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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing RED FANG, ISOPTERA
Ort Osnabrck, Bastard Club
Datum 29.06.2013
Autor Stephan Mertens
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Wer htte das gedacht. Nach einem eher trben Tag, hat sich auf dem Fuweg vom Osnabrcker Bahnhof zum Bastard Club doch tatschlich noch die Sonne gezeigt. So war es wenig verwunderlich, dass es viele Besucher vor dem Konzert auf den Parkplatz des Austragungsortes verschlagen hat. Wo man hinsah, gut gelaunte Musikfreunde in erwartungsvoller Vorfreude. Da es unser erster Besuch im 2007 erffneten Club war, nahmen wir uns Zeit, um die Lokalitten unter die Lupe zu nehmen. Der Laden ist in zwei Ebenen aufgeteilt: oben gibt es eine Art Kneipe mit groer Theke und ein paar Sitzgelegenheiten. Wirklich toll fand ich die zahlreichen Konzertplakate, die berall (sogar an der Decke) Platz finden, da gab es so manche Raritt zu bestaunen. Eine wirklich nette Idee ist die aufgebaute Leinwand, auf welcher man das Geschehen im Konzertsaal verfolgen kann. Das kann tatschlich sinnvoll sein, denn der Saal selber fasst gerade mal 300 bis 320 Besucher und war an diesem Abend bis zum letzten Quadratmeter gefllt, sprich ausverkauft. Eine mgliche Verschnaufpause war so unter besten Bedingungen mglich. Vor dem Start gab es wilde Diskussionen, ob RED FANG nicht vielleicht sogar ein bisschen angeschlagen sein knnten, da sie ja am Vortag das "With Full Force Festival" gerockt haben. Ein anderer meinte, dass eine Club Show alles in den Schatten stellt, was auf Festivals passiert. Ich persnlich hatte bisher nur letztes Jahr in Wacken das Vergngen, die Jungs aus Portland zu erleben. Da ich diesen Gig schon klasse fand, war ich gespannt wie ein Flitzebogen, auf das, was uns an diesem Abend erwarten sollte. Nach dem Genuss der ersten, laut der Bedienung extra fr die Veranstaltung angekarrten, amerikanischen Lager in Dosen zum erschwinglichen Preis von 2,50 EUR fr einen knappen halben Liter, fllte sich langsam aber sicher der Raum vor der berschaubaren Bhne im Konzertsaal.


ISOPTERA ISOPTERA ISOPTERA
Den Anfang machte die mir vllig unbekannte Rock Band ISOPTERA aus Melle bei Bielefeld, welche sich als perfekte Anheizer herausstellen sollten. Das Trio spielte eine spannende Mischung aus Stoner- und abwechslungsreichem 70er-Rock. Das Fundament ist dabei der Blues, und zwar in allen Variationen, mal sehr ruhig und gefhlvoll, mal rhythmusbetonter und mchtig cool. Genau das macht den Unterschied zu vielen anderen Kapellen der Sparte aus. Statt beim eintnigen Kifferrock zu bleiben, experimentierten die drei Musiker mit den Einflssen, die man als Musik- und Rockinteressierter so mitbekommt. Selbst vor der ein oder anderen 50er-Rock 'N' Roll oder Surf-Einlage schreckten ISOPTERA nicht zurck. Richtig klassisch wurde es bei Nummern wie "Dirtydrunkenmaster", da gab es stampfenden Blues Rock im mittleren Tempo. Der Gesang von Gitarrist Jonas brachte zudem die am Ende der 60er-, Anfang der 70er-Jahre populre Rockrhre ins Spiel. Diese war immer dann am besten, wenn er an seine Grenzen ging und alles, voller Emotionen, rauslie. Und auch bei den lngeren, instrumentalen Passagen punktete die Truppe mit vertrumten Melodien zum Durchatmen bis der nchste schnelle Vollgas-Riff-Rocker wieder Bewegung in den Zuschauerraum brachte. Das Publikum haben die Jungs schon nach wenigen Stcken berzeugt. Klar wollten alle an diesem Abend RED FANG sehen, aber der Konzertsaal war trotz des guten Wetters auch bei ISOPTERA schon ordentlich gefllt und das scheint den gewissen Kick zur verdammt guten Leistung gebracht zu haben. Die Band, die tatschlich aus den drei Brdern Jonas, Merlin und Aaron besteht, tingelt seit zwei Jahren durch die Region. Wenn es nach mir ginge, msste es bald steil bergauf gehen. In einer Zeit voller Retrorock, ist es schon ganz erfrischend, wenn einem mal andere und vor allem umfassendere Klnge entgegen kommen, als leicht vernderte BLACK SABBATH Riffs. Wenn ihr Bands, wie ZODIAC aus Mnster mgt, msst ihr euch echt mal ISOPTERA anhren, an diesem Abend im Bastard Club haben sie auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Kapelle hat krzlich ihre erste 4-Track-Demo aufgenommen, von der wir in Kurze berichten werden.


