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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SIX FEET UNDER, SHATTERED SOCIETY, SHEOL AFTERLIFE, THE BLINDED, DEATHCON ALPHA
Ort Mhltal bei Darmstadt, Steinbruch Theater
Datum 18.12.2012
Autor Sebastian Braun
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Eigentlich ist die Zeit kurz vor Weihnachten, zumindest theoretisch, die Zeit fr Besinnlichkeit, die Ereignisse des Jahres Revue passieren zu lassen und sich etwas Ruhe zu gnnen. In der Praxis hechelt ein Groteil der Bevlkerung durch, monumental auf der grnen Wiese erbauten, Konsumtempel. Hilflose Omas stehen in Elektronikmrkten und navigieren sich mich telefonischer Hilfe durch die Playstationspiele-Ecke um, nichtsahnend, ihren 13 jhrigem Enkeln den neusten Teil des Ego-Shooter Gemetzel Call of Duty zu kaufen. Was gibt es also besseres, um dem ganzen Wahnsinn zu entkommen, als ein gepflegtes SIX FEET UNDER Konzert? Die Mannen um Ex-CANNIBAL CORPSE Snger Chris Barnes versprechen mit der "Christmas in Hell" Tour erfreuliche Abwechslung. Zumal der Abend durch vier (!) Vorbands eine ausreichende Lnge verspricht um sich mal richtig schn ausgiebig das Trommelfell massieren zu lassen.

Hinzu kommt, dass die Deathmetaler aus dem sonnigen Florida sich als Lokalitt unter anderem das ehrwrdige Steinbruch-Theater in Mhltal bei Darmstadt ausgesucht haben. Der Schuppen frdert bei mir immer Erinnerungen an die frhe Jugend zu Tage, in denen man sich erstmalig mit Hefeweizen richtig schn die ersten Vollrusche erarbeitet hat. Dabei liefen im "Bruch" Klassiker von IRON MAIDEN, METALLICA oder dem damals neu erschienen, bahnbrechenden Debtalbum von RAGE AGAINST THE MACHINE. Das Klackern des Stahldrehkreuzes am Ausgang schallte einem bis zum nchsten Morgen in den Ohren und war immer fr die immensen Kopfschmerzen am Sonntag Morgen verantwortlich, oder sollte es doch das rudige Odenwlder Bier gewesen sein?

Deathcon Alpha The Blinded

Aufgrund der Vielzahl der Bands fngt der Abend auch schon relativ frh an und die Jungs von DEATHCON ALPHA haben die etwas undankbare Aufgabe, fr die langsam eintrudelnde Meute die Einlaufmusik zelebrieren zu drfen. Da der Snger durchaus ein bisschen Grunzen kann und auch der Rest der Band hrbaren Deathmetal spielt, gestaltet sich das Anstehen an der Theke fr das erste Bier als angenehme Wartezeit. Die Band lsst sich von der noch herrschenden Leere vor der Bhne nicht beeindrucken und liefert fr mein Empfinden einen soliden Auftritt ab, wenn hier natrlich auch keine berraschenden Besonderheiten geboten wurden. Die eintreffenden Metalheads werden von der Band auf jeden Fall gebhrend empfangen und jeder kann am Sound erkennen, dass er richtig gelandet ist und sich nicht zu der alljhrlichen Jahreshauptversammlung des lokalen Taubenzchtervereins verlaufen hat.

Die zweite Band THE BLINDED stammt aus dem sonnigen Spanien. Die nur drei Mann starke Band spielen eine Art groovigen Metalcore, der allerdings eine gehrige Portion Stoneranleihen hatt. Die Bandmitglieder sind allesamt noch relativ jung und spielen dafr recht solides Handwerkszeug. Der Frontmann hat einen guten (Klar)Gesang und die Band bietet zumindest nicht ganz einfallslose Songstrukturen, sondern bemht sich merklich um Abwechslung. Auch animieren die Jungs das, mittlerweile doch auf eine beachtliche Zahl angewachsene Publikum, endlich mal den Arsch auf die Flche vor der Bhne zu bewegen und ein bisschen mit zu gehen. Was durch beharrliches Motivieren und Animieren auch gelang. Musikalisch passen THE BLINDED zwar nicht so richtig in den Abend, aber sie bieten durchaus eine gute Show und sorgten dafr, dass es im "Bruch" endlich mal wieder richtig mollig warm wurde.

