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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WITH FULL FORCE SUMMER OPEN AIR 2012
Ort Roitzschjora, Flughafen
Datum 29.06.-01.07.2012
Autor Axel Fichtmller und Marc Fischer
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Schwitzen ist cool
Niemals, niemals wieder werden wir mit so unglaublich viel Gepck die Reise zum "Full Force" antreten. Als wir uns um 13 Uhr zum vereinbarten Treffpunkt am Bahnhof einfinden, tragen wir schon genug unter den Armen. Auf die beiden Reisetaschen, die Sthle, die Schlafscke, die Isomatten, das Zelt und die Technik kommen noch mal vier Bierpaletten sowie Verpflegung fr zwei Personen hinzu.
Allein die 200 Meter vom Einkaufsladen durch den Bahnhof zum Gleis lassen uns chzen, sthnen und mehrmals absetzen. Die Temperaturen tun ihr briges und lassen uns frmlich zerflieen. Nachdem wir mit mindestens einer Tonne Gepck pro Person am Gleis angekommen sind, haben wir immerhin noch 10 Minuten um zu verschnaufen, bis wir das ganze Germpel schnellstmglich in den Zug bekommen mssen.
Schn zu sehen ist, wie sich der Zug mit immer mehr Metal-Volk fllt. Das ist wie eine Auswrtsfahrt, nur dass es ein Heimspiel wird.
In Delitzsch am Bahnhof angekommen geht das Spiel mit dem Gepck dann wieder los. Bis der Shuttlebus dann da ist, lernen wir schon mal die ersten coolen Leute kennen. Hinter uns reihen sich drei Spanier ein, welche uns im Verlauf des Gesprchs erzhlen, dass sie extra aus Mallorca angeflogen sind, nur frs "Force".
Am Festivalgelnde angekommen, sehen wir, dass die Bhnen sowie die einzelnen Campingpltze umgeordnet worden sind. Was es natrlich mit dem weiterhin massigen Gepck nicht einfacher macht. Aber wir entscheiden uns fr die Variante "Hardcore" und gelangen durchgeschwitzt und vollkommen fertig an einem freien Flecken Grn an.

Zelt, Bier, Nerds
Nach einer kurzen Regenerationsphase, gespickt mit so schnen Ttigkeiten wie Zelt aufbauen, Luftmatratzen aufblasen oder auch Bier trinken, gesellen wir uns kurzerhand zu unseren Nachbarn. Nicht zuletzt auch aus Eigennutz, da die zwei Jungs einen Pavillon haben. Knnte aber auch daran liegen, dass man sich beraus schnell grn miteinander ist. Auerdem haben die beiden Herren auch noch eine funktionierende Khlbox, sodass wir eiskaltes Bier in der lauen Vorabendsonne genieen knnen .Dann fllt uns allerdings ein, dass es ja noch ein anderes Groereignis gibt.

War da was?
Public Viewing auf einem Festival haben wir auch noch nie erlebt. Da wir aber so dermaen spt vor Ort aufschlagen, sind unsere Pltze fr das Event auch denkbar schlecht. Aber immer noch besser als das, was wir da auf der Videoleinwand geboten bekommen.
Die Fotografen haben ihren Spa, die ersten Impressionen abzulichten und der Platz neben der Zeltbhne gleicht mehr und mehr einem Laufsteg mit diversen schrgen Typen in schrgen Kostmen. Das Spiel interessiert inzwischen niemanden mehr und das ist dann auch das Letzte was man von Fuball an diesem Wochenende mitbekommt.

FREITAG
Es ist Freitag. Ortszeit dreizehn hundert. Aufgestanden mit cremiger Penne. Wir erinnern uns, es ist Festival. Wooohooo!
Also Bier aufmachen, Plan anschauen, was heut so geht, und ab aufs Gelnde.

Skeletonwitch Skeletonwitch SKELETONWITCH
Die Jungs aus den Staaten haben ja schon ein leicht ruppiges ueres. Dementsprechend fllt auch deren Auftritt aus. Es sgt, hackt und knarzt ordentlich aus den Boxen und das ist durchaus positiv gemeint. Chance Garnett ist eine Frontsau durch und durch. Dementsprechend stampft er ber die gesamte Bhne, bellt ins Mikro und sorgt fr gute Stimmung und einiges Nackenkurbeln in der noch taufrischen Menge vor der Mainstage. Wer etwas genauer hinschaut, sieht sogar ein Paar Hand in Hand beim Moshen. Der Sound ist gut, die Performance stimmt. So darf es gerne immer losgehen.

DEVIL DRIVER
Der erste Eindruck ist, dass Dez Fafara echt alt geworden ist. Dafr geht's aber ungeschminkt sofort zur Sache. Das Set ist gespickt mit Hits, so wirkt es zumindest, was man den Ansagen und den Songs entnehmen kann. Es gibt erste programmatische Circle Pit Aufrufe, denen das "Force"-Volk aber nur bedingt nachkommt. Die Pits bleiben klein und die Menge schaut noch lieber zu, als ekstatisch mit zu gehen.
Die Stimme von Dez ist aber leider auch nicht sonderlich gut, muss man sagen. Es wird mehr in Sprechgesang abgeschweift, als das richtig gegrowlt wird. Ob er heiser ist, seine Stimme in irgendeiner Art angeschlagen ist, es erschliet sich nicht. Seine Stimme scheint in jedem Fall nicht auf der Hhe. Dafr bietet er aber gutes Entertainment. Er nimmt die gesamte Bhne mit seiner Frontmann-Prsenz in Beschlag und klettert am Ende auf so ziemlich jede Box, die von der Bhne aus zu erreichen ist. Netter Aufruf nebenbei ist, dass er alle unsere Mittelfinger sehen will.
Am Ende verabschiedet sich DEVIL DRIVER mit den Worten "We are Devil Driver, enjoy your day!" Der Bitte mchten wir nachkommen und sagen, das war ein solider Auftritt.

