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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ENSLAVED, WINTERFYLLETH
Ort Berlin, SO 36
Datum 03.04.2013
Autor Axel Fichtmller und Marc Fischer
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Wo bitte geht's in die Innenstadt?

Wenns mal nicht luft, dann aber richtig. Wenn was schief geht, dann wenigstens auch alles. Naja, fast alles. Wollen wir das alles mal nicht berdramatisieren. Trotzdem, erst funktioniert das Navi viel zu spt, so dass wir schon mal halb um Berlin herumgefahren sind, was vllig unntig ist und ordentlich Zeit frisst. Dann stehen wir in Berlin im Stau. Zweimal. Die Baustelle frisst insgesamt noch mal 30 Minuten. Zu guter Letzt funktioniert die Nummer der Tourmanagerin fr das anstehende Interview nicht, weil ich irgendwo einen Zahlendreher mit eingebaut habe. Tolle Voraussetzungen, aber trotz des ganzen Rumgeheules geht natrlich alles wunderbar glatt. Wir steigen aus dem Auto aus, laufen panisch auf das SO36 zu und zuflligerweise Ivar Bjrnson samt Tourmanagerin in die Arme. Sorgen mssten wir uns keine machen und mit dem Interview ginge auch alles in Ordnung. Prima! Doch zu unserem Gesprch mit Grutle Kjellson erfahrt ihr hier in Krze mehr. Versprochen.

Fakt ist: Interviewen macht hungrig. Also begeben wir uns auf Futtersuche. Passend zur katastrophalen Anreise gelangen wir natrlich an den, vom Preis-Leistungs-Verhltnis her, wohl teuersten Dnerladen Berlins. Und wenn man den schon gefunden hat, isst man natrlich auch da. Wir lassen uns ja nicht lumpen und auerdem mssen wir noch zwei Stunden herumbekommen. Die Warterei verfliegt bei anregenden Gesprchen ber Spielplatzkontrolleure sowie deren Fundsachen, Spielcasinos und wo sich der Spiegel noch von der Bild unterscheidet.

Im SO 36 selber gibt es nichts zu bemngeln. Trotz der langen Historie, die der Schuppen hat und trotz der mittlerweile lngeren rumlichen Nhe zu Berlin ist es das erste Mal, dass wir im SO 36 ein Konzert besuchen. Und den kultigen Ruf trgt die Venue vllig zu Recht. Der Laden mag vielleicht 500 Gste fassen, vielleicht wren es im rgsten Falle auch ein paar mehr. Aber sonst ist es klein, gemtlich, ranzig, einfach ein kleiner geiler Laden wo man die Historie ein wenig atmen kann. Im Merchandise-Bereich geht alles zu wie immer. Preise inklusive. Bei den Getrnken und deren Preisen wei ich jetzt so nicht, ob das viel oder wenig ist. Ich kenne Berliner Bars, wo ich abends um 23 Uhr fr ein 0,5er Bier nen Euro bezahle. Hier sinds deren 2,80 Euro. Und dann auch nur fr 0,3. Dafr wird aber alles angeboten, was die Leber begehrt.

SO 36

Die Securities sind darber hinaus ebenfalls seeeeehr pflichtbewusst und es hat schon ein kleinwenig etwas von persnlicher Antipathie. Dass wir trotz Gsteliste auf Herz und Nieren durchsucht werden, ist unter dem Sicherheitsaspekt gewiss lblich, aber dass wir schon lange vorher die Mglichkeit gehabt htten, im Konzertsaal etwas zu bunkern, kommt den werten Herren nicht in den Sinn. Ebenso erschliet sich uns nicht, warum wir wirklich jeden Reisverschluss von jedem noch so kleinen Mikro-Tschchen und jeder Federmappe aufmachen mssen. Was wurde denn hier erwartet an Bombenlegern bzw. was passiert denn sonst so im SO 36, dass man dermaen dnnhutig und missmutig mit uns umgeht? Am Winterfylleth-Stand haben wir dann noch den schnsten Thomas-Magnum-Gedchtnisschnauzer gesehen, der sich in den letzten Jahren um den inoffiziellen Titel beworben hatte.

Winterfylleth

Als die Englnder die Bhne betreten, hat es mehr den Anschein, als wrden dort gerade vier Abiturienten einer Schlercombo die Instrumente in die Hand nehmen. Vor der Bhne finden sich zu jenem Zeitpunkt vielleicht plus/minus 200 Zuschauer ein. Vielmehr sollen es an diese Abend aber insgesamt nicht mehr werden. Einerseits so unaufgeregt und unscheinbar und andererseits so dermaen auf jegliche Black Metal-Konventionen scheiend, zeigen die Briten mal ganz ohne Umschweife, wie man auf sympathische Art und Weise frei von jeglichem Panda-Clischee Black Metal macht. Zu allem berfluss taucht hinter der Schiebude auch der Gesichtsporsche wieder auf, was zustzlich noch fr Sympathie sorgt.