Bei der anschlieend folgenden kurzen Umbaupause werde ich an der Theke von einem unheimlichen Gedanken berrascht. Die freundliche Bedienung hinter dem Tresen sieht genauso aus, wie vor fast 20 Jahren. Also ich meine, es handelt sich um ein und dieselbe Person, nur wurde Sie in den letzten Jahren keinen Deut lter, kann das sein? Gedanken an Zombies, die sich zu fortgeschrittener Stunde von Besuchern ernhren machen sich in meinem Kopf breit. Nicht umsonst trgt die Lokalitt diesen Namen, sie befindet sich immerhin direkt in der Nachbarschaft eines alten, nicht mehr genutztem Steinbruch, in dem sich bestimmt prima berreste und stehen gebliebene Autos verstecken lassen. Ich verdrnge allerdings diesen Gedanken schnell, da ich prompt mein Bier in die Hand gedrckt bekomme und die nchste Band anfngt.

Shoel Afterlife

Bei SHEOL AFTERLIFE handelt es sich Norweger, die relativ klassischen, nordischen Deathmetal spielen. Allerdings haben auch sie einen gewissen Metalcore-Einfluss, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Das die Band keine Berhrungsngste mit anderen Genres hat, zeigte sich schon daran, dass der Snger anfangs mit einem BLONDIE T-Shirt auf der Bhne erschien. Aber sei's drum, die Band hat sich, auf Deutsch gesagt, den Arsch abgespielt und war mit vollem Einsatz auf der Bhne unterwegs. So viel Mhe wurde dann auch von dem Publikum gebhrend honoriert und die Stimmung war ausgelassen gut. Bei SHEOL AFTERLIFE zeigt sich fr mich mal wieder, dass gute Livemusik ber alle Metal-Subgenres funktioniert. Ein Groteil der Meute, die wegen SIX FEET UNDER da war, hat sicher keine einzige Metalcore Platte und bestimmt nicht all zu viele Gteborgmetal Scheiben zuhause im Schrank und lsst sich trotzdem von der Stimmung und Energie mitreisen. So wird dem Aufruf des Sngers zum Circlepit auch bereitwillig Folge geleistet. Die Jungs liefern auf jeden Fall den, bis dahin, besten Auftritt an diesem Abend ab und zum Ende der Show war die Stimmung schon auf dem ersten Hhepunkt.

Shattered Society

Bevor dann SIX FEET UNDER auf die Bhne kommen sollen, steht noch die Band SHATTERED SOCIETY auf den Programm. Die Jungs kommen ebenfalls aus Norwegen und kndigen sich durch einen groen Banner hinter der Bhne schon whrend der Umbauphase an. Entsprechend hoch sind somit meine Erwartungen, die jedoch gleich zu Beginn des Gigs der Band enttuscht werden. Den groen Posen der Band folgt eher eine Aneinanderreihung typischer Deathmetal und Metalcore Anleihen. Whrend der Lead-Gitarrist, immerhin mit einer Griffbrettkamera ausgestattet, sich versucht in Szene zu setzen, der Snger in typischer Metalcore Manier mit dem Fu auf der Box steht und den Oberkrper Richtung Publikum biegt, schwindet leider die Stimmung vor der Bhne zunehmend. Nicht, dass die Band technisch schlecht spielt, die Griffe und Einstze sitzen, aber leider fehlt den Stcken jegliche Individualitt. Wenn das noch mit grospurigem Gehabe auf der Bhne kombiniert wird, ist es naheliegend, doch noch mal zum Bierstand zu tingeln, als vor der Bhne zu verharren.

