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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing IX. AMPHI-FESTIVAL 2013
Ort Kln, Tanzbrunnen
Datum 20.+21.07.2013
Autor Jennifer Laux, Fotos: Jennifer Laux & Marco Klein
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Bereits zum neunten Mal lockte der Tanzbrunnen in Kln-Deutz mehr als 16.000 Besucher aus ber 30 Nationen zum beliebten Amphi-Festival. Status zum fnften Mal in Folge: Ausverkauft. ber 40 Acts prsentierten sich auf drei Bhnen. Von Rock ber Elektronik bis hin zu mittelalterlichen Klngen war alles vertreten und somit fr jeden Geschmack etwas dabei. Whrend sich das Staatenhaus eher auf EBM-lastige Acts konzentrierte, fanden die rockigeren Klnge eher auf der Mainstage Anklang. Auch im gut klimatisierten Theater fanden Lesungen, Acoustic-Konzerte und Djs groen Andrang. Wem die zwei Festivaltage nicht ausreichten, konnte sich bereits freitags mit der traditionellen Pre-Party im Alten Wartesaal und dem Erffnungsevent "Call The Ship To Port" auf der MS Rheinenergie bei schnstem Wetter einstimmen. 1111 Gothic-Begeisterte feierten an Bord von Europas grtem Binnenschiff eine unvergessliche Rhein-Rundfahrt mit exklusiven Konzerten von WELLE:ERDBALL, CLASSIC & DEPESCHE und COVENANT. Ein wirkliches Highlight. Das Publikum wieder bunt gemischt und teilweise eine wirkliche Augenweide, wenn auch die liebevoll geschminkten Gesichter sich bei den hohen Temperaturen zu verlaufen drohten. Viele Outfits waren den Wetterverhltnissen angepasst, obwohl man stellenweise das Gefhl hatte, das jeder Gramm Stoff auf der Haut zu viel war. Bevor wir uns nach Kln aufmachten, stieg ich aus der Dusche, machte mich zurecht, da htte ich mich gleich schon wieder eiskalt abbrausen knnen. Jedes noch so kleine Wlkchen, das sich am Himmel auftat, war eine Erleichterung und spendete wohltuenden Schatten. Ansonsten war man auf dem Gelnde oft damit beschftigt, ein Pltzchen zu finden, dass einem etwas Khle verschaffte. Perfekt wre da natrlich die Schatten spendenden Pilze, unter denen die Besucher vor der Hauptbhne Schutz vor der Sonne suchten. Entgegen aller Vorurteile konnten andere gar nicht genug Sonne tanken und machten es sich mit einem Cocktail in einer Liege am Strand gemtlich. Mit Sicht auf Dom und Rhein kam da wirklich Urlaubsfeeling auf.


Samstag

Mit Anmoderation von Mark Benecke, mittlerweile stetiges Inventar des Amphi, startete Punkt zwlf auf der Hauptbhne der erste Festivaltag mit den rockigen Klngen von A LIFE [DIVIDED], die bereits im Vorjahr schon mit ihrer Show berzeugten und das Festival erffnen durften. Im Staatenhaus machten FABRIK C und XOTOX derweil die Bhne unsicher.


SOLITARY EXPERIMENTS STAHLMANN

Kurz vor eins strmten die Jungs von STAHLMANN die Bhne und begeisterten den mittlerweile schon groen Fanandrang mit einer gelungenen und energiegeladenen Show. "Schwarz" und "Stahlwittchen" heizten dem schwarzen Volk ordentlich ein. Die "Silberinge" gaben mit ihrer neuen deutschen Hrte einen gelungen Tritt in den Festivalsamstag. Die vier Kerle waren voll und ganz bei der Sache und rockten was das Zeug hielt. Snger Mart agierte mit den Zuschauern, die sichtlich Spa daran hatten, mit der Band zusammen "die Wurst vom Brtchen zu ziehen".

SOLITARY EXPERIMENTS SOLITARY EXPERIMENTS

Weiter ging es auf der Mainstage, auf der sich um 13.50 Uhr vier rot-schwarz gekleidete Damen als Imitation der original SOLITARY EXPERIMENTS Band-Besetzung einfanden und einfach mal so taten, als spielten sie die Instrumente. Die Vocals des Sngers kamen beim ersten Song aus dem Off, dazu fragende Gesichter aus den Fanreihen. Beim zweiten Song tauchte dann auch die "wahre Band" auf und brachte die Meute mchtig in Stimmung.



