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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing LONG DISTANCE CALLING, UNEVEN STRUCTURE
Ort Hannover, Bei Chez Heinz
Datum 12.03.2012
Autor Stephan Mertens
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Das Bi Chz Heinz hat eingeladen: Mit LONG DISTANCE CALLING und UNEVEN STRUCTURE standen zwei hoch interessante Kapellen auf dem Programm, von deren Livequalitten ich mich gerne berzeugen lassen wollte. Nach einer kommunikativen Autofahrt erreichten wir Hannover vorsichtshalber etwas frher als zur angegebenen Uhrzeit, bei der nicht sicher war, ob es sich dabei um Start oder Einlass handelt. Aus dem Gebude vernahmen wir bereits laute Musik, stellten dann aber erleichtert fest, dass dort nur der Soundcheck der Vorband stattfand. Schon zu dem Zeitpunkt konnte man absehen, dass der Klang fr so eine urige und relativ kleine Rumlichkeit, wirklich sau gut war. Das Bi Chz Heinz wurde vor ein paar Jahren komplett renoviert und sieht heute vllig anders aus, als ich es in Erinnerung hatte. Die Tanzflche wirkt wie eine 70er-Jahre Disco, hinten im Raum befinden sich eine relativ groe Theke, zwei Sofas, sowie ein paar Tische und Hocker. Des Weiteren sorgt ein Kicker fr gemtliche Rahmenbedingungen. Einzige Strfaktoren sind die, im Raum verteilten, Betonpfeiler, von denen sich einer direkt in der Mitte der Bhne befindet. Naja, man hat sich dran gewhnt, nur beim Fotografieren gab es so ein paar Einschrnkungen. Ganz klar fr die Lokalitt sprechen die Getrnkepreise, denn mit 2 EUR fr eine Flasche Bier oder ein Glas Wein und 1 EUR fr Wasser, kann der Besucher mehr als zufrieden sein.

Uneven Structure Uneven Structure

Uneven Structure
Nach einer guten Dreiviertelstunde Wartezeit war es dann soweit, und die sechs Franzosen von UNEVEN STRUCTURE betraten erneut die Bhne, um den bis dahin etwa sechzig Zuschauern, ihr Debtalbum zu prsentieren. Wie ich spter im Gesprch mit einem der drei Gitarristen erfahren habe, wurde die Scheibe "Februus" komplett von Anfang bis Ende durchgespielt. Im Vorfeld war ich sehr gespannt, wie die Band ihre komplexen Stcke auf die Bhne transportieren wrde. Gerade bei dieser Sparte ist es fr mich wichtig, dass man die einzelnen Bauteile raushren kann, denn beim Djent geht es nun mal in erster Linie um die Songstrukturen. Wie schon oben erwhnt, trug der hervorragende Sound im Bi Chz Heinz zu dem gelungenen Konzertabend bei und das Ergebnis bertraf meine Erwartungen sogar noch. Da man wirklich jedes Instrument gut raushren konnte, war ich lange damit beschftigt, den Aufbau der Stcke zu studieren und schlielich sehr verblfft, denn wenn man sich die Arbeit der drei Gitarristen direkt anschauen kann, zeigt sich, dass die voluminsen Klangwnde im Grunde aus relativ simplen Mitteln zusammengesetzt sind. Das soll die Leistung der Jungs keineswegs schmlern, denn entscheidend ist das berzeugende Ergebnis. Zugegeben, da ohne Keyboarder musiziert wurde, wei ich nicht genau, wie hoch der Konservenanteil war, denn die atmosphrischen Hintergrundklnge wurden vermutlich mit Fuschalter aktiviert und bei der ansonsten tadellosen Gesangsleistung von Matthieu Romarin schwang eine ganze Menge Hall mit. Die Bewegung auf der Bhne brachte mich zunchst zum Schmunzeln, denn wenn sechs erwachsene Mnner gleichzeitig zum Rhythmus mit dem Oberkrper nach vorne wippen, kann das schon recht witzig aussehen. Es dauerte allerdings nicht lange, bis man dies auch vereinzelt im Publikum und sogar bei einem selber beobachten konnte. Der Groove ist ansteckend und das ist gut so. Zusammenfassend lsst sich sagen, dass UNEVEN STRUCTURE tolle sechzig Minuten Konzerterlebnis mit perfekt abgemischtem Sound geboten haben. Zwar musste man berwiegend auf Ansagen verzichten, aber dadurch wirkte das Ganze auch wie aus einem Guss, was zumindest Kenner des Albums befrworten sollten.

