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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing STEVEN WILSON
Ort Kln, Live Music Hall
Datum 10.03.2013
Autor Alexander Meyer
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Wie sieht ein perfekter Sonntag aus? Schn ausschlafen, mit der Liebsten gemtlich frhstcken, ein ausgiebiger Spaziergang mit den Hunden in der Frhlingssonne und dann ab nach Kln zu Steven Wilson! Als ich pnktlich um drei Uhr an der Live Music Hall ankomme, parke ich erstmals gleich vor der Haustr, da wo abends nicht mal ein Bobby Car hinpasst. Warum um drei Uhr? Weil ich ein ausfhrliches Interview mit Steven mache, das ihr an anderer Stelle lesen knnt. Danach habe ich das Vergngen, dem Soundcheck der Band beizuwohnen, die prompt meine drei Lieblingssongs vom neuen Album "The Raven That Refused To Sing (And Other Stories)" zocken und zwar "Luminol", "The Watchmaker" und "The Holy Drinker" (in Teilen). Man sprt schon beim Soundcheck die prickelnde Chemie und freundschaftliche Atmosphre innerhalb der Truppe. Das Duo Minnemann/Beggs ist fr mich die derzeit beste Rhythmussektion berhaupt und groovt vor allem im Rush-artigen Mittelteil von "The Watchmaker" so tight, dass man ihnen das eigene Grinsen selbst mit Gewalt nicht aus den Gesichtern prgeln knnte. Die beiden scheinen auch die Spavgel innerhalb der Gruppe zu sein, was sich im spteren Verlauf des Abends noch besttigen wird.

Steven Wilson Steven Wilson

Wenn man fr sein leibliches Wohl die Halle verlsst, um schnell mal etwas essen zu gehen und dann erst kurz vor Konzertbeginn die Halle wieder betritt, muss man sich ziemlich sputen, um noch Einlass in den Fotograben gewhrt zu bekommen. Gerade als die Band die Bhne betritt, habe ich mich durch die stehenden Massen im hinteren Teil der Halle durchgekmpft, habe den bestuhlten Bereich im vorderen Teil berwunden und den bereifrigen Ordner mit Hilfe meines Fotopasses davon berzeugt, mich noch vor die Bhne zu lassen. Im Fotograben komme ich mir immer wie ein Alien vor, da all die (Mchtegern)Profiknipser super wichtig mit ihren fetten Objektiven rumhantieren, whrend ich mit meiner kleinen Digicam schnell ein paar Fotos knipse. Wer kann sich denn bitte schn bei einem Gassenhauer wie "Luminol" auf`s Fotografieren konzentrieren? Ich jedenfalls nicht! Danach mssen alle den Fotograben verlassen und meine Strategie, mich vorne an den Rand zu stellen und noch schnell ein Video zu filmen, wird von dem bereits bekannten, bereifrigen Hobbypolizisten unterbunden, der mir zu verstehen gibt, dass ich mich entweder hinsetzen oder in den hinteren Teil des Saales begeben msse. Aus purer Verzweiflung frage ich einen Typen in der ersten Reihe, ob der Stuhl neben ihm, auf dem seine Jacke liegt, noch frei sei und wundere mich als er nickt. Also komme ich trotz des spten Eintreffens in den Genuss, das Konzert in voller Lnge aus der ersten Reihe genieen zu drfen.

Steven Wilson Steven Wilson

Nach "Luminol" folgen mit "Drive Home" und "The Pin Drop" zwei weitere Tracks des neuen Albums. Bei letzterem Song scheint Steven Wilson sich einen Muskel gezerrt zu haben, denn er macht mit schmerzverzerrtem Gesicht einige Dehnbungen und verlangt im weiteren Verlauf des Sets nach Schmerztabletten. Nichtsdestotrotz zieht er das Konzert planmig durch und lsst sich nichts weiter anmerken. Im Gegenteil, ich habe Steve selten so locker und witzig erlebt. So kndigt er das folgende "Postcard" als traurigen Song an und fgt hinzu, dass seine anderen Lieder zugegebenerweise auch nicht gerade frhlich seien. Vor "The Watchmaker" wird vor der Bhne ein transparenter Vorhang heruntergelassen, auf den ein Filmchen zum Song projeziert wird. Es geht um einen Uhrmacher, der nach langen Jahren in einer unglcklichen Ehe seine Gattin ermordert. Dies wird allerdings vom folgenden "Index", das von einem Massenmrder handelt noch getoppt, worauf Wilson sffisant hinweist. Mit "Insurgentes" und "Harmony Divine" wird dann das erste Soloalbum des Meisters gewrdigt. Wie oben bereits angedeutet, ist seine Begleitband einfach famos. Neben Beggs und Minnemann sind da noch Theo Travis, der Meister aller Blasinstrumente, Adam Holzmann an den Tasteninstrumenten und Lockenkopf Guthrie Govan an der Gitarre. Diese bermusiker geben Steven die Freiheit sich selbst zurckzunehmen und phasenweise wie ein Dirigent aufzutreten. Daher steht er trotz seiner Rolle als Frontmann nicht stndig im Mittelpunkt und fhlt sich sichtlich wohl dabei, auch mal hinter seinem antiken Schreibtisch, der in der Bhnenmitte aufgebaut ist, abzutauchen. Seine Lockerheit wird dann in der Ansage zu "Raider II" nochmal berdeutlich, als er erklrt, dass er in einem Interview darauf angesprochen wurde, dass manche seiner Songs an Saga erinnerten, obwohl er noch nie von dieser kanadischen Band gehrt habe. Bei einer anschlieenden bandinternen Umfrage verneinen alle Bandmitglieder seine Frage, ob sie Saga kennen, bis auf Marco Minnemann, der spontan einen Saga-Song anspielt und Nick Beggs, der behauptet, er besitze ein Saga-Konzeptalbum zum Thema "Blumenstecken", was Wilson dann spttisch kommentiert. Steven Wilson Steven Wilson Man hat fast den Eindruck der trockene, britische Humor seines schwedischen Kumpels Mikael Akerfeldt habe auf den Briten abgefrbt.

Nach dem quirrligen "Raider II" beschliet "The Raven That Refused To Sing" den Set, nach genau zwei Stunden, eher besinnlich. Das dazugehrige Cartoonvideo wird auf einer weien Leinwand hinter der Bhne gezeigt, die auch schon vorher den ein oder anderen Song optisch untermalte. Nach frenetischem Beifall wird zum Abschluss noch "Radioactive Toy" in einer Killerversion zum Besten gegeben.







    Setlist:
  • Luminol
  • Drive Home
  • The Pin Drop
  • Postcard
  • The Holy Drinker
  • Deform To Form A Star
  • The Watchmaker
  • Index
  • Insurgentes
  • Harmony Korine
  • No Part Of Me
  • Raider II
  • The Raven That Refused To Sing
  • Radioactive Toy

Was bleibt ist ein glckliches Grinsen, das im Laufe der Heimfahrt in ein versonnenes Lcheln bergeht. Rein musikalisch gibt es fr mich momentan nicht Aufregenderes als diese Band und deren aktuelles Album. Wer nicht in Kln dabei war, sollte unbedingt versuchen noch ein Ticket fr eines der restlichen Konzerte im Mrz zu ergattern.

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