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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing VÖLKERBALL
Ort Mastershausen, Bürgerhalle
Datum 16.03.2013
Autor Jennifer Laux
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Dieser Samstag steht mal ganz im Zeichen der Mädels: Gerade noch schnell die Einkäufe erledigt, die Bude geputzt und unter die Dusche gesprungen und beim Schminken schon mit passender Musik eingestimmt, steht die Freundin schon zur Abholung bereit. Nach einer spaßigen Autofahrt ging es hochmotiviert in die heiligen Hallen des Bürgers im kleinen Seelendorf Mastershausen auf dem Hunsrück. Bereits kurz vor sieben stehen ein paar Leute vor der Tür, die um Punkt Sieben ihre Pforten öffnet, um noch Tickets an der Abendkasse zu ergattern. Die meisten jedoch sicherten sich im Vorfeld ab und bestellten ihre Karten schon lange im Voraus im Internet. Anfangs noch leer, füllte sich die Halle doch recht schnell, bis zum Schluss 450 nicht nur lokale Fans (ja, ich traf auch Leute die extra aus Mannheim anreisten) ungeduldig auf den ersten Ton der Band warteten. Heute nämlich gastiert zum zweiten Mal die wohl im Moment angesagteste RAMMSTEIN-Tribute-Band VÖLKERBALL in dem kleinen Hunsrückort und wühlt die Dorfidylle mal so richtig auf. Die sechs Musiker sind längst kein Geheimtipp mehr und erfüllen auch höchste Erwartungen, das muss an dieser Stelle einfach mal gesagt werden. Man braucht sich nur ihre Terminliste auf www.voelkerball.eu anzuschauen, welche beweist, wie hoch die Nachfrage ist und wo sie mittlerweile überall herumkommen.


Völkerball Völkerball Pünktlich um 21 Uhr eröffnen die Jungs mit "Reise, Reise" ihr Set. Vom ersten Augenblick an steigt das Stimmungsbarometer von Null auf Hundert. Im Mittelpunkt allen Geschehens und somit auch absoluter Fokus des Publikums ist Frontman René Anlauff, der seine Rolle als Till Lindemann nahezu perfekt verkörpert und ihm in Mimik und Gestik in nichts nachsteht: Der Blick, nein man schafft es nicht ihn auch nur ansatzweise zu irritieren, die charakteristische Stimme mit ihrem rollenden "R", die Schritte, die Handbewegungen und auch die Klamotten: da stimmt einfach alles, wenn man das Original kennt. Respekt. Aber er allein macht natürlich nicht die ganze Combo aus. Für den brachialen Gitarrensound sind Tobias Kaiser und Björn Müller verantwortlich, die wirken, als hätten sie ihr Leben nichts anderes gemacht. Dann lasse ich meinen Blick erst einmal über die Bühne schweifen und vermisse Tillmann Carbow, Bassist der Truppe, der nicht anwesend ist. Stattdessen steht Marco Vetter, ehemals Gitarrist von VÖLKERBALL auf Tillmanns Position und lässt die Basssaiten vibrieren. Wie es dazu gekommen ist? Nun, Tillmann liegt wohl im Krankenhaus und kann so den Gig nicht spielen - daher schaffte sich Marco innerhalb kürzester Zeit die Basslinien drauf. Hätte man nicht gewusst, dass er dort eigentlich nicht sein Instrument in der Hand hält, wäre es wohl keinem aufgefallen. Marco, du hast Tillmann ebenbürtig vertreten, klasse. Keyboarder Andreas Schanowski fliegt über die Tasten und erzeugt die typischen RAMMSTEIN-Sounds. Drummer Dirk Oechsle, erhöht drapiert, versteht den Umgang mit seinen Sticks bis in die tiefsten Feinheiten und sorgt mit Rhythmik und Gestik für ein sicheres Fundament. Die Show ist bis ins kleinste Detail geplant und durchdacht: Ob durch die perfekt eingesetzte Pyrotechnik oder auch die Schauspielkunst der einzelnen Musiker: Andreas Schanowski beispielsweise versucht bei "Mein Teil" die Flucht vor René zu ergreifen, der mit blutverschmierter Schürze und "scharfem Mikro" bewaffnet, versucht, ihn in einem übergroßen Topf über einer riesigen Flamme zu garen. Erst bei "Haifisch" kann er sich in einem schwarzen Schlauchboot über die Menge hinweg schwimmend so mehr oder weniger in Sicherheit wiegen. Doch es soll nicht gut für ihn enden, denn bei "Ich Tu Dir Weh" hat bildlich seine letzte Stunde geschlagen, als er schlussendlich zu Ende der zweiten Halbzeit in einem Sarg abtransportiert wird. "Feuer frei" lässt Feuergeysire aus dem Bühnenboden schießen. Die "Spieluhr" hält René natürlich auch in seinen Händen. Die Worte "Ich Will" lassen die Masse bereits schreiend toben, da braucht es nicht viel mehr. Bei "Amerika" regnet es Glitterpartikel von der Decke. "Ohne Dich", Worte, bei denen René das Publikum direkt anspricht und mit dem Finger auf sie zeigt, vermitteln noch einmal mehr die Fanbindung. Schön inszeniert, als hier nach und nach Gesang und Instrumentalisten aus dem Lied aussteigen und sich vor dem Publikum verneigen. Ein würdiger Abgang. Ein wirkliches Spektakel das hier geboten wird. Ohr und Auge werden gleichermaßen zufrieden gestellt. Mit den gespielten Songs schicken sie das Publikum auf eine Reise durch die Machenschaften und größten Hits ihrer Idole, so ist für jeden Geschmack etwas dabei. Trotzdem haben auch zwei der Eigenkompositionen Platz in der Setlist gefunden: "Radioaktiv", das auch als Single mit einem Video ausgekoppelt wurde sowie der Song "Gammelfleisch". Titel, die von den Fans ebenso gefeiert werden, wie der Rest der Setlist an diesem Abend. So verdreckt sich die Jungs auf der Bühne präsentieren, so "rein" ist das, was sie musikalisch zu bieten haben. Musik und Performance sind stimmig und das überzeugt auf ganzer Linie. Nach einem zweieinhalbstündigen Programm geht um 0.30 Uhr ein energiegeladener Abend langsam zu Ende. Noch zwei Zugaben als Dankeschön, bei denen der Klassiker "Engel" mit weiblicher Performance nicht fehlen darf, dann verabschiedet sich René mit den Worten "Es war uns ein Fest" und erntet tosenden Applaus von zufriedenen Zuhörern. Zum Abschluss gab es dann noch ein Gruppenfoto mit dem Gewinner unseres Ticketwettbewerbs Tim Schneiders aus Mastershausen, der die Band zum ersten Mal sah, aber sichtlich begeistert war.


