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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing NEUROTIC DEATHFEST - WENN DER TOD SEINEN ERSTEN RUNDEN GEBURTSTAG FEIERT
Ort Tilburg / Niederlande, 013 Venue
Datum 03.-05.05.2013
Autor David Lang
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10 Jahre Neurotic Deathfest, das heit auch, das ich 9-mal nicht dabei gewesen bin, was gerade im Hinblick auf das 2012er Line-Up einem Kapitalverbrechen gleichkommt. Ergo musste ich beim ersten runden Geburtstag dieses Extrem-Metal-Massakers unbedingt anwesend sein. Tilburg ist nun echt keine Entfernung, wenn man bedenkt, dass ich schon des fteren fr kleinere Konzerte nach Essen gekracht bin.

Auerdem liegt, ein kleiner Umweg mit eingerechnet, Maaskantje auf dem Hinweg, was ebenfalls zum Pflichtprogramm wurde.
Meiner Begleitung, in Gestalt des gleichermaen Krach- wie Unsinnverliebten Tim W. war es nur Recht, zhlt eine gewisse fnfkpfige Proletentruppe aus unserem Nachbarland doch auch zu seinen Unterhaltungs-Highlights. Nachdem wir also in der legendren Cafetaria 't Pleintje Rast gemacht und ordentlich Hackwurst, Fleisch am Stiel, Bounty aus der Fritteuse und Kroketten intus hatten, ging es ohne weitere Umwege ins Toucan-Hotel bei Tilburg.

Dort trafen wir schnell auf Daniel aus Wuppertal, der sich, ein Glck, ein Taxi mit uns teilte. Die vermeintlichen "paar Kilometer" bis in die Innenstadt sollten uns nmlich gesalzene 35 Euro kosten. Fngt ja gut an. In Tilburg angekommen, verflchtigte sich der rger aber schnell beim Anblick unzhliger Lrmfreunde und besonders beim Begrungsgetrnk fr die Presse. Ein Death- und Grind-Festival mit nem Jack Daniels beginnen hat doch Stil.

Iniquity Die Halle

Vader, die das Spektakel erffnen sollen, haben einen Abend zuvor verlauten lassen, dass man es nicht zeitig schaffe und so kommen die Kopenhagener von Iniquity in den Genuss, die nach Geschepper lechzende Meute willkommen zu heien. Bei allem Respekt vor den Dnen, aber ein solch illustres Festival zu erffnen, wre fr das polnische Todesflagschiff aber auch unangemessen gewesen. Die eigentlich 2004 aufgelste Band profitiert zwar mit Sicherheit auch von einer beachtlichen Menge Unwissender, die nach wie vor mit Vader rechnen, knnen aber auch so berzeugen. Der kinohnliche Saal mit seinen aufsteigenden Rngen / breiten Treppenstufen ist beachtlich gefllt und so kann ich schlecht bestimmen, ob es Nervositt der Musiker oder mangelnde Routine nach rund 9 Jahren Bandpause ist, die Iniquity zunchst etwas unsauber aufspielen lsst. Drckt man jedoch hinsichtlich dessen ein Auge zu, wei der recht eigene, stellenweise verquere Groove des Quartetts zu unterhalten.
Was mir persnlich fehlt ist "The Bullets Breath", der Song, der Iniquity mehr oder weniger berhmt gemacht hat; falls sich noch jemand an die spaige "Growl Karaoke" im Netz erinnern kann. Emotional steht das 3-Tage-Event unter keinem guten Stern, ist Slayer-Gitarrist Jeff Hannemann doch keine 36 Stunden zuvor gestorben. Iniquity sind die ersten und beileibe nicht die Letzten, die der Musiker-Legende huldigen.
Im zweiten, weitaus kleineren Saal geht es ohne Unterbrechung mit Bodyfarm weiter. Der Raum ist relativ gut gefllt und so berauschend fand ich den Death Metal des Vierers nicht, dass ich mich dafr lnger als ntig in der immer voller werdenden Kammer aufhalte.
Tim und ich versuchen zunchst lieber richtig anzukommen und so was wie Ruhe in den angenehm stressigen Tag einkehren zu lassen. Vor der Halle, die inmitten des wunderschnen Tilburg liegt, scheint noch die Sonne und eine beachtliche Schar schwarz gekleideter Gestalten sorgt fr "buntes" Treiben... und fr slichen Duft in allen Ecken. Die Liberalitt unserer Nachbarn wurde geradezu berschwnglich ausgenutzt.