INSOMNIUM
Es ist immer noch recht hell drauen. Nicht die beste Grundvoraussetzung fr eine Band wie INSOMNIUM, deren Musik nicht unbedingt von Sommerwiesen und Schmetterlingen handelt. Ungeachtet dessen sind die Jungs qualitativ gut unterwegs, was sich leider nicht in der Anzahl der Langhaarigen vor der Hauptbhne niederschlgt. Es wirkt im Vergleich zu Devil Driver recht ausgednnt, um nicht zu sagen "es ist beschissen leer", was der Band berhaupt nicht gerecht wird.
Als Opener wird "Inertia" eingespielt, gefolgt vom Nachfolger "Through The Shadow" der aktuellen Platte. Von der neuen Platte wird insgesamt aber recht wenig gespielt, bei sechs Songs sind immerhin 2 vom Vorgnger-Album dabei, und es wird sogar ein sehr alter Track gespielt. Dieser entpuppt sich zu Anfang als Partyhit, der aber immer mehr in die Prog-Schiene abdriftet und damit das Festivalpublikum, was eh schon nicht mehr so zahlreich vor der Bhne anzufinden ist, scheinbar berfordert. Insgesamt ist der Auftritt aber sehr episch aufgezogen, was der Musik auf jeden Fall zutrglich ist, aber wie schon erwhnt, nicht zu dieser Tageszeit.
Snger Niilo Sevnen ist auf dem Flug zum "Force" dummerweise die Bassgitarre kaputt gegangen. Ersatz kommt freundlicherweise von den Jungs von Dark Funeral, wofr sich er und das Publikum beiderseits anstndig bedanken.

Madball Madball MADBALL
Vorhang auf fr die Hardcore-Legenden. Also fr DIE! Nicht irgendeine andere dieser Prollo-08/15 Bands. hnlichen Status haben sonst nur Sick Of It All und Agnostic Front. Also herzlich willkommen fr Freddy und seine Kumpanen. Ich glaube, hsslicher ist sonst nur der Snger von "Bane". Aber es geht hier auch nicht um einen Schnheitswettbewerb.
"Check, Check, One, Two!" Allein diese Ansagen vom Soundcheck lassen die Menge, welche beim vorherigen Auftritt wei der Teufel wohin verschwunden war, aufjohlen. Als die New Yorker Combo auf der Bhne steht, ist die gesamte Umgebung von einer sehr schnen positiven Stimmung gepackt. Die Band sowie Frontmann Freddy sind sichtlich begeistert von der sich darbietenden Kulisse und zollen nach den ersten beiden Songs der Menge erstmal Respekt. MADBALL sind dann auch die ersten, die es schaffen, die Menge komplett zu animieren und anzuheizen mit Sprngen und "Hey Hey Hey"-Anfeuerungsrufen. Man sieht, wie die Band und vor allem dieser unglaublich gute Frontmann richtig Spa in den Backen hat. MADBALL genieen es richtig, dieses Mal auf der Hauptbhne zu spielen und nicht wie so oft im Zelt. Auffllig ist, dass der Drummer unglaublich sicher spielt und alles so dermaen auf den Punkt bringt, dass der gesamte Gig richtig knackig daherkommt.
Auch sehr sehenswert ist auerdem dieser Typ aus der Crew am Rand der Bhne. Er muss irgendwie allen zeigen, dass er jeden Text mitsingen kann, dass er jedes Schlagzeugstck mitspielen kann und dass er jedes Riff beherrscht. Insgesamt wirkt dieser Kollege aber auch so prollig mit seinem Agnostic Front-Shirt und seiner Kappe, dass man ihm lnger als unbedingt notwendig zusieht.
Am Ende schmeit Freddy dann noch sein Shirt ins Publikum und verlangt die grte "Wall Of Death ever". Klappt zwar nicht ganz, aber Spa hat der Auftritt trotzdem gemacht.

PENNYWISE
Zugegeben, auf den Auftritt waren wir persnlich schon recht hei. Zu sehen, wie sich Zoli von Ignite bei PENNYWISE schlgt, ist schon interessant. Zumal es allein schon berraschend genug war zu erfahren, dass Zoli Teglas bei PENNYWISE berhaupt eingestiegen ist.
Vom Outfit her htte man ihn aber jederzeit mit Jim Lindberg, dem alten Snger, verwechseln knnen. Unscheinbares Shirt, Jeans und die obligatorische Kappe. Wer Zoli von seinen Ignite-Auftritten her kennt, muss geradezu berrascht sein, den sonst so agilen Fronter hier so zurckhaltend zu erleben. Mit Schuld sind wohl Rckenschmerzen, wofr er sich auch selbst kurz entschuldigt. Gitarrist Mighty Fletcher ist derjenige, der mit knackigen Ansagen und flotten Sprchen daherkommt, wie zum Beispiel "Fuck the Government" oder um fr Circle Pits zu sorgen. berhaupt scheint er das Sprachrohr zu sein. Das Set ist durchsetzt von alten und neuen Songs, es ist gut durchgemischt und es werden nicht nur die Songs vom neuen Album zum Besten gegeben. Zum Abschluss gibt es wie immer die "Bro Hymn", welche die Menge dann auch im Kollektiv ausrasten und eine Riesenparty feiern lsst.

