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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KATATONIA, ALCEST, JUNIUS
Ort Berlin, Huxleys neue Welt
Datum 16.11.2012
Autor Axel Fichtmller und Marc Fischer
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Berlin, Berlin, wir fuhren nach Berlin.

Jawoll, es ging mal wieder in die Hauptstadt und dann auch noch zu KATATONIA. Eigentlich eine runde Sache. Wre man allerdings mit der Erinnerung ins Huxleys gefahren, was die Schweden auf dem Summer Breeze anno 2009 geboten haben, die Laune wre denkbar schlechter gewesen. Aber mein Kollege am Fotoapparat und ich hatten auf dem diesjhrigen Summer Breeze schon mal einen unfassbar guten Vorgeschmack auf das neue Album "Dead End Kings" bekommen knnen und daher berwog letztlich doch die Vorfreude auf den Auftritt des Quintetts.

Das Huxleys selbst hatten wir beide schon bei der letzten Opeth-Tour zum ersten Mal kennen lernen drfen und der Laden ist eigentlich der Knaller. Die Architektur, der Stuck, die knstlerische Verarbeitung, die Akustik, das Parkett - all das bot eine richtig tolle Atmosphre und groartige Voraussetzungen fr eine Band wie KATATONIA. Bitter dagegen war, dass man vier (!) Euro fr ein 0,4l Bier bezahlen durfte. Da waren zwar 50 Cent Pfand dabei, aber das auch nur fr stinknormale Plastik-Becher, die auch mal sehr schnell kaputtgehen. Da sind sogar Festivals schon gnstiger gewesen. Extrem saftige Preise fr Berlin, wenn man bedenkt, dass es in mancher Hauptstadtspelunke Sternburg-Pils in Flaschen fr einen Euro gibt. Und Berliner Kindl ist jetzt nicht dermaen besser, dass es so einen Preis rechtfertigt. Aber letzten Endes zhlte allein die Musik.

JUNIUS

Den Auftakt fr den Abend boten JUNIUS aus den Staaten. Die erste Assoziation, die sich bei dem Quartett sofort aufdrngte war: Depeche Mode. Das kam von der mit starkem Hall unterlegten Gesangs- und Instrumentenarbeit. Junius Modernere Bands wie White Lies spielen einen sehr hnlichen Stil. Von viel Atmosphre getragene Musik, die ein wenig trge wirkt. Bei JUNIUS aber mit mehr Bass, was den Eindruck erweckte, dass der Sound stark angelehnt an KATATONIA war. Da machte es dann auch bei uns beiden "Klick" und wir wussten, warum KATATONIA ausgerechnet JUNIUS mit auf die Tour genommen hatten. Als Opener brachten die Amerikaner in Berlin auf jeden Fall schon eine groe Zuschauerzahl vor die Bhne ein paar neue Fans kamen sicher mit dazu. Dennoch: Berauschend oder auergewhnlich war da jetzt nichts dran; wie eine Erffnungsband eben so ist. Obwohl; dass der Snger whrend des Auftritts permanent seine Kapuze bergezogen hatte, war schon ungewhnlich und passte ganz gut zum bermigen Einsatz der Nebelmaschine.

Junius Keine Bilder am Merch-Stand, bitte!

Umbauphase. Es war Zeit, mal einen Blick auf den Merch-Stand zu riskieren. Dort sahen wir unerfreulicherweise smtliche Auswchse von Geldmacherei, die man sich vorstellen konnte. Die Kuh sollte gemolken werden wo es nur ging. An so ziemlich jedem Artikel hing ein Zettel dran mit "Sonderangebot" oder "You are lucky - last copies", um so ziemlich jeden "Schrott" an den Kunden zu bringen. Traurig, dass man letztlich so mit den Fans umging und die scheinbar tatschlich auch fr so dumm hielt. Der Erfahrung nach war es eigentlich generell so, dass die Artikel - ob Poster, Shirts oder sonstiges - auf Konzerten immer gnstiger als im Katalog gewesen sind. Nun scheinbar nicht mehr. Ebenso unverstndlich war die Menge an Krempel, den eigentlich niemand braucht. Beispielsweise gab es I-Phone-Cases fr 5 bis 10 Euro und das allein dafr, dass dann KATATONIA drauf steht. Beim Versuch ein Foto vom Merch-Stand zu schieen, reagierte man zudem sehr ungehalten und wir wurden barsch angewiesen, die Fotos geflligst zu lschen und es auch ja nie wieder zu versuchen. Sonst wre der Rausschmiss garantiert gewesen. Also begab sich die Kamera wieder dorthin, wo sie auch hin durfte, nmlich vor die Bhne.

ALCEST

Als wir erfahren hatten, dass ALCEST die zweite Vorband an diesem Abend sein wrde, hatten wir uns gefreut wie die Schneeknige. Im Hinterkopf gab es da trotzdem noch die Erinnerung an den Auftritt auf dem Summer Breeze, denn dort waren wir nach dem Auftritt regelrecht schockiert gewesen, wie eine Band eine solche Diskrepanz hervorrufen kann, zwischen Live-Auftritt und Konserve. Alcest Daher war Berlin quasi eine zweite Chance zu beweisen, dass die Franzosen auch live durchaus ansprechend sind und einen ordentlichen Sound hinbekommen. Die Hoffnung war gro und umso grer geriet die Ernchterung. Der Gesang war wieder kaum zu hren und es drngte sich uns die Frage auf, ob der Soundmann so mies war und wenn ja, warum man diesen denn nicht endlich rausgeschmissen hatte. Oder lag es tatschlich an der Band selbst?