Decapitated stehen auf dem Plan und die drfen auf keinen Fall verpasst werden. Bisher kam ich schlielich noch nicht in den Genuss, den Polen live zu lauschen. Die Band steigt mit neuen Songs ins Set ein und soweit ich das beurteilen kann, werden bis auf wenige Ausnahmen auch tatschlich nur Songs des letzten Studioalbums "Carnival Is Forever" gespielt. Man kann glatt den Eindruck gewinnen, die Band wolle einen kompletten Neustart wagen. Womglich wre man dennoch mit einer ausgewogeneren Setlist ein gutes Stck mehr abgefeiert worden. An lteren Klassikern haben es nmlich lediglich die genialen "Spheres Of Madness" und "Day 69" ins Programm geschafft. Diese wurden entsprechend bejubelt, obwohl gerade bei Letzterem das Fehlen der zweiten Gitarre massiv ins Gewicht fiel. Zusammen mit viel zu vielen Zwischenspielen vom Band (ich meine sogar vor jedem Song eins ausgemacht zu haben) konnte der Gig meinen Erwartungen nicht ganz standhalten. Der Sound war ziemlich gut, Hanneman zu Ehren wurde kurz "Dead Skin Mask" angespielt und das Publikum startete einen netten Pit. Legendr geht trotzdem anders. Zum Beispiel wie bei Strong Intention. Die Amis hatten wohl nur die wenigsten auf dem Schirm (wir jedenfalls nicht) doch ein Blick in die Gesichter des leidlich gefllten "Zaal 2" besttigt meine Vermutung, dass die Wenigen die dem Gig beiwohnen, ebensolchen Spa haben, wie Monsieur Tim und ich.
Hochenergischer, vor Hass nur so strotzender Grindcore der alten Schule, der sich von allem das Beste nimmt, will sagen Benmb treffen auf Nasum treffen auf The Exploited (jaja, ich wei). Asozial punkig, rasend schnell, tierisch aggressiv und einfach nur unfassbar gut. Nichts fr Feingeister oder Frickelnerds, lediglich ein schner Schlag ins Gesicht. Fein, wenn solch eine Band dann mit einem Snger / Gitarrist ausgestattet ist, der erstmal null nach Fronter aussieht. Das einzige Shirt, das ich mir an diesem Wochenende kaufen sollte, war dann auch eins von Strong Intention... fr 5 Euro!!! Anchecken!

Devourment New New Kids

Morbid Saint werden fr eine (Verschnauf-) Pause ausgelassen, doch die Takte, die ich vernehme, stimmen mich keineswegs traurig.
Auch Putridity sparen wir uns; klassisches Beispiel fr eine Band, die aus mir unbekannten Grnden Zaal 2 vollmacht. Wahrscheinlich sind die halt einfach "fuckin' extreme, man!". Wenn der Snger schon begonnen hat, ich aber davon nichts hre, weil er frequenztechnisch beim, in den Keller gestimmten Bass rumlmmelt, ist das meiner Meinung nach hchstens extrem langweilig und nicht wirklich brutal.
Was mich zu Devourment bringt. Die sind ein Phnomen aus eben jener Ecke. Frei nach dem (offensichtlich) beliebten Motto "Stumpf ist Trumpf" hackt sich das Ami-Quartett auf der groen Bhne (!) durch 40 Minuten primitivsten 1-Riff-Death. "Slam" nennt man das dann wohl, und 2-3 Songs lang entbehrt das mumpfig tief gestimmte Gepolter einem gewissen Unterhaltungswert nicht. Das Publikum sieht das teilweise hnlich. Neben einem beachtlichen Pit unmittelbar vor der Bhne, sieht es auf den Rngen durchwachsen aus. Hier wippt ein Teil der Leute ekstatisch hin und her, whrend andere geradezu fassungslos verharren und scheinbar nur dem, der Band vorauseilenden Hype gefolgt sind. Ich zhle zu Letzteren und schttele unglubig den Kopf.