FADERHEAD

Im Staatenhaus animierten FADERHEAD ihre Fans ab halb drei mit Leinwand-Countdown zum Tanzen. In einem Meer von Boxen und MacBooks fand sich die Formation wieder. Das Quartett, einschlielich Mastermind Sami Mark Yahya, verstand es, die Massen ordentlich einzuheizen und animierten sie bis in die letzte Ecke. Nicht nur die Wodkaflasche, die die Jungs untereinander leerten trieb die Laune in die Hhe, nein, man merkte ihnen einfach von der ersten Sekunde an, welchen Spa sie da oben hatten und das transportierten sie auch bis zum Schluss. Sowohl neue Songs als auch Klassiker wie "Dirtygrrrls Dirtybois" durften nicht fehlen und verhalfen zu einem gelungenen Auftritt.


DUNKELSCHN WESSELSKY

Gegen drei stand dann ein bekanntes Gesicht im Rampenlicht der Hauptbhne: Frontmann der Band EISBRECHER, Alex WESSELSKY himself, der sich anlsslich seines 44. Geburtstages wnschte, alte Songs noch einmal live zu performen. Gesagt, getan. Das Amphi bot ihm diese Mglichkeit, und die Zuhrer fanden mehr als Gefallen an diesen rockigen Tnen. Seris, im dunklen Anzug, rotem Hemd und mit Fliege bekleidet, gab er sichtlich motiviert unter anderem Klassiker von MEGAHERZ zum Besten. Sympathisch und authentisch, dass Alex dazu stand, einige der Texte nicht mehr auf dem Schirm zu haben und sich rein gar nicht schmte, dass Assistent Dodo hier und da mal untersttzend wirken musste. Das Duett mit SCHNGEIST-Snger Timur untermalte dies noch mehr... angenehme Atmosphre, Daumen hoch dafr!



DUNKELSCHN DUNKELSCHN

Eine schne Abkhlung verschaffte am Nachmittag das Theater. Der gut klimatisierte Raum mit seinen Sitzpltzen, bot um 15 Uhr eine beruhigende Atmosphre, abgeschirmt vom Trubel des brigen Gelndes, mit den akustischen Klngen der Band "DUNKELSCHN". berwiegend sprliches, gedmpftes Licht und Efeuranken zauberten eine romantische Atmosphre. Leider wurde der Auftritt durch einen schlechten Sound getrbt. Der zustndige Mixer schien die Instrumentierung nicht richtig in den Griff zu bekommen, was sehr schade war. Anfangs stand ein lautes Boxengebrumme im Vordergrund, das zum Glck wieder behoben werden konnte. Eingeleitet von Vogelgezwitscher und Harfe, betraten die Musiker nach und nach mit ihren Instrumenten einsetzend, die Bhne. Harfe, Streicher, Flte, Gitarre... nach dem ersten Instrumentalstck kam dann auch Sngerin Vanessa zum Einsatz, deren Stimme leider wegen dem schlechten Mix total unterging. Whrend der ganzen Songs griff die Sngerin immer wieder in ihren am Mikrofon angebrachten "Fltenkorb" um Melodien zu untermalen. Im Gesamten ein wunderschnes und angenehmes Konzept, getrbt durch einen miesen Sound.



TANZWUT TANZWUT TANZWUT

Schnell zurck zum zentralen Ort des Musikgeschehens, und zu den TANZWTIGEN. Schon mit den ersten angespielten Tnen gab es ordentlich Zunder: Hpfend und kreischend erwiderten die gut gelaunten Fans die energiegeladene Musik. Obwohl gleich zu Beginn das Gesangsmikro versagte, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Snger Teufel ging gelassen damit um, bis der Fehler behoben war (Drei oder vier Mikros wanderten duz durch seine Hnde). Bei "Bitte, Bitte" tobte die Menge und war nicht mehr zu bndigen. TANZWUT verstehen einfach, wie sie alle in ihren Bann ziehen. Sie rockten mit ihren mittelalterlichen Klngen, was das Zeug hielt. Eine Show, die richtig Spa gemacht hat und fr einen Moment die unertrgliche Hitze vergessen lie. Whrend des Auftritts verwiesen sie natrlich auf ihrer gerade neu erschienene Single "Das Gercht", die sie auch im Remix mit HELDMASCHINE auf den Markt gebracht haben. Starker Song.





