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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DEZPERADOZ
Ort Bruchsal, Fabrik
Datum 27.04.2012
Autor Christian Schfer
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Man schrieb den 27. April als die DEZPERADOZ aus Heidelberg zur Releaseparty ihres vierten Albums, "Dead Man's Hand" in die "Fabrik" nach Bruchsal luden. Da ich als Student mit dem Zug fter an der beschaulichen Barockstadt nrdlich von Karlsruhe vorbeifuhr hatte ich keinerlei Bedenken, meine Chauffeuse Mary Gibson quasi blind zum Ort der Veranstaltung dirigieren zu knnen. Nachdem sich mein legendrer Orientierungssinn jedoch einmal mehr als nutzlos erwiesen hatte und wir dank rechtzeitiger Abfahrt von zuhaus' dennoch deutlich vor Beginn der Veranstaltung im Gewerbegebiet Stegwiesen eintrafen, war der Schreck gro: ein Haufen Asselpunks, der vor dem Eingang herumlungert, angesichts der frhen Abendzeit bereits erheblich von den Vorzgen billigen Alkohols profitiert hat und den gesamten Brgersteig und die Treppe vor dem Eingang in Beschlag genommen hat. Ist ja schn wenn die jungen Leute ihren Spa haben, aber irgendwie habe ich mit einem lteren, irgendwie anders aussehenden Publikum gerechnet. Oder passen DEZPERADOZ und ihr Western Metal nur in meiner kleinen Welt nicht zu buntem Haar und warmem Bier?
Dezperadoz Dezperadoz Glcklicherweise liege ich mit meiner Einschtzung auch diesmal falsch und die "Fabrik" befindet sich einige Meter weiter auf der anderen Straenseite. Viel ist noch nicht los, also haben wir die Zeit den wirklich sehr netten Laden ausgiebig zu erkunden und die beeindruckende Gitarrensammlung der DEZPERADOZ zu begutachten. Langsam fllt sich der Saal und ein erstaunlich gemischtes Publikum findet sich ein. In Ehren ergraute Herren mit stattlicher Plauze und Buffalo-Bill-Gedchtnismatte, in Leder gekleidete Headbanger beider Geschlechter und aller Alter, ttowierte Frauen mit blondierter Fnfrisur und sogar einige auffallend junge Leute sind da. Ein Scherzkeks hat sich auch unter's Volk gemischt, er trgt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Spiel mir am Glied bis zum Tod"- in westerntypischem Schriftsatz, immerhin. Cool, wenn eine Band es schafft eine so heterogene Gruppe von Leuten anzuziehen.

s Die Bhne ist geschmackvoll im Wildweststil dekoriert und erinnert von fern an einen Saloon. Hinzu kommen Winchester-Rifles als Mikrostnder, ein Rinderschdel am Schlagzeug und ein Galgenstrick, der von der Decke baumelt- hier wurde liebevoll gearbeitet um ein perfektes Ambiente zu kreieren. Kurz nach 21:00 h treten die Herren Kraft, Weigand, Stuerzer und Kullmann in perfektem Italo-Western-Outfit auf und legen los wie eine Bffelherde beim Prriebrand. Der Opener "Deadwood" sowie die hierauf folgenden "Under The Gun" und "Yippie Ya Yeah!" von der aktuellen, an diesem Abend verffentlichte Platte "Dead Man's Hand" werden vom Publikum begeistert aufgenommen. Nach einer kurzen Begrung folgen "OK Corral" vom Album "The Legend And The Truth" und der DOORS-Coversong "Riders On The Storm". Ich bin beeindruckt wie gut dieser Song auch ohne den charakteristischen Hammondsound funktioniert. Das zunehmend angeheiterte Publikum singt begeistert mit, die DEZPERADOZ beginnen, sich stckweise ihrer Mntel und Hte zu entledigen, die Temperatur im Saal steigt, die Fete nimmt richtig Fahrt auf. Mike Kleanthous, Co-Texter und Kumpel von Bandboss Alex Kraft sowie Albumproduzent Thomas Lichtenwalter drfen sich bei "Last Man Standing" und "March To Destiny" als Gaststars bzw. weitere Gitarristen profilieren und machen ihre Sache sehr gut. Einen ersten Hhepunkt des Abends stellt fr mich die Cowpunknummer "My Ol' Rebel Heart" dar. Hier zeigen die DEZPERADOS sich von ihrer humorvollen Seite und das Publikum dankt's ihnen mit spontanen, aufgrund steigender Blutalkoholspiegel teilweise sehr amsant anzusehenden Squaredanceeinlagen. Die anfnglich skeptische, weil nur wenig an Metal interessierte Fotografin Gibson hat groen Spa und ihr zarter Fotofinger ist