Machine Head Machine Head MACHINE HEAD
Es ist Headliner-Zeit. Und was fr einer! Nicht nur das Gedrnge im Fotograben und die Enge im Raum vor der Bhne lassen erahnen, dass sich da etwas Groes anbahnt. Gleich im Voraus: was Rob Flynn und seine Mannen dort kurz vor Elf zelebrieren, ist eines Headliners mehr als wrdig.
Mit einer effektvollen Lichtshow und viel Nebel rocken die Amis los. Fette Riffs, ein sehr przises Getrommel und eine vor Vorfreude unglaublich angeheizte Metalgemeinde so wollen wir das! Klar, der Mann der Stunde ist natrlich Fronter Flynn, eine Arbeit die ihm auch sichtlich Spa macht. Jede Pause zwischen den Lyrics nutzt er, um entweder Anfeuerungs-Rufe oder kleine Danksagungen einzustreuen. Die Quittung kommt prompt aus dem Publikum. An dieser Stelle fllt dann aber die erstaunlich geringe Anzahl an Crowdsurfern auf. Umso mehr gibt es zahllose rotierende Haarmatten und inbrnstig mitschreiende Metalheads zu sehen. Der Anblick der sich von der Bhne aus geboten haben muss, ist auf alle Flle pure Gnsehaut.
Die Songauswahl fllt sehr ausgewogen aus. Fans der ersten Stunde werden von MACHINE HEAD genauso fett bedient, wie Jungspunde die erst seit "The Blackening" eingestiegen sind. Konkret gesprochen, gibt's sowohl das aktuelle "Locust" als auch "Old" von '94 auf die Ohren.
Zustzlich zu mehreren groen Scheinwerfern tut auch die groe LED-Videowand im Hintergrund ihr bliches dazu, um sowohl Fans als auch Fotografen glcklich zu machen. Fazit: geile Show, geile Stimmung und wie so oft viel zu schnell vorbei. Dann mal auf zur Knppelknacht!

KNPPELNACHT
DARK FUNERAL
Wir haben 2010 auf dem "Summerbreeze" den Abschied von Emperor Magus Calligula live miterlebt. Nachtgarm ist sein offizieller Nachfolger und macht zum Einstand der Knppelnacht sofort klar, dass er die Position des finsteren Fronters regelrecht atmet. Seine Prsenz in Kombination mit der sinistren Atmosphre unter dem Dach des Zelts liegt schwer auf dem Metalvolk - im positiven Sinne.
Ein fast schon persnlicher Moment ist daher auch der Song "My Funeral". Mit eben diesem hat sich der Emperor anno 2010 aus der Welt von DARK FUNERAL zurckgezogen und als sich "Walking Down To My Funeral!" der Kehle von Nachtgarm entringt, ist das kurzzeitig unheimlich dramatisch. Damit lsst sich Auftritt auch ganz gut zusammenfassen: dramatisch und sehr authentisch.

DYING FETUS
Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie drei Mnner einen solchen Sound auf die Bhne transportieren knnen. Nicht nur, dass es wie immer technisch absolut ausgefeilt und mehr als hochwertig ist. Was John Gallagher und seine Kumpanen dort im Zelt zelebrieren spottet jeder Beschreibung. Es hrt sich an, als wrden dort mindestens zwei Bands gleichzeitig wten, aber das Publikum freut's. Sehr schn ist auch zu beobachten, wie sich so ziemlich in der Mitte des Zelts zwei Mdels auf einmal innig kssen und sich ziemlich scharf anfassen. Man ist ja schlielich nicht umsonst zur "Knppelnacht" gegangen.

Endstille Endstille ENDSTILLE
Wenn mit Stacheldraht umwickelte Holzbarrikaden auf die Bhne gerumt werden und ein Crewmitglied die darauf befestigten Stahlhelme fast schon liebevoll mit Kunstblut dekoriert, dann wei der geneigte Metalhead, dass er eine finstere Show erwarten darf. Diese bietet ENDSTILLE zwar letzten Endes auch, aber trotzdem fehlt es den Kielern meiner Meinung nach an Biss. Sicher, routiniert aber eben ohne berschssigen Flei. Diese Meinung scheint auch ein Blondschopf in der ersten Reihe mit mir zu teilen, denn whrend der Rest um ihn lautstark "Navigator" gen Bhne brllt, schlummert er friedlich im Stehen. Entspannt, der Mann.

