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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing FEAR FACTORY, DEVIN TOWNSEND, DUNDERBEIST
Ort Kln, Essigfabrik
Datum 13.11.2012
Autor David Lang
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Tatort Kln, Essigfabrik: Meine Ohren vernehmen Riffs und Beats, die mich in die frhen Neunziger zurck versetzen. Ich bin erst wenige Jahre Metalhead und Fear Factorys "Demanufacture" ist DER heie Schei! Die sterile Produktion, die kalte, maschinelle Atmosphre, die starken Stakkato-Riffs, das unfassbare Drumming und obendrauf Gesang zwischen aggressiv-bellend und berraschend-melodisch.

berraschend war an diesem Dienstagabend (fr mich) allerdings nichts. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass Fear Factory Snger Burton C. Bell nicht in der Lage ist, seinen, auf Tontrger formidablen Gesang auch live akkurat umzusetzen. Der gemeine FFF (Fear Factory Fan) scheint indes sehr loyal zu sein und feiert die Band trotz, teils katastrophal-schiefer Tne gehrig ab.

Fear Factory

Wir spulen einige Stunden zurck und finden uns in der Klner Essigfabrik ein. Der Zuschauerandrang hlt sich noch in Grenzen und kurz nach unserm Eintreffen beginnen die norwegischen Dunderbeist ihr Set. Verschroben ist ein Begriff der mir beim ungewhnlichen Mix des Sextetts immer wieder durch den Kopf geht. Leider ist der Sound nicht gerade optimal und so fllt das ein oder andere Riff einfach ungehrt von der Bhne. Rein optisch mchte man der Masse auf jeden Fall im Gedchtnis bleiben, so wirken die sechs ein wenig wie Turbonegro, die Clockwork Orange nachspielen wollen.

Dunderbeist

Doch auch musikalisch gibt man sich keine Ble und berrascht mit einem relativ originellen Mix aus knackigem Alternative-Metal und feiner Kylesa / Mastodon Schlagseite. Highlight ist jedoch der zuweilen zweistimmige Gesang. Das (noch) lustlose Klner Publikum springt zunchst allerdings gar nicht auf den Sound an. Da helfen auch die "Dunderbeist!"-Rufe von Snger Torgrim Torve nichts. Erst gegen Ende der guten halben Stunde tauen die ersten Reihen auf und spenden etwas, das ber Hflichkeitsapplaus hinausgeht.

Setlist: Dunderbeist

  • Fear & Loathing
  • Through The Peephole
  • Father Serpent
  • Songs Of The Buried
  • La Guerre Du Feu
  • Four Of The Seven
  • Shields Aligned

Nach ein wenig Beinahe-Shopping (Shirtpreise sind zwar noch im Rahmen, doch letztlich berzeugte mich nichts 100%ig) steht mein persnlicher Hhepunkt auf der Bhne. Im Grunde war ich nmlich NUR wegen des umtriebigen Kanadiers nach Kln gefahren und der sollte, wie gewohnt, nicht enttuschen. Mit "Supercrush" vom "Addicted"-Album gelingt Dev und Band dann auch ein Einstieg nach Ma. Kompakt, episch, gro!

Devin Townsend Projekt

Monsieur Townsend grinst ber alle vier Backen und seine Begleitband agiert stets songdienlich, aber auch im Hintergrund. Wer hier die Fden in der Hand hat, sollte jedem klar sein. Die komplette Show wird von Videoprojektionen und / oder den jeweils passenden Videoclips begleitet. Devin interagiert, kommuniziert und lacht mit dem Publikum. Ob nun ber die obligatorischen, stets mit verschrnkten Armen posierenden letzten Reihen ("We are having fun tonight, not like those evil metalheads in the back. Guys! Were fourty and from canada! Do you really think we care??") oder ber Vampir-affine Zuschauer ("Are there any vampires in cologne? Einige jubeln. "Ah, fuck em!), zu allem hat das Multitalent eine passende Antwort. "Planet Of The Apes" stellt den einzigen, in meinen Augen unpassenden Song der Setlist dar. Zu lang, zu sperrig, zu berladen und selbst fr Die-Hard-Fans in Kombi mit dem erneut wenig zufrieden stellenden Sound eine echte Herausforderung. Doch selbst dieses Manko wischt der Meister mit einem "Operation confused germany continues" einfach vom Tisch.