Kosteneinschub: Bisher war der Trip nicht nur unterhaltsam, sondern auch ganz schn teuer. Ich fasse zusammen (und da ist noch keine Tankfllung dabei): Imbiss in Maaskantje (ok, das war auch immens wichtig!)- 7,60 Euro, Taxi vom Hotel zur Halle- 35,- (!!!) und das spter ja noch mal andersrum, zum Glck aber durch 3. 4 Verzehrbons- 10,-, Strong Intention Shirt- 5,-, Nachtsnack in einem verranzten "Lokal"- 3,50... aber was tut man nicht alles... und jammern wollen wir hier nicht.
Getrnke- und Merchpreise sind allesamt moderat (0,3 Liter Bier, Cola, etc. kommen auf 2,50, die Shirts nicht ber 20 Euro) und auch die Orga ist generell in Ordnung, doch manchmal macht die Halle der Planung einen gehrigen Strich durch die Rechnung.

Vader Vader

Bei Vader z.B. ist der kleinere Saal (Zaal 2) nmlich so voll, dass der dazugehrige Bereich von der, zahlreich vertretenen, Security kurzerhand abgesperrt werden muss. Wundert es wirklich jemanden?! Die Polen sind quasi seit Urzeiten ein Garant fr Death Metal der Gteklasse A und Tilburg wei das natrlich. Als die Vier die Bhne entern gibt es kein Halten mehr und Holland steht Kopf. Band und Fans machen derart Alarm, dass mir beim Fotografieren Putz von der Decke auf den Kopf rieselt. Da ich unter einer Box stehe, halte ich es fr schlauer, den Standort zu wechseln; auf lngere Sicht gesehen sogar den Aufenthaltsort, denn relativ schnell macht sich die Erkenntnis breit, dass, bei allem Respekt vor dem tighten Zusammenspiel, der Fokus der Band langsam mehr Richtung Old School Attitde schielt. Smtliche Mucker tragen Vader-Shirts, man schmckt sich mit tonnenweise Nieten, Patronengurten und, indiskutabel "bah", hochsoligen Gothboots. Zu der fragwrdigen Imagekorrektur (die womglich extra fr diesen Anlass gewhlt wurde) kommt die Tatsache, dass die Band zwar auf den Punkt, aber irgendwie weniger stakkato-reich spielt. Die hart angeschlagenen Riffs, die Vader auf Platte ausmachen und in der Regel auch live so gespielt wurden, weichen schrammeligerem Geschrubbe und der typische Vader-Wumms ist dahin.
Nach stundenlangem Geballer, ohne Rcksicht auf primre Instinkte und Bedrfnisse wird kurzerhand ein Imbiss aufgesucht, nur um kurz darauf whrend der ersten Minuten des Headliners zurck zu kehren.

Den "Tribute To Chuck Schuldiner" will niemand verpassen und so ist der groe Saal entsprechend voll. Eine handvoll Musiker die einst bei der Legende in Lohn und Brot standen geht derzeit unter dem Banner "Death To All" auf Tour und Tilburg ist die einzige Station in Europa. Solch eine Exklusivitt ist natrlich auch Anreiz fr die Wenigen, die mit der Musik der Legende nicht vertraut sind (gibt's die hier?!). Lobens- und erwhnenswert ist der Fakt, dass die Einnahmen, in diesem Fall wohl die Gage der Musiker, allesamt an die "Sweet Relief" Organisation gehen, die kranke Musiker oder solche im gehobenen Alter untersttzt.
Exhumeds Matt Harvey bernimmt fr diese Show Chucks Part und leck mich fett, macht er das gut. Er versucht erst gar nicht eine eigene Note einzubringen, sondern klingt, und das wahrscheinlich im Interesse der groen Mehrheit, teilweise frappierend nach dem 2001 verstorbenen Genie. Am Schlagzeug hat man mit Trommel-Legende Gene Hoglan genau den richtigen sitzen. Auch hier sitzt jeder Schlag und das wieder mal mit einer Lssigkeit, die einen staunen lsst. Der Rest der Besetzung ist mir weniger bekannt, wenn ich richtig recherchiert habe, waren jedoch Bobby Koelble an der Gitarre (spielte einst auf "Symbolic" mit) und Scott Clendenin am Bass (verantwortlich fr das wundervolle Spiel auf "The Sound Of Perseverance") vertreten. Ein weiterer (farbiger) Saitenhexer konnte von mir jedoch nicht identifiziert werden, sorry.
Die illustre Mucker-Schar sorgt so oder so fr unglubiges Staunen, spielt man doch auf wie eine, seit Jahren aufeinander eingespielte Einheit. Soviel Perfektion im Spiel gibt an diesem Wochenende hchstens noch bei Obscura zu bewundern.
Von jedem Death Album gibt es wenigstens einen Song zu hren (fast in chronologischer Reihenfolge), womit das Konzert zu einem einzigen Klassiker-Bombardement wird. Womglich fehlt zwar dem ein oder anderen ein persnlicher Hit (bei mir waren es "Scavenger Of Human Sorrow" und "Spirit Crusher" vom beralbum "The Sound..."), und auch die Pausen zwischen den Songs sind durchweg zu lang, doch das ist wirklich Jammern auf verdammt hohem Niveau. Der Sound drckt nahe der Perfektion (blendet man das gelegentliche Ausfallen einer Gitarre dezent aus), die Musiker spielen pervers genau auf den Punkt, Death To All sorgen letztlich fr ein ganz besonderes Erlebnis.