SIX FEET UNDER

Nachdem der Abend mit musikalischen Hhen und Tiefen schon bereits fortgeschritten ist und die Umbauphase sich unntigerweise ein bisschen in die Lnge gezogen hat, ist es dann endlich soweit: SIX FEET UNDER betreten die Bhne. Die Band hat jetzt auch schon einige Zu- und Abgnge in ihrer mittlerweile fast 20jhrigen Geschichte zu verzeichnen und ist seit 2011 von vier auf fnf Mitglieder angewachsen. Oft sind solche Wechselspiele in der Besetzung ja kein gutes Zeichen und man hat bei der ein oder anderen Band den Eindruck, es ist eigentlich egal, wer dabei ist, Hauptsache der Rubel rollt fr das Management (auch wenn im Metal eher kleine Verdienst-Brtchen gebacken werden). Aber kurz nachdem die 5 Jungs die Bhne betreten und mit "Formaldehyde" vom aktuellen Album "Undead" den Abend einluten, brennt im Steinbruch die Luft.

SIX FEET UNDER

Bassist Jeff Hughell, seit Februar 2012 an Board, beeindruckt mit seinem Knnen am siebenseitigen Bass. Auch die Neuzugnge Ola Englund an der Gitarre und Kevin Talley am Schlagzeug meistern den Auftritt souvern. Die beiden SFU Urgesteine Steve Swanson und Chris Barnes meistern ihre Sache souvern, was natrlich keine berraschung ist. Erstaunlich ist trotzdem die Bhnenprsenz von Chris Barnes. Die ewig langen Dreads kreisen wahlweise um seinen Kopf oder hngen wild vor dem Gesicht, whrend er dazu einen derart tiefen Grunzgesang zum Besten gibt, dass vermutlich selbst den Krokodilen in den Everglades ein Schauer ber die schuppige Haut luft. Gepaart mit den hohen, gequietschten Schreien wird schnell klar, dass hier textlich kein Kindergeburtstag gefeiert wird. Die Band baut auch CANNIBAL CORPSE Stcke, wie beispielsweie "Stripped, Raped And Strangled" in die Setlist ein. Da die Band selber aber auch schon auf 10 Studioalben kommt, gibt es gengend Material, auf dass zurckgegriffen werden kann. So liest sich die Setlist auch wie ein Best-Of der letzten zwei Jahrzehnte. Stcke wie "Feasting On The Blood Of The Insane", "Revenge Of The Zombie", "No Warning Shot" oder "Shot In The Head" fehlen ebenso wenig wie "Victim Of The Paranoid" oder "The Day The Dead Walked". Die Menge vor der Bhne ist auch vom ersten Stck an dabei und die Temperatur im Raum steigt unaufhrlich. Chris Barnes verschwendet auch keine Zeit darauf, lange Reden zu halten, zwischen den Stcken gibt es nur zwei-drei kurze Stze und weiter geht es. Mich nerven zwischendrin ein bisschen die aufgepumpten Security Affen am Bhnenrand, die vllig unntig irgendwelche Leute hin und her schieben, aber zum Glck gibt es keine greren Auseinandersetzungen. Leider ist der ganze Spa nach knapp ber einer Stunde schon wieder vorbei und SIX FEET UNDER verabschieden sich grulos mit dem dem CANNIBAL CORPSE Stck "Hammersmashed Face".

SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER

Alles in Allem ein gelungener Abend. Gerade SIX FEET UNDER konnten wirklich mitreien. Vielleicht sollte sich die Verantwortlichen mal Gedanken darber machen, ob es wirklich sinnvoll ist, mehr als ein bis zwei Vorbands spielen zu lassen, so wie es zur Zeit immer hufiger vorkommt. Da die Vorbands die Tour mit finanzieren, oder beim gleichen Label unter Vertrag stehen, werden am Ende damit natrlich die Kosten der Tour gedrckt, allerdings fhrt das auch dazu, dass die ein oder andere Band dabei ist, auf die man getrost verzichten kann und viel entscheidender: Die Hauptband selber ihre Spielzeit reduzieren muss. Statt 90 Minuten plus Zugabe schrumpft die Zeit auf knappe 60 Minuten zusammen, was besonders bei einer so grandiosen Liveband wie SIX FEET UNDER schade ist.
















Deathcon Alpha Deathcon Alpha The Blinded The Blinded The Blinded Shoel Afterlife Shoel Afterlife Shoel Afterlife Shattered Society Shattered Society SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER SIX FEET UNDER



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