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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MILKING THE GOATMACHINE, BLACKEST DAWN, KINNARA
Ort Magdeburg, Factory
Datum 05.04.2013
Autor Marc Fischer
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Hinterhofromantik

Was bringt man als Vorbericht, wenn die Anreise von der eigenen Couch bis zum Laden vor die Bhne keine halbe Stunde dauert? Ich knnte erzhlen, wie sehr ich mich gefreut hatte, das Kaiserslautern noch den Deckel drauf gemacht hat gegen die Geibcke, bevor ich los musste. Vielleicht davon, wie ich mich daheim zum allerersten Mal mit einer Kamera beschftigen musste, weil meine kongeniale bessere Hlfte Axel nicht dabei war. Das Kapitel Fotos und ich ist aber auch in dieser Episode um eine Niederlage fr mich gegen die Bilder reicher. Dieses Debakel bekommt aber spter noch mal eine gesonderte Betrachtung.
Zunchst aber soviel: Wenn einer in Magdeburg Metalkonzerte auf die Beine stellt, dann sind es die Jungs von der Death Metal Truppe von Torturized. In Person ist das der Siggi. Und ich bin vollends berzeugt davon, wenn der gute Mann in dieser Stadt nicht wre, dann wrde hier in Magdeburg nichts, aber auch wirklich gar nichts, was mit elektrischen Gitarren zu tun hat, los sein! Dafr gibts noch mal ein persnliches "Danke schn" an den guten Mann. Die Factory in Magdeburg ist eigentlich ein Schuppen, der durchaus Tradition aufweisen kann. So wie vieles in der Landeshauptstadt. Aber ebenso wie die Stadt hat auch der Laden schon mchtig gelitten in der Zwischenzeit. Backstage ist hier nicht gleich Backstage. Dafr muss man schon mal ber den halben Hof des ehemaligen Firmengelndes und in den nchsten heruntergekommenen Anbau. Der aber ist wiederum von innen schick renoviert und es gibt sogar einen eigenen Raum mit Whirlpool und Sauna. Das sollte ja schon Grund genug sein, in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts spielen zu wollen. Nicht umsonst haben hier auch schon Hypocrisy und Sick Of It All die Bhne geentert. Die Venue fasst gut und gerne bis zu 800 Zuschauer. Dafr kann dann auch eigens noch eine separate 360 Bar geffnet werden, damit der Ansturm trinkwtiger Fans auch bewltigt werden kann. Soviele Gste sind es aber heute Abend nicht, weswegen auch nur eine Bar am Rande mit Personal bestckt ist. Ein grerer Ansturm trinkwtiger Gste htte heute wohl eher fr lngere Warteschlangen denn fr alkoholisierte Lebensfreude gesorgt. Mit 2,50 Euro pro Bier und 2 Euro fr alles nicht alkoholische sind die Preise aber mehr als moderat und vernnftig. Auch der Eintrittspreis ist mit 15 Euro (12 VVK) fr die Abendkasse vertretbar.
Der Tunnel vom Eingang zum eigentlichen Konzertsaal ist letztlich auch wie gemalt fr die Merch-Hndler, die die Gelegenheit auch nutzen und in dem schlauchartigen Gang, wo eh jeder durch muss, Band- sowie verschiedene weitere Klamotten zu den auch sonst bekannten Preisen anbieten.

Blackest Dawn Blackest Dawn KINNARA

Der Vierer kommt aus Wolfsburg und behlt diese Tatsache auch recht lange fr sich. Die Pfiffe, wohlgemerkt nur wegen der Herkunft und nicht wegen der musikalischen Darbietung, geben dem Quartett recht, dass man damit so lange hinterm Berg gehalten hat. Gilt Wolfsburg doch auch hinter der Grenze nicht als groer Sympathietrger.
Die nicht mehr ganz so jungen Burschen bieten technisch versierten bis progressiven Death Metal. Auf der Bhne wirken die Jungs ein bisschen statisch, was aber auch der schnellen Gangart an den Instrumenten geschuldet sein kann, da es vorrangig gilt, sich darauf zu konzentrieren. Es wird geblastet, was das Zeug hlt, und Snger Andr Pennewitz growlt mit starker Vehemenz. Einzig seine Ansagen sind arg hlzern und die Pausen zwischen den Songs sind unntig lang. Aber KINNARA schaffen es etwa ab der Hlfte des Sets das Publikum auf ihre Seite zu ziehen und ernten dafr fleiig Pommesgabeln, was bei ca. 250 bis 300 Metalheads schon ganz nett anzuschauen ist. Musikalisch ist das absolut anspruchsvoll, was die Wolfsburger darbieten. Aber leider ist der Sound stellenweise viel zu schwammig, da manche ausgefeilten Stcke nicht vernnftig rberkommen bzw. das den Songs zu viel flten geht durch den mauen Klang. Durchaus zum Schmunzeln waren auch die einzelnen Songtitel. Eine kleine Auswahl gefllig? "Asshole Illumination", "Torso Queen" oder auch "Jump Into My Asshole"... Zum Abschluss gab es noch eine kleine Zugabe.