Setlist: Death To All

  • Leprosy
  • Zombie Ritual
  • Living Monstrosity
  • Flattening Of Emotions
  • Suicide Machine
  • Lack Of Comprehension
  • Overactive Imagination
  • The Philosopher
  • Trapped In A Corner
  • Zero Tolerance
  • Crystal Mountain
  • Symbolic
  • Bite The Pain
  • Flesh And The Power It Holds
  • Pull The Plug

Oscura Oscura

Einen wrdigen Abschluss bilden anschlieend, wie bereits kurz angeschnitten, "unsere" Landsmnner von Obscura. Fronter Steffen Kummerer wirkt durch seine schicke Kurzhaarfrisur mittlerweile wie der Traumschwiegersohn und der Rest steht ihm in nichts nach. Whrend sich also einige im Pulk vermutlich fragen, ob es nicht reicht, Musiker scharenweise zum Aufhren zu bewegen ("... jetz machen se auch noch die janzen Weiber klar..."), stehen die meisten einfach nur mit offenem Mund vor der Bhne, bass erstaunt, ob der beeindruckenden Fhigkeiten der Musiker. Technisch im Grunde noch ber Death To All anzusiedeln, prsentiert das Quartett dem vollen, kleinen Saal eine Gourmet-Platte feinsten Tech-Death'. Hochgradig musikalisch und sehr abwechslungsreich werden die kleinen Kunstwerke zelebriert. Bei allem Knnen kommt der Vierer dabei nie berheblich oder arrogant rber, sondern stets scheie sympathisch... Arschlcher, harharhar.
40 Minuten und etliche gebrochene Musiker- und Mdchenherzen spter entlassen Obscura ein rundum zufriedenes DF-Publikum in die Nacht. Gute selbige!

Der Samstag startet bei uns mit Haemmorhage. Die Hobby-Pathologen mssen bereits um 15:40 Uhr ran, verbreiten aber nicht zuletzt dank Frontsau Lugubrious schon ordentlich Stimmung. Gitarristin Ana drfte zudem ein weiterer Grund fr die Mnner gewesen sein, zu bleiben. Whrend sich der Rest der Band nmlich in OP-Kitteln prsentiert (den Snger mal ausgenommen, der wie gehabt, blutverschmiert und oben ohne den Psycho macht) trumpft der blonder Ruhepol mit einem sexy Schwesternoutfit inklusive durchlcherter Leggings.
Um dem Sexismus von beiden Seiten zu gereichen, sei aber noch erwhnt, dass Lugubrious mit seinem durchtrainierten Oberkrper vermutlich auch die ein oder andere Dame zum Bleiben gebracht hat. Musikalisch prsentieren sich die Spanier in gewohnt eitriger Manier, es wird gegurgelt und gekeift, gehackt und gerumpelt, doch so richtig berspringen will der Funke heute nicht. Ob es zu frh ist, die Musik nicht den Nerv trifft, ich wei es nicht.
Der Snger jedenfalls zieht konsequent seine "eigenen Arm mit Mikro aufschlitzen und Blut daraus trinken", "eigenen Bauch mit Mikro aufschlitzen und Gedrme verspeisen", sowie "abgetrennte (Gummi-) Organe hochhalten und daran rumknabbern"-Nummern durch, whrend er immer wieder versucht, das Publikum zum Durchdrehen zu bewegen. Netter Start.
Internal Suffering werden nach 2 Minuten fr Kacke befunden. Schnell raus, denn die gefhlten 500 Leute in dem viel zu vollen Zaal 2 sehen das komplett anders.