AGONOIZE AGONOIZE

AGONOIZE Was fr eine Sauerei! Man htte die Fotografen, die direkt vor der Bhne standen vielleicht vorher mal warnen sollen, dass ihr Equipment unter Umstnden in Kunstblut versinkt. Frage mich nur, wer fr einen eventuellen Schaden aufgekommen wre. Auch etwas fraglich, ob eine so blutrnstige Show nachmittags um halb sechs angepasst ist? Die ersten Reihen des Publikums sahen aus, wie einmal durch den Fleischwolf gedreht, wir Fotografen nicht weniger schlimm. Wer AGONOIZE kennt, wei um ihre grenzwertige Show, aber um halb sechs htte man das wohl besser in einer abgespeckteren Version zelebriert. Ansonsten kam der Aggro-Tech der Berliner gekonnt daher, die Anhnger hatten sichtlich Spa. Chris L. verstand es, die Aggressionen mit Gestik, Mimik und auch stimmlich eindrucksvoll an den Mann zu bringen. Der Coversong "Fight For Your Right", im Original von den Beastie Boys, wurde interessant umgesetzt und mit blutroten Pyros in Szene gesetzt. So lieen die "Agonoize-Boys" kein Tanzbein mehr still stehen und der Snger stand auch im stndigen Kontakt mit dem Publikum.


ROME

Schauderhaft schn wurde es wieder im Theater mit der Luxemburger Formation ROME. Ein wahrer Zauber entfaltete sich in dem Raum. Dster-melancholischer Folk Noir, durchwebt mit ungeheurer Dramatik, schickte das Publikum in andere Sphren. Jrme Reuter und seinen Mitmusiker wissen was sie tun. Die Klnge zogen einen in den Bann, und man wollte ihr auch nicht mehr entfliehen. Eine mehr als kunstvolle musikalische Darbietung von einer grandiosen Band in einem tollen Ambiente. Wie heit es von der Truppe so schn? "Make Art Not War".


PHILIPP BOA AND THE VOODOO-CLUB PHILIP BOA AND THE VOODOO-CLUB

Im Anschluss daran konnte man mit der Independent-Band PHILIP BOA AND THE VOODOO-CLUB erst einmal schn runterfahren und durchatmen. Eine ruhige und entspannte Atmosphre legte sich ber den Tanzbrunnen. Viele Festival-Besucher hatten sich versammelt und wurden von der ersten Sekunde gecatcht, sangen jeden Refrain mit voller Inbrunst mit.
Ein Moshpit wurde erffnet, was die Stimmung noch mal ordentlich puschte. Die Mimik des BOAs, der sich edel in schwarzem Anzug, weiem Hemd und Krawatte prsentierte, war whrend des Auftritts eher verhalten, man konnte ihm nur selten ein Lcheln entlocken, doch die musikalische Mischung aus Punk und New Wave funktioniert, um die Stimmung auf einem guten Level zu halten. Schn anzuhren war auch die gesangliche Untersttzung von Pia Lund, die mit der Sanftheit ihrer Stimme den Songs eine emotionale Flle gab. Der Hit "Container Love" durfte natrlich nicht fehlen und kam unglaublich gut an. Mit "Kill Your Ideals" verabschiedete sich der Dortmunder um kurz nach 20 Uhr mit seiner Crew.




VNV NATION VNV NATION

VNV NATION Ehe man sich versah, stand auch schon der Headliner um 20.35 Uhr auf der Bhne. Die Zeit verging wie im Fluge. Mit dem bekannten Song "Chrome" erffneten VNV Nation ihre Show und hatten damit gleich alle Zuhrer auf ihrer Seite. Der Platz vor der Mainstage schien aus allen Nhten zu platzen, aber alle Gesichter in die man so schaute, strahlten Freude aus. Mit "We Fuckin Love You, People" begrte der auerordentlich sympathische Ronan Harris die Besucher. Zwischendurch driftet er bei der Ansage aus Versehen ins Deutsche ab: "Seid ihr gut drauf, oder seid ihr gut drauf?", interessierte er sich fr das Befinden seiner Anhnger und lenkte sofort mit "Oh sorry, in English", ein. "Are you horny, or are you horny?". Gute Laune pur, die Ronan da whrend des ganzen Gigs versprhte. VNV Nation punkteten mit ihren eingngigen Melodien und den gut tanzbaren elektronischen Klngen. Bei dem Song "Illusion" wurde es mit einem Mal ganz ruhig und Gnsehaut machte sich trotz der immer noch andauernden Hitze breit. Die Meute war bis in die letzten Reihen sichtlich begeistert und huldigte der Band mit tosendem Applaus bis zum Bhnenabgang.

