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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DIE KAMMER
Ort Kln, Alter Wartesaal
Datum 02.11.2012
Autor Jennifer Laux, Fotos: Marco Klein/Jennifer Laux
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Also irgendwie beschert mir Petrus in letzter Zeit jedes Mal Regen, wenn ich auf einen Gig fahre. So auch wieder bei der Anreise nach Klle an jenem Freitag Abend. Direkte Fahrt ins Parkhaus am Dom und durch den strmenden Regen hinein in den Alten Wartesaal, direkt neben dem Hauptbahnhof und herrlicher Sicht auf den Dom. Angekommen, erst einmal den Regen abgeschttelt und die Augen wandern lassen, prsentierte sich uns eine bis dato noch nie besuchte Location. Voller Gemtlichkeit, mit Sitzmglichkeiten, gedmmtem Licht und reich verzierten Sulen - perfekt fr die bald einsetzende Musik. Mann, war ich gespannt auf den Live-Abend, nachdem DIE KAMMER mich mit ihrem Album so umgehauen haben. Also Getrnk geschnappt und gemtlich in der ersten Reihe sitzend niedergelassen. Die Besucher im eher kleinen Kreise, bunt gemischt und mittleren Alters.


DieKammer DIE KAMMER

DieKammer Der Startschuss fr die Kammermusik fiel um 20 Uhr. Das gedmpfte Licht auf der mit Notenstndern gespickten Bhne empfing zuerst die Instrumentalisten: Schlagzeuger, Cellistin, Tuba, Geigerin und Geiger, die sich im Halbbogen und erhht im hinteren Teil der Bhne trappierten. Kurz darauf folgten die beiden Hauptakteure Matthias Ambr und Marcus Testory in Sacko und Jeans mit ihren Akustikklampfen und lieen sich auf Barhockern nieder. Bevor die Truppe nur einen Ton gespielt hatte, konnte man die Euphorie des Publikums hren und spren. "Macht mal weiter, ich bin noch nicht soweit" erwiderte Marcus humorvoll und legte entspannt seine Gitarre um. Kaum die ersten Tne angespielt, erkannten die Fans die ohrwurmverdchtige Single-Auskopplung "The Orphanage". Aus dem Publikum konnte man viele zufriedene "Oooohhhh-Rufe" vernehmen. Der Applaus im Anschluss war berwltigend. "Auch ein Bahnhofswartesaal kann eine Kammer sein", betonte Marcus nun und leitete damit "Fate Is An Illusion" ein. Der Schlagzeuger bernahm die Percussions und der Flair, welcher auf der CD bermittelt wird, breitete sich ebenso live aus. Mir fiel ziemlich schnell auf, dass die Stimme Testorys live sogar noch besser zur Geltung kommt. Das htte ich nicht fr mglich gehalten. Einziges Manko war, dass die Drums gegenber den Streichern etwas zu dominant wirkten. Nach dem zweiten Song entledigen sich Matthias und Marcus ihrer Jackets: Hervor kamen schwarze Hemden und wie ich finde passend zur Jahreszeit eine in herbstfarben gehaltene Weste, einmal in orangebraun, einmal in einem dunkleren rot. Auch das bleibt nicht kommentarlos: "Wir arbeiten an unserem Outfit. Es is goa net so ofach", informierte Marcus lchelnd die Zuschauer, die das Ganze schier lustig fanden. Welch sympathischer Kerl, das muss an dieser Stelle wirklich mal gesagt werden. Weiter ging es mit "Labyrinths Of Despair", das gerade beim Einsatz der Streicher eine unglaubliche Melancholie im Saal verbreitete. Vor dem Refrain machte sich Gnsehaut breit, ein berwltigendes Gefhl. "Der nchste Song handelt davon, dass viele Dinge anders kommen als man glaubt", warf danach Matthias ein. Die Einleitung zu "The Seeming and The Real", welches ein extra Applaus fr den Schlagzeuger, Oliver "Himmi" Himmighoffen, der das Glockenspiel meisterhaft bediente, kassierte.


