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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SMOKE BLOW, TYSON
Ort Musikzentrum, Hannover
Datum 02. Oktober 2012
Autor Stephan Mertens
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Die Chaoten von SMOKE BLOW habe ich bis zu diesem Abend das einzige und letzte Mal vor ber zehn Jahren auf dem "With Full Force Festival" bei Leipzig gesehen. Damals erschien mit "German Angst" meiner Meinung nach eines der besten fnf Rock/ Metal-Alben des ganzen letzten Jahrzehnts. In der Zeltbhne vor groem Publikum, stellte sich die Combo zudem als absolute Livegranate heraus. ber die Jahre hat es sich in erster Linie wegen meiner begrenzten Mittel einfach nicht mehr ergeben, ein weiteres Konzert der Vollgas-Truppe zu besuchen. Ich muss auch ehrlich zugeben, dass mich die folgenden Studioarbeiten "Dark Angel" und "Colossus" bei Weitem nicht mehr so begeistern konnten, wie das vorangegangene Meisterwerk. Das war ein klarer Fall von falschen Erwartungen. Als dann Jahre spter mit "The Record" die Rckkehr in rauere Klangwelten vollzogen wurde, hatte mich die Kieler Truppe wieder am Haken, umso enttuschter war ich, als mich die traurige Nachricht vom geplanten Ende der Band (unter dem Namen "SB"), vor ein paar Monaten erreichte. Sptestens da war klar, dass ich den Jungs unbedingt ein letztes Mal die Ehre erweisen musste. Hannover bot sich als naheliegender Austragungsort an und mit dem Tag der Einheit im Rcken stand auch einer angemessenen, feucht-frhlichen Abschiedsparty nichts mehr im Wege. Alles in allem waren das perfekte Voraussetzungen fr einen Besuch der "Last Tour On Earth".


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Pnktlich im Musikzentrum Hannover angekommen, wurden erst mal ein paar Biere vertilgt, denn es gab ja was zu Feiern und die ra SMOKE BLOW durfte auf keinen Fall nchtern zu Ende gehen. Da ich zum ersten Mal dort zu Besuch war, habe ich mir den recht berschaulichen Raum in Ruhe angesehen. Also fr kleinere Konzerte bietet der Laden eine echt gute Basis. Die Wege sind kurz und das Publikum hat von berall einen guten Blick auf die Bhne.
Tyson Von der Vorband wusste ich nur, dass sie sich dem Hardcore verschrieben haben. TYSON begannen irgendwann um neun mit ihrem Programm. Die Begeisterung hielt sich zwar anfangs in Grenzen, aber immerhin wurde es nach und nach etwas voller vor der Bhne. Das haben sich die Jungs auch redlich verdient. Das Trio prgelte sich durch ihre gut 30-mintige Setlist und berraschte mit ausgefeilten, technischen Fhigkeiten und einer berraschend groen Portion Eigenstndigkeit. Die vorgetragene Musik ist schon grundstzlich dem Hardcore zuzuordnen, aber an Vielseitigkeit fehlte es dabei nicht und so wurden auch Zutaten aus dem Heavy Metal mit eingebaut. Immer wieder lockerten gesungene Refrains die Shouter-Passagen auf und brachten eingngige Melodien mit ins Spiel. Das Ganze war zudem angenehm brummig abgemischt und vereinzelte doomige Riffs trugen ebenfalls dazu bei, dass die Kapelle bei mir mehr Eindruck hinterlassen hat, als ich gedacht htte. Im spteren Gesprch mit Snger und Bassmann Andre Koch stellte sich heraus, dass es nchstes Jahr einen neuen Silberling von TYSON geben wird. Das erste und bislang einzige Album der Kieler hrt auf den Titel "Barenuckle Fights" und wird von mir demnchst hier auf "MyRevelations.de" besprochen. Soviel kann ich schon sagen: Die Scheibe kann man fr kundenfreundliche fnf Tacken (auf Konzerten) ruhig mal mitnehmen. Auf der Bhne machen die Jungs eine wirklich gute Figur und sorgten fr so manches Kopfnicken und Mitwippen in den Reihen der Zuschauer. Da alle auf die Hauptattraktion an diesem Abend gewartet haben, waren die Voraussetzungen sicherlich nicht die einfachsten, aber mit einer mehr als soliden Leistung hat sich die Vorband den ehrlichen Applaus nach den Stcken wirklich verdient. In Sachen Pogo war leider nichts zu machen, aber man wollte ja auch Reserven sparen fr das, was noch kommen sollte.


