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25. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing CALLEJON, WASS BASS
Ort Kln, Luxor
Datum 14.06.2012
Autor David Lang
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Callejon sind, hnlich wie Heaven Shall Burn oder Caliban ein gutes Beispiel fr eine sich stetig entwickelnde Band aus unseren Landen. Smtliche Hype-Vorwrfe sind vllig aus der Luft gegriffen, denn das Quintett aus dem Raum Kln-Dsseldorf fhrt seit jeher seinen ganz eigenen Sound, der auch auf "Blitzkreuz", dem aktuellen Album lediglich aufgemotzt wurde. Einen Charteinstieg auf Platz 9 mag ihnen manch ein Hardliner verbeln, doch bis dahin haben Callejon es ganz alleine (natrlich auch mit Hilfe treuer Fans) geschafft.

Wass Bass Callejon

Dass die Jungs das nchste groe Ding werden ist gar nicht mal so unwahrscheinlich wenn man sich das Luxor, im Herzen von Kln, an diesem Donnerstagabend ansieht. Der Laden war ausverkauft, komplett! Nichtsdestotrotz konnte man sich noch halbwegs geschmeidig durch den Club bewegen, das machte von Veranstalterseite jedenfalls einen vernnftigen Eindruck. Der mchtige Fotograben durfte zwar nicht benutzt werden, da die Schlagzahl der Diver an diesem Abend irgendwann enorme Hhen erreichte, doch war ein Security-Mensch so nett und lie mich vom Rand der Bhne aus knipsen. Es sei mir also verziehen, wenn sich die Perspektive der Aufnahmen nur minimal ndert.

Um die gutgelaunte Masse aufzuheizen hatten sich Callejon etwas Besonderes einfallen lassen. Da die erneute Zusammenarbeit mit K.I.Z. frs aktuelle Album scheinbar die Freundschaft untereinander gestrkt hatte, nahm man kurzerhand Rapper Nico Seyfrid mit auf Tour, der gemeinsam mit seinem Partner Grzegorz Olszwka das Duo Wass Bass bildet. Die beiden waren "... aus der Zukunft gekommen, um Sarah Connor zu tten." Nachdem man sich so vorgestellt hatte und damit beim Rezensenten schon mal Humorpunkte sammeln konnte, legten die zwei mit ihrer, sagen wir mal Minimalversion von Deichkind los.

Sehr elektrolastiger, fast technoider Trash sollte den Mob zum Tanzen bringen. Das funktionierte nur bedingt, wenngleich die beiden durchaus mehr als nur Hflichkeitsapplaus ernteten. Eine Pliep- und Plongversion des "Mundorgel"-Klassikers "Bolle" fand ebenso den Weg ins Set wie ein Tribut an die Ramones. Grundstzlich ne coole Sache, wobei ich trotzdem glaube, dass die Jungs sich im Grabe rumdrehen wrden. Fr einen Opener zwar gewhnungsbedrftig, aber ok.

Nachdem ich whrend des Umbaus gleich zweimal nach einer Visitenkarte, respektive einer My Revelations-Karte gefragt wurde, habe ich innerlich umgehend Besserung gelobt... hab schlielich sckeweise davon im Auto.

Callejon Callejon

Callejon begannen ihre "Willkommen in der Sackgasse"-Tour mit einem Heimspiel, als sie um kurz nach 21 Uhr unter frenetischem Jubel die kleine Bhne betraten. "Porn From Spain" vom "Zombieactionhauptquartier"-Album eignete sich als Opener perfekt, die Menge tickte aus. Bereits hier hatte K.I.Z.-Nico seinen ersten Gastauftritt und konnte beweisen, dass er ebenfalls Rock n Roll im Blut hat. Nach "Coyote Ugly" von "Blitzkreuz" und "Lass mich gehen!" von "Videodrome" wurde der Titelsong des neuen Albums wie ein alter Bekannter aufgenommen. Die Platte war dank sozialer Netzwerke und dem nimmermden multimedialen Einsatz der Band offensichtlich schon wohlbekannt. Das merkte man spter auch an den Reaktionen auf "Bevor du gehst", "Vergissmeinnicht" und vor allem Teil 2 ihrer Bukkake-Operette. "Zombified" war astreines Pit-Futter, wohingegen "Kinder der Nacht" live nicht ganz so gut funktionierte. Hier klang der Gesang nicht immer rund, was "Und wenn der Schnee..." aber wieder wettmachte. Wenn Frontmann Bastian Sobtzick auch nicht jeden Ton traf, so riss er doch mit sympathisch-behmmerten Ansagen wieder Vieles raus. Seine Fans "Pippi", "Kacka" oder "Pups" statt ausgelutschter Sprechchre rufen zu lassen mag sich zwar leicht pubertr anhren, doch vor Ort war es witzig.

Ein schickes Bhnenbild hatte man sich brigens zusammen geschustert. Zwei Blitzkreuze, auf denen fast durchgehend Videosequenzen projiziert wurden, die zustzlich auf einem Berg Fernseher hinter dem Drumkit zu sehen waren, werteten die Show optisch ungemein auf. Was weiterhin positiv auffiel, war der Sound im Luxor. Kein Gematsche, ordentlich Druck und vor allem war es nicht zu laut. Ob das bewusst lief vermag ich nicht zu beantworten, doch ich empfand es als Segen. Nach einem vom Publikum gestarteten "Sommer, Liebe, Kokain" (groartig!) war zunchst Schluss, doch im Zugabenblock kam "Basti Basti" mit Leuchthelm zurck auf die Bhne. "Videodrome", das gruselige "Schrei nach Liebe"-Cover (sorry, fand den Song, von der Message mal abgesehen, schon immer ganz schlimm) und das abschlieende "Porn From Spain 2"-erneut mit K.I.Z.-Nico- wirbelten die Htte noch mal krftig durcheinander. Zwar glnzte das Konzert nicht gerade durch eine exorbitante Dauer, doch unzufrieden ist an diesem Abend wohl niemand nach Hause gegangen, zumal die Jungs anschlieend noch bereitwillig Autogramme am Merchstand gaben.

Callejon
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