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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BANG YOUR HEAD!!! 2003
Ort Balingen, Messegelnde
Datum 27.-29.06.2003
Autor John Schmitz
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Nun ist es amtlich. Der Himmel ist in Balingen und Gott ist ein Metal-Fan! Ansonsten wren die Geschehnisse, die am letzten Juniwochenende im sddeutschen Metal-Mekka passierten nicht zu erklren:
Lange hatten wir uns auf das Bang your Head gefreut und umso beschissener war es fr mich, dass ich am Donnerstagmorgen mit Halsentzndung und Fieber aus der Kiste kletterte. Was solls, ein Metaller kennt keinen Schmerz und somit ging es am Mittag los gen Balingen. Als wir auf dem Gelnde ankamen, stieen wir wie immer auf super nette Ordner und Mitarbeiter. Man legte unserer Gruppe keine Steine in den Weg, so dass wir ein schnes Pltzchen auf dem Campinggelnde ergattern konnten. Ich muss einfach betonen, dass die Hilfsbereitschaft der Crew und der Fans beim Camping und auf dem Konzertgelnde wieder einmal hervorragend war. Jeder half dem anderen und jeder hatte ein Bier fr ungekannte Besucher brig. Klasse! Der krftige Regenschutt, mit dem uns Petrus beim Zeltaufbau einen Streich spielte, sollte das erste und kleine rgernis bleiben, das uns bis zum Sonntag heimsuchte. Alles andere verlief einfach traumhaft. Vor allem das Timing der Running Order war an beiden Tagen perfekt. Jede Band spielte exakt zur geplanten Zeit, so dass sich die Fans blind auf die Planung verlassen und somit immer pnktlich vor der Bhne sein konnten. Am Freitag ging es mit den Old-School-Thrashern Destructor los. Sie legten einen berzeugenden Gig aufs Parkett und werden wohl auch in der Zukunft von sich hren lassen, da die Combo ein neues Album verffentlicht hat.
Nun freute sich die Menge auf good dirty fun, den Betsy the Bitch kam, um mit ihrer Band aufzuspielen. Die Dame demonstrierte, dass auch Frauen im Metal ber Power und Ausstrahlung verfgen und bot den Zuschauern mit Peitsche und Zuckerbrot, h, Zuckerstange einiges an Unterhaltung. Im Vordergrund stand neben der Show jedoch immer die Musik (u.a. Head Banger und Be my slave), die berzeugend fett rberkam. Thats Entertainment!
Anschlieend kam fr mich das erste der vielen Highlights des Festival. Mr. Rob Rock, der kleine Mann mit der groen Stimme, der die Scheiben von Impellitteri, M.A.R.S. und Driver mit seiner Stimme veredelte und nun selbst zwei amtliche Solowerke am Start hat. Rob stieg mit Rock the earth ein und lieferte eine klasse Show, die neben aktuellen Stcken (saugeil war der Song Rage of creation) auch den M.A.R.S.-Opender Nations on fire und den Impellitteri-Klassiker Warrior in die Menge hauten. So muss das sein. Rob Rock Gitarrist Rick Renstrom spielte trotz seiner Behinderung ein wahnsinniges Brett. Alle Achtung, so was sieht und hrt man nicht alle Tage.
Nach Rob Rock brauchte ich eine Pause, so dass es mir gelegen kam, dass Amon Amarth an der Reihe waren. Obwohl sie in der Szene sehr beliebt sind, sparte ich mir den Schweden-Gig. Ich kann mit Gegrunze einfach nichts anfangen! Sorry, not my cup of Tee!
Da man sich innerhalb 40 Minuten keine zwei Steaks mit Krautsalat plus entsprechende Flssignahrung reinpfeifen kann (vor allem, wenn der Grill noch angefeuert werden muss), verpasste ich leider auchAxxis.