NASUM
Eigentlich hatten sich NASUM im Jahr 2005 nach dem Tod ihres ehemaligen Sngers Mieszko Talarczyk aufgelst. Anlsslich des zwanzigjhrigen Bandjubilums hat sich die Band entschieden, noch einmal auf Tournee zu gehen und dabei auch dem "Full Force" die Ehre zu erweisen. Als Snger engagierte man mit Keijo Niinimaa den Snger von Rotten Sound. Bei dem Auftritt sind wir das erste Mal geteilter Meinung. Whrend die einen 50 Prozent von dem Auftritt, der Genauigkeit und dem energetischen Druck der Musiker ziemlich begeistert sind, empfinden die anderen 50 Prozent den Auftritt als langweilig und zu monoton. Es knnte aber ebenso bei beiden Teilen auch die langsam einsetzende Mdigkeit sowie der immer strker werdende Verlust der Kontrolle durch steigenden Bierkonsum sein. Bleibt zu sagen, das NASUM, wenn sie nach Jahren mal wieder auf der Bhne stehen und ein Jubilumskonzert geben, vielleicht einfach auch nicht so spt htten spielen sollen. Besttigung dafr geben am ehesten die Massen, die sich um 3 Uhr noch so zahlreich im Zelt einfinden und den Status der Band unterstreichen.

ABORTED
Tja, viel lsst sich ber den Auftritt der Belgier nicht sagen. Stress Metal msste als Fachterminus eingefhrt werden, um zu beschreiben, was da am frhen Morgen im Zelt passiert. Die Gitarren sgen sich durch die Gehrgnge, die Drums geben selbst dem hrtesten Headbanger den Rest und Sven de Caluwe brllt, schreit, springt und gestikuliert wie der Leibhaftige. Ja, alle die noch stehen haben ihren Spa und selbst das "Hey! Hey! Hey! "-Gerufe klingt noch krftig. Trotzdem wird es Zeit fr den letzten Act, zumindest was den Fotografen betrifft.

DEBAUCHERY
Ach schau an. Langsam wird es auch schon wieder hell drauen. Die Anzahl der mde dreinschauenden Krieger im Zelt darf getrost als berschaubar bezeichnet werden. Wer es dennoch bis hierhin durchgehalten hat, bekommt zum Abschluss der "Knppelnacht" neben einem zutiefst dankbaren Thomas Gurrath eine fette DEBAUCHERY-Show geboten. "Man sagt uns nach, wir htten etwas gegen Frauen. Aber wir lieben sie eigentlich", bringt er als Einleitung zum Hit "Cuntkiller". Und in genau dieser Qualitt geht es dann auch weiter. "Torture Pit", "War Machines", "Blood For The Blood God" und "Butcher Of Bitches" zeugen von einer grandiosen Setlist. Bei letzterem Song holt der Frontgrunzer "zur Belohnung fr euer Durchhaltevermgen" auch noch eine sehr ansehnliche Stripperin auf die Bhne. An dieser Stelle mchte der Fotograf betonen, dass er noch nie eine Frau gesehen hat, die sich mit solcher Inbrunst und Wollust die nackten Brste mit Kunstblut eingerieben hat. Sehr, sehr schn. Um den Abend oder Morgen - je nach dem - perfekt zu machen, darf DEBAUCHERY auch noch eine Zugabe spielen. Es wird sich fleiig bedankt und brav geklatscht, dann schlurfen wir aber endgltig zu unserem Zelt. Schlafen. Unbedingt schlafen.

SAMSTAG
Es ist Samstag Mittag. Man steigt schon nicht mehr ganz so agil aus dem Zelt. Zum Kater, oder besser, zum anstrengenden Zustand brennt zudem die Sonne ziemlich unbarmherzig von Himmel. An die Knppelnacht wird eher mit gemischten Gefhlen zurckgedacht. Musikalisch war es absolut lohnenswert, leider plagte man sich aber noch in der Nacht mit Magenproblemen rum. Daher war die Entspannung nicht ganz so angesagt, wie es htte sein mssen. Nachdem der gestrige Tag ein groartiges Set zu bieten hatte, wird der heutige Tag etwas entspannter angegangen. Elsterglanz und auch die Grindfuckers wren absolut sehenswert, auch wenn man zweitere schon fter vorher gesehen hat. Aber eine "Knppelnacht" bis halb sechs Uhr morgens ist auch kein Zuckerschlecken und somit mssen halt doch gewisse Opfer gebracht werden. Steigen wir ein bei...

Carnifex Meshuggah CARNIFEX
Mit CARNIFEX wird gemeinhin in meinen Augen eher "Poser Metal" assoziiert. Aber es ist doch besser als erwartet. Spielerisch sowie technisch ist das alles ordentlich und auch wenn sich Brllhans Scott Lewis von Song zu Song grunzt und kreischt und mit teilweise ganz komischen Geruschen entlanghangelt, so bleibt es doch alles abwechslungsreich genug. CARNIFEX wollten diesmal nicht den "grten Circle Pit ever" sondern den "brutalsten Circle Pit ever". Hat ebenfalls nicht so ganz hingehauen. Aber es war OK zum wach werden.