    Setlist:
  • Chrome
  • Space & Time
  • Control
  • Epicentre
  • Nova
  • Perpetual

ALIEN SEX FIEND
TANZWUT

Als Schmankerl obendrauf und zum Abschluss des ersten Festivaltages durfte die "Kultband mit legendren Auftritten" ALIEN SEX FIEND im Staatenhaus nicht fehlen. In Massen strmten die Gothics in die Halle um sich mit einer 15-minten Verzgerung um ca. 23.35 Uhr selbst davon zu berzeugen. Die groe Fangemeinde staunte nicht schlecht, als Nik Fiend sich wie ein Roboter zum psychedelischen Sound bewegte. Selbst eine Plastikbanane wurde zum "Pferd" umfunktioniert. Das Bhnenbild war von aufgespieten und herabhngenden Kpfen geprgt, der Torso einer weiblichen Schaufensterpuppe, war mit Worten beschmiert, ihr Haupt mit Ngeln durchstochen. Ganz schn spooky und skurril aber passend zum ganzen Flair. Die gespielten Songs hatte alle gefhlte berlge. Aufgrund der begrenzten Spielzeit gab es deshalb nicht all zu viele zu hren. Sehr schrg die Truppe mit ihrer Prsenz, aber mit auergewhnlichem Charakter und dadurch einfach faszinierend speziell.

    Setlist:
  • Amnesia
  • Mad Daddy Drives a U.F.O.
  • E.S.T. (Trip to the Moon)
  • Ignore The Machine
  • Hurricane Fighter Plane
  • Attack!!!
  • Now I'm Feeling Zombiefied
  • Dance Of The Dead
  • I Walk The Line
  • Smells Like...

Wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte sich bis in die Morgenstunden hinein auf der alljhrlichen Aftershow-Party noch die Seele aus dem Leib tanzen und diversen DJs wie DJ GILLIAN, DJ DARK WANDERER und RONAN HARRIS lauschen. Wir dagegen hatten genug, waren ausgepowert und geschafft von der Hitze. Als Betthupferl gab es dann noch ein Essen mit Freunden bei Vapiano mit italienischer Pasta. Gestrkt schlenderten wir dann in unser Hotel und fielen gesttigt und todmde ins Bett.



Sonntag

Wie der vorherige Tag endete, begann der Neue: Die Wrme im Zimmer konnte man schon beim Aufwachen spren. Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten mich wach und so mde ich eigentlich noch war, so schnell motivierte mich das Wetter rasch aufzustehen und den Tag mit einem reichhaltigen Frhstck im Gnnewig Hotel Stadtpalais zu genieen. Wenn das mal kein guter Start in den Tag war. Kaum wieder auf dem Festivalgelnde angekommen, fhlte man sich jedoch schon wieder, als sei man kurz vor dem Zerflieen. Zwischenzeitlich kam mir schon mal der Gedanke in einen Bikini zu schlpfen, einen riesengroen Sonnenschirm (in schwarz natrlich) neben die Liege am Strand zu stellen, einen khlen Cocktail zu genieen und mit einem Satz ins khle Nass zu hpfen ... [X]-RX aber erstens war der Strand uerst schnell ziemlich voll und kein Platz mehr zu haben, zweitens hatte ich ja einen Job zu erledigen und drittens htte mich der ein oder andere sicherlich etwas entgeistert angeschaut. Was soll's?! Auf ging es in den Kampf und im Gleichschritt zur Mainstage.



[X]-RX

So frh am Tag und doch schon voller Adrenalin, animierte das Industrial-Projekt[X]-RX aus Kln zur Mittagszeit das schon gut gelaunte und tanzwtige Publikum. Mit schwarzer Schmiere auf Gesicht, Hals und Oberarmen, rmellosen Shirt und fingerlosen Handschuhen traten Jan und Pascal mehr oder weniger im Einheitslook auf. Aufgedreht wirbelte das Publikum umher, tobte und tanzte ausgelassen zu Songs wie "Tanz Schlampe" und "Stage 2". Zum Abschied gab es dann ein Foto des Duos von der Bhne aus, mit den Fans im Hintergrund.