Pnklich zum T.N.T-Gig stand ich wieder auf der Matte und zwar mit groen Erwartungen. Schlielich hatte ich die Jungs um Sirene Tony Harnell noch nie live gesehen. Na ja, umso grer war dann die Enttuschung. Kam alles nur halbgar rber und der Funke sprang zu keinem Zeitpunkt ber. Auerdem halte ich es fr uerst dmlich, wenn man bei einer solch kurzen Spielzeit ein ausgedehntes Gitarrensolo bringt, wobei sich (der sicherlich gute) Ronni LeTekr feiern lie und schlielich erschpft auf die Bhnenbretter fiel. Peinlich, peinlich! Letztendlich drehte man den Jungs den Saft ab, weil sie lnger spielen wollten, als es die Uhr zulie, so dass Tonys Mikro mitten in einer Ansprache den Dienst verweigerte. Mit herunterhngenden Ohren verlie man die Bhne. Wie gesagt: peinlich, peinlich!
Annihilator ohne Joe Comeau? Gespannt wartete man auf den Auftritt des neuen Fronters Dave Padden. Meiner Meinung nach sang der Junge zwar ganz ordentlich (wobei das aufgrund des Sounds nicht immer anstndig zu beurteilen war), verblasste aber als Frontmann. Der Mann wei noch nicht so genau wie er sich auf der Bhne verhalten soll. Ist aber auch nicht einfach, wenn der Derwisch Jeff Waters ber die Bhne rennt, wie verrckt, Grimassen zieht und nebenbei einfach gttlich die Saiten zieht. Ich fands geil, vor allem war Alice in hell mal wieder killer!
Es tut mir Leid. Ja ja, Schande ber mein Haupt, aber wer bitte hat beim Don Gitarre gespielt? Ich konnte den Mann nicht identifizieren. Ist auch unwichtig, denn spielerisch konnte er weder Mr. George Lynch, noch John Norum oder Reb Beach das Wasser reichen. Nun gut, obwohl die Gitarrenarbeit solide war, ohne jedoch zu brillieren legte die Band um Don Dokken einen sauberen Gig hin, der gute Laune brachte. Anfangs dachte ich bei Dokkens Anblick Oh je, ein mder Rockstar, aber als die ersten Songs gespielt waren und der Barde seine Sonnenbrille auszog musste ich meinen Eindruck revidieren. Don war an diesem Tag ein guter Entertainer, der viel Witz und Sarkasmus besa und bestens mit dem Publikum kommunizierte. Dieses nahm Songs wie Tooth and nail, Kiss of death, In my dreams, Breakin the chains, Its not love, usw. Bestens auf und feierte eine amtliche RocknRoll-Party. Daumen hoch!
Jetzt war es wieder an der Zeit fr eine ausgedehnte Bierpause am Zelt, so dass ich auf Sodom verzichtete. Im sorry!
Bitte nehmt es nicht persnlich, aber Hammerfall sind fr mich eine der absolut berbewertesten Bands der Szene. Wenn ich ffchen Oscar sehe, wird mir mulmig im Magen. Um das zu verhindern und meine ausgeglichene Ruhe zu bewahren, sparte ich mir die Schweden. Sollen die doch den Hammer ohne mich fallen lassen.
Es stellte sich heraus, dass ich die Ruhepause durch die Auszeit bei Hammerfall noch gebrauchen konnte, denn nun kam der alte Mann. Um es vorweg zu nehmen: Es war gttlich! Ronnie James Dio, Jimmy Bail, Craig Goldie, Scott Warren und Simon Wright legten einen Jahrhundert-Gig hin. Der Sound war astrein, die Band in Spiellaune und die Setlist... die Setlist war nur geil. Ein paar Naselangmacher? Stargazer(!!!!!), Stand up and shout, I speed at night, Straight through the heart, Mob rules, Man on the silver mountain/Long live RocknRoll, Holy diver, Rainbow in the dark, The last in line, We rock, Evil eyes, etc. Was war das fr ein Fest! Einziger Wehrmutstropfen war das Fehlen von Doug Aldrich. Nichts gegen Goldie, der eine prima Axt schwingt, aber Aldrich hat den Bogen raus. Der Mann spielt mit Feeling ohne Ende. Wahrscheinlich verdient er bei Whitesnake mehr Asche. Schade! Ansonsten war alles perfekt. Schwer zu toppen. Fazit: Der Freitag war genial. Prima Bands, prima Headliner, prima Wetter, prima Metalheads, prima Ordner, prima alles...