Alcest Auch das Publikum wirkte nicht wirklich von den Fen gerissen. Der Applaus klang artig und wrdigend, aber nicht bermig begeistert. Zugegebenermaen ist ALCEST live auch schwer verdaulich, denn die schweren und getragenen Kompositionen verleiten mehr zum Nachdenken als zum Headbangen. Trotzdem sollte es zumindest homogen klingen. Insgesamt war das (wieder) ein recht enttuschender Auftritt, der zumindest uns zu dem Schluss kommen lie, dass die Franzosen live definitiv nicht weiterzuempfehlen sind. Auf Platte an einem gemtlichen Abend vor dem Kamin auf dem Tigerfell mit einem Glas Cabernet-Sauvignon: Prima! Aber live: Nope!

KATATONIA

Ein Hauptact dieser Gre weckte natrlich titanisch groe Erwartungen bei uns und um es vorweg zu nehmen: Wir wurden nicht enttuscht. Whrend es pechschwarz auf der Bhne wurde, gerieten das Volk davor in wohlige Unruhe und erste Katatonia!-Rufe wurden laut. Nach einem zurckhaltenden Intro kamen die Schweden mit dem Opener "The Parting" ihres aktuellen Langeisens auf die Bhne und stellten innerhalb weniger Minuten unmissverstndlich klar, dass sich jeder einzelne ausgegebene Cent fr die Konzertkarte gelohnt hatte. Ein bombastischer und ausgewogener Sound drckte sich da dem Publikum entgegen und das Gesangstalent von Jonas Renkse blies uns mit schmerzhafter Schnheit um die Ohren. Ein wenig zu schwrmerisch? Vielleicht, aber "Dead End Kings" ist eben eine unheimlich gute Scheibe und wir bekamen die Live-Qualitt eben dieser zu spren. Katatonia Kurzzeitig gab es Soundprobleme, die in einer recht kurzen Pause schnell behoben waren. Dort bewies Renkse absolut Entertainer-Fhigkeiten und bespate die Zuschauer zusammen mit Anders Blakkheim Nystrm, sodass die die Pause nicht mal sonderlich auffiel. Auf die Augen bekamen wir auerdem auch noch ordentlich. Nun gut, das Bhnenbild stand zwar schon seit JUNIUS, aber in Kombination mit der abgestimmten Lichtshow, die immer wieder Teile der Aufsteller sowie Banner beleuchtete, schoben sich die schwarzen Rabenkpfe immer wieder passend in den Vordergrund. Die Band selbst blieb ungeachtet dessen nicht faul an Ort und Stelle kleben, sondern zeigte sich agil. Die beiden Gitarren und die Bassaxt huschten um Jonas herum, der entweder sang oder bangte oder die Bangenden vor sich begutachtete. "We love you", "Thank you for coming tonight" und anderes Lob ging zwischen jedem Song an das Publikum. Feedback mal andersherum mit viel Herzenswrme. Vielleicht etwas zu dramatisch, aber trotzdem authentisch. Der berhmtberchtigte Funke musste gar nicht erst berspringen, er brannte schon lichterloh. Auch fr die Setlist hatten KATATONIA tief in die Hitkiste gegriffen und woben aus fast jeder Schaffensphase etwas ein. Fans der 98er und 99er Jahre (als Randnotiz: der Altersdurchschnitt im Publikum lag merklich jenseits der 30) wurden genauso bedient, wie Liebhaber von "The Great Cold Distance" und "Night Is The New Day".

Katatonia

An dieser Stellen nutzen wir die Chance einen Gru an die Deutsche Bahn zu schicken, die es einfach nicht schafft, vernnftige Fahrzeiten anzubieten. So mussten wir das Konzert bereits vor Ende der Show verlassen. Wie lange das Konzert noch ging knnen wir nicht sagen. Wir hatten ungefhr 90 Minuten gesehen, 90 groartige Minuten, bevor uns das Zugticket in der Tasche aus dem Huxleys hetzte. Laut Augenzeugenberichten, wie es in der Regenbogenpresse gerne formuliert wird, hatten wir dadurch das letzte Viertel sowie drei Zugaben verpasst. Schnen Dank auch. Dennoch blieb die Erinnerung, ein richtig geiles KATATONIA-Konzert gesehen zu haben, auch wenn es nur ein Ausschnitt war.

Setlist laut setlist.fm:

  • The Parting
  • Buildings
  • Deliberation
  • My Twin
  • Burn the Remembrance
  • The Racing Heart
  • Lethean
  • Teargas
  • Strained
  • The Longest Year
  • Soil's Song
  • Omerta
  • Sweet Nurse
  • Deadhouse
  • Ghost of the Sun
  • July
  • Day and Then the Shade

Zugabe:

  • Dead Letters
  • Forsaker
  • Leaders





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