Necrophagia und der kultverdchtige Wind der um die Texaner weht... und wieder versteh ich nix davon. Horror Metal nennt man das wohl, wenn man vorzugsweise schleppend und dster spielt und der Snger in bester Waldschrat-Manier eine Kopfattrappe in die Hhe streckt. Zu sehr differenziertem Sound (sorry, aber hier konnte man auch nicht viel falsch machen) poltern sich die Vier in ihre eigene Gruselwelt, in der Atmosphre scheinbar noch mehr zhlt als fesselndes, kurzweiliges Songwriting. Ghn...
Was machen denn Tribulation im Zaal 2?! Vor allem, wer sind Tribulation?? 4 Herren (wobei ich mir bei einem Herren nicht sicher war) betreten in Andacht die Bhne und kommen optisch wie eine diese gerade angesagten Okkult-Death Kombos rber (und erzhl mir keiner was, is' auch nur ein Trend). Tatschlich spielen die Schweden dann auch dunklen Old School Death mit schwarzen Versatzstcken. Offen gespielte Riffs, die vermutlich auch eine bse Grundstimmung erzeugen sollen, uninspiriertes Gekeife, rasantes, aber langweiliges Drumming und weg ist der Onkel.
Svart Crown, die parallel im dritten und kleinsten Raum spielen sind auch keine wirkliche Alternative, spielen diese doch ebenfalls rumpeligen Nieten- und Kuttensound. Whrend Necrophagia in die (vermutlich nicht geplante) Verlngerung (ber 10 Minuten!) gehen, genehmige ich mir 5 Minuten Ruhe und Sitzen.

Pig Destroyer Pig Destroyer

Ruhe lassen einem Pig Destroyer nmlich nicht und um Devourment-Anhnger kurz zu besnftigen: Auch hier gibt es an Reaktionen nichts zwischen purer Ekstase auf der einen und unglubigem, verstndnislosem Kopfschtteln auf der anderen Seite. Die kurzen, ultrabrutalen Grinderuptionen sind einigen offensichtlich zuviel des Guten. Scott Hulls Gitarre hat wieder einen beraus monstrsen Sound, ohne allerdings peinlich oder bertreiben zu klingen. Man muss halt Dampf machen, wenn man auf einen Bassisten verzichtet. Dafr hat Knpfchendreher Blake Harrison sichtlich Spa beim Abrufen der Intros und Samples. Ein unglaublich dichtes, brachiales und (mich) verzckendes Soundbild prgt den energischen Auftritt. J. R. Hayes ist aber auch ein Faszinosum; der mittlerweile etwas krftigere, im Grunde unscheinbare Fronter schreit und rotzt im Akkord die Bhne voll und sorgt so ohne groe Gesten oder Aufforderungen fr mchtig Wirbel im Pit. Drummer Adam Jarvis hat neben seinem berirdischen Schlagzeugspiel bei mir abschlieend noch mit einer klassischen "Stone Cold"-Pose gepunktet. Runde Sache!
Wormed waren ursprnglich fest ins Programm mit eingeplant. Zu neugierig war ich, zu sehen, wie die Spanier ihren irrsinnig schnellen und hochkomplexen Death Metal live wohl prsentieren. Den Plan haben aber, erwartungsgem auch seeeehr viel andere Menschen, die es mir letztlich schier unmglich machen, Zaal 2 zu betreten. Scheie, aber starker Hunger lsst mich den Reinfall schnell vergessen.