BEN IVORY BEN IVORY BEN IVORY

Mir bis zum diesem Tage eher unbekannt ist der Berliner Knstler BEN IVORY, der um 12.50 Uhr die Mainstage betrat. Spter vernahm ich dann von einem Kollegen, dass er es zum deutschen Vorentscheid des diesjhrigen Euro Vision Song Contest schaffte. Ganz zierlich in der Gestalt, smart und eher schchtern wirkend, nahm er in lila Sacko, Sonnenbrille und Jeans gekleidet, den Platz vor dem Mikro ein. Ein wirkliches Gesangstalent musste ich schnell wahrnehmen. Sein Hit "Rightous Ones" durfte nicht fehlen und wurde vom Publikum singend untersttzt. Ansonsten war es aber eher ruhig. Eigentlich eine perfekte Akustik um etwas runterzukommen und zu relaxen. Eingngiger Pop, ganz ohne Hektik. Der Gitarrist Kaugummi-kauend, der Bassist entspannt an seinem 7-Saiter Bass. Die Backing Vocals der Keyboarderin bildeten eine schne und harmonische Flle zu Bens Gesang. Ben verriet seinen Fans, dass er gern in der Stadt Kln unterwegs sei, da seine Familie hier wohne, was ihm Sympathiepunkte einhandelte. Ansonsten reagierte das Publikum schon eher verhalten. Die Musikart des Quintetts htte ich jetzt nicht auf dem Amphi erwartet, aber es war mal eine nette Abwechslung.




THE BEAUTY OF GEMINA
THE BEAUTY OF GEMINA
THE BEAUTY OF GEMINA

Von Marc Beneke anmoderiert und fr mich immer noch ein absoluter Geheimtipp: die Schweizer Formation THE BEAUTY OF GEMINA, die bereits in den Media Control-Charts vertreten waren. In der Vergangenheit reviewte ich schon Platten, die mir musikalisch wirklich zusagten, deshalb war ich umso gespannter auf die Live-Performance und wurde alles andere als enttuscht. Es war ihr erster Auftritt auf dem Amphi-Festival, der von den Zuschauern sehr gefeiert wurde und mehr gut ankam. THE BEAUTY OF GEMINA gelang ein optimaler Einstand. Mit erhobenen Hnden suchte Frontmann Michael Sele, der auch mal in die Saiten griff, die Nhe zum Publikum. Den Song "Suicide Landscape" kndigte er wie folgt an: "Die Schweiz hat viele schlechte Fuballspieler, die Schweiz hat viele bse Banken, die schlechte Sachen mit dem Geld machen und die Schweiz hat eine der hchsten Selbstmordraten, daher nennen wir unser Land auch "Shadowland". Diesen Song widme ich all den armen Seelen." Eine ausdrucksstarke Performance, mit viel Blickkontakt und einer Menge Gestik und einem guten Sound. Einwandfrei.




ICON OF COIL

Um 14.55 Uhr wurde mit ICON OF COIL die Mainstage wieder ordentlich gerockt. Die Norweger mit Combichrist-Frontmann Andy LaPlegua und Keyboarder Sebastian Komor mischten die Menge ordentlich auf. Bei dem Klassiker "Shelter" waren sie kaum noch zu bndigen und klatschten mit erhobenen Hnden. Da kam Andys Einwurf "Don't wanna see your hands, wanna see you dance" genau richtig, obwohl er anfangs die Stimmung auf dem Platz mit einem "half hard penis" verglich. Ich glaube, dass kam nicht ganz so gut an und das wollte auch keiner auf sich sitzen lassen, und daher gaben die Leute noch mal ihr Bestes.


