metal klingen und aussehen kann. Den Chemnitzern ist anzumerken, dass sie sich in den letzten beiden Jahren live den Arsch abgespielt haben. Ihr Stageacting ist einerseits routiniert und die ein oder andere Pose wirkt ein wenig einstudiert, andererseits ist man mit viel Emotionalitt und Herzblut bei der Sache. Besonders Gitarrist Alexander Backasch pflgt wie ein Derwisch ber die Bretter und singt fast die kompletten Songtexte aus voller Brust mit. Dabei rifft und soliert er gemeinsam mit Partner Peter Langforth gekonnt und souvern mit deutlichem Maiden-Einschlag. Mit Stephan Dietrich hat man zudem einen Snger, der in den hohen Tonlagen in Deutschland seines Gleichen sucht und dazu noch ein sympathischer Frontmann ist. Gleich mehrfach betont er, wie glcklich man ist, im Vorprogramm von Queensryche spielen zu drfen. AT haben zu diesem Anlass ihre Setlist angepasst und spielen mit "Crecent Moon", das normalerweise nicht in ihrer Setliste auftaucht, den ruhigsten und lngsten Track ihres aktuellen Albums "Beneath The Surface". Die mittlerweile recht gut gefllte Halle ist nun jedenfalls bestens fr den Headliner aufgewrmt und Alpha Tiger drften einige neue Mitglieder in ihren Tiger(enten)club begren drfen.


ber die Setliste von QUEENSRYCHE rankten sich schon im Vorfeld wahre Mythen und es war klar, dass man mit "Queen Of The Reich" einsteigen wrde. Als es dann allerdings so weit ist, setzt bei mir eine solche Euphorie ein, dass mein Herz zu rasen beginnt. Es laufen Filme meiner Jugend vor meinem inneren Auge ab, wie ich das Video zu dem Stck immer und wieder anschaue, bis die VHS-Kassette irgendwann den Geist aufgibt. "Queen Of The Reich" ist fr mich bis heute der Inbegriff des perfekten Metalsongs und die Band bringt diesen Klassiker so brillant rber, dass man sich in der Tat fhlt, als htte man eine Zeitreise angetreten. Aber auf der Bhne steht nicht der junge Geoff Tate, der stimmlich schon ewig nicht mehr auf der Hhe ist, sondern Todd La Torre, der singt wie ein junger Gott. Nun bietet der QR-Backkatalog nun wirklich reichlich Fallstricke und Stolpersteine fr einen Vokalisten, aber Todd nimmt sie im Laufe des Abends alle mit Bravour. Als er beispielsweise die Bridge von "Child Of Fire" intoniert, bleibt mir echt die Spucke weg. QUEENSRYCHE QUEENSRYCHE Die Songauswahl knnte kaum besser sein. Man konzentriert sich auf das Gtterwerk "The Warning", das bis auf "No Sanctuary", "Deliverance" und "Before The Storm" in Gnze dargeboten wird. Insbesondere "Roads To Madness", "En Force" und der traditionelle Abschluss einer jeden QR-Show "Take Hold Of The Flame" sind die absoluten Highlights des Abends. Natrlich kommen auch "Operation: Mindcrime", "Rage For Order" und "Empire" zum Zuge, wobei ein Song wie "Jet City Woman" - eine der Hitsingles in der Bandhistorie - fast wie ein Fremdkrper wirkt. Machwerke jngeren Datums werden erst gar nicht bemht. Man merkt berdeutlich, dass sich die Band auch beim neuen Material viel strker an ihrem Frhwerk orientiert, denn "Where Dreams Go To Die", "A World Without" und "Fallout" intergrieren sich nahtlos ins Set. Und was machen die alten Herren? Scott Rockenfield ist nach wie vor einer der besten Drummer im Rockcircus; Michael Wilton ist so brillant und gleichzeitig unprtensis wie eh und je; lediglich Eddie Jackson ist sehr in die Jahre gekommen und wirkt fast ein wenig lethargisch. Ach ja, da ist ja noch Parker Lundgren, der sogar bei der Bandvorstellung ausgelassen wird und der optisch viel besser zu Avenged Sevenfold passen wrde. Aber fr das QR-Material braucht man halt einen zweiten Gitarristen und Chris DeGarmo ist nunmal nicht mehr verfgbar. Gleichwohl scheint Parker voll integriert zu sein, da er sogar das Gitarrensolo mit Meister Wilton zweistimmig vortragen darf. Allerdings htte ich lieber ein Schlagzeugsolo von Scott erlebt, aber das Leben ist nunmal kein Wunschkonzert. Dies wird mir schmerzhaft bewusst, als ich im Fotograben Bilder fr diesen Bericht machen will, um zu erfahren, dass Queensryche das Betreten des Fotograbens untersagt haben. Da hilft mir auch der tolle Fotoausweis nix. Was soll`s, dann mache ich halt nur ein paar Schnappschsse und suche ich mir eine Position in der Mitte, von der aus ich den grandiosen Sound so richtig genieen kann. Dazu trgt mit Sicherheit auch die gnstige Akustik der Stadthalle bei, die ich knftig sicher hufiger besuchen werde.


    Setlist: QUEENSRYCHE
  • Queen Of The Reich
  • Speak
  • Walk In The ShadowsQUEENSRYCHE
  • The Whisper
  • En Force
  • Child Of Fire
  • Warning
  • X2
  • Where Dreams Go To Die
  • A World Without
  • The Needle Lies
  • NM 156
  • Roads To Madness
  • Fallout
  • My Empty Room
  • Eyes Of A Stranger
  • Empire
  • Jet City Woman
  • Take Hold Of The Flame

Nach dem Konzert sind sich alle einig, dass uns die neuen Queensryche in dieser Form noch viel Freude machen werden. Es bleibt abzuwarten, ob man unter diesem Namen weitermachen darf und wird. Falls nicht, hat Kollege Jens schon ein paar super Namensideen entwickelt, von denen mir Queen of the Ryche am besten gefllt. Aber egal, Hauptsache die nun eingeschlagene musikalische Linie wird beibehalten und der Schlingerkurs der letzten Jahre hat endlich ein Ende.

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