BLACKEST DAWN

Bisher der beste Auftritt, den ich von den Lokalmatadoren aus Magdeburg gesehen habe. Es ist bereits das dritte Mal und dieses Mal passt verdammt viel. Mchtig Druck der nach vorne pusht, ein guter ausdifferenzierter Sound auf den Saiteninstrumenten und im allgemeinen. Die Stimmen haben beide ordentlich Dampf dahinter. Ebenso gibt es massig Aktivitt auf der Bhne, was einen groen Kontrast zu KINNARA vorher bietet. Dabei mssen die Jungs immer auf ihren Klampfer Danilo aufpassen. Der hatte sich eine Woche zuvor einen Meniskusschaden zugezogen und konnte daher nur auf einem Stuhl am Rande agieren. Der Rest der Combo nutzt die gesamte Bhne von der Breite bis zur Lnge voll aus und springt, hoppst, posed in Hlle und Flle.
Beim obilgatorischen Amon-Rip Off, was bei BLACKES DAWN immer im Programm ist, geht dann auch der halbe Laden mit und es wird sich gegenseitig fleiig beklatscht. Dabei ist die Band durchaus angetan und bedankt sich sowohl artig als auch glaubwrdig beim Publikum, da auch sie selbst als Lokalmatadore sichtlich berrascht sind ber so viel Zuspruch und Resonanz. Am Ende steht ein saustarker Auftritt, der in einer gegenseitigen Lobhuddelei mndet. Das Publikum bekommt von BLACKEST DAWN nicht genug, die Band bekommt ne feuchte Hose bei so viel Liebe aus dem Publikum. Zum Schluss gibts noch ne Zugabe mit einem Cover von Maroon ("At The Gates Of Demise"), was den Laden vor den Bcken noch mal steil gehen lsst.

Milking the Goatmachine Milking the Goatmachine GOATMACHINE

Es erklingt das Sample von "Only Goat Can Judge Me", dem Opener von "Stallzeit", und die Factory flippt kollektiv aus. Das gesamte Set ist eine bunte Mischung aus neuen Songs vom neuen Album und alten Hits, die es einfach immer wert sind, gespielt zu werden. Dabei nutzen die drei Klampfbcke den Platz, den sie auf der Bhne haben, wie gewohnt durch Twosteps und Gepose voll aus. Es wird von rechts nach links galoppiert, dabei die Menge angeheizt und die Gesangsleistung von Sngerdrummer Goatleeb Udder sucht mal wieder ihresgleichen.
Das Publikum frisst den Ziegenbcken aus den Hufen und ruft zwischen den Songs immer wieder eigene Wnsche dem Ziegenstall entgegen. Nach so ziemlich jedem Song schallt es "Ding Dong Motherfucker" durch den Laden. berhaupt ist es absolut positiv hervorzuheben, dass an diesem Abend im Publikum selbst keinerlei Animositten durch zu viel "dicke-Hose-machen" entstehen, sondern gut die Hlfte aller Gste damit beschftigt ist, sich durch die Gegend zu schubsen, zu pogen, sich aufzuhelfen, Getrnke auszugeben etc. Nirgends sieht man einen Prollo, der mit violent dancing Aktionen andere gegen sich aufbringt oder provoziert.
Auch die Band goutiert ein ums andere Mal die positive Stimmung, die vom Platz vor der Bhne ausgeht und so pushen sich Band und Zuschauer immer wieder an, noch mehr Gas zu geben. Der Rest des Abends ist, so blde das klingt, eigentlich schnell erzhlt. Diverse Circle Pits ziehen noch ihre Runde durch die Factory, die Band spielt zum Abschluss "Mr. Vain", hat dabei aber die Rechnung ohne die feierwtige Meute gemacht. Nachdem das Publikum minutenlang "Zugabe" skandiert, lassen sich die Ziegen doch noch mal bitten und spielen erneut auf.
Dafr wollen Goatfreed und Co. aber im Gegenzug auch nochmal eine ostdeutsche Wall Of Death sehen und bitten beim letzten Song "Surf Goataragua" zum Tanze. Zu guter Letzt stehen in der Factory eine begeisterte Ziegenherde und ein von Glck beseeltes Publikum.

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