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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing LOREENA MCKENNITT
Ort Kln, Tanzbrunnen
Datum 16.07.2012
Autor Jennifer Laux
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Die Hoffnung, das der wolkenverhangene Himmel des Tages bis zum Abend und dem Beginn des Konzertes schwindet, legte sich leider schnell. Bereits auf der Fahrt von Koblenz nach Kln verdichteten sich die Wolken noch mehr und der Regen hielt Einzug und meinte sich immer mehr in den Vordergrund drngen zu mssen. Dabei hatte der Tag doch so schn begonnen. Doch sich davon die Stimmung und Vorfreude vemiesen lassen? Nein, das kam uns erst gar nicht in den Sinn.

Loreena Mckennitt

In Kln angekommen nahmen wir noch einen kurzen Snack zu uns uns steuerten dann schnurstracks auf unsere zugewiesenen Pltze zu. Zum Glck hatten wir mit unserem Presseticket einen Platz unter einem der "Pilze" des Tanzbrunnens unmittelbar vor der Bhne ergattern knnen und waren somit geschtzt vor dem khlen Nass. Ein blaues Sitzplatzmeer war in Form von Stuhlblcken- und Reihen vor der Bhne aufgebahrt. Die Zuschauer auf den seitlichen Sitzreihen zogen schnell ihre Regencapes ber und spannten die Regenschirme auf, um sich vor dem Regen zu schtzen. Sehr rgerlich, aber das Wetter ist bei einem Open-Air leider nicht planbar, da muss man mit allem rechnen. Bereits gegen sieben Uhr fllten sich die leeren Sthle, bis sich letztlich rund 1.500 Menschen einfanden: Blaues Licht strahlte auf die Bhne und die darauf platzierte ppige Instrumentierung an, bevor dann kurz vor halb acht aus dem Nichts die erwartet Ansage ertnte: "Meine Damen und Herren, willkommen zur Show von LOREENA MCKENNITT"



LOREENA MCKENNITT

Kurz darauf und pnktlich auf die Minute, die Uhr schlug gerade 19.30 Uhr, nahm ein Ensemble von acht Musikern unter tosendem Applaus der Fans ihren Platz an den Instrumenten ein. Der Star des Abends, eine wahre Gre der Folk-Musik, Sngerin LOREENA MCKENNITT, griff zum Akkordeon und leutete mit ihrer Band und dem Klassiker "The Mummer`s Dance" den Auftakt der "Midsummer Night's Tour" am Tanzbrunnen ein. Die kanadische Ausnahmeknstlerin, die bereits ber 14 Millionen Platten verkaufen konnte, prsentierte sich in ihrem unaufdringlichen violetten Samtrock und passendem Oberteil mit transparenten, ausgestellten rmeln und einem Hauch von Glitter. Sie berzeugte von der ersten Sekunde an mit ihrer glockenklaren und sanften Stimmfarbe, die berhrte und tief unter die Haut ging. Die Zuschauer waren bereits nach dem ersten Song gefesselt und honorierten dies mit groem Beifall. Erstaunlich waren auch ber das ganze Konzert hinweg die Performances und Flexibilitt der einzelnen Musiker: Gitarrist Brian Hughes beherrschte neben der Akkustik- auch E-Gitarre und Bouzouki. Loreena Mckennitt

Die Musikerin Caroline Lavelle war eins mit ihrem Cello und konnte zustzlich mit dem Einsatz ihrer Zweitstimme, die harmonisch mit der von LOREENA verschmolz, punkten. Ben Grossmann alias Hurdy Gurdy bediente sowohl die Percussions als auch die Drehleier. Ian Harper war sowohl fr die Pipes als auch fr den Einsatz der beeindruckenden Klarinettenparts verantwortlich. Hugh Marsh hatte sich mit Leib und Seele der Geige verschrieben, Dudley Phillips war mit seinem E- und Kontrabass fr die tiefen Tne verantwortlich und Roy Dodds sa an Schlagwerk, Bongos und Percussions.

Die tanzenden Tropfen vom Himmel dort droben gingen auch nicht unbemerkt an Frau MCKENNITT vorbei: Bei der Ansage des dritten Songs "Bonny Portmore" usserte sie sich kopfschttelnd ber das nach ihrer Aussage "atmospheric wheater". Der softe Titel ber den "Forest Of Ireland", verwandelte sich mit der anfnglich leichten Instrumentierung als Untermalung, durch den Einsatz des energiegeladenen und trotzdem gefhlvollen Gesangs und dem Klang der Harfe in ein emotionales Feuerwerk, das den Krper zusammenzucken lie. Fr "Penelope's Song", ein Hauch griechischer Geschichte, eingefasst in eine Ballade, die einer Hymne glich, nahm LOREENA MCKENNITT den Platz am Flgel ein. Zurck an der Harfe folgte der Klassiker "Stolen Child", ein Lied, das das Spektrum, die Flle und Perfektion ihres Sopran-Gesangs zeigte. Der Einsatz der rockigen Gitarrenriffs setzte noch einen besonderen Akzent.

