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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ANATHEMA & AMPLIFIER
Ort Kln, Brgerhaus Stollwerck
Datum 24.04.2012
Autor Jennifer Laux
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Eine Menge Regen sollte diesen Konzertdienstag bestimmen und so kam es dann auch: Mit Regenschirm bewaffnet fuhren wir auf die Autobahn Richtung Kln. Kaum losgefahren, errechnete uns das Navi eine Ausweichroute. Eigentlich zu erwarten, wenn man im Feierabendverkehr in die weite Welt zieht. Nach etwas lngerer Anreise wie geplant erreichten wir das Stollwerck und steuerten den dazugehrigen Parkplatz an. Schnell winkte der Wrter ab, Parkplatz dicht! Also mussten wir kehrt machen und eine Runde extra drehen, um in die Tiefgarage auf der gegenberliegenden Seite zu gelangen. Jetzt aber fix, wir waren nun schon echt spt dran. Kurz nach halb Acht stolzierten wir dann endlich die Treppen im Stollwerck hoch in die Konzerthalle, aus der schon die Musik drhnte.

Amplifier Amplifier

AMPLIFIER
Der Support AMPLIFIER hatte bereits mit dem Einsteiger "Continuum" begonnen, aber wohl erst seit ein paar Minuten, war also zu verkraften. Hatte diese Combo bereits im Jahre 2009 auf dem "Lott-Festival" im Hunsrck gesehen und war gespannt, wie sie sich weiterentwickelt hatten. Die britische Band grndete sich bereits im Jahre 1999 und 2004 erschien das erste Album. Einheitlich chic gekleidet, mit schwarzem Hemd und schwarzer Krawatte, auf die unterhalb des Knotens das markante Kraken-Bandlogo in wei gestickt war, schwitze besonders Gitarrist Matt Brobin unter den Scheinwerfern dahin. Vielleicht hatte sich der Bassist Neil Mahony auch deshalb zu einer Sonnenbrille hinreien lassen?! Passend dazu zierten zwei schwarze Baumwollbanner mit dem Logo das Bhnenbild, sogar die Gitarrenboxen waren mit bedruckten Tchern "eingepackt", ein stimmiges Gesamtbild scheint der Band wohl sehr wichtig zu sein. Der Sound presste sich ordentlich fett aus den Boxen, obwohl es mir persnlich schon fast an der Schmerzgrenze der Lautstrke schien. Wie ich die Musik von AMPLIFIER von damals noch in Erinnerung hatte, war sie bis zum letzten Ton sehr psychedelisch und teilweise echt schrg. Gitarre und Bass wurden reichhaltig mit Effekten modifiziert. Stndig kamen auch andere Gitarren zum Einsatz, die ein "Bhnenhobbit" den Musikern umschnallte. Dazu schmckte ein Wirrwarr von Fupedalen den Bhnenboden, da htte ich niemals den berblick behalten knnen. Auch beim Gesang wurde mit der Anreicherung von Effekten nicht gespart, was es stellenweise fr mich anstrengend machte. Sel Balamir hat eine wirklich angenehme, gute wenn auch stark unterkhlte Stimme, da kme man auch locker ohne den ganzen Schnick-Schnack hin. Ich denke hier wre manchmal weniger mehr. Die Publikumsresonanz war im Gesamten wirklich super, die Stimmung energiereich geladen und die Band schien auch sichtlich zufrieden mit dem Gig. Nach einer Stunde rumten Amplifier dann das Spielfeld fr den Headliner des Abends, ohne das Gefhl hinterlassen zu haben, nur der lstige Support gewesen zu sein.

Setlist: Amplifier

  • Continuum
  • Panda
  • Motorhead
  • The Wave
  • Interglacial Spell
  • Interstellar
  • Neon

