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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing 20 JAHRE ROCK HARD FESTIVAL 2003
Ort Gelsenkirchen, Amphietheater
Datum 07.-08.06.2003
Autor Andre Kreuz & Olaf Reimann
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Eigentlich wollten wir, Kollege Andi und Olaf schon um 11 Uhr morgens in Gelsenkirchen einlaufen, um vor Beginn des Rock Hard Jubiläums-Festivals noch gemütlich ein paar Bierchen zu schlabbern. Kurzfristig entschlossen wir uns aber doch zu einer ausgedehnten Rundreise durchs hübsche Ruhrgebiet um schnell noch etwas Gegend zu bestaunen und fast alle Autobahnen von Nummer 1 bis 43 zu beackern. What a fuck!
Endlich angekommen, ließen wir uns jedoch von dem mit Autos überfüllten aber menschenleeren Parkplatz nicht aus der Ruhe bringen und kredenzten erst mal ein paar Eifeler Südhang (Bitburger Stubbi).
[Olaf]

1. TAG

GOD DETHRONED
Was ein Scheiß! Kaum gut mit massig Verspätung auf dem Festivalgelände angekommen, sollte sich unsere navigatorische Ungeschicktheit direkt sehr zu meinem Leidwesen rächen: Die hölländischen Knüppel-Melodiker GOD DETHRONED waren für uns nur von den Eintritts-Schaltern aus zu vernehmen. Während das meinen Power- und Heavy-Metallischen Kumpels ziemlich Schnuppe zu sein schien, wurde ich von Sekunde zu Sekunde, die wir an der Kasse warten mussten nervöser. Klar hatte ich die Band(e) schon mehrmals live bewundern dürfen, unter freiem Himmel allerdings noch nie, die Black Stage auf dem 99er Dynamo nicht mitgerechnet. So blieb mir also nix anderes übrig, als den brutalen Klängen andächtig und angespannt von außen zu horchen. Wirklich in Erinnerung ist mir darob auch nur das geniale "Villa Vampiria" geblieben, schade. Denn als wir endlich, ENDLICH das Amphietheater betreten konnten, war GOD DETHRONED gerade fertig geworden...
[NDK]

TRIBE AFTER TRIBE
Nach kurzer Orientierungsphase unsererseits (hauptsächlich auf die Lokalisation sämtlicher Bierstände beschränkt) begannen unten auf der Bühne die südafrikanischen TRIBE AFTER TRIBE ihrer Show. Ich hatte die Truppe vorher nicht gekannt und ich kann nur sagen: GOTT SEI DANK!!! Was ein blöder Mist aber auch!!!! Dieses Hippie-mäßige Rumgehample auf der Bühne und das nervige Bongo-Gekloppe waren einfach nur furchtbar. Gut, acht Stunden, acht Liter Bier und acht Joints später hätte die Chose möglicherweise noch Spaß gemacht, aber so, nein danke... Vielen ging es ähnlich, auch wenn einige Fans mit glasigem Blick den Auftritt doch gut zu finden schienen. Für meinen Teil: Scheiß Mucke und dummes Stage-Acting, aber dennoch Respekt für das Durchziehen der eigenen Sache, klarer Fall!
[NDK]

CIRCLE II CIRCLE
Die erste Band des Festivals, von der ich mir erhoffte, ein paar Songs zu kennen. Zwar leider nicht von der aktuellen Scheibe, sondern vielmehr altes Savatage-Material. Freudig erwartete ich den Mountain King und konnte kaum abwarten, "The Hall Of desselbigen" live zu hören. Aber nix da: John Oliva ließ sich nur kurz blicken und "The Hall Of The Mountain King" war bei den zwei Songs, die er mitspielte auch nicht vor. Aber egal! Circle II Circle waren für mich ein schöner Aufheizer für nachfolgende Aktivitäten. Den ein oder anderen Savatage-Titel gab's dann doch zu erleben (u.a. "Taunting Cobras").
[Olaf]

TROUBLE
Tja Freunde, das Festivalleben ist hart. Viele blonde Freundinnen lachen dich den lieben langen Tag über an, spätestens um 9 Uhr morgens wirst du schwach und fällst über das erste Blonde her. Nun ja, im Laufe des Tages fordert dieser Prozess Tribut und eine gewisse Trägheit stellt sich ein. Das ist der Grund warum wir leider über Trouble nichts zu berichten wissen. Aber es kommt noch schlimmer: Trouble sollten nicht die Letzten sein, die ohne unser Dabeisein klar kommen mussten.
[Olaf]

NEVERMORE
Siehe Trouble!