Loreena Mckennitt

Zwischen diesen Songs bekam sie dann doch Mitleid mit den Fans am Rande der schtzenden Pilze, die dem Regen ausgeliefert waren und machte den Vorschlag, das Set ohne Pause durchzuspielen. Dafr holte sie sich bei den Zuschauern das "Okay" in Form eines Applauses ab. Eine wirklich nette Geste ihrerseits. Eine kurze Bandvorstellung gab es dann zu "The Bonny Swans", das mit seinen keltisch-orientalischen Klngen eine besondere Atmosphre schaffte. Hier bewies der Gitarrist nochmals seine Fingerfertigkeit bei seinem Solo-Duell mit dem Geiger.

Whrend der Regen noch einmal so richtig loslegte, posierte die sympathische Frau hinter den Keyboards und gab sich zusammen mit ihren Fans dem "Mystic's Dream" hin. Htten nicht alle fest verankert auf ihren Sthlen gesessen, wre ich mit der berspringenden Rhythmik von "The Lady Of Shalott" doch glatt in Tanzstimmung gekommen. Nichts desto trotz habe ich mich dann zurckgehalten und sitzend genossen, denn kaum waren die ersten Saiten der Harfe gezupft, ertnte ein satter Applaus.

"The Old Ways" wird im Anschluss als letzter Song angekndigt. Begann dieser nur mit Klavier und Gesang, setzten nach und nach Akustikgitarre, Triangel, Geige, Bass und Cello ein. Durch die sich nach und nach aufbauende Flle wurde ein angenehmer Spannungsbogen aufgebaut. Mit dem letzten Ton folgte ein riesige Resonanz mit standing ovations. Nach einem kurzen Bhnenabgang kehrte die Combo kurz vor halb zehn wieder zurck und gab mit "Huron 'Beltane' Fire Dance" die erste Zugabe. Die Musiker verschwanden wieder von der Bhne. Dem Regen zu Trotze lie sich die charmante Kanadierin eine zweite Zugabe nicht nehmen und setzte mit "Dante's Prayer" ein gelungenes Ende der musikalischen Reise. Die Menschen vor der Bhne genossen teilweise mit geschlossenen Augen und voller Hingabe. Es herrschte eine mystische Stille, die durch Mark und Bein ging. Man blickte in das Gesicht restlos begeisterter Zuschauer, das schien auch LOREENA zu spren und verneigte sich mit ihren Musikern dankend und ehrwrdig und verlie lchelnd die Bhne des Tanzbrunnens.

Zum zweistndigen Repertoire des Abends gehrten nicht nur die neu arrangierten Volkslieder, sondern auch die eigens konzipierten Songs. Sphrische Klnge, die alle ihren eigenen Charakter hatten und vor Lebendigkeit, Eingngigkeit und Wrme sprhten.

Setlist: Loreena McKennitt

  • The Mummer's Dance
  • The Star Of The County Down
  • Bonny Portmore
  • Marco Polo
  • Nightride Across The Caucasus
  • Penelope's Song
  • Stolen Child
  • As I Roved Out
  • Caravanserai
  • The Bonny Swans
  • Full Circle
  • The Mystic's Dream
  • Santiago
  • The Dark Night Of The Soul
  • All Souls Night
  • Lady Of Shalott
  • Beneath A Phrygian Sky
  • The Old Ways

  • Zugaben:
  • Huron 'Beltane' Fire Dance
  • Dante's Prayer

LOREENA MCKENNITT war in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal auf Tournee in Deutschland: Anders als bei ihrer "Celtic Footprints Tour" im Mrz/April des Jahres war dieses Konzert eines von acht, bei denen sie musikalisch mehr auf die keltischen Einflsse des Ostens und Orients einging. Dieses grandiose Erlebnis weltweiter Folklore war eine wohltuende Reise fr Gehrgang und Krper, gar wie eine Meditation voller Ruhe, Entspannung und Zauber, das nachhaltig wirkte und unvergessen bleibt. Danke fr dieses emotionale Klangerlebnis und die unvergesslich ergreifenden Momente. Auf ein baldiges Wiedersehen mit einer groartigen Ausnahmeknstlerin.

Fotos: Marco Klein





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