Völkerball Setlist: Voelkerball

  • Reise, Reise
  • Links, 2, 3, 4
  • Benzin
  • Feuer frei
  • Spring
  • Herzeleid
  • Keine Lust
  • Weißes Fleisch
  • Spiel mit mir
  • Der Meister
  • Waidmans Heil
  • Haifisch
  • Du riechst so gut
  • Liebe ist für alle da
  • Mein Herz brennt
  • Völkerball
  • Spieluhr
  • Radioaktiv
  • Gammelfleisch
  • Asche zu Asche
  • Sonne
  • Mein Teil
  • Ich will
  • Pussy
  • Frühling in Paris
  • Du hast
  • Amerika
  • Ich tu dir weh
  • Ohne dich
  • Rammstein
  • Engel



Völkerball

Dieses Konzert war nicht mein erstes VÖLKERBALL-Konzert und trotzdem reißt es mich jedes Mal aufs Neue mit und erstaunt mich, wie professionell und ehrgeizig und doch mit welcher Leichtigkeit das Sextett an die Sache herangeht. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, sie hätten keinen Spaß an dem was sie da tun. Nach den Konzerten sind sie meist hautnah greifbar und direkt am Fan. So hart die Jungs auf der Bühne wirken, so sympathisch sind sie im wirklichen Leben. 99% RAMMSTEIN - 100% VÖLKERBALL. "Mein Herz brennt" für die Truppe. Wer Interesse am Schaffen der Band hat, sei ihr Debüt "Weichen + Zunder" mit seinen zwölf eigenen Tracks wärmstens ans Herz gelegt. Auch bei diesen Songs ist die enge Verwandtschaft zu RAMMSTEIN nicht zu überhören und mit dem Booklet auch nicht zu übersehen. VÖLKERBALL legen ihren Fokus nur eher auf Balladen und Midtempo-Nummern. Hört einfach rein und überzeugt euch selbst. An dieser Stelle noch mal ein Dankeschön an den Schützenverein Mastershausen, Veranstalter des Events, für den gelungenen und gut organisierten Abend. VÖLKERBALL wünsche ich weiterhin viel Erfolg und bis zum nächsten Mal.







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