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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WARRIOR SOUL, AC ANGRY
Ort Frankfurt, Nachtleben
Datum 19.11.2012
Autor Alexander Meyer
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Nachdem Warrior Soul auf ihrer letzten Tour das Nachtleben in Schutt und Asche gelegt hatten, freue ich mich schon seit Wochen auf dieses Konzert. Auch wenn sich ber die Jahre und Jahrzehnte das Personalkarussell immer wieder krftig drehte, ist das einzig verbliebene Grndungsmitglied Kory Clarke immer Garant fr eine grandiose Liverperformance.

AC Angry AC Angry

Vor der Kr kommt jedoch bekanntlich die Pflicht, welche uns an diesem Abend von AC Angry auferlegt wird. Die Saarbrcker passen mit ihrem Losgeh-Rock im Grunde genommen recht gut in das heutige Vorprogramm und Frontmann Alan Costa legt sich auch mchtig ins Zeug, der berhmte Funke will aber einfach nicht berspringen. Das liegt in erster Linie am recht eindimensionalen Songmaterial, bei dem alleine schon Songtitel wie "Thirst/Booze" und "Booze Horse" Bnde sprechen. Die Kategorie "Sauf Metal" ist in Deutschland durch Tankard einfach schon ausreichend belegt und Gerre, der an diesem Abend sogar anwesend ist, wird die neue Konkurrenz gelassen beugt haben. Als Taletellers (So hie die Band vorher.) haben die Jungs mir musikalisch wesentlich besser gefallen. Als AC Angry beweisen sie jedoch, dass sich eine dreiviertel Stunde nicht nur in der Schule ziemlich hinziehen kann.

Kory Clarke hat heute nicht nur das neue Album "Stiff Middle Finger" (Rezension an anderer Stelle) im Gepck, sondern wartet zudem mal wieder mit einer komplett neuen Mannschaft auf. Es ist zwar schade, dass Rille Lundell nicht mehr an Bord ist, aber die neue Truppe hngt sich von Beginn an voll rein, so dass man den Gitarrenderwisch nicht allzu sehr vermisst. Es ist berdeutlich, dass die Band noch nicht wirklich eingespielt ist und sicherlich htte man gut daran getan, den ein oder anderen Song noch ein wenig besser einzuben, aber darauf kommt es am heutigen Abend nicht an. Vielmehr geht es darum, den Rock 'n Roll in seiner ganzen Reinheit und Grobheit zu erfahren. Was macht da schon der ein oder andere Timingfehler oder Verspieler? Und wenn's schwierig wird, fungiert Maestro Clarke auch schonmal als Dirigenten und zeigt seinen Mistreitern, insbesondere dem Schlagzeuger, an was, wann zu spielen ist. Als Kory zu den blichen Klngen des Intros und dem Opener "Interzone" die Bhne betritt, bin ich zunchst ein wenig erschrocken. Warrior Soul Dass der Typ ziemlich abgerissen ist, wei man ja, aber dass seine langen Locken an diesem Abend vllig verfilzt sind, lsst erahnen, dass er selbst fr seine Verhltnisse die gngigen Hygienestandards weit unterschritten hat. Natrlich darf auch der obligatorische Becher am Bhnenrand nicht fehlen und sptestens als Kory sich Jack Daniels aus der Flasche seines Gitarristen, der das Zeug direkt aus der Quelle pur abpumpt, in seine "Cola" nachschtten lsst, ist klar, dass dies nicht sein erster und mit Sicherheit auch nicht sein letzter Drink des Abends ist. Doch was der deutsche Durchschnittsbrger als verkommenen Alkohliker bezeichnen wrde, ist fr mich und die Mehrheit der Anwesenden die Inkarnation des Rock 'n Roll, die in einem Atemzug mit toten und lebenden Legenden wie Bon Scott oder Lemmy zu nennen ist. Auch die haben ihre Stimmbnder mit Kippen, Alk und anderen Drogen zu Reibeisen umfunktioniert und vor allem haben sie ihr Leben dem ewig jungen Motto "Sex, Drugs & Rock 'n Roll" verschrieben. Man muss sich mal berlegen, dass Warrior Soul Anfang der Neunziger einen Majordeal bei Geffen hatten und auf dem Sprung zum Weltruhm waren. Und heutzutage steht Mr. Clarke auf der Minibhne im Frankfurter Nachtleben und freut sich ein Loch in den Bauch ob der euphorischen Zuschauerreaktionen. Er luft zur Hchstform auf: Tnzelt, springt (einmal sogar in den Spagat), gestikuliert wild und haut in seiner Euphorie gegen Ende sogar den Mikrostnder um, dem ich in der ersten Reihe gerade noch ausweichen kann. Kory teilt mit uns seine Vorliebe fr leichte Mdchen ("Junkie Stripper" und "She's Glaswegian"), seine Gewaltfantasien ("Punk And Belligerent" und "Love Desruction"), sowie seine politischen Ansichten ("The Party" und "Fuck The Pigs"). Interessanterweise konzentriert sich die Songauswahl diesmal eindeutig auf "Salutations From The Ghetto Nation" und "Last Decade, Dead Century", von dem das Publikum "The Losers" allerdings vergeblich fordert. Gut so, ich hasse es, wenn Bands nur auf ihre Hits reduziert werden! Auch auf andere Standards wie "Hero" und "Jump For Joy" wartet man vergeblich. Das ungeliebte "Chill Pill"-Album bleibt ganz auen vor. Dafr belohnen Warrior Soul das steil gehende Publikum mit einer unplanmigen, zweiten Zugabe in Form von "Superpower Dreamland", das die Band vorher noch nie geprobt hatte.

Als die Lichter angehen, sieht man ausschlielich glckliche Gesichter. Warum Warrior Soul nur 75 Minuten gespielt haben? Wie der Sound und die Lightshow waren? Habt ihr denn nichts kapiert?! Ist doch scheiegal!

Setlist: WARRIOR SOUL

  • Interzone
  • Junkie Stripper
  • Another Drink For All My Friends
  • The Drug
  • Punk And Belligerent
  • Rotten Soul
  • Love Destruction
  • Blown
  • Shine Like It
  • She's Glaswegian
  • Charlie`s Out Of Prison
  • The Party
  • Fuck The Pigs
  • Downtown
  • Superpower Dreamland




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