MESHUGGAH
Oh ja, auf die Schweden haben wir im Vorfeld wirklich sehr gespannt gewartet und offensichtlich empfindet das auch der Groteil des Force-Volks so. Whrend des Soundchecks formiert sich die eiserne Legion vor der Bhne, in Erwartung des polyrhythmischen Monsters aus dem Hause MESHUGGAH. Allein das titanisch groe Banner und die Aufsteller mit dem Artwork des aktuellen Machwerks "Koloss" wie passend, treiben uns ein vorfreudiges Grinsen ins Gesicht. Dann donnert der erste basstiefe Ton aus den Boxen, die Jungs marschieren zur Front, Jens Kidman legt das Mikro an und es passiert - nichts. Whrend die Menge fleiig abschdelt und die vertrackte Soundkulisse bedrohlich anschwillt, ist vom markanten Mrderorgan Kidmans nichts zu hren. Mikroausfall - wie passend. Nur wer in der ersten Reihe steht, hat zumindest eine Chance etwas vom tapfer weiterschreienden Frontmann zu hren. Es ist ein ungndiger Einstand fr "MESHUGGAH", aber nach zwei Songs ist das Problem behoben und endlich entwickelt sich die typisch finster-schwere Atmosphre - trotz Tageslicht.
Was folgt ist eine grandiose Show, mit einem Mix aus vielen neuen Songs, die trotz komplexer Strukturen ordentliches Live-Potenzial haben. "Bleed" vom 2008er Album "ObZen" ist mein persnliches Highlight. Schnell, brutal und verdammt tight. Schlagzeuger Tomas Haake, der aus unbekannten Grnden an der rechten Hand einen Handschuh trgt, bearbeitet die Felle mit einer Hingabe, dass es eine wahre Freude ist. Eine fette Show mit gutem Sound trotz der anfnglichen Schwierigkeiten. Feine Sache.

CANNIBAL CORPSE
Mir ist unklar, warum eine dermaen routinierte Death Metal-Maschine live so selten einen guten und differenzierten Sound hinbekommt. Na klar, wer sich die mittlerweile recht betagten Amis anschaut, der mchte es einfach mal richtig derbe in die Fresse gewichst bekommen. Aber trotz aller Brutalitt sollten auch bei CANNIBAL CORPSE mal ein paar Melodielinien zu hren und einige Schlagworte vom "Corpsegrinder" zu hren sein. Was sich allerdings dort auf der Hauptbhne tut, ist ein perfekter Brei aus "Uuuuuhhhhhhhh!", Bassdrhnen und Gitarrengesge. Songs wie "Priests Of Sodom", "Hammer Smashed Face" und "Make Them Suffer" lassen sich lediglich erahnen. Gut, es macht trotzdem Spa. Nicht wenige nehmen Fishers Herausforderung zum Helikopter-Banging an. Ein routinemiger Auftritt mit recycelten Ansagen und ordentlich Bewegung vor der Bhne.

IMMORTAL
Sind zu frh dran. Geschuldet ist das wohl der Lotterie, wer denn der grere Headliner fr Samstag ist. Und genau darunter hat die Band einfach zu leiden. Fr diesen dermaen dsteren und stark dargebotenen Auftritt ist es schon fast tragisch, dass zu diesem Zeitpunkt die Sonne den ca. 10.000 Zuschauern noch mal mit voller Breitseite von der Bhnenseite her ins Gesicht klatscht. Hier gilt ebenfalls das Gleiche wie schon bei Insomnium: fr diese Art von Musik ist Sonne, so gern sie als Gast auf einem Festival gesehen ist, absolut nicht zutrglich. Selbst im Zelt, auch wenn das mit einer Band dieser Gre nicht zu vereinbaren ist, wre die Stimmung zu dieser Uhrzeit um Lngen besser rbergekommen. Auch der Soundmann ist IMMORTAL nicht wohl gesonnen und wer Abbath genauer beobachtet, sieht tiefe Zornesfalten unter der Pandaschminke des Fronters. Dennoch baut das norwegische Trio soviel dstere Athmosphre auf, dass einem der Schauer durch die Glieder fhrt. Eine Tatsache, die letztlich nur fr Abbath, Horgh und Apollyon spricht. Hier sind Meister ihres Fachs am Werk und die fahren alles auf, was die Black Metal-Schule zu bieten hat. Und hier sprechen die Dozenten!
Eine kleine Randanekdote: vermutlich wegen des schlechten Sounds schmeien einige kreative Fans eine Ladung Plschtiere auf die Bhne. Das Bild dazu wrde perfekt in einen Comic passen. Umso lustiger fllt die Reaktion von Abbath aus. Er schnappt sich eine der Stoffkreaturen und reibt sie sich herzhaft an seinem A...Zensur. Diese Trophe schickt er damit postwendend zurck zum Absender. Was fr ein tolles Geschenk.

