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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing RED FANG, EL CACO, THE STEVE BURNER PROJECT EXPERIENCE
Ort Kln, Essigfabrik
Datum 09.12.2012
Autor David Lang
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Bereits im Mai war es mein erklrtes Ziel, die coolen Sue von Red Fang live zu sehen, doch, oh weh, was hatte ich mich bzgl. der Popularitt der Portlander vertan.
Das Cafe Nova in Essen platzte aus allen Nhten, Red Fang schienen gerade durch die Decke zu gehen und ihr Support in Form der grandiosen Black Tusk sorgte ebenfalls schon fr ein volles Haus. So kam es dann, dass ich vllig angepisst nach Hause fuhr, whrend Red Fang bei feinstem Sound einen Raum zerlegten, der so gro war wie unser Wohnzimmer und, Rauchern sei Dank, Smogalarm provozierte.

El Caco El Caco

Rund 7 Monate spter finde ich mich in der Klner Essigfabrik wieder, und in dieser Zeit haben die Fangzhne ihren Bekanntheitsgrad noch mal nach oben geschraubt. Die Halle ist relativ voll und wie bereits in Essen findet sich auch hier die gesamte Palette der Fans wieder, vom unscheinbaren Nerd, bis hin zum waschechten Metaller. Hier kann man sich allerdings noch bewegen UND atmen.
Bevor die hungernde Meute jedoch in den Genuss des Oregon-Quartetts kommen kann, muss man sich erst durch zwei Vorbands "qulen", wobei die Anfhrungszeichen bei der ersten Band partiell durchaus ausgelassen werden knnen. Das The Steve Burner Project Experience hat auer einem einigermaen coolen Namen, Hten und nem ganzen Sack Krperbehaarung leider nicht allzu viel in der Hinterhand, um Kln auf lange Sicht in Erinnerung zu bleiben. Zu unausgegoren und planlos rockt sich der Vierer durch sein Set und das oft nicht ber Schlerband-Niveau. Da knnen die verplant-kuriosen Ansagen des sympathischen Sngers, dann auch nichts mehr rausreien. Ein bisschen Stoner, ein bisschen Punkrock, ein wenig Blues, aber so richtig znden will bei den Deutschen nichts.

Die norwegischen El Caco drfen anschlieend ran, doch dafr, dass die Band bereits seit 2001 Alben raushaut, fand ich auch deren Vorstellung lediglich ok. Das Power-Trio rotzrockt sich durch ein ordentliches Stoner Rock-Set, bei dem jedoch nichts so richtig hngen bleiben will. Handwerklich ist hier alles im grnen Bereich, und man kauft den Dreien den Sound auch ohne weiteres ab, doch die groen Momente bleiben sie mir noch schuldig. Zum Glck fr die Band sehen das die ersten Reihen ein wenig anders und feiern mit dem Dreier eine kleine, feine Party.
Ein Blick ber das Merchandising-Angebot bringt Ernchterung: Merch von El Caco und TSBPE ist nach deren Vorstellungen nicht auf der Must-Have-Liste und Red Fang haben kein einziges Shirt in L oder XL im Programm. Das ist allerdings nur halb so verwunderlich, wenn man wei, dass dies das letzte Konzert der Band in 2012 ist. Schade, aber 20 Euro fand ich fr eine Band dieser Grenordnung ohnehin unangebracht. Die aktuelle Scheibe ging allerdings fr nen Zehner mit. Geht doch.

Red Fang Red Fang

Und anschlieend geht noch viel mehr. Schnell wird nmlich klar, dass kaum jemand anwesend ist, um El Caco oder gar die Huttrger zu sehen. Schon beim Soundcheck bejubeln die ersten Reihen jede Bewegung der Musiker, die es sich nicht nehmen lassen auch hier selbst Hand anzulegen. Als die vier dann schlielich die Bhne betreten und die ersten Tne spielen, steht Kln Kopf. Das ist nicht nur fr die Domstadt eine unfassbare Reaktion, das stellt vieles in den Schatten, was ich bisher auf Konzerten und Festivals deutschlandweit erleben durfte. Red Fang werden abgefeiert wie die verlorenen Shne, wie der Papst und Sebastian Vettel zusammen, als wrde Weihnachten vorverlegt und jeder Anwesende htte zudem noch Geburtstag. Klingt bertrieben?! Mglich, doch der Beifall, das Gejubel und Geschrei, das ist schon nahe dran an meiner Beschreibung.

Hierbei drften viele Aspekte eine Rolle spielen: Zum einen spielt die Band in einer ganz klassischen Besetzung, kein Schnickschnack, keine dicke Show, kein aufgesetztes Image, nur 4 Jungs, die rocken wollen. Dazu kommt das Talent, griffige Songs zu schreiben, die auf Platte, wie eben auch live sofort funktionieren; die Musik geht umgehend ins Blut und damit auch in Fe und Nacken. Teils simple, aber uerst effektive Riffs, die ordentlich Druck machen und die Essigfabrik im Kollektiv ausrasten lassen. Als wre das nicht genug stehen auf der Bhne vier grundsympathische Kerle, mit denen man gerne mal ein Bier trinken und ber Musik diskutieren wrde.
Beste Voraussetzungen also und Red Fang wissen sie zu nutzen. Eine gute Stunde lang rieselt der Putz von der Decke, wobei der Bewegungsradius der Musiker sich auf ein Minimum reduziert, whrend der Mob zusehends durchdreht. Kein Song der nicht bejohlt und bejubelt wird, die erste Hlfte der Halle wird zu einem groen, sich permanent bewegenden Klumpen; mal rhythmisch swingend, dann wieder entrckt pogend. Mittendrin immer wieder wagemutige Diver, die dank fehlendem Fotograben problemlos die Bhne entern knnen, um kurz darauf nur knapp einer Querschnittslhmung entgehen. Denn merke: Wo niemand steht...

Wo man auch hinsieht, erblickt man strahlende Gesichter. Red Fang verpassen scheinbar jedem an diesem Sonntagabend ein Lcheln. Nicht ganz unschuldig daran: Knallersongs wie z.B. "Dirt Wizard", "Malverde" oder das grandiose "Wires".
Mal sehen, wo es mit diesen Jungs noch hingehen mag. Was fr ein geiler Auftritt. Danke Red Fang! Danke Kln!





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