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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing LOCK UP, WORLD DOWNFALL
Ort Kln, Underground
Datum 15.02.2013
Autor David Lang
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Mitte Februar, ein Freitagabend im Underground, es ist mild in Kln fr die Jahreszeit und der kleine Club wird nur sprlich frequentiert. Das verwundert ein wenig, denn auch wenn der heutige Headliner, aufgrund der musikalischen Radikalitt von Natur aus eher Randgruppen bedient, htte ich doch allein aufgrund der eher seltenen Besuche der Allstar-Truppe ein volleres Haus erwartet.

Debt of Nature Debt of Nature

Vor einem solchen knnen Debt Of Nature keinesfalls spielen. Die erste Vorband des Abends htte aber auch mit mehr Zuschauern vor der Bhne nicht abgerumt. Es ist halt schon kein gutes Zeichen, wenn der Bassist einer Band (in diesem Fall auch Bassist bei Skum und Bret Hard Records Labelchef in Personalunion Christian Grke) souverner und bhnentauglicher wirkt als der eigentliche Fronter. Wobei man in diesem Fall wohl den Begriff Fronterin gebrauchen muss, hat das Lokalmatadoren-Quintett doch eine Sngerin, namentlich Masae Dausend in ihren Reihen. Diese wird ihrer Rolle aber leider zu keiner Sekunde gerecht. Unsichere, genuschelte Ansagen, "Stageacting", das eher vermuten lsst, dass die Gute lieber woanders wre / sich vor Zuschauern frchtet und eine Stimme, die auch nicht mehr als ok ist. Abseits der Bhne entpuppte sich Dausend zwar fix als hibbelige Sympathietrgerin, die ihre Mucke durchaus sehr ernst nimmt und auch voll im Thema ist (gerade Frauen drfen sich doch oft den Vorwurf des hbschen Dekors gefallen lassen), doch das interessiert nicht wirklich, wenn's ans Eingemachte geht. Da gibt's auch keinen "Meedchen-Bonus" vom Onkel.

Die Musik dazu war leider auch keinen Preis wert. Rumpelig-dreckiger Death Metal mit Thrash-Schlagseite und gelegentlichen Ausflgen ins Grind-Genre, der ziemlich unsauber dargeboten wurde und lediglich Hflichkeitsapplaus erntete. Einige nette Ideen und Riffs kann man immer wieder ausmachen, doch ganze, zwingende Songs waren an diesem Abend nicht im Programm. Fr den letzten Song holt man sich Alt-Snger Marc Ghring auf die Bhne und der macht, entgegen meiner Erwartungen (rein optisch war das jetzt auch nicht DER Fronter) in den ersten 10 Sekunden mehr Alarm als Masae in den 25 Minuten zuvor. Das gemeinsam intonierte Anti-Nazistatement "Peanut Butt Butter" (der coolen Songtitel gibt es brigens einige) reit dann noch mal was raus, und so darf sich die Band wenigstens mit einem Knall verabschieden.

World Downfall World Downfall

Randnotiz: All meine Kritik an der Band sollte jedoch nicht von "greren" Bands als Einladung zu berheblichem Verhalten angesehen werden. Es hat mir nmlich schon ein wenig die Laune verdorben, als ich hren musste, dass die Lock Up Jungs, teilweise immerhin groe Idole der Debt Of Nature-Musiker, eben diese behandelt haben wie kleine Trottel und sie u.a. aus dem Backstage-Bereich geekelt haben. Soviel auch zu dem coolen Underground-Palaver ber "Unity" und so'n Schei...