Heaven Shall Burn Heaven Shall Burn HEAVEN SHALL BURN
Was sich von nun an in den nchsten Minuten ereignet, mutet an wie ein schlechter Roman und wie ein Paralleluniversum zugleich. Das der Name dermaen Programm sein wird, ist wohl nur Spiegel online und seiner richtig innovativen berschrift bewusst...
Der Auftritt von HEAVEN SHALL BURN bringt alles mit. Erstens die musikalische Seite, zweitens die Begleitumstnde, dann noch der Zeitpunkt - es passt letztlich alles um das Konzert legendr werden zu lassen. Was HEAVEN SHALL BURN in der ersten halben Stunde abliefern ist eine Headliner-Show, wie ich sie der Band nicht zugetraut habe. Es folgt Hit auf Hit, die Menge der Crowdsurfer im Fotograben wird zunehmend unangenehm und bei "Endzeit" reiht sich dann auch das Gewitter in den Sound ein. Der Sturm, der jetzt losbricht, bertnt sogar zeitweise die Band auf der Bhne. Anfnglich haben wir noch scherzhaft gelacht und Sprche geklopft wie "Das bisschen aufkommende Luftfeuchtigkeit" etc. Im Licht der Scheinwerfer kann man aber doch sehr genau sehen, wie viel da runterkommt. Nach und nach fallen dann auch die Instrumente der Band aus, was dann erstmal zu einer Pause von ca. 15-30 Minuten fhrt. Diese Zeit nutzen viele Besucher, um zu ihren Zelten zu flchten und diese wetterfest zu machen.
Nach 30 Minuten stehen HEAVEN SHALL BURN letztlich wieder auf der Bhne. Davor stehen geschtzt noch 1000 wirklich Hartgesottene, welche sich weder durch das Wetter, noch durch den Schlamm oder andere Widrigkeiten haben abschrecken lassen.
Wir sind allerdings nicht so hartgesotten, weshalb wir uns unter das schtzende Dach der Zeltbhne flchten. Somit bekommen wir das Ende von "HEAVEN SHALL BURN" auch nur noch sehr entfernt mit.

Nachtrag zu Samstag
Samstag Nacht verlief dann in zwei vllig unterschiedliche Richtungen.

Part I
Sturm - Der Tragdie zweiter Teil

Unglaublich! Unglaublich dumm muss ich gewesen sein. Nach dem Gedrnge im Fotograben, in welchem ich erstmals ernste Sorgen um meine Kamera hatte, laufe ich in Richtung Zeltplatz um die Technik fr diesen Abend endgltig zu verstauen. Auf Hhe des VIP-Zelts trpfelt es. "Ach, die paar Meter zum Campinggelnde schaff ich locker!", hrt er sich denken. Dann bricht die Hlle los. Aus dem Trpfeln wird ein gewaltiger Guss, das angebliche Wetterleuchten entldt sich in bedrohlichen Blitzen. Die Kamera stecke ich mir unter das T-Shirt, was aber schon nach wenigen Metern, wie alles andere ohne Dach ber dem Kopf, durchgensst ist. Der Weg zum Zelt verwandelt sich binnen Sekunden in eine Schlammpiste. Sehr schn.
Am heimischen Iglu angelangt, packe ich die Technik in Klopapier zum Trocknen und dann in die Tasche. Vor dem Zelt sieht es aus wie Dresden '45. Dann hrt es auch schon langsam wieder auf. Schnell wieder in trockene Klamotten geschlpft ? wohlgemerkt die letzten in der Tasche - und dann geht es noch mal mit den Nachbarn zurck aufs Gelnde. Im Zelt spielen The Carburetors. Kein sonderlich spektakulrer Auftritt, aber zumindest ist es trocken. Dann ist auch noch das Bargeld alle. Kein Bier mehr. Fein.
"Auf dem Rckweg zum Zelt passierte es". So wrde ein schlechter RTL-Bericht wohl losgehen, aber es trifft die Sache auf den Punkt. Pltzlich kommt die zweite Gewitterfront auf das Force-Volk zu. Sprinten zhlt nicht zu meinen Lieblingsbeschftigungen, ist in diesem Falle aber zwingend notwendig, um durchnsst aber unversehrt zum Campingplatz zu gelangen. Der Pavillon, welcher nach dem ersten Sturm windschief dastand, liegt nun endgltig flach. Im Zelt der Nachbarn hre ich lautes Fluchen. Mal nachsehen. Nix passiert. Aber ich bin ein willkommener Gast um mal eben dabei mitzuhelfen die Zeltwand festzuhalten, die sich ohne unser Zutun bei jeder Be gen Boden geneigt htte. Nach gefhlten Stunden des heroischen Kampfes gegen die Naturgewalten, schaue ich nach meinem Zelt. Steht. Trocken. Super. Gute Nacht!

Part II
Die Nacht der Nylonstrumpfhose:

Wie das passiert ist? Ich wei es nicht mehr. Ich wei noch, das ich mir auf Anraten eines Bekannten The Browning im Zelt angeschaut habe. Danach finde ich mich um 2 Uhr in einem Zelt mit einer Bar wieder, irgendwo auf dem "Force"-Gelnde und vollkommen desorientiert. Dort steh ich mit einem Hessen (sein Akzent lie drauf schlieen) an der Theke. Im Schlepptau haben wir beide einen extrem schrgen Typen. Nicht nur, dass der Kerl lediglich in T-Shirt und einer Nylonstrumpfhose bekleidet ist. Unter dieser Strumpfhose ist einfach mal nichts. Kein Slip, keine Shorts, einfach nur das blanke Nichts. Es gibt da ein groes Loch auf der rechten Seite seiner Strumpfhose. So hat wenigstens sein Kapitn immer mal wieder die Mglichkeit, uns "Guten Tag" zu sagen.
Um die Karikatur aber perfekt zu machen, trgt der Kollege eine Kappe, deren Schirm einfach mal viel zu lang ist. Eine blaue Kappe, die ihn aussehen lsst wie Goofy. Dazu hat der Junge soviel At auf dem Kessel, das es mit die beste Comedy-Show ist, die ich je erlebt habe. Um 5 Uhr morgens stehen wir immer noch in der Bar und mir tut mittlerweile der Bauch vom Lachen weh.
Bis ich am Zelt angekommen bin, ist es mindestens schon sechs Uhr in der Frh. Da ist es schon wieder hell und von dem Sturm, der um 2 Uhr noch mal losgebrochen war, habe ich nichts mitbekommen. Verwstungen, die auf derlei Vorgnge schlieen lassen, kann ich auch nicht erkennen. Umso grer mein Erstaunen, als mir meine Zeltnachbarn, die inzwischen schon wieder dabei sind wach zu werden und aufstehen, die Ereignisse der letzen Nacht mitteilen. Von da an habe ich dann noch sechs Stunden Schlaf, bis es weitergehen muss.
An dieser Stelle nutzen wir aber gerne die Gelegenheit, um allen Betroffenen des Blitzeinschlags gute Besserung zu wnschen.