Devin Townsend Projekt

Ansonsten gibt es eine auergewhnlich abwechslungsreiche Setlist, die ich so nicht erwartet htte. Statt den Schwerpunkt auf die aktuelle Scheibe "Epicloud" zu legen, hat Devin sich dazu entscheiden, den Klnern einen kleinen Querschnitt seines Schaffens zu prsentieren. So finden sowohl Songs des neuen Albums, als auch Kracher von "Infinity", "Synchestra", "Deconstruction" und "Terria" ihren Weg in hunderte von Ohren. Einen Kracher hervorzuheben funktioniert nicht, da das komplette Set (bis auf die Ausnahme) alles wegfegt. Das muss sogar Kln einsehen und fordert vehement eine Zugabe. Doch nichts da. Netter Bonus war das Geburtstagsstndchen fr Drummer Ryan, das aus vollen Kehlen geschmettert wurde und die Tatsache, dass HevyDevy sich nach fast jedem Song eine neue Gitarre reichen lie. Devin und Band perfekt abzumischen erfordert wohl brigens einen formidablen Mixer und die perfekte Halle. Je nach Standpunkt (ich stand relativ weit vorne und mittig) war es aber durchaus ok.

Setlist: Devin Townsend Project

  • Supercrush
  • Kingdom
  • Truth
  • Planet Of The Apes
  • Where We Belong
  • War
  • Vampira
  • Lucky Animals
  • Juular
  • Grace
  • Deep Peace

Die Headliner des Abends hatten dann berraschenderweise (also doch ne berraschung) einen ziemlich fetten Sound, was man sich bei Snger Burton ber weite Strecken auch schon mal weg gewnscht hat. Wie bereits erwhnt, hat der Snger ein massives Problem. Sein Gebrll ist live bisweilen richtig geil und stachelt den Pit mchtig an, doch sobald es in die melodischen Gefilde geht, die mittlerweile nun mal in fast jedem FF-Song vorkommen, scheitert der Mann klglich. Warum macht man so was? Warum tut man sich und seiner Band so etwas an? Ist es schon zu spt fr Gesangsunterricht oder eine Technik, die auch auf der Bhne das erlaubt, was einem auf Platte vorgegaukelt wird?!

DFear Factory

Burtons Mitmusiker jedenfalls versuchen zu retten, was zu retten ist und spielen auf den Punkt. Bassist Matt DeVries und allen voran Gitarrist Dino Cazares haben sichtlich Spa whrend des Sets, was mich leider wieder zu Mr Bell bringt, der einfach nur alt, mde und satt wirkt. Smtliche Ansagen wirkten wie runter geleierte Phrasen, es sah aus, als wre der Snger lieber woanders gewesen. Diesen Fakt und allen voran den schiefen Gesang knnen andere vielleicht ignorieren, ich nicht und so war es mir wirklich nur bedingt ein Vergngen den Klngen der Angstfabrik zu lauschen. Das soll auch gar kein Burton-Bashing sein, das ist nur die ehrliche Enttuschung eines Fans, oder zumindest eines Musikliebhabers, der fassungslos dem Versagen ehemaliger Lieblinge beiwohnte.

Fear Factory

Die Setlist, lassen wir meine Kritik mal weg, war brigens gut und htte mir prinzipiell viel Spa gemacht. Die letzten vier Songs allein, waren die ersten vier des "Demanufacture"-Brechers. Dazu kam noch das brachiale "Martyr" (!) vom Debt und das geile "Shock" / "Edgecrusher"-Doppel. Es htte soooo toll sein knnen.

Setlist: Fear Factory

  • The Industrialist
  • Shock
  • Edgecrusher
  • Smasher / Devourer
  • Powershifter
  • Acres Of Skin
  • Linchpin
  • Ressurection
  • Recharger
  • Martyr
  • Demanufacture
  • Self Bias Resistor
  • Zero Signal
  • Replica





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