Setlist: Uneven Structure

    Awaken
  • Frost
  • Hail
  • Exmersion
  • Buds
  • Awe
  • Quittance
  • Limbo
  • Plenitude
  • Finale

In der Pause stand der obligatorische Weg zum Merchandise-Stand an. Bei Shirt- und CD-Preisen von 12 bis 15 EUR kann man wirklich nicht meckern. Anscheinend lief der Verkauf auch ganz gut, denn der Bereich um den Stand war ordentlich besucht und spter konnte ich auch das ein oder andere Band-Shirt in der Menge ausmachen.

Long Distance Calling
Etwa 30 Minuten spter war es Zeit fr die Hauptattraktion. LONG DISTANCE CALLING machten sich bereit, das mittlerweile auf circa zweihundert Zuschauer angewachsene Publikum zu begeistern. Auch hier lieen sich keine Schwchen in der Abmischung feststellen. Gerade bei dem Instrumentalrock der Mnsteraner ist dies wichtig, denn ohne Gesang liegt der Fokus berwiegend auf den Gitarrenmelodien, sowie auf den rhythmischen Spielereien von Bass und Schlagzeug. Bereits nach dem ersten Stck "Into The Black Wide Open" war klar, dass hier eine groe Party steigen wrde. Long Distance Calling Long Distance Calling Viele waren mit dem Liedgut der Band vertraut und feierten dies ausgelassen. Gitarrist Florian und Bassmann Jan nutzten die kleine Bhne fr etliche Posen. Das wirkte besonders sympathisch, denn eine gewisse Selbstironie durfte dabei nicht fehlen. Auch die Ansagen zwischen den bis zu zehnmintigen Stcken, unterstrichen die gute Laune auf und vor der Bhne. Wie schon die erste Band, verzichteten auch LONG DISTANCE CALLING auf ihren Live-Keyboarder bzw. PC-Bediener Reimut van Bonn (zumindest habe ich den nirgends erblicken knnen). Das hatte aber keinen nennenswerten Einfluss auf die gebotene Musik. Wie auf den Studioalben berzeugte die Band mit ihren unheimlich dichten und komplexen Klangcollagen. Man merkte den Jungs den Spa und die Spiellaune an. Die etwas rockigeren Stcke des letzten selbstbetitelten Albums, wie beispielsweise das geniale "Arecibo", kamen ebenso gut an, wie die vertrumten, epischen Klassiker der Band. Nach etwa neunzig bis hundert Minuten Spielzeit war dann Schluss und die groe Anzahl strahlender Gesichter sprach fr sich. Ein kleiner aber nicht so schwerwiegender Kritikpunkt betrifft die Bhnenbeleuchtung. Gerade bei der emotionalen Musik von LDC gab es eine Menge Potential fr ein gut abgestimmtes Zusammenspiel von Klang und Licht. Das wurde an diesem Abend nicht ausreichend genutzt. Ok, die Lichtausstattung der Rumlichkeit waren auch nicht optimal, was ich leider auch beim Fotografieren feststellen musste. Naja, damit kann man aber locker leben, denn der phnomenale Klang zweier wirklich guter Livebands und die tolle Stimmung entschdigen fr jede kleine Panne. Eins wurde mit diesem Auftritt erneut besttigt: LONG DISTANCE CALLING haben sich in wenigen Jahren mit drei tollen Alben und ihrer authentischen Bhnenshow bis an die Spitze der Instrumental-Rockbands dieser Welt vorgearbeitet. Bleibt ihnen nur noch zu wnschen, international noch mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. UNEVEN STRUCTURE konnten mich ebenfalls absolut begeistern, beide Bands wrde ich mir jederzeit wieder ansehen. Mit bester Laune und einigem Gesprchsstoff, traten wir gegen 0:00 Uhr die Heimreise an.

Setlist: Long Distance Calling

  • Into The Black Wide Open
  • The Figrin' Dan Boogie
  • Black Paper Planes
  • Aurora
  • Fire In The Mountain
  • I know You, Stanley Milgram
  • Timebends
  • Arecibo
  • Apparitions
  • Metulsky Curse Revisited





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