FAUN FAUN

LETZTE INSTANZ Die unertrgliche Hitze fhrte uns zwischendurch immer mal wieder in die khle Halle, in der um kurz vor halb vier FAUN ihren Auftritt meisterten. Wie erfrischend es auf mich wirkte, als die Combo teils barfu an ihre Position schwebte. Der Soundcheck wurde unterhaltsam vom Snger kommentiert. Kaum waren die ersten Tne angespielt, setzte der Applaus ein. Es fiel mir nicht schwer in die Mittelalterwelt einzutauchen und mich ganz auf Gesang und Instrumentierung einzulassen: Ein schner Kontrast zu dem bisherigen Programm mit einer super Akustik. Balladeske Songs standen im Fokus, dadurch konnte sich mitunter eine mystische Stimmung verbreiten, die nachhaltig wirkte.


LETZTE INSTANZ

Lngst nicht zum ersten Mal betraten LETZTE INSTANZ um 16.10 Uhr des heien Sommernachmittags das groe Bhnenbrett. Sie gaben ihre Trilogie (Schuldig, Heilig und Ewig) zum Besten. Die energiegeladene Show der Sieben kann sich immer wieder sehen lassen. Der Bombast der Gitarren mit den filigranen Tnen von Cello und Geige hauten wieder mchtig auf den Putz und lieferten ein eindrucksvolles Klangbild. Sowohl alte als auch neue Songs wurden aufgetischt und applaudierend von den Fans angenommen. Snger Holly versprhte mit Mimik, Gestik und lustigen Sprchen gute Laune. Die schwarzen und weien Ballons die ber die Zuschauer hinweg schwebten, zauberten eine tolle Atmosphre. Klassiker wie "Flucht ins Glck" und "Dein Licht" durften nicht fehlen. Gute Musik und jede Menge Spa im Gesamtpaket.



DIARY OF DREAMS DIARY OF DREAMS
DIARY OF DREAMS

Im Anschluss an die Mittelalterklnge war es dann endlich soweit. Die deutschen Darkwaver DIARY OF DREAMS wurden von vielen schon sehnschtig erwartet. Man konnte unzhlige Fan-Shirts unter den Zuschauern sichten, es herrschte reger Andrang. Eingeleitet wurde die Show von viel Nebel und mit dem langen Intro der Ego:X, so konnte sich die Spannung langsam aufbauen. Die Band stand mit dem Rcken zum Publikum. Danach folgte gleich der Kracher "The Wedding"; damit hatten die Jungs die Leute ganz schnell auf ihrer Seite. Offenes, wallendes Haar, Sonnenbrille, schwarzes Hemd und Jeans, so betrat Adrian Hates die Bretter des Tanzbrunnen. Gitarrist Gaun:A, wie immer top gestylt mit Iro und als Gesangsuntersttzung an Adrians Seite, der Keyboarder headbangend hinter den Tasten positioniert. Ein tolles Bild. Die Dramatik, die manche ihrer Songs an den Tag legen, sind einfach unbeschreiblich. Der grandiose Sound lie CD-Feeling aufkommen. Bei manchen Songs herrschte Totenstille. So konnte man jeden einzelnen Ton, jedes Instrument und die unverwechselbare Stimme von Adrian regelrecht aufsaugen. Adrian stand auch in stndigem Kontakt mit seinen Fans, was die Bindung noch mehr festigte. Bei "Kindrom" kommunizierte er, dass dies ein Song fr ihre Freunde von ZEROMANCER sei. Bei "Traumtnzer", der laut Adrians Aussage das erste Mal auf der Bhne performed wurde, war es dann auch um mich geschehen: Ja, ich gebe zu, das ein oder andere Trnchen verdrckt zu haben. Als dann im Refrain auch noch das ganze Gelnde a capella mitzusingen schien, konnte ich trotz der Hitze meine Gnsehaut sehen und spren. Unglaublich und definitiv einer meiner Highlights.


DIARY OF DREAMS
    Setlist:
  • The Wedding
  • Chemicals
  • Butterfly:Dance!
  • Lebenslang
  • Mein-Eid
  • MenschFeind
  • King of Nowhere
  • Undividable
  • The Curse
  • Kindrom
  • Traumtnzer

