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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BONECRUSHERFEST 2012
Ort Andernach, JUZ Live Club
Datum 01.03.2012
Autor David Lang
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"Ein lustiger Abend mit guten Freunden", dieses Motto darf man gerne als Trost fr einen musikalisch eher durchwachsenen Abend sehen. Das Bonecrusherfest 2012 machte Halt im JUZ Andernach und auf dem Tagesordnungsplan stand totale Zerstrung dank massiver Breakdowns und Blastbeats. Diesem Aufruf folgten ca. sechzig (in Zahlen 60!) zahlende Nasen, keine gute Ausgangsposition also fr ein 5 Band starkes Line-Up, das durch die lokalen Opener I Scream For Ice Cream wohl nur bedingt reizvoller wurde.

ISFIC Betraying The Martyrs

I Scream For Ice Cream

Fairerweise muss man den Jungs aus dem Kreis Mayen Koblenz jedoch attestieren, die "Menge" gut im Griff gehabt zu haben. Zudem erweckte es den Eindruck, dass nicht zuletzt dank den 5 Pong-Core Buben "so viele" Leute vor Ort waren.
Woran lag es also dann, dass ein Tour-Package mit 5 mehr oder weniger angesagten Deathcore / Extrem-Metalbands, Donnerstag Abend hin oder her, so wenig Zuspruch erhielt? Sind die Leute satt? Zu verwhnt? Faul? Oder beschlich den ein oder anderen womglich im Vorfeld die leise Ahnung, dass das Konzert nicht mit Abwechslung punkten konnte?!
Warum auch immer, ISFIC jedenfalls, von denen ich nur die letzten 10 Minuten erleben durfte, machten in der Rolle des Anheizers eine gute Figur. Mit Songtiteln wie "Bud Spencer Crabdancer" (und dazugehrigem "Tanz") oder "Gravedigger Always Was The Best Monster Truck" bewies man jedenfalls eine Menge Humor und auch die Songs selbst machten Spa. Diverse 90er Eurotrash-Einschbe und "Big Butts" als Intro vor einem Song bereicherten den energischen Metal-/ Nintendocore, dem allerdings noch etwas Hitdichte abgeht. Mal sehen, was die Jungs auf ihrer Ende April erscheinenden EP zu bieten haben.

Betraying The Martyrs

Die wandelnden Tattoos von Betraying The Martyrs hatten dem Sound der Einheimischen jedenfalls nichts entgegen zu setzen. Bestenfalls durchschnittlicher Metalcore, dem vor allem der ntige Druck fehlte, zieht heuer kaum noch die Wurst vom Teller. Ein Keyboard, das nicht zu hren ist macht dann auch genau so viel Sinn, wie die Songs, die allesamt an mir vorbei rauschen. Da hilft es dann auch kaum, dass die Band gut eingespielt wirkt und sich, sehr professionell, zu keiner Sekunde anmerken lsst, dass, bis auf vereinzelte Pitkmpfer, kein Schwein auf ihren Sound anspringt (hatte eigentlich gehofft, dass das lcherliche, egozentrierte Gezappel schon wieder out wre).

Molotov Solution

Der Riesenhalbkreis vor der Bhne wurde auch bei Molotov Solution nicht kleiner. Erneut verirrten sich diverse Egomanen wild umher rudernd vor die Bhne und man wurde das Gefhl nicht los, dass sie gerne jemanden versehentlich getroffen htten. Die Band selber ist ein gutes Beispiel fr gehaltlosen Durchschnitt, wie man ihn in jedem JUZ dieser Welt findet. Der vllig berzogen eingesetzte Sub-Bass verlor nach dem 20. mal seine Wirkung komplett und wie Freund Biekes passend bemerkte: "Die htten auch zehn mal hintereinander den gleichen Song spielen knnen." Deathcore von der Stange; druckvoll aber austauschbar.