RED_FANG RED_FANG

RED FANG
Nach der Umbaupause und einer kleinen Weizenkaltschale zur Strkung, betraten dann schlielich die sympathischen Herren von RED FANG die Bhne. Schon jetzt war die Luft im Raum super schlecht. Das sollte aber noch schlimmer werden, denn wenn ich berlege, dass spter so ziemlich alle, die ich gesehen habe, vllig verschwitzte, nasse Klamotten trugen und ziemlich erledigt waren (wir natrlich eingeschlossen), deutet das auf eine gelungene Rock 'N' Roll Show hin. Wie schon bei ISOPTERA war der Sound, der aus den Boxen drhnte, absolut hervorragend. Im Gegensatz zum 2012er Auftritt in Wacken, passten hier auch die Lautstrken der beiden Gesangsmikrofone von Bryan Giles und Aaron Beam schon zu Beginn. Scheinbar jeder im Bastard Club war mit dem Material der beiden bisher erschienenen Alben "Red Fang" und "Murder The Mountains" vertraut und feierte jeden Song mit. Ich htte es ja nicht fr mglich gehalten, aber alle Gerchte in Hinblick darauf, dass es der Vierer einen Tag nach dem Festivalauftritt etwas ruhiger angehen lassen knnte, waren schnell vergessen. Ok, die Kommunikation mit dem Publikum wurde etwas runtergeschraubt und ja, in den Gesichtern der einzelnen Musiker sah man schon die ersten Spuren der langen Tour. Aber auf die musikalische Darbietung hat sich das nicht im Geringsten ausgewirkt. Ich muss zugeben, dass ich meinen journalistischen Beobachtungsauftrag ein wenig schleifen lassen habe, denn der ganze Saal hat von Anfang bis Ende der knapp 80 Minuten langen Show gekocht und man war permanent mittendrin statt nur dabei, ob man wollte, oder nicht. An dieser Stelle entschuldige ich mich auch fr die eher schwachen Fotos, mehr war einfach nicht drin. Man erlebt ja auch nicht alle Tage ein restlos begeistertes Publikum zu einem durchgehend starken Auftritt. Die ganz groen Hhepunkte waren natrlich wieder die Hits "Wires" und "Prehistoric Dog". Nach zwei Konzerten der Band, kann ich sagen, dass der Moment, in dem das ungewhnlich ruhige und psychedelische "Humans Remain Human Remains" ertnt und fr mehrere Minuten Verschnaufpause sorgt, einfach himmlisch ist. Da wird einem schon einmal bewusst, wie fantastisch die erste Etappe war und wie glcklich und zufrieden man in diesem Moment ist. Zudem kommt die Vorfreude, denn es geht ja gleich wieder mit energiegeladener Rockmusik weiter. Wenn ich richtig zugehrt habe, gab es mit zwei neuen Stcken schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das im Oktober erscheinende, dritte Album "Whales and Leeches", mit dem die Erfolgsgeschichte weitergehen wird. Wie der Zufall es wollte, war die Zugabe genau zu dem Zeitpunkt zu Ende, als wir wieder zurck zum Bahnhof marschieren mussten, um den letzten Zug nach Minden zu bekommen. Dmlich grinsend, so durchnsst, als wre man mit Klamotten in ein Schwimmbad gesprungen und schwer befriedigt, nutzten wir die Fahrt um diesen tollen Abend noch einmal Revue passieren zu lassen und festzustellen wie mies die Fotos geworden sind. Aber ganz ehrlich, in diesem Moment konnte nichts die gute Laune trben.






ISOPTERA
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