Skeletonwitch Skeletonwitch

Der Auftritt kommt teilweise recht undynamisch daher, was aber mehr daher rhrt, dass zu dem Set von Winterfylleth im Hintergrund auch schon das Set von Enslaved auf der Bhne steht. Die nicht gerade groe Bhne wird daher noch mehr ihres Platzes beraubt und daher kann man den Englndern nichts ankreiden, als dass sie sich sonst mehr selber im Weg gestanden htten. Dafr ist das Licht immer wieder schn gesetzt und lsst die Band wie auch die Bhne immer wieder in einer nette Atmosphre zurck. Teilweise wird die gesamte Bhne in rotes oder blaues Licht getaucht und man sieht nur die Silhouetten der Musiker, was bei der Musik ziemlich stark wirkt. Nach der Hlfte des Sets ist es dann auch soweit, dass ein Groteil des Publikum auch endlich den Weg vor die Bhne findet.

Die Briten selbst sind zum ersten Mal in Berlin unterwegs und ob des Zuspruchs vom Publikum sichtlich gerhrt. Am Ende steht ein guter Auftritt ohne jeglichen Firlefanz, ohne Gepose, der unaufgeregt und ein wenig trocken daher kommt, aber genau deswegen aus meiner Sicht sehr sympathisch ist, da sich hier nicht bermig abgefeiert wird. Die jungen Englnder lassen die Musik sprechen und klopfen sich dafr nicht die ganze Zeit gegenseitig auf die Schulter. Da ist es fast schon "traurig", aber nach 40 Minuten muss auch die beste Vorband fr ENSLAVED Platz machen.

Enslaved Enslaved ENSLAVED

Ich habe mich vorm Schreiben des Berichts extra umgehrt. Mir war in den Tagen zuvor oft herangetragen worden, dass die Norweger durchaus auch schon mal unentspannt sein knnen. Es ist wohl nicht zwingend so, dass die Skandinavier die Partymeute schlechthin sind und einen Hammerauftritt nach dem anderen hinlegen.

Umso grer wiegt es damit, dass die Band wie auch das SO36 in den nchsten knapp zwei Stunden einen riesigen Spa miteinander haben. Die Band, allen voran Grutle und Ivar sind mchtig gut aufgelegt. Grutle macht sich zwischendurch fter den Spa, die Menge genau dann zu animieren, wann es ein wenig vertrackter wird und klatscht dem Publikum vor, was es zu tun hat. Mit dem Ergebnis, dass es in die Hose geht und alle sich darber amsieren. Dafr, dass ENSLAVED quasi nur einen Tag spter ihren letzten Tourtag in Hamburg absolvieren werden, merkt man nichts, was annhernd auf Tourmdigkeit schlieen lsst.

Enslaved Enslaved

Stattdessen wird in frhlicher Regelmigkeit bewiesen, wie gern man doch deutsch spricht, obwohl bis auf "Apfelstrudel" nicht viel mehr passiert. Das mndet schlielich in einen Battle zwischen Ivar und Grutle, wer schlechter ist. Die Band ist unglaublich kommunikativ, was die wenigsten so erwartet hatten an diesem Abend, was das Konzert im Endeffekt aber nur umso besser macht. Grutle verschenkt Bier ans Publikum und nach sptestens 30 Minuten dreht fast der gesamte Laden bei "Thoughts Like Hammers" durch. Hier kommt die Atmosphre des kleinen Ladens dann auch voll zum tragen. Alle sind nah aneinander dran, die Band am Publikum, das Publikum kann wiederrum auf Tuchfhlung zu den Skandinaviern gehen. ENSLAVED sind dazu noch recht agil auf der Bhne unterwegs und das Front-Trio spaziert von links nach rechts und wieder zurck. Nach ber 70 Minuten verlsst die Band das erste Mal die Bhne und lsst ein Publikum zurck, von dem nicht einer eher abhaut, sondern vehement zur Zugabe bittet.

Enslaved Enslaved

Nach einigen Momenten kommt dann auch Cato zurck mit einem Drumsolo. Danach sollen die Deutschknste ebenfalls weiter aufpoliert werden und es entbrennt eine amsante Diskussion, was "one more" auf Deutsch heit. Die Kommunikation luft dabei aber so schlecht, dass das Publikum "Einer geht noch..." skandiert, was wiederrum Grutle dazu veranlasst, "Der Hahn ist tot..." singen zu lassen. Es ist fr alle ein Heidenspa und die Band tut alles, diese gute Stimmung zu frdern. Enslaved animiert die Meute, die sich zwar immer ein wenig bitten lassen muss, vielleicht auch aus berraschung ber die Kommunikationsfreude, aber es ziehen alle glcklich mit. Grutle beendet dann diesen fast denkwrdigen Auftritt mit den weisen Worten: "RocknRoll is the religion, fuck off the Nazi Scum!" Amen.

Setlist:

  • Intro (The Sleeping Gods-Edit)
  • Riitiir
  • Ruun
  • The Watcher
  • Thoughts Like Hammers
  • Ethica Odini
  • Roots Of The Mountain
  • Materal
  • Convoys To Nothingness
  • Allfar Oinn
  • As Fire Swept Clean The Earth

Zugabe:

  • Drumsolo
  • Fenris
  • Isa





Enslaved Winrerfylleth Enslaved Enslaved Enslaved Enslaved Enslaved Enslaved Enslaved
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