DIE FORM

Indoor gastierten derweil DIE FORM, die mit Hilfe eines Bauzauns ein Bhnenbild fr die "16 pa-Show" zauberten. Man war natrlich hoch gespannt, was einem da jetzt wohl geboten wird und wurde schon leicht nervs. Im Nachhinein war es dann doch halb so wild. Was soll man um eine Uhrzeit von 18 Uhr schon gro an erotischer Show erwarten, fr die franzsische BDSM-Combo ja bekannt ist? Da fand ich persnlich die Bhnenshow von AGONOIZE grenzwertiger. Ansichtssache. Philipp Fichot, mit einer verkabelten Gasmaske bekleidet, regelte an seinem Pult herum, links daneben seine Lebensgefhrtin und Chansonette liane P. am Mikrofon. Die Show an sich bot mir unter dem Ankndigungsaspekt einfach zu wenig. Einzig eine tanzende und sich rkelnde, leicht bekleidete und gut gebaute Frau war ein interessanter Blickfan. Die minimalistisch-elektronischen und mitunter auch dster apokalyptischen Klnge sind sehr eigen, aber bedeutend. DIE FORM ist und bleibt mit ihren ungewhnlichen Soundcollagen ein Gesamtkunstwerk.


OOMPH OOMPH
OOMPH

Ein weiteres persnliches Highlight auf diesem Festival waren fr mich OOMPH. Stolzierte Dero doch gegen 19 Uhr in eher ungewhnlich-fragwrdigem Outfit und begleitet von einem Nebelhorn auf die Freiluftbhne. Whrend sich die Band in Seemannskluft passend in das Bhnendesign einreihte, flatterte Dero mit rotem Superman-Umhang, einer albernen roten Augenmaske, rotem Clownsmund und einem aus rotem "Vorsicht Glas"-Packklebeband aufgebrachten x auf seiner weien Matrosen-Uniform, passend zum Song, wild von links nach rechts. Dieser kleine Wirbelwind hat echt jedes Mal Hummeln im Arsch. So schrg das Ganze aussah, so durchgedreht war auch innerhalb krzester Zeit die Fangemeinde. Als ich dann den Fotograben betrat, entblte sich Dero mit "You can leave your hat on" von der schrecklichen Maskerade, herrlich anzusehen. Schon folgte mit "Augen auf", "Trumst du", "Gekreuzigt" und dem Klassiker "Der neue Gott" ein Superhit nach dem anderen. Bei "Das weie Licht" bat Dero die Massen zu hpfen und von jetzt auf gleich schien es vor der Bhne zu beben. Eine wahrlich geniale Setliste, die die sieben Jungs da prsentierten. Bei einem Blick in die tobende Menge schaute man in freudige und zufriedene Gesichter. Dero lie es sich auch nicht nehmen bei "Niemand" ber Bord zu gehen und einen Sprung in die Menge zu wagen. Bei ihm wird der Publikumskontakt nach wie vor gro geschrieben. Mit dem Superman-Kostm dachte ich eigentlich das peinlichste Outfit gesehen zu haben, aber bei "Aus meiner Haut" zwngte Dero sich doch tatschlich noch in ein pinkes Kleid mit blauer Schrze. Er ist sich aber auch fr nichts zu schade. Mit Monty Python's "Always look on the bride side of life" verabschiedeten sich dann die Braunschweiger. Ein musikalischer Wellengang, der aber niemand seekrank werden lie.

    Setlist: OOMPH
  • Intro + Unzerstrbar
  • Labyrinth
  • Das weie Licht
  • Trumst Du
  • Der neue Gott
  • Kleinstadtboy
  • Niemand
  • Gekreuzigt
  • Seemannsrose
  • Sandmann
  • Augen Auf!
  • Aus meiner Haut
  • Gott ist ein Popstar
  • Always Look on the Bright Side of Life (Monty Python cover)

FAUN

WELLE ERDBALL

Whrend OOMPH auf der groen Bhne voll in ihrem Element waren, verschwanden nach langer Wartezeit viele Menschen im Theater um sich WELLE:ERDBALL mit ihrer "20 Jahre Chronik mit Live-Special" anzusehen. Die anfngliche Euphorie der Fans schien schnell getrbt, denn nach der Show vernahm man Diskussionen, dass es gar kein Konzert wie aufgefhrt gegeben hatte, sondern nur eine Videodarstellung. Die Bandmitglieder saen auf Sthlen daneben, auer Plastique, die drei Tage zuvor die Band verlassen hatte. Auch die Songs wurden bei der Prsentation nur angespielt. Einige enttuschte Gesichter verlieen das Theater deshalb vorzeitig.