Within The Ruins Within The Ruins

Within The Ruins

Within The Ruins, auf die ich nach den zwei Vorgngern gar nichts gegeben habe, waren dann meine persnliche berraschung. Als erste Band des Abends, die mit vernnftiger Lautstrke und ordentlichem Sound antrat, waren schon mal zwei Pluspunkte im Sack. Hier wurden nicht willkrlich Breakdowns aneinander geklatscht, hier gab es Songs! Zwar waren diese nicht nach klassischen oder gar leicht verfolgbaren Strukturen aufgebaut, aber mitreiend war das Brett, welches das Quartett aus Massachusetts bot allemal. Das sahen auch die Teilzeit-Bruces Lees so und stolperten erneut unkontrolliert durchs Jugendzentrum.
Brutaler, technischer Death Metal mit geschickt platzierten Beatdowns und geilen, melodischen Vesatzstcken konnte mich wieder aus meiner Lethargie reien. Einheitlich in Tourshirts uniformiert stellte die Band auch optisch etwas dar und wenn sich der Rezensent eures Vertrauens schon dazu hinreien lsst, sich eine CD zu kaufen, heit das was.

Beneath The Massacre

Beneath The Massacre waren ursprnglich mal der Grund meines Erscheinens, doch was die vier Kanadier an dem Abend in die gemtliche Runde schleuderten war in erster Linie eins: Krach! Viel zu laut und undifferenziert ballerte das Montreal-Quartett seinen Hochgeschwindigkeits-Tech-Death durch die Boxen und wer nicht mit dem anspruchsvollen Material der Band vertraut gewesen ist, drfte nur gehrt haben, wie ein Zug vorbei fhrt. Frontmonster Elliot Desgagns und Drummer Justin Rousselle drckten ihre Instrumente permanent durch, whrend bergitarrist Christopher Bradley kaum zu hren war. Dass man den Bass, gerade bei solch schnellen Bands ohnehin eher selten hrt, war zu verkraften, doch Bradleys wahnwitziges Gegniedel, was immerhin mit den Hauptreiz dieser Band ausmacht, so abzumischen, dass man es selbst als Fan oft erahnen muss, war schon extrem ungnstig. Die Fraktion der Karatespacken war mit dieser Vorstellung ohnehin komplett berfordert. Eindrucksvoll war es aber irgendwie schon.

Carnifex

Bei Carnifex verdichteten sich die Reihen vor der Bhne zwar minimal, doch viel euphorischer als bei beispielsweise Within The Ruins ging hier immer noch nichts ab. Wie das Quintett um Snger Scott Lewis zu seinem Ruhm kam, vermochte ich nach diesem Gig allerdings auch nicht zu sagen. Blastbeat folgte auf Breakdown, folgte auf Blastbeat. Richtig geile Riffs oder gar komplette Songs, die beim nchsten Hren einen Aha-Effekt erzielen konnte ich nicht ausmachen. Die kalifornischen Scharfrichter lieen zwar mehr Death Metal in ihr Core-Gemisch einflieen als das Gros der Szene, konnte sich aber, fr meine Ohren, immer noch nicht explizit von der breiten Masse abheben. Auf der Haben-Seite stand ein halbwegs vernnftiger Sound (ich mchte nicht wissen, wie schwer es war eine nicht mal annhernd gefllte Lokalitt qualitativ hochwertig zu beschallen) und mit Lewis ein Monster von einem Snger, der sowohl die hohen Kreischer als auch das tiefe Brllen beherrscht. Des Weiteren war die Band sehr gut aufeinander eingespielt. Eine gewisse Frustration ob der klglichen Zuschauerzahl konnte man jedoch erkennen. Frontsau Lewis und vor allem Bassist Fred Calderon lieen sich noch am wenigsten aus der Fassung bringen, indem sie viel Bewegung auf die Bhne brachten.
All meine Kritik war den wenigen Die-Hard Fans aber ohnehin wurscht und so wurden Carnifex "Klassiker" wie "Hell Chose Me" oder "Lie To My Face" lautstark bejubelt und noch ein letztes mal ausdrucksstark betanz... wer es braucht...
Um meinen einleitenden Satz noch mal aufzugreifen: Fr einen gelungenen Abend bedanke ich mich, neben einigen musikalischen Highlights, ("... darf ich noch jemanden gren?!") ausdrcklich bei Christoph, Thomas, Bernd, Daniel, Tim, Bart und allen, die ich vergessen habe!





Betraying The Martyrs Betraying The Martyrs Betraying Molotov Solution Betraying Molotov Solution Betraying Molotov Solution Within The Ruins Beneath The Massacre Beneath The Massacre Beneath The Massacre Beneath The Massacre Carnifex Carnifex Carnifex Carnifex Carnifex Thx Folks!



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