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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing CALLEJON, A TALE OF AMITY & WASS BASS
Ort Kln, E-Werk
Datum 23.02.2013
Autor David Lang
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Das ist sie also; Wiedergutmachung auf callejonsche Art. Wobei Wiedergutmachung der falsche Terminus ist, schlielich konnte die Band selbst am wenigsten fr herabfallende Teile der Deckenverkleidung der Klner Live Music Hall. Das war beim finalen Tourkonzert der Band im November 2012. Rund 3 Monate spter hielten die fnf Wort und veranstalten ein Nachholkonzert, zu dem smtliche Besucher vom Unfall-Gig eingeladen sind. Die Karten der Show vom letzten Jahr haben ihre Gltigkeit behalten und die Gre des E-Werks lie zudem noch weitere Besucher zu. Das ist Fanfreundlichkeit mchte ich mal sagen und so verwundert es nicht, dass die Anhnger des Kln-Dsseldorfer-Quintetts ihre Helden schon Stunden vor Showbeginn feiern wie die neuen Erlser.

Wass Bass Wass Bass

Solche Fans wnscht sich meines Erachtens zumindest jede Band. Rund 50 Minuten vor dem offiziellen Einlass sieht man nmlich bereits ca. 100 Fans, die vor dem E-Werk Stimmung machen, als gbe es kein Morgen. "Ca Lle Jon!"-Chre, gewagte Pit-Einsatzkleidung (Shorts bei Schnee und Minustemperaturen sind irgendwo zwischen bewundernswert und dmlich einzuordnen) und gute Laune wo man geht und steht. Das muss gut werden. Auffllig auch, dass ich durch mein bloes Erscheinen den Altersdurchschnitt rapide anhebe. Das soll sich allerdings noch im Laufe des Abends ndern. ltere Anhnger der Band, die Fandom und Co. nicht mehr so dringend brauchen, tauchen spter ebenfalls auf. Einige dieser "lteren" drften sich auch nicht gergert haben, Wass Bass verpasst zu haben.

Das Elektro-Projekt von K.I.Z. Rapper Nico Seyfrid spaltete bereits das Publikum beim Juni-Gig 2012 im Luxor (siehe Live-Bericht) und so wird es mit Sicherheit bei vielen der folgenden Shows gewesen sein. "Ihr knnt nach Hause fahrn!"-Sprechchre kann man ebenso vernehmen wie entrckt tanzende Menschen. "The germans from the future", wie sie sich nennen, musizieren nach wie vor zwischen Kirmes-Proletentechno und leichten Anflgen von Dadaismus. Das muss nicht immer gefallen, entbehrt aber einem gewissen Unterhaltungswert nicht. Songs wie "Gabbermdchen", "1000 Kilo Bass" oder "Bolle" knnen dazu neben einem kleinen Schmunzeln also auch manch ein zuckendes Bein hervor zaubern. Nicht ganz unschuldig daran: ein Live-Drummer, der das Material etwas lebendiger macht.

Seyfrids Ansagen sind erneut Hhepunkt einer bizarren Show. "Wenn wir rauchen ist das Kunst. Wenn ihr raucht ist das gesetzeswidrig.", sprichts und steckt sich die x-te Kippe auf der Bhne an. Richtig gut wird es aber erst gegen Schluss, als, so wie ich das registriert habe, Nicos Laptop nen Abgang macht und die drei (neben Seyfrid und dem Drummer war das noch Knpfchendreher Grzegorz Olszwka) gezwungen sind, zu improvisieren. Hier zeigen sich pltzlich Nicos wahre Entertainerqualitten. Jedenfalls ist es genau mein Humor, wenn jemand im klassischen "Songansage-Tonfall" ein "Wir bauen jetzt unsere Sachen ab, whrend ihr so tut, als wren wir nicht da!" raus haut und genau dies anschlieend tut.

A Tale of Amity A Tale of Amity

Nach einer relativ kurzen Umbaupause spielen die Bonner von A Tale Of Amity auf, und schnell stellt sich heraus, dass Wass Bass als Eisbrecher mehr getaugt htten. Zwar haben beide Bands keine Jahrhundert-Songs im Gepck, doch ATOA sind nicht annhernd so unterhaltsam wie die Bad Taste-Combo. Die sind zwar grundstzlich allesamt sympathisch, knnen mir mit ihrem souvern dargebotenen melodischen Einheits-Metal-/ Emocore aber nicht mehr als ein mdes Lcheln entlocken. Snger Marco hat an diesem Abend seinen letzten Gig, was allerdings nicht erklrt, warum seine Ansagen rberkommen, wie die eines Grundschlers der vor der Klasse sprechen soll. Meine Gte, Leute, man muss ja, Metal hin, Core her, nicht zwingend den Hulk auf der Bhne geben, aber ich habe selten einen Frontmann erlebt, der derart unsicher agiert. Auch beim Singen, was gar nicht mal so schlecht war, bt der junge Mann sich in Zurckhaltung. Trotz Podest in der Mitte der Bhne nimmt man ihn kaum wahr. Somit wren die zwei Gitarristen und der Bassist automatisch der Blickfang. Diese posen auch wesentlich routinierter als der schlaksige Snger und machen generell an ihren Instrumenten keinen verlorenen Eindruck. Das tuscht allerdings nicht ber das austauschbare Songmaterial hinweg, das immer wieder ein wenig nach "Callejon Light" klingt.