KREATOR
Und dann war es endlich soweit, mein erstes persönliches Festival-Highlight und überhaupt ein der geilsten Live-Bands aus Germanien betrat die Bühne: KREATOR! Vom ersten Ton an hatte Mille und Co. die Meute fest in der metallischen Hand und ließ sie so schnell nicht wieder los. Die Fans hingegen kannten bei Knallern a lá "People of the Lie", "Violent Revolution", "Flag of Hate", "Terrible Certainty" und natürlich "Tormentor" kein Halten mehr und ließen die Combo wissen, dass sie nach wie vor die Könige des Thrashs sind. Gut dass sich die Jungs mit dem letzten Album wieder zurück auf den Pfad der Tugend gefunden haben, denn sonst hätten wir wohl kaum einen solch intensiven Gig miterleben dürfen. Diesen nutze ich derweil ausgiebig, um meine Nackenmuskulatur einzubangen und damit den gesamten Alkoholvorrat in meinem Blut in Richtung Großhirnrinde zu pumpen. Daher bekam ich vom Bühnengebaren und von den Publikumsreaktionen herzlich wenig mit, außer dass der Pit vorne schon ganz beachtliche Ausmaße angenommen hatte. Das sollte allerdings nichts im Vergleich zu dem Wahnsinn sein, der sich wenig später bei ANTHRAX breitmachen würde, ich gebe ein weiteres Mal ab an meinen Kollegen Olaf:
[NDK]

ANTHRAX
Weiß der Henker wie, aber bei Anthrax war ich wieder voll da. Los ging's mit "What Doesen't Die" von der neuen Scheibe. Welch ein Hammer! Also rein in den Moshpit, Wardancen, Räuberleiter stellen und Crowdsurfen! Die Menge vor der Bühne ging ab wie die Sau. Selten zuvor habe ich erlebt, dass im Moshpit ein so großer Zusammenhalt unter den Beteiligten herrschte. Riesenstimmung! Tut mir leid, dass ich die Setlist nicht mehr zusammen kriege. Ich erinnere mich noch an "Indians", "Got The Time", "Metal Trashing Mad" und "Madhouse". Anthrax sind definitiv zurück und wurden richtig geil abgefeiert. Das haben die Jungs aus New York aber auch verdient, schließlich haben sie ein gutes Stück Metal-Geschichte geschrieben. Anthrax bildeten das erste Highlight dieses Festivals für mich.
[Olaf]

BLIND GUARDIAN
Was soll man dazu schon großartig schreiben, wer da war weiß wie hammergeil der Auftritt war und wer nicht da war und die Band kennt (und mag) weiß natürlich auch, dass die GUARDIANs live nix anbrennen lassen. "The field is lost, ev'rything is lost..." etc. wallte einem ein weiteres Mal als Intro entgegen, bevor die Krefelder Burschen kräftig "Into the Storm" donnerten. Bangen, singen, feiern!! Dem sichtlich begeisterten und voll mitgehenden Publikum wurde dann nach und nach ein Set vor die gierigen Ohren geballert, dass einem beinahe die Freudentränen gekommen wären. Alles hier wiederzugeben krieg ich beim besten Willen nicht mehr auf die Reihe, die Abfolge der Songs schon gar nicht, man möge mir verzeihen. Dennoch gab's selbstverständlich "Mirror, Mirror", "Lost in the Twilight Hall", das mit vielen Oh-Ooooooh-Ohhhh begleitete "Majesty", "Bright Eyes" (mit einer selten dämlichen Ansage vom Hansi), "Traveler in Time" (mit ewig langen Singalongs zum Schluss) und "Run for the Night". Ein Killer nach dem anderen eben, was ja auch nicht weiter schwer ist, da BLIND GUARDIAN halt nur Killer im Gepäck haben. Zum Abkühlen gab's natürlich auch genügend Zeit: "When Sorrow Sang", "Lord of the Rings" und, wer hätte DAS gedacht... "The Bard's Song - In the Forest".
Super Gig, geniale Atmosphäre! Wer allerdings den Hansi auf der Bühne gesehen hat wird sich eventuell schon gefragt haben wieso zum Geier der sich so schrecklich unvorteilhaft anziehen muss? Bei so ner Plautze würde ich mir jedenfalls keinen knatschengen Rolli anziehen. Egal, war ja schließlich keine Modeshow.
Mit diesem tollen Auftritt endete dann auch schon der erste Tag des Rock Hard Festivals, wer noch nicht genug intus hatte (ich gehörte da beileibe nicht zu...) konnte sich das letzte bisschen Stehvermögen entweder noch unter freiem Himmel, im Jack-Daniels-Zelt oder im Party-Zelt wegfeiern.
[NDK]