Am Samstag gings es weiter, wie es am Tag zuvor aufgehrt hat: Spa pur! Der Samstag Opening-Act Hirax fegte trotz morgendlicher Stunde und alkoholgezeichneten Metallern energiegeladen ber die Bretter und stie somit einen gekonnten Weckruf aus. Viele Fans waren gespannt auf das Auftreten der NWOBHM Legende Angel Witch, die ja nur Songs von ihrem Debt-Album spielen wollten. Einziges Urmitglied war Kevin Heybourne, der jedoch eine prominente und starke Band um sich geschart hatte, so dass die Nummern gut knallten, wenn auch die Bhnenshow nicht so lebendig war wie die von Hirax. Als letzen Track spielte man die Hymne Angel Witch, so dass alle Fans der Band zufrieden sein konnten.
Jorn Lande ist ein begnadeter Snger mit einer Menge Charisma. Roland Grapow und Uli Kusch hatten gut daran getan diesen Frontmann zu verpflichten. Wollen wir hoffen, dass er auch lnger an Bord bleibt, denn wie man wei, hlt er es ja nie lange bei einer Band aus. Die Voraussetzungen fr einen starken Gig waren also verdammt gut, denn Masterplan haben zudem ein geiles Album aufgenommen. Die Band stieg mit dem Opener der Platte Spirit never dies ein und brachten anschlieend noch weitere Highlights, allen voran den Killersong Soulburn. Leider war der Sound ziemlich mies. Auch Jorn Lande hatte nicht seinen besten Tag, denn die hheren Lagen bereiteten dem Nordmann Probleme. Vielleicht war er gesundheitlich angeschlagen. Letztendlich war der Auftritt etwas enttuschend. Auf der Tour mit Hammerfall war die Truppe besser. Viele Leute um mich herum teilten meine Meinung. Schade fr die Band, die sicherlich mehr drauf hat!
Nun war es an der Zeit zu frhstcken, sprich einzukaufen und zu grillen. Durch diese Umstnde verpasste ich Brainstorm, Pink Cream 69 und Hypocrisy. Tschuldigung!
Umso grer war die Begeisterung, als die legendren Y&T die Bhne betraten und mit Open fire fett ins Programm einstiegen. Dave Meniketti ist ein toller Gitarrist und hat eine super markante Stimme, die perfekt zum Bandsound passt. Sogar Ur-Drummer Leonard Haze war wieder mit von der Partie, der zusammen mit Basser Phil Kennemore einen fetten Rhythmusteppich legte. Auerdem stand noch John Nymann als zweiter Gitarrist auf den Brettern, der leider ein wenig verloren und unsicher wirkte. Nichts gegen John, aber wre geil gewesen, wenn Joey Alves noch dabei gewesen wre. Die Setlist war gigantisch (u.a. Barroom Boogie, I believe in you, Meanstreak, Black Tiger, Hurricane), wenn man mal davon absieht, dass kein Song von meiner Lieblingsplatte In rock we trust gespielt wurde. Zu guter Letzt strmte beim letzten Track Forever noch Dee Fuckin Snider auf die Bhne, um den Chorus mitzugrlen. Highlight!!!
Nachdem Overkill letztes Jahr aufgrund einer Erkrankung von Blitz ausfallen musste, holte man im Jahre 2003 den Gig nach und bewies, dass Blitz weder tot, noch gesangsunfhig war. Wie immer voller Power und mit stimmungsvollen grnen Backdrops untermalt, blies die Thrash-Institution ihre Nummern durch die P.A. und spielte einen grundsoliden Gig. Dennoch stellte sich bei mir schlielich ein Gefhl der Enttuschung ein, denn auf einem Festival erwarte ich eine Best of Show, die auch mehrere der alten Klassiker beinhaltet. Diese kamen viel zu kurz. Trotzdem, Overkill sind live eine Klasse fr sich.