ANNE CLARK

Mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen aber immer noch hoch angesehen: die britische Songwriterin, Sngerin und Pianistin ANNE CLARK, die als Co-Headlinerin im Staatenhaus im Rampenlicht stand. Eine Ikone im Wave-Bereich mit hohem Beliebtheitsgrad. Durch die ruhige Atmosphre in der Halle konnte man den Klangteppich mit dem markanten Sprechgesang auf sich wirken lassen. Begleitet von fnf Mitmusikern an akustischen Instrumenten, wurden die Songs auf eine ganz eigene Art und Weise und mit vlliger Hingabe interpretiert. Als ANNE die beliebten Stcke "Sleeper in Metropolis" und "Our Darkness" zu Besten gab, begannen sich die Fans wie in Trance zu bewegen und wurden eins mit dem Rhythmus. Eine Frau, die es versteht, ihr Publikum zu berhren.


FIELDS


FIELDS OF THE NEPHILIM

Und schon war es wieder Zeit fr den "behteten" Headliner des letzten Festivaltages. Wie schnell die Zeit doch immer vergeht, wenn man Spa hat. Eingeleitet von "Spiel mir das Lied vom Tod" lieferten die in Lederkluft gehllten "verstaubten Cowboys" aus England eine emotionsgeladene Show. Die Gothic-Rocker rund um den charismatischen Mastermind Carl McCoy, der es sich auch nicht nehmen lie nhere Fanbekanntschaft zu machen, lieferten eine berzeugende, wenn auch vernebelte Show ab, die viele entspannte Momente enthielt.



FIELDS
    Setlist:
  • Harmonica Man
  • Endemoniada
  • Moonchild
  • Love Under Will
  • New Gold Dawn
  • One More Nightmare
  • From the Fire
  • Preacher Man
  • Watchman
  • Dawnrazor
  • Psychonaut
  • Encore:
  • Mourning Sun

PETER HEPPNER

Wenn auch die Mainstage fr dieses Jahr um 21.55 Uhr ihre Pforten schloss, ging es im Staatenhaus mit dem wirklichen Schlusslicht weiter: Einmal diese wundervoll melodische Stimme aufgesaugt, scheint sie die Gehrgnge nicht mehr verlassen zu wollen. Sicherlich ein Grund, warum PETER HEPPNER auch keinen Wert auf eine berzeugende Performance zu legen schien. Anders als viele andere Knstler steht er einfach nur mit seinem Mikro da, Notenstnder daneben, ganz bodenstndig. Der Fokus liegt einzig auf der Stimme. Mehr braucht es aber auch nicht. Berhrung von der ersten bis zur letzten Sekunde, mit Songs aus seinem Soloalbum und derer von WOLFSHEIM. Einfach nur herzzerreiend schn und somit ein perfekter Abschluss fr zwei gelungene Festivaltage mit einem schmackhaften und abwechslungsreichen Lineup.

Wer danach immer noch in Partylaune war und einfach kein Ende finden wollte, konnte sich wie am Vortag noch den Rest auf der Aftershow-Party im Theater geben und bis vier Uhr morgens mit bekannten DJs durchtanzen und die letzten Energiereserven aufbrauchen.


Ich mchte allen Mitorganisatoren und Beteiligten fr dieses friedvolle Festival danken. Der Ablauf scheint immer gut durchgeplant, von Zwischenfllen und Unmut war nichts zu spren. ber das kulinarische Angebot und die berhhten Preise, die einem Trnen in die Augen treiben, werde ich mich dieses Mal einfach mal nicht genauer uern, da es daran wohl nichts zu rtteln gibt. Der Amphi-Crew sind hier die Hnde gebunden, es liegt nicht in ihrer Macht. Danke aber, fr die kostenfreie Wasserstelle, die hat gerade bei dem diesjhrigen Tropenwetter so manchem das Leben gerettet. Also dann: Wir sehen uns hoffentlich alle gesund und voll positiver Energie am 26./27. Juli 2014 zum X. AMPHI-FESTIVA wieder. Ich bin jetzt schon ultra gespannt, was die Crew an berraschungen zum Jubilum fr uns bereithlt. Wer auf Nummer sicher gehen will, sichert sich schon jetzt die Tickets unter www.amphi-shop.de/display Goth on, eure Jenny






SOLITARY EXPERIMENTS DUNKELSCHN TANZWUT
AGONOIZE DIARY OF DREAMS OOMPH THE BEAUTY OF GEMINA
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