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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing HEIDENFEST
Ort Hamburg, Markthalle
Datum 29.10.2012
Autor Verena Jurawitz
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Das "Heidenfest" ist mal wieder auf Tour und gastiert in Hamburg in der Markthalle. Bei den fnf mitgebrachten Bands fllt die Entscheidung des Konzertbesuches nicht besonders schwer, zumal man als Headliner WINTERSUN bietet, die ja nun doch endlich mit einem neuen Album aufwarten und Titel daraus prsentieren werden. Also Freunde eingepackt und nichts wie hin da.

Krampus Krampus

Den Abend luten KRAMPUS ein. Die Musiker gehren laut eigenen Aussagen zum New Wave of Folk Metal und sind vom musikalischem Klangbild in der Nhe von ELUVEITIE zu finden. Momentan sind sie zu siebt, da ihr Schlagzeuger zwar wieder wohl auf ist, nach einem Blitzschlag jedoch nicht mehr mitspielt. Als Ersatz haben sie live nun Alexandar von DESPITE EXILE dabei. Mit dem Dmonen des Winters als Namensgeber, prangert man mit schwarzen Streifen in die Gesichter gemalt, gehllt in zerschlissene Kleidung und behngt mit Fellen, die Untaten der Menschheit an. Als Opener hat man ja doch immer noch ein etwas verhaltenes Publikum vor sich. Das strt den Mann am Mikro jedoch nicht im geringsten. Er geht ber das gesamte Konzert hinweg in ausschreitenden Schritten die Bhnenflche ab, whrend er zwischendurch an der einen oder anderen Monitorbox anhlt, um dem Gesungenem durch Mimik und Gestik Ausdruck zu verleihen. Auch die brigen Bandmitglieder zeigen neben musikalischem Knnen auch Freude am Zusammenspiel und berzeugen so das Publikum.Von KRAMPUS wird man sicher noch fter hren und darf gespannt sein wer denn demnchst fr den Trommelwirbel sorgt.



Trollfest Trollfest

Als zweite Band des Abends surren blutig-schmutzige Bienen auf die Bhne und bieten humppalastige Folkmusik mit Lachgarantie. TROLLFEST wirken mit ihren Kostmen und der erfundenen, aber dennoch verstndlichen Sprache, wie ein Haufen Spavgel, die besoffen, aber gekonnt, auf ihre Instrumente eindreschen. Tatsache. Die Norweger heizen den Konzertbesuchern ordentlich ein, wobei ich nicht sicher sagen kann, ob wirklich beide Seiten Met und Bier intus haben. Auch unter dem Publikum kann man die eine oder andere Biene erblicken, die sogleich im Circlepit davonschwirrt. Ob obligatorisches Saiteninstrument, Gegrhle oder Akkordeon, hier passt alles zusammen und die verdutzt-grummelig und nachdenklichen Blicke des Saxophonisten sind vor allem whrend seiner Soli einfach nur herrlich. Im Publikum ist es geringfgig voller geworden, der Platz reicht jedoch noch der frhlichen Stimmung durch viel Bewegung Ausdruck zu verleihen. Auch auf der Bhne steht niemand wirklich still. Der Bassist und ein Gitarrist tanzen ausgelassen umeinander herum, whrend die brigen Musiker die Kpfe oder gar die gesamten, mittlerweile (Bienen-)freien Oberkrper im Takt wiegen und zu Shouts die Fuste recken. Eine groartige Liveband die man unbedingt mal gesehen haben muss.


Varg Varg

Den Mittelteil des Konzertes bestreiten etwas grere, flugunfhige Tiere. Die rot-schwarzen Wlfe aus den Coburger Wldern prsentieren deutschsprachigen Viking und Pagan Metal. Mit melodisen Gitarren, mal galoppierenden, mal stampfenden Drums und vielen Rufen im Gesang spielt VARG sich in die Gehrgnge aller Anwesenden. Zudem kommuniziert der Snger viel mit dem Publikum, ob anfeuernd oder fragend, einer Antwort kann er sich immer sicher sein. Klatschen, Rufen, Fuste wohin man auch blickt, selbst in der hintersten Ecke der Markthalle. Im berwiegend roten Licht wird mit den Instrumenten posiert, lsst man die Kpfe Kreisen und reckt auch mal den mit Ketten und Bandlogo behangenen Mikrostnder als Kampfutensil in die Hhe. Zum Abschluss gesellt sich KORPIKLAANIs Jonne mit auf die Bhne und man zeigt mit "A Thousand Eyes", dass man auch der englischen Sprache mchtig ist. Mit einem angemessenen Applaus endet dieser gelungene Konzertabschnitt.