Nach einem schnellen Snack machen Immolation im Anschluss den groen Saal proppenvoll und zemetieren mit druckvollem Sound ihren Legendenstatus. Gitarrist Robert Vigna post unentwegt (also wirklich PERMANENT!) wie ein Weltmeister, whrend Snger Ross Dolan seine imposante Matte schwingt und dazu Bass spielenderweise seine Texte gen die Religionen dieser Welt ins Mikro grunzt.
Inmitten dieses genialen Geknppels dann eine Schweigeminute zu Ehren der Gefallenen des 2. Weltkriegs, mit der Bitte, die Vergangenheit niemals zu vergessen, damit so etwas Grauenvolles sich nicht wiederholt. Traurig, dass die ach so coole (betrunkene? asoziale??) Metal-Welt es nicht im Kollektiv schafft, mal eine Minute die Schnauze zu halten, und der Beweis, dass ein gebrlltes "Slayer!!!" nicht immer passt. Alle paar Sekunden hrt man dann auch tatschlich irgendeinen sinnentleerten Kommentar, ein grenzdebiles Mdchenkichern oder ein ungeduldiges "Make some music!" Schmen sollt ihr euch!
Diesen Umstand kann man aber natrlich nicht der Band anrechnen. Die soll letztlich als eines meiner Highlights durchs Ziel gehen, nicht zuletzt dank der Songs des neuen Albums.
Nach dem Wormed-Debakel habe ich erst gar nicht versucht zu Vallenfyre zu gelangen.

Demnach ist der nchste Stopp bei Repulsion anzusiedeln. Die Grindveteranen ziehen ihrem Status entsprechend auch etliche Leute und entern zu dritt die groe Bhne. Man merkt den Amis den Spa, bei einem ihrer seltenen Auftritte (in unseren Gefilden) deutlich an. Was soll ich zur Musik gro schreiben?! Die Band hat Geschichte geschrieben und war neben Napalm Death ganz klar mit verantwortlich fr unzhlige Kopien, doch ganz ehrlich, nach 20 Minuten hat man dann aber auch alles gehrt und die Musik beginnt ein wenig zu langweilen. Heuer tnt das Material der Urvter dann doch eher angestaubt und berholt. Meinen grten Respekt vor smtlichen Pionieren in allen Genres, doch hufig gefllt mir das, was die folgenden Generationen daraus gemacht haben um Lngen besser. Danke fr den Grundstein und so, aber ich nehme dann gerne das ganze Haus. Anschlieend nutze ich eine der wenigen Gelegenheiten, um einen netten "Arbeitskollegen"/ Promoter kennen zu lernen. Hallo Frank! Danke an dieser Stelle fr das nette Gesprch und dafr, dass du mich zunchst rund 15 Minuten mit meinem Besoffski-Englisch hast auflaufen lassen, bevor wir einfach auf Deutsch weiter gemacht haben ;-)

Carcass Carcass

Der groe Knall soll dann mit Carcass folgen, die den Tag beenden. Die UK-Legende (hier ist was los...) darf als bisher einzige Band im groen Saal mit Videoprojektionen protzen und visualisiert jeden ihrer Songs mit fiesen Bildern aus der Pathologie/ Notaufnahme/ Kirche... netter Tribut auch an den neuen Knig der Niederlande, hehehe.
Zu edelst rudigem Sound groovt sich das Quartett durch sein Set und wird unisono abgefeiert, doch auch hier darf man sich fragen, ob da nicht mehr htte kommen knnen. Vieles wirkt zu routiniert, manches sogar geschludert. Besonders deutlich soll das beim berhit "Heartwork" zu hren sein. Da vereinfacht die Solo-Gitarre kurzerhand einige Parts... Pfui! Noch ein Pfui fr das abrupte Aus mach eben jenem Song; ich jedenfalls habe kein angekndigtes Ende vernommen. Noch nicht mal eine Zugabe gab es, dabei htte die Band laut Plan sogar noch ein paar Minuten gehabt, abgesehen davon, dass man als Letztes gespielt hat und bestimmt noch ein wenig Spielzeit bekommen htte. Erweckt irgendwie den Verdacht, die Jungs selbst htten nicht soviel Wert drauf gelegt.

Die deutschen Defeated Sanity sollen meine erste Band am Sabbat werden. Kann mich das Gespann schon auf Platte nicht umhauen, so soll es sich auch live nicht anders verhalten. Der Bass ist pervers tief gestimmt und verzerrt und erspart damit die zweite Gitarre, whrend das Schlagzeug annhernd jedes noch so kleine Loch zublastet. Andernfalls wird gegroovt. Fronter Konstantin Lhring grunzt ebenfalls im Keller und sptestens jetzt sollten keine Fragen mehr bezglich des Sounds der Bayern offen sein. Brutal Death mit dick Slams, oder von mir auch gerne "ist doch alles eine Soe" genannt. Weitaus unterhaltsamer ist da schon das Publikum, das im Pit herum stapft wie Frank Mullen auf nem Bushwhackers-Trip.
Ganz nette Live-Geschichte, aber definitiv kein Muss.