im Dauereinsatz. Beim nchsten Coversong, "Rawhide", nutze ich die Gunst der Stunde mich meiner bislang zu mir genommenen Getrnke zu entledigen und werde so Zeuge eines schrecklichen Erbrechens auf der Herrentoilette. Einem Konzertbesucher ist das Feuerwasser zu Kopfe und von dort zurck an die frische, danach weniger frische Luft gestiegen. Greenhorn! Vor lauter Grinsen htte ich beinahe die coole DEZPERADOS-Version des Klassikers der BLUES BROTHERS BAND verpennt, zu der Mr. Kraft die Dobro schwingt. Die ultracoole Westernballade "Bullet With My Name" gibt der Gute dann sogar solo zum besten und begleitet sich hierbei selbst mit einer sehr schnen, herrlich sonor klingenden Baritongitarre. Tolle Gitarrensammlung eben, ich hab's ja schon gesagt! Dezperadoz Dezperadoz Dass er sich hiervor noch mit einem Whiskey strkt, den ihm eine dralle, nett anzuschauende, in Leder gekleidete Maus kredenzt, verdient prinzipiell keine Erwhnung, deswegen sag ich's nur am Rande. Auch wenn die Band -wie erwhnt- sehr gut gekleidet war stellte diese Dame optisch eine Bereicherung dar. Schade dass sie nicht fter raus kam. Alex, der in frheren Zeiten gern mit Ansagen glnzte, gegen die Geschichten von G.F. Unger und Karl May wie Kurzprosa wirkten, gibt sich cowboymig prgnant und redet nur lnger, wenn's z.B. einen nicht (mehr) zur Band gehrenden Musikus anzumoderieren gilt. Im Falle von SODOMs Tom Angelripper, Snger des ersten Albums der damals noch unter dem Namen DESPERADOS agierenden Kapelle, kann er sich das jedoch schenken. bergro ist die Freude als Onkel Tom in Mantel, Schlapphut, Nadelstreifenhosen und sogar mit Colt am Grtel auftritt und die Band bei "Dead Man Walking" untersttzt. Bassist Alex Weigand und Gitarrist Nils Stuerzer posen mit dem Metalurvieh um die Wette- unter groem Jubel der anwesenden, inzwischen ca. 300 Gste darf Schlagzeugakrobat Markus "Cool Man" Kullmann zeigen was er alles kann und die Menge dankt es ihm mit rhythmischem Mitklatschen und anfeuernden Zurufen. Weiter geht's im gestreckten Galopp, vom Album "The Dawn Of Dying" gibt's "Rattlesnake Shake" und "Gomorrha Of The Plains", und bei letzterem gibt sich Mr. Angelripper einmal mehr die Ehre, mit seinen alten Kollegen zu musizieren und der anwesenden, regelrecht ausrastenden Menge zustzlich einzuheizen. Dann ist Schluss.
Allerdings lassen die DEZPERADOZ sich nicht lang feiern, nach einer kurzen Pause kommen sie noch mal raus und verabschieden sich mit zwei weiteren Songs. "Just Like Cowboyzz Do", der letzte Song des Abends von "Dead Man's Hand" wird vom Publikum lauthals mitgesungen bevor die letzten Helden der Kurpfalz sich unter frenetischem Jubel und mit dem Countryklassiker "Ghost Riders In The Sky" in Richtung Dusche verabschieden. Am besten gefielen mir los DEZPERADOZ wenn sie das Westerngenre bierernst auf die Schippe nahmen und von historisch verbrieften, sehr gut recherchierten Fakten aus dem Wilden Westen auf Gegenwart und Anheizen umschalteten wie beim bereits erwhnten "My Ol' Rebel Heart" und dem grandiosen "Hellbilly Square". Wre cool wenn das Quartett mehr solcher Nummern im Programm htte.
Und obwohl ein musikalisch, vielleicht sogar geistig minderbemittelter DJ nach Krften versuchte, das Publikum mit gequirlter NuMetal Glle zum Gewaltpogo zu verleiten, gelang ihm dies glcklicherweise nur bei einer Minderheit. Der Rest wartete geduldig auf das Auftauchen der Band, die sich nach ber zwei Stunden Spielzeit ihre Pause redlich verdient hatte und anschlieend fr Fotos und Autogramme zur Verfgung stand.

So ging ein toller Abend mit ganz groem Spafaktor zu Ende. Schade, ich htte es noch ein paar Stndchen lnger ausgehalten. Egal, mich hat's jedenfalls sehr gefreut dass die Band so gut ankam und ich hoffe dass es den Glorreichen Vier gelingt, sich auf dem deutschen Musikmarkt zu positionieren. Wenn sie live weiterhin so auf den Putz hauen wie an diesem Abend wird das jedenfalls kein Problem. In diesem Sinne: Yippie Ya Yeah! Bis demnchst in der Prrie!
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