Korpiklaani Krampus

Der Abend wird lter, die Luft stickiger und mit der vierten Band erstrmen KORPIKLAANI die Bretter. Die Halle scheint nun endgltig aus allen Nhten zu platzen, doch will die sonst so aufgedrehte Stimmung bei Konzerten dieser Finnen nicht ganz aufkeimen. Es wird sich zwar auch hier viel auf der Bhne bewegt - vor allem dreht man sich furchtbar gern im Kreis um die eigene Achse - doch das macht die recht ruhigen Stcke nicht gerade fetziger. Irgendwie fehlen die alten, stimmungsmachenden, von Alkohol handelnden Lieder. Wird man etwa alt, oder htte ich vorher in Bier baden sollen? Mitklatschtheater mit neuem Liedgut bringt Schunkel- und Feuerzeugstimmung. Zwar darf man sich ber das Knnen der Musiker auf keinen Fall beschweren, doch habe ich bei KORPIKLAANI schon bessere Parties erlebt. Nichts desto trotz legen sie einen soliden Auftritt hin und knnen ihre eingefleischten Fans durchaus auch am heutigen Abend berzeugen.



Wintersun Wintersun

Fr etliche Besucher scheint der Abend nun gelaufen zu sein. Jacken werden abgeholt, nochmal am Merchstand vorbeigesehen und die Heimreise angetreten. Na huch, hat man fr heute etwa genug Finnen gesehen? WINTERSUN spielen vor deutlich gelichtetem Publikum. Wie schon angekndigt und auch erwartet, darf man nun live in den Genuss einiger neuer Machwerke kommen. Zwar hat mich das Album ,,Time I nicht wirklich berzeugen knnen (viel zu berladen, fast vorbei am ursprnglichen Stil des Quartetts) doch finde ich die Livedarbietung gar nicht schlecht. Liegt vielleicht auch an dem Talent und der sichtbaren Spielfreude. Man sieht stndig irgendwen furchtbar breit grinsen. Kai (Schlagzeug) und Jari (Gesang und Gitarre) bekommen zwischenzeitlich Kopfkameras aufgesetzt (Videos bei Youtube zu finden). Und vor allem Jari post und schneidet Grimassen in die Fanschar, was natrlich nicht unkommentiert bleibt und laute Begeisterung hervorruft, jeder mchte mal mit Gabel bewaffnet in die Kamera brllen. Apropos laut: dass bei den Stcken vom ersten Album alle Textsicher sind und mitsingen ist verstndlich, hatte man doch genug Zeit sich diesen Silberling mehrmals anzuhren bis ein zweiter erschienen ist, dass aber auch schon zum neuen Album soviel gesangliche Untersttzung kommt, htte ich nicht erwartet. Und wer nicht gerade seine Gesangsknste erprobt, belsst es eben beim ausgiebigen Headbangen.


Wintersun Wintersun

Ansonsten gibt es vor allem bei "Time" wieder Mitklatschtheater, mindestens sieben filmende Mobiltelefone und ein einsames Feuerzeugflmmchen. Nach der zweiten Zugabe startet Kai um 0 Uhr noch ein Drumsolo das sich gewaschen hat und Jari verabschiedet die durchgeschwitze Menge mit den Worten: "You guys are fucking amazing, we love you all!" Na, das hrt man doch gerne.

Insgesamt gesehen ein gelungener Abend. ber das Licht und den Ton knnte man sich zwar mal wieder streiten, aber das sind ja bei den meisten Konzerten zwei gerne und viel diskutierte Punkte. Ich mach mich jedenfalls zufrieden vom Acker und werde mir die neusten Alben aller Bands nochmal zu Gemtes ziehen. Diese Promotour ist also zumindest bei mir erfolgreich gewesen.









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