Die berraschung des Tages sind kurz darauf The Monolith Deathcult. Die Jungs habe Heimspiel und lassen das auch permanent raushngen, indem sie konsequent hollndisch quatschen. Abgesehen davon berzeugt der Fnfer aber mit einem uerst abwechslungsreichen Set, das zwar hauptschlich im Midtempo groovt, aber auch Ausflge ins Blastland und nach Doomhausen wagt. Der Gesang wird brderlich durch drei geteilt und die Synthies sorgen fr das i-Tpfelchen in Form atmosphrischer Sounds. Dabei wirkt dies nie wie ein Fremdkrper, sondern stets als fester, unerlsslicher Teil des Ganzen. Man outet sich zwar nicht unbedingt als die Hitfabrik, doch die durchweg dynamisch arrangierten Songs halten zumindest mich bis zum Ende des Sets in Zaal 2.
Decrepit Birth machen direkt danach die groe Halle angenehm voll. Ihr verhltnismig anspruchsvoller Death Metal ist zwar prnzipiell nichts fr Gerangel im Pit, doch das hat Tilburg offensichtlich niemand gesagt. Es wird lustig im Kreis gerannt, whrend Snger und Oberhippie Bill Robinson die Massen anschreit, keift, grunzt oder zur Toleranz aufruft. Das hagere Mnnlein geht richtig auf in seiner Musik und beschwrt seine Mitmusiker frmlich. Live klingt das Ganze etwas roher und weniger perfekt als beispielsweise auf dem letzten Studioalbum. Death' "Crystal Mountain" darf man schlussendlich als Rausschmeier und damit bereits zum zweiten mal an diesem Wochenende hren. Die Lokalpatrioten Cliteater... geschenkt! Promitives Gekloppe in einem gnadenlos berfllten Zaal 2 muss nicht sein.

Re-Armed Re-Armed

Einschub: Bei aller Kritik an gewissen organisatorischen Mngeln (die Halle generell schien mir in manchen Momenten nicht DIE Location zu sein) muss ich unbedingt auch die stets freundlichen Mitarbeiter erwhnen. Ich war nun schon auf einigen Konzerten und Festivals, aber derart hflich und zuvorkommend kam mir dort noch niemand entgegen. Vom Mercher ber die Security (auch wenn sie mit ihren schnieken Hemden fehl am Platz wirkten) bis hin zu den durchweg strahlenden Thekenkrften; so drfte es immer sein.

Re-Armed knnen einem leid tun. Whrend Incantation auf das Stumpfste die Hauptbhne beackern und mit ihrem m.E. grauenvollen Gerumpel (ja ja, Kult, bla) die groe Halle voll machen und Unfathomable Ruination Zaal 2 mit ziemlich uninspiriertem Gekloppe beschallen, spielen die Finnen in einem fast leer gefegten Zaal 3. Snger Jouni Matilainen sieht man seine Enttuschung an, whrend die Axtfraktion versucht, das Beste daraus zu machen und kurzerhand den Platz vor der Bhne zu einem Teil eben jener gestaltet.
Einer der Gitarristen scherzt mit ein paar Finnen im Publikum und nach und nach kommen einige Leute hinzu, so dass es am Ende wenigstens zu einem kleinen Pit kommt. Ein fast schon familires Erlebnis. Rein musikalisch hat man die parallel aufspielenden Bands jedenfalls locker-flockig in die Tasche gesteckt. Der flinke, riffstarke Death Metal mit Thrash-Schlagseite htte definitiv mehr Gehr verdient. Wenn ein Konzert unterhalten muss, um gut zu sein, gehren Exhumed auf alle Flle zu den Gewinnern des Festivals. Die Amis haben sichtlich Spa in den Backen und strahlen um die Wette. Ihr rabiat-rotziger Death Metal der alten Asi-Schule sorgt umgehend fr gute Laune. "The Matter Of Splatter", "Limb From Limb" oder das arsch coole, noch nicht verffentlichte "The Ride" treten massiv Popo, doch was das Quartett endgltig von der Masse abhebt sind ihre Entertainerqualitten, allen voran die von Gitarrist Wes Caley; und das geht so: Alle Mucker bis auf Caley verlassen die Bhne, der spielt ein relativ sinnloses Solo, schwankt, kotzt (!) auf die Bhne (genauer, auf eine dafr vorgesehene Plane) und fllt um. Dann kommt ein "Arzt" mit Defibrillator (2 Bgeleisen an Kabeln!!), was nichts ntzt, bis er dem armen Kerl ein Bier einflt. Bingo! Parallel dazu spielt er im Herzrhythmus pltzlich wieder Gitarre. Spter hat der Gute noch mal ordentlich gereiert und ja, der kann das auf Kommando und macht das fter. Alles in allem ein Highlight... selbst das Kotze wegwischen nach der Show.