Um 18.20 Uhr betrat dann Udo Dirkschneider, flankiert von einer weien Flying V und einer weien Explorer, die Bhne, um seinen energetischen Heavy-Rock ins Volk zu blasen. Die Instrumentalisten von U.D.O. waren sehr spiel- und bewegungsfreudig und bildeten einen guten Kontrast zum ruhigen Snger. Udo sang berzeugend und nutze jede Gesangspause, um nach Luft zu schnappen und pumpte dabei wie eine alte Feuerwehrwasserhandpumpe. Das Publikum feiert U.D.O.- und Accept-Songs gleichermaen ab, wobei natrlich Balls to the wall und vor allem die letzte Nummer Fast as a shark, welches das Publikum mit Heidi heido heida-Rufen aus zig tausend Kehlen forderte, die Hhepunkte waren. Sehr geil!
Mann, wie sehr ich Thin Lizzy liebe. Und ich war einfach noch zu jung, um die Iren noch mit Phil Lynott live erleben zu drfen. Natrlich ist die Band ohne den Mann mit dem einzigartigen Charisma nicht die selbe Band wie frher, aber die Live-Scheibe One night only machte Lust auf mehr. Somit erwartete ich gespannt John Sykes und Scott Gorham, die auch gelungen mit Jailbreak einstiegen. Sykes gab sich alle Mhe als Snger, um die Phrasierung von Lynott zu kopieren, was ihm wirklich gut gelang. Die Musiker spielten allesamt erstklassig und die Setlist war in Ordnung (Emerald htte es schon noch geben knnen). Still in love with you war Gnsehautstimmung pur und Black rose entfachte meine uneingeschrnkte Begeisterung. Trotz allem war es nicht wirklich genial. Gut, aber nicht berragend. Phil hat gefehlt, so war das!
Ich habe in meiner Karriere als Metalfan schon verdammt viele Konzerte gesehen und zwar verdammt geile. Was ich aber am Samstag Abend zwischen 21.30 und 23.00 Uhr erleben durfte, markiert ein Erlebnis fr die Ewigkeit. ber 20 Jahre trumte ich von einem Twisted Sister Gig und dann wurde es war. Und es war fantastisch. Die Herren Snider, French, Ojeda, Mendoza und Pero kamen, sahen und legte Balingen in Schutt und Asche. Standesgem erffneten die Schwestern mit What you dont know... und machten von vornherein klar, dass sie keine Rock-Rentner sind, die ihre ruhmreichen Tage lngst hinter sich gelassen haben. Das Publikum tobte und sang wie ein Mann alle Hymnen (u.a. The kids are back, Stay hungry, Destrover, Burn in hell, I am Im me, You cant Stopp RocknRoll, The price, I believe in RockNRoll, I wanna Rock) mit. Bei Were not gonna take it war die Menge so laut, dass man die Band fast kaum noch hrte. Alle waren im Bann von Twisted Sister und deren Frontsau Snider, der ein Entertainer ist, der seines gleichen sucht. Nach den Zugaben Come out and play (bei dem mein Kumpel einen Ellebogen auf die Nase bekam, aber sofort von allen Umstehenden betreut wurde) und dem legendren S.M.F beendete ein Feuerwerk nicht nur den genialsten Auftritt aller Zeiten, sondern auch das genialste Festival aller Zeiten.
Liebes Bang your Head-Team, das habt ihr fein gemacht. Wenn es weiter so bleibt, ohne zu expandieren, ohne von traditionellem Hard and Heavy auf Grunz- und Gurgelorgien zu wechseln, wird das BYH immer das beste aller Festivals bleiben. In diesem Sinne: Bangen Sie das fuckin Kopf, Mann!

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