SONNTAG

Unearth Trivium UNEARTH
Einer der Acts, auf den die Vorfreude mit am grten ist. Und die Energie, mit der das Quintett aus Winthrop/Massachusetts los legt, besttigt das. Den Spa, den Trevor Phipps und seine Mitstreiter auf der Bhne haben, ist frmlich zu greifen. Dieser geht direkt auf die Menge ber. Das Publikum nimmt alle Ansagen an und macht hflich mit, ob gemosht, gebangt oder nur gesprungen werden soll. Auf die Ohren gibt's ein ordentliches Potpourri aller Alben. In der Show selber gibt es aber dann auch nichts, was markant ist. Nichts was irgendwie hngen bleibt. Fr die Fans der Band ist es ein sehr ordentlicher Auftritt vor einer groen Kulisse und einem Metal-Volk, das einfach nicht mde wird.

THE SORROW
sterreich lsst gren. THE SORROW ziehen parallel zum Auftritt von "Pro Pain" ordentlich Leute ins Zelt. Darunter sind auffallend viele weibliche Headbanger, aber das nur nebenbei. Die meisten Songs aus ihrer Setlist sind mir unbekannt, auer das als Musikvideo ausgekoppelte "Where Is The Sun". Aber Spa macht der Auftritt wie Hlle. Die Songs sind dynamisch, treibend und dementsprechend flink bemht sich die Crowdsurfer-Riege bis ganz nach vorne zu kommen. Zwischendurch gibt es nette Ansagen von Snger Mathias "Mtze" Schlegel, der trotz des brutalen musikalischen Hintergrunds wie der nette Junge aus der Nachbarschaft wirkt. Noch sympathischer ist der sterreicher Akzent. Guad gmacht, Jungs!

TRIVIUM
Warum keiner von uns an diese Band heran kommt, mag fr manche oder auch viele ein Rtsel sein. Wir haben TRIVIUM mittlerweile zum zweiten, bzw. zum dritten Mal gesehen. Und es ist jedes Mal das gleiche. Matthew Heafy, seines Zeichens Snger und Gitarrist, dudelt wie immer hervorragend seine Melodien runter und will allen beweisen, was fr ein geiler Gitarrengott er doch ist. Aber letzten Endes gehen die Songs zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus und hngen geblieben ist am Ende gar nichts! Es ist auch nur unser persnlicher Geschmack, der hier stark mitspielt, aber leider sind "TRIVIUM" fr uns ziemlich berflssig gewesen.

COMEBACK KID
Aus Kanada kommen ja eine Menge guter Hardcore Bands. Die beste ist und bleibt aber schlicht und einfach COMEBACK KID. Ich komme zwar nach wie vor mit dem Gesang von Andrew Neufeld nicht so ganz auf einen Nenner. Aber auch einfach deswegen, weil mir die Stimme von Scott Wade, dem ehemaligen Snger, so unglaublich gut fr diesen Stil gefallen hatte. Ansonsten muss man auch sagen, ist die Bandbreite, mit der Neufeld mittlerweile auf der Bhne singt, einfach besser. Im "Hard Bowl" ist es rappelvoll und es wird geshoutet, gepogt und geposed, die Finger gehoben und es herrscht eine unglaublich schne positive Atmosphre, wie man sie auch nur auf solchen Hardcore Konzerten erlebt. Als "False Idols Fall" angespielt wird, brechen im "Hard Bowl" endgltig alle Dmme. Wer zu weit vorne steht, bekommt zwangslufig einen der vielen Surfer in den Rcken oder findet sich mir nichts dir nichts mitten in der Mitte eines groen Pits wieder. Zum Abschluss wird mittlerweile blicherweise "Wake The Dead" vom gleichnamigen 2006er Album gespielt. Es ist immer wieder berwltigend, dieses epische Ende mit mindestens Tausend anderen Menschen im Zelt mitzubrllen, so dass mir selbst beim tippen die Gnsehaut wieder kommt. Zurck lassen die Nordamerikaner nur strahlende und verschwitzte Gesichter.COMEBACK KID feiern mit dem Publikum eine einzige riesige Party.