Bei World Downfall kommt dann langsam etwas mehr Bewegung in die vorderen Reihen. Den Grindveteranen merkt man ihre Live-Erfahrung auch gleich an; souvern und beraus unterhaltsam fhrt Snger Guido "Lohm" Lohmar durch die gute, halbe Stunde. Schleudert er mal nicht seine imposanten Dreadlocks, brllt, grlt und kreischt der blonde Hne zu den kurzen Lrmeruptionen seiner Mitstreiter. Die halten sich dezent im Hintergrund und berlassen auch smtliche Ansagen dem, will fast sagen Szene-Original. Lohm kommt einfach nur sympathisch und vor allem verdammt authentisch rber. Ob er nun Krieg und Ungerechtigkeit anprangert, Nazis verteufelt oder einfach nur albern wird, er ist stets echt. So etwas kommt an, und so wird zu ordentlichem Sound vor der Bhne auch das ein oder andere Tanzbein geschwungen und Nacken wrmen sich auf. Der Bandname, fr die, die sie nicht kennen, gibt den stilistischen Rahmen natrlich weitestgehend vor, doch das Quartett stolpert nicht in die Grindfalle und knppelt stur drauf los. Immer wieder lockern coole Midtempopassagen das Gemetzel auf. Lohms Pimmel bleibt an diesem Abend zum Glck in der Hose und nach einem Agathocles-Cover und einem musikalischen Statement gegen Homophobie, Faschismus und sonstige krankhafte Wucherungen ist auch schon wieder Schluss.

Dass Lock Up vielleicht nicht die nettesten Kumpel-Musiker sind, habe ich eben bereits angedeutet und auch T-Shirt-Preise, die bei 20 Euro liegen finde ich bei einer Band dieser Grenordnung unangemessen, doch das soll nicht ber die Live-Qualitten des Allstar-Ensembles hinweg tuschen. Anton Reisenegger, Nick Barker, Tomas "Tompa" Lindberg und die fr Bassist Shane Embury eingesprungene Allzweckwaffe Danny Lilker (Embury war zu diesem Zeitpunkt mit Hauptbrtchengeber Napalm Death auf Tour) sind eine unfassbar zerstrerische Macht. Die Setlist ist Abwechslung pur, so dass auch die schwedisch-britisch-amerikanisch-deutsche (Reisenegger hat deutsche Wurzeln) Gemeinschaft der bsen Monotoniefalle entgeht. Smtliche Studioalben (das Debt wurde etwas vernachlssigt) werden bercksichtigt und der Mann am Mischpult versteht es, die Hassbatzen in einen passenden Sound zu kleiden. Der Trend scheint wieder zurck zu ertrglichen Lrmpegeln zu gehen, ohne Gehrschutz in der Nhe der Boxen zu stehen war jedenfalls keine Krperverletzung und doch hat es noch deftig gerappelt.

Lock Up Lock Up

Lindbergs Ansagen waren sehr amsant, sein Geschrei unglaublich stark. Reisenegger spielt die alles zerfetzenden Riffs auf den Punkt und Dauerbreiti Lilker wrde wohl auch keine Miene verziehen, wenn rings um ihn herum die Htte abfackelt. Trommelkoloss Barker ist nicht minder beeindruckend und zerlegt sein Kit scheinbar mit Leichtigkeit, was angesichts seiner Leibesflle immer wieder erstaunt. Neben eigenem Material werden gleich zwei Terrorizer-Cover dem verstorbenen Ex-Mitglied Jesse Pintado gewidmet. Das freut nicht nur Lohm, der sich breit grinsend vor der Bhne aufhlt und jeden Ton des Vierers abfeiert. Das Publikum entfacht zwar keine greren Moshpits, doch hier hlt kein Nacken still. Das Energielevel, das whrend des rund 50-mintigen Gigs freigesetzt wird ist schier enorm und von mir aus drfen die Jungs auch wieder mehr Fokus auf das jahrelang stiefmtterlich behandelte Projekt legen. 3 Alben in 12 Jahren... da geht noch was.

Setlist: Lock Up

  • Intro
  • Brethren Of The Pentagram
  • Pleasure Pave Sewers
  • Slaughterous Ways
  • Accelerated Mutation
  • Violent Reprisal
  • Detestation
  • The Embodiment Of Paradox And Chaos
  • Castrate The Wreckage
  • Stygian Reverberations
  • Feeding On The Opiate
  • Infiltrate And Destroy
  • Submission
  • Necropolis Transparent
  • The Jesus Virus
  • Vomiting Evil
  • Storm Of Stress (Terrorizer)
  • Fear Of Napalm (Terrorizer)
  • Afterlife In Purgatory
  • Cascade Leviathan





World Downfall Lock Up Lock Up



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