Ihre "schwarze Vergangenheit" spiegelte sich laut deren Aussage dann im folgenden Song wieder: "Riding The Crest". "Auf der Terrasse bei vielen Getrnken", so Marcus, "entstand damals "A Backward Glance"". Whrend des Songs waren Rufe wie "Wahnsinn" aus dem Publikum keine Ausnahme. Sie rissen mit ihrer Art und der Interpretation der Songs alle mit, das konnte man wirklich spren. Der Wartesaal war einfach nur voll positiver Energie. DieKammer DieKammer Nicht nur den Fans wurde es warm ums Herz, Marcus befreite sich nun auch noch von Krawatte und Weste. Es folgte ein Cover aus einem Film "Falling Slowly", der wohl eine besondere Bedeutung hatte. Der zweistimmige Gesang der beiden Frontmnner war zutiefst berhrend und mehr als harmonisch. Dem nicht genug, folgte ein weiterer Coversong von Johnny Cash, den uns sicher allen bekannten Titel "Hurt". Also mal ganz im Ernst, ich musste mit den Trnen kmpfen. Die Emotionen, die in diesem Moment versprht wurden, waren kaum zu bndigen und das schien sich wie ein roter Faden durch alle Anwesenden gezogen zu haben. Jetzt war das Eis endgltig gebrochen und auch Matthias entbltterte sich seiner Weste. "Ich war zarte zwanzig, als ich folgendes Liedchen gehrt habe ... und Veranstalter Dirk steht besonders auf den Song", erklrte Marcus mit nun 12-saitiger Gitarre unter dem Prof. Matthias Raue berzeugte. Ohne Gitarre, aber dafr mit viel Mimik und Gestik gab es dann "Black As Coal" auf die Ohren. Mit "Singing Surrender" folgte dann der "willenlose Konzertabschnitt mit Mitmachpart". Alle klatschen begeistert im Takt und man kam richtig in Stimmung. Ein Schlckchen Wein zwischendurch und sofort ging es weiter zum nchsten Lied "Home In Your Eyes". "Aus den letzten Tagen der Menschheit" dann das angesagte letzte Stck des Abends "Final Days", welches sicher auch den letzten unter den Zuhrern von der Sympathie der Kammermusiker berzeugte. Die ersten Akkorde angeschlagen, runzelte Marcus pltzlich die Stirn und bergab seine Klampfe schnell dem Roadie, auch liebevoll "Kammerlengo" genannt. Leicht nervs kam dann auch noch ein kleiner Textpatzer dazu, doch ein Lcheln seinerseits und liebevolle "ooohhh-Rufe" aus dem Publikum machten alles wett. Da bekam er auch schon wieder die Gitarre gereicht, da war doch pltzlich ein Kapodaster befestigt, und schwups war er wieder mittendrin im Geschehen und der Song nahm seinen Lauf. So herrlich normal. Musik und Comedy zugleich. Nach einem kurzen Bhnenabgang wurde die Truppe durch den ohrenbetubenden Applaus schnell zurckbefrdert. Mit "Grand Graveyard Of Hopes" gab es einen erneuten ruhigen Einstieg. Bei dem folgenden Song "That's When I Reach For My Revolver" kam richtige Partystimmung auf. Die schnelle Rhythmik und die Energie, die der Titel versprhte, lie den Saal beben. Die Resonanz war unglaublich. Nach einem weiteren kurzen Bhnenabgang gegen halb zehn, kehrte DIE KAMMER noch einmal zurck und belohnte die treuen Fans mit zwei weiteren Zugaben: "The Painterman's Spell" und - um dem Abend einen wrdigen Abschluss zu geben - gab es ein "Orphanage-Reprise". Standing Ovations bewiesen den Musikern, dass sie allen Anwesenden einen wundervollen Abend bereitet hatten. Als Zeichen der Anerkennung verneigte sich DIE KAMMER ehrwrdig vor dem ganzen Saal und verlie zufrieden die Bhne. Sogar fr einen Plausch und Autogramme inmitten der Fans war das Septett spter noch zu haben. Mehr Sympathiepunkte gab es nicht zu sammeln.


Setlist: Die Kammer
  • The Orphanage
  • Fate Is An Illusion
  • Labyrinths Of Despair
  • The Seeming And The Real
  • Riding The Crest
  • A Backward Glance
  • Falling Slowly
  • Hurt
  • Tower Of Strength
  • Black As Coal
  • Singing Surrender
  • Home In Your Eyes
  • Final Days

  • --------------------------------
  • Grand Graveyard Of Hopes
  • DieKammer
  • That's When I Reach For My Revolver

  • --------------------------------
  • The Painterman's Spell
  • The Orphanage - Reprise

Auch ein schner und nachhaltig wirkender Konzertabend neigt sich irgendwann dem Ende. Sogar auf der Heimfahrt wurde das Autoradio mit den Klngen der Kammer gefttert. Mehr geht nicht. "Handgemachte Songs, in bewhrter Singer-Songwriter-Tradition, die mal melancholisch und morbide, mal augenzwinkernd und sarkastisch interpretiert werden; (...) Lieder, die Geschichten aus dem Leben erzhlen, Lieder von feinen Gefhlen und groen Visionen." Ich habe DIE KAMMER eher durch einen Zufall entdeckt, habe sie aufgeschlossen, bin eingetreten, habe mich inspirieren lassen, habe dort verweilt, mir jede kleine Ecke eingeprgt, sie kennen und lieben gelernt und entschieden, diese Kammer zu meinem Rckzugsort zu weihen und den Schlssel fr DIE KAMMER verwahre ich an einem sicheren Ort.







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