FLOGGING MOLLY
Und kaum ist die eine Party vorbei, folgt im Hard Bowl direkt die nchste. Wer fr die Ansetzung verantwortlich war, dem gehrt definitiv auf die Schulter geklopft. Mit der irischen Partymeute von FLOGGING MOLLY direkt nach Comeback Kid wird aber auch rein gar nichts falsch gemacht.
Die Iren machen auch sofort da weiter, wo ihre Vorgnger aufgehrt haben. Es spielt sich eigentlich dasselbe im "Hard Bowl" ab, wie bereits eine halbe Stunde zuvor. Alle sind ausgelassen und feiern und tanzen mit den sympathischen Guinness-Fetischisten. Songs wie "Drunken Lullabies" oder "Kiss My Irish Ass" werden von der Meute begeistert aufgenommen und frenetisch gefeiert. Im Publikum geht es mitunter sehr bunt zu, einige FLOGGING MOLLY Flaggen, Schwimmreifen und manch anderes fliegt durchs Zelt. Bierduschen inklusive. Auch fr die Fotografen, die sich schon zum zweiten Mal dem Ansturm der Surfer erwehren mssen. Wir sagen "Cheers!" und machen uns auf nach Sdamerika.

Soulfly Soulfly SOULFLY
"Are you ready, Germany?" Max Krawallo ldt ein. Hauptbhnentechnisch die letzte Headliner-Band vom "With Full Force" 2012. Konditionsprobleme kann man dem "Force"-Publikum beim besten Willen nicht vorwerfen. Auch am Sonntag Abend um 23 Uhr bekommt jeder, was er verdient. SOULFLY eine nimmermde Metal-Gemeinde, die einfach nicht aufhren will und das gemeine Volk eine Band, die ebenfalls wie die beiden Headliner zuvor ihrem Anspruch gerecht wird. Mittlerweile hat es den Anschein, als wolle Max Chino Moreno von den Deftones Konkurrenz machen. Zumindest was die Krperflle und den Verschlei des ueren angeht. Was Max ebenfalls nicht sein lassen kann, sind die stndigen pseudo-melodischen Einschbe zwischen den Songs, wenn brasilianische Percussions laufen gelassen werden. Mag ja fr die einen ganz nett sein, vielleicht einfach mal andere Klnge zu hren. Und auch wenn die Band aus Sdamerika kommt, viele andere gehen damit halt einfach nicht so hausieren. Ziemlich schrg ist es ja schon, wenn alte Sepultura-Songs von SOULFLY gespielt werden. Aber das ist wohl das Problem, wenn alle die Rechte an den Songs haben, man sich irgendwann trennt und pltzlich drfen etliche Bands das alte Material spielen. Als Opener fangen SOULFLY dann auch passenderweise mit "Refus/Resist" an, gefolgt von "Prophecy". Es folgen eigentlich alle groen Hits, "Primitive" oder auch "Arise". Zum Schluss gibt's dann noch "Roots", der funktioniert halt auch wie kaum ein Zweiter, und letztlich noch "Eye For An Eye". Ziemlich albern wird es dann aber doch zwischendurch, als Max "Ol, ol, ol - Soulfly, Soulfly" intoniert. Man mchte sich ein wenig fremdschmen, ist aber umso verdutzter, dass das Publikum auch noch voll mit macht. Am Ende sind aber alle zufrieden, und diejenigen, welche wirklich nicht genug bekommen, machen sich auf ins Zelt zur "Last Supper". Guten Appetit. Wir haben genug.

Nachtrag
Loslassen ist nie schn. Erst recht nicht, wenn man auf einem so gut gelungenen Festival wie dem "Full Force" 2012 ist. Erstens ist man todesfertig nach den vier Tagen, zweitens war es in diesem Paralleluniversum so schn. Nur normale Leute. Arbeit, was ist das? Da wird das Zelt ausrumen zur schieren Qual. Taschen packen und sich von vielen netten Leuten verabschieden, mit denen man den ganzen Sommer hier noch htte verbringen knnen. Vorausgesetzt es wre jemand neues Bier holen gefahren.
Auf der Zugfahrt trotzen wir dem kalten Entzug und es wird der Versuch gestartet, einfach alles bis daheim zu vernichten. Bei der Menge die zurckkommt, ist das aber ein ziemlich waghalsiges Unterfangen. Und trotzdem wieder groartig kalkuliert. Auf der Zugfahrt nach Hause laufen uns dann zum x-ten Mal die Spanier, die Anfangs erwhnt wurden, ber den Weg. Da man immer mal wieder auf dem Festival-Gelnde miteinander zu tun hatte, freuen wir uns noch mal, die Jungs wieder zu treffen. Bei dem kurzen Gesprch stellt sich dann zu allem berfluss ziemlich schnell heraus, das die Drei in derselben Stadt rausmssen, wie wir. Wo sie denn bleiben wollen und berhaupt, warum in dieser Stadt? Das Ende vom Lied ist, das die Drei einen Tag spter von da aus nach Mallorca zurck fliegen und sich ber Nacht ein Hotelzimmer mieten wollen.
Nicht lange nachgedacht, die drei Spanier mit eingepackt und noch einen geilen Festival Ausklang daheim mit drei Gsten genossen. Nun brauchen wir uns auch nie wieder Gedanken um ein Hotelzimmer auf Malle zu machen. Wir haben jetzt Freunde da. Gute Nacht! Over and out!



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