SmokeBlow In der Umbaupause habe ich es mir mit meiner Fotoausrstung direkt vorne links an der Bhne bequem gemacht. Da wir ruhigen Gewissens Klamotten, Technik und auch die Getrnke dort abstellen konnten, war die Vorfreude auf eine der besten deutschen Livebands kurz vorher kaum auszuhalten. Als der Fnfer um die beiden Mikrofonartisten Jack Letten und MC Straenkter die Bhne betraten und nach kurzer Ansage direkt mit einer Handvoll Bomben von der "German Angst" und "The Record" starteten, gab es schon kein Halten mehr. SmokeBlow Nach ein paar schnell geknipsten Fotos fr die Galerie, ging es direkt ins Getmmel und trotz der guten Vorstze sich nicht vllig zu verausgaben, lie mich die Situation anders entscheiden. Was will man auch machen, wenn die Htte kocht, um einem herum etliche strahlende Gesichter zu sehen sind und aus allen Ecken textsicher mitgegrlt wird. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Was mich hier wirklich positiv berrascht hat ist, dass es trotz der aggressiven Klnge und des Pogos extrem friedlich und rcksichtsvoll zuging. Es gab weder ausgefahrene Ellenbogen noch egoistische Boxer und dabei war beinahe das ganze Musikzentrum in Bewegung. In letzter Zeit habe ich fter andere Erfahrungen gemacht und zugegebenermaen hatte ich auch hier vorher so meine Befrchtungen. Zum Wohle aller, fand an diesem Abend aber die gutgelaunte Feier statt, die wir uns gewnscht hatten. SMOKE BLOW spielten ein umfangreiches Best Of-Programm, von alten Klassikern, wie beispielsweise "777 Bloodrock" oder "Mexico" bis hin zu den rasend schnellen Nummern der letzten Scheibe. Da erwiesen sich besonders "Summer Of Betrayal" und das schwarzmetall-lastige "Final Hands" als absolute Partygranaten. SmokeBlow Die Jungs prsentierten sich in bester Stimmung und hatten richtig Bock an diesem Abend, da kann man auch den phasenweise etwas breiigen Sound verschmerzen, welcher genaugenommen nicht wirklich gestrt hat. Die beiden Frontmnner waren wie immer sehr aktiv da oben und bereicherten den Auftritt mit prolligen Posen, kleinen Anekdoten zwischen den Stcken und dem obligatorischen Mikrorumreichen. Die musikalischen Hhepunkte waren fr mich an diesem Abend ganz klar der berhit "Alligator Rodeo" und das BLACK SABBATH-Cover "Sabbath Bloody Sabbath". Ich liebe diesen Song einfach und bin fast ausgerastet, als die ersten Tne erklangen. Wo ich gerade vom Huldigen groer Musiker schreibe, muss auch erwhnt werden, dass es sich die Band trotz des ausreichenden eigenen Materials nicht nehmen lie, zwei weitere Lieblingsstcke zum Besten zu geben. Das standardmige "Rebell Yell" und die Verbeugung vor dem Schinkengott DANZIG, mit dem allseits belieben "Mother", sorgten fr allerbeste Laune und stellten das I-Tpfelchen einer grandiosen Show dar. Ich habe keine Ahnung, wie lange das Konzert genau lief, aber gefhlt waren es knapp zwei Stunden. Seit meinem Besuch beim KYUS LIVES-Auftritt, letztes Jahr im Capitol, habe ich nicht mehr so ausgepumpt und vollends zufrieden den Heimweg angetreten. SMOKE BLOW haben gerockt und auf ihrer letzten Tour nochmal alles fr die Fans gegeben. In 2012 habe ich ein paar wirklich gute Konzerte besucht, aber der zweite Oktober im Musikzentrum war etwas ganz besonders und einfach nur episch. Danke Jungs!






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