Possessed haben Legendenstatus inne. Schn... leider so was von nicht meine Baustelle.
Magrudergrind dagegen buddeln genau an meinem Fundament herum. Mit Strong Intention zusammen liefert man die intensivste Performance des gesamten Festivals ab. Die drei aufgekratzten Amis knppeln sich derart wild und ungezgelt durch ihr Set, dass sie sogar nur 30 statt 40 Minuten brauchen. Laut, schnell, brachial: Grindcore wie er sein sollte, und auch hier kein Bass von Nten. Htte man ruhig noch 10 Minuten dran hngen knnen. So blieb aber wenigstens genug Zeit um wieder rber zum groen Saal zu flanieren.
Cryptopsy sollten unser Abschluss auf der Megabhne sein, da, Fans mgen mir verzeihen, Unleashed weder zu Tims noch zu meinen Lieblingsbands gehren.
Laut, brachial und technisch so weit drauen, dass man streckenweise nicht mehr wei, ob man durchdrehen oder doch nur staunen soll. Matt McGachy ist einfach ein verdammt guter Fronter: sympathisch, agil und mit einem Organ ausgestattet, dass 90% der Konkurrenz zu krchzenden Schuljungen degradiert, dirigiert er die Massen nach Belieben. Viele Songs des neuen, selbstbetitelten Albums haben ihren Weg auf die Setlist gefunden, und damit auch die lteren Fans zufrieden sind, gibt es kurzerhand noch ein knackiges Old School-Medley mit Songs von "Blasphemy Made Flesh". Dem "Whisper Supremacy"-Kracher wird dafr, sehr zu meinem Entzcken, mit gleich drei (kompletten) Songs gehuldigt. Die Kanadier entfachen einen brutalen Flchenbrand, und wer nicht bangen will, schaut einfach 4 Topmusikern bei der Arbeit zu. Geiler Schei!

Possessed Possessed

Den endgltigen Abschluss fr uns bilden zu guter letzt die Vegetarier von Cattle Decapitation. Der Vierer bringt Zaal 2 fast zum Platzen und ich bin froh als ich irgendwann auf der Empore ankomme und mich nicht zwingend an einem stinkenden Mitmenschen reiben muss. Die Amis mrteln fies drauf los und wirken dabei herrlich angepisst. Jeder Quadratzentimeter der zum Moshen bleibt wird von der Meute genutzt und ich bin dankbar, dass die Band ihre Message nicht (wie beispielsweise Ignite) pausenlos mit erhobenem Zeigefinger den Fans vor den Latz knallt. Das Quartett lsst lieber seine Musik sprechen und die bildet einen furiosen Abschluss zu einem durch und durch unterhaltsamen Festival.

Anders als in Wacken hat sich die Bevlkerung brigens, im Speziellen die Belegschaft diverser Dnerlden, aber wohl noch nicht mit dem Gedanken der Langhaarigen-Invasion anfreunden knnen. Derart unfreundlich wurde ich jedenfalls noch nicht "bedient". In einem besonders noblen Etablissement (wre ich nur zuerst auf Toilette gegangen, das Essen htte ich mir gespart) konnte man gar das organisierte Verbrechen vermuten... unsympathisches Pack. Die meisten zwischenmenschlichen Erfahrungen, und da muss ich unsere Nachbarn verbal streicheln, waren jedoch positiver Natur.





Cattle Decapitation Cryptopsy Death to All Decapitated Decrepit Birth Defeated Sanity Exhumed Exhumed Haemorrhage Immolation Magrudergrind Necrophagia Strong Intention The Monolith Deathcult Tribulation Fans im groen Saal



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