ANATHEMA
Um kurz nach neun, also gut eine halbe Umbaustunde spter, war es dann endlich soweit. Die Lichter verglimmten und unter tosendem Applaus betraten ANATHEMA die Bhne. Ich habe diese Band seit "Serenades" aus dem Jahre 1993 begleitet und wenn auch schon seit der "Alternative 4" der Doom- und Death-Einschlag bei Anathema pass war, so blieb die tiefgehende Melancholie der ersten Jahre stets in den Folgealben erhalten, vielleicht sogar intensiviert. Denn der Gesang von Vincent und das Gespr fr Melodie und Songwriting wurden mit den Jahren immer besser und ausgefeilter. Anathema Anathema Von daher wusste ich, dass mich am heutigen Abend zwar eher Alternative-Rock als alles andere erwartet, aber im Grunde wusste ich auch, dass mir die eine oder andere Trne nicht erspart bleiben wird. Und dann ging es los! Die Cavanagh- und Douglas-Geschwister samt neuem Keyboarder Daniel Cardoso machten sich an die Arbeit: der Bassist im weien Hemd, Gitarrist und Keyboarder in Jeans und Sacko, Snger mit lssiger Mtze und Sngerin in ganz schlichtem Shirt, Jeans und Ballerina-Schuhen - ziemlich unspektakulr von der Optik - aber auffallend gleich zu Beginn mit dem Auftakt "Untouchable 1 & 2", der direkte Publikumskontakt der Band durch deren Gesten und Blicke. Kaum waren die ersten Tne gesungen, sprte man frmlich, wie sich die harmonisch-melancholische Stimmung in der Halle ausbreitete. Unglaublich berhrend und voller Gefhl nicht nur die glasklaren Vocals von Lee Douglas, sondern auch das Zusammenspiel mit dem Gesang von Vincent verursachten pure Gnsehaut. Ich selbst habe mich oft mit geschlossenen Augen ertappt. Viele Gesangparts wurden vom Publikum noch mal zustzlich mit viel Applaus honoriert. ANATHEMA haben es geschafft, ber die gesamte Spielzeit eine Atmosphre zu schaffen, die einen komplett einnimmt und nicht mehr loslsst. Freude, Wut, Trauer, Schmerz - Gefhle, die sowohl textlich als auch musikalisch tief ins Innere transportiert wurden und dort auch ohne Frage angekommen sind. Die Gesichtsausdrcke der Zuhrer sprachen wirklich Bnde und einige werden ihre ganz eigene Geschichte auf die Songs projiziert haben. Zum Schluss bettelte Danny noch um zwei weitere Songs beim Veranstalter. Auch er schien sichtlich angetan von der gar magischen Atmosphre, die sich im Laufe des Abends in der Halle entwickelt hatte. Ganz am Ende, nachdem die letzte Zugabe "Fragile Dreams" beendet war, blieben die Brder Danny und Jamie noch einen Moment auf der Bhne. Danny starte einen Loop mit der Gitarrenstimme des Refrains von "Fragile Dreams" und erteilte seinen Fans sichtlich gerhrt das Wort oder besser den Gesang - er dirigierte die Masse, die allesamt den Refrain a cappella zum Besten gaben. Emotionen pur und kaum in Worte zu fassen, schaut euch einfach mal das Youtube-Video dazu an! Das rotlastige, eher dstere Licht passte einerseits zur Stimmung, erschwerte jedoch das fotografieren immens. Ein zweistndiges Programm mit einem grandiosen Set, quer durch die letzten Alben, inklusive des neuen Werks "Weather Systems" (brigens wieder von Steven Wilson himself produziert), schickte Jung und Alt in andere Sphren. Manche wirkten wie verzaubert und blieben auch nach dem letzten Ton der Band noch wie angewurzelt stehen. Einfach unglaublich.

Setlist: Anathema

  • Intouchable Part 1
  • Intouchable Part 2
  • Lightning Song
  • Thin Air
  • Dreaming Light
  • Deep
  • Emotional Winter/Wings Of God
  • A Simple Mistake
  • Storm Before The Calm
  • The Beginning Of The End
  • Universal
  • Panic
  • The Lost Child
  • Internal Landscapes
  • Closer
  • A Natural Disaster
  • Fragile Dreams

Mit vielen schnen und nachhaltigen Momenten im Gepck mussten wir dann schweren Herzens wieder die Heimreise antreten. Richtig alte Songs oder Klassiker wie zum Beispiel "Angelica" oder "One Last Goodbye" haben sie uns zwar nicht gegnnt, dafr war aber "Fragile Dreams" als furioses Ende mehr als grandios (hier kamen mir dann tatschlich die Trnen) und das neue Material ist ebenso jede einzelne Sekunde wert. Ich kenne keine andere Band, die sich musikalisch so weiterentwickelt (und damit verndert) hat und trotzdem mit jedem Ton immer zu 100% die "alten" geblieben sind.

Fotos: Marco Klein/Jennifer Laux





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