Nach diesem klassischen Vorband-Debakel wird es langsam brutal voll vor der Bhne und die Fans machen sich schon mal warm. Da wird gesungen und brav gewartet, bis die Hauptdarsteller des Abends sich zu einem dsteren Intro auf die Bhne bewegen. Mit einem Bombensound ausgestattet starten die Jungs mit "Blitzkreuz", dem namensgebenden Opener des letzten Studioalbums und haben damit die Halle umgehend im Sack. Daran ndert sich in den folgenden rund 90 Minuten dann auch nichts, der Stimmungslevel hlt sich permanent in grnen Regionen und die Masse frisst Snger Basti aus der Hand. Dieser ist, zusammen mit Gitarrist Christoph "Kotsche" Koterzina die Stimmungsmaschine, whrend Bassist Thorsten Becker auf mich eher einen angeschlagen-kranken Eindruck macht. Dennoch gibt der Gute Gas und besteigt zwischendurch sogar einmal kurz die Requisite. Drummer Max "Kotze" Kotzmann steckt wiederum voller Energie und verdrischt sein Kit in bester "Muppet Show"-Manier; selbst Zeit fr ein kurzes Solo gesteht man ihm zu. Lediglich Band-Urgestein und Gitarrist Bernhard Horn wirkt zu Beginn etwas zu routiniert. Ob es Lustlosigkeit oder hchste Konzentration war, ich vermag es nicht zu beantworten, doch lsst auch er sich im weiteren Verlauf dazu hinreien, etwas mehr Euphorie zu zeigen.

Callejon Callejon

Natrlich liegt der Schwerpunkt auf dem aktuellen Cover-Album "Man spricht Deutsch" und so darf Kln bereits an dritter Stelle der Setlist "Schwule Mdchen" abfeiern. Peter Fox "Alles Neu" und Tic Tac Toes "Ich find dich scheie" gesellen sich zum bunten Fremdreigen hinzu und werden nur noch von "Schrei nach Liebe" als erste Zugabe komplettiert. Nach meinem Interview hatte ich ernsthafte Hoffnungen, dass Sidos "Mein Block" es auch noch auf die Setlist schafft, dann halt nicht... Sound und Licht sind, wie schon bei meinem letzten Besuch beeindruckend. Die Projektionen, das riesige Blitzkreuz ber dem Drumriser, all das macht zusammen mit dem druckvoll-transparenten Sound richtig Laune und auch hier: kein egozentrischer Mann am Mischpult, der Manowar und Motrhead in den Sack stecken will. Lediglich ganz vorne massieren einem die Bsse bisweilen die Klten, aber das gehrt ja schlielich so. Snger Bastis Entertainerqualitten sind nach wie vor sympathisch-kumpelhaft, doch seine Stimme schiet heute durch die Decke. Sein Geschrei ist ja schon amtlich, doch richtig gro wird der kleine Mann, wenn er gefhlvoll singt; besonders bei seinem persnlichen Lieblingslied "Kind im Nebel" haut Herr Sobtzick eine beeindruckende Leistung raus, die selbst mir (der ich den Song bisher nur ok fand) den Song ein Stck weit nher bringt. Der Rest des Publikums scheint auch fasziniert zu sein, jedenfalls setzt sich die Menge unaufgefordert hin und lauscht andchtig Bastis Worten. Beim finalen "Porn From Spain 2" gibt es dann erneut das groe Hinsetzen, nur diesmal mit anschlieender "ich dreh noch whrend des Aufstehens durch"-Action. In dieser Form schau ich mir den Haufen immer wieder gerne an.

Setlist: Callejon

  • Intro
  • Blitzkreuz
  • Dieses Lied macht betroffen
  • Schwule Mdchen
  • Atlantis
  • Und wenn der Schnee...
  • Bring mich fort
  • Alles neu
  • Lass mich gehen
  • Snake Mountain
  • Drum Solo
  • Porn From Spain
  • Coyote U.G.L.Y.
  • Ich find dich scheie
  • Zombified
  • Sommer, Liebe, Kokain
  • Kind im Nebel
  • VI / Videodrom
  • Schrei nach Liebe
  • Porn From Spain 2









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