2. TAG

Unser Tag begann bereits vor Acht Uhr, da bei der Hitze, Helligkeit, Lautstärke und verrenkter Körperhaltung im Auto an Schlaf einfach nicht mehr zu denken war. Also Kaffee aufgesetzt, Bier aufgemacht, Kippe an, weiter geht's! Zuerst mal mit nem Spaziergang durch das echt schöne Gelände, auf dem das Open Air stattfand: Ein weitläufiges Parkgelände mit viel Wiese und Bäumen. Unten am Kanal durften Olaf und ich dann noch zwei morgendliche Schwimmerinnen begutachten, uns selber war die Brühe allerdings doch zu suspekt, obwohl das nach dem gestrigen Tag wohl auch keinen Unterschied mehr gemacht hätte...
[NDK]

DARKANE
Wie auch immer, einige Stunden und einige Promille später begaben wir uns wohlgemuts wieder ins Amphitheater, um uns von den flauschigen Klängen der schwedischen DARKANE beglücken zu lassen. Die ließen sich wahrlich nicht lumpen und gaben mächtig Gas, so dass der melodische Death-Thrash, den die Schweden einfach am besten drauf haben, auf sehr positive Reaktionen, uns eingeschlossen, stieß. Selbst meine todesmetallisch eher unbelasteten Kumpels zeigten sich vom Schaffen der sympathischen Truppe beeindruckt. Ich muss zwar sagen, dass mich nicht jedes Lied 100%-ig überzeugt hat, aber im Großen und Ganzen war da wesentlich mehr Licht als Schatten, besonders die ersten beiden Songs traten mächtig Arsch!
[NDK]

THRESHOLD
Threshold aus England begannen wenig später ihren progressiven Schwermetall auf die Meute loszulassen. Kann nicht sagen, dass mich das irgendwie berührt hätte, die am Himmel langsam aber bedrohlich sicher aufziehenden Wolkenberge waren da viel interessanter. Petrus ließ denn auch nicht lange auf sich warten und schickte die ersten Tropfen Richtung Erde. Diese sollten aber nur die spärliche Vorhut eines Orkans sein, der sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hatte. Gerade noch rechtzeitig konnte ich mich, nach dem ich die andren drei im allgemein ausbrechenden Chaos verloren hatte, an einer Würstchenbude in Sicherheit bringen. Und dann ging es auch schon los, der Himmel ballerte aus allen Rohren sturmartige Böen und sintflutartige Regenfälle auf die es mit Humor nehmende Metaller-Gemeinschaft. Belächelte ich zu Beginn noch die vom Rock Hard angestellten Typen, die da für fünf Euro Regencapes verkaufen wollten, so war ich wenig später doch heilfroh über die für lau verteilten Notfall-Regenumhänge. An dieser Stelle ein fettes Lob und Dankeschön an das Team vom Rock Hard, superfeiner Zug von euch!!!
[NDK]

P.S.: Die drei Songs, die Treshold spielen konnten (dann brach die Hölle los) waren richtig gut und ich hätte gerne mehr gehört. Schade für die Engländer!
[Olaf]

ARCH ENEMY
Tja, ARCH ENEMY und vor allem das nette Mädel am Mikro hätten wir echt nur allzugerne gesehen, aber da waren wir damit beschäftigt, wieder halbwegs trocken zu werden, rein äußerlich versteht sich. So konnten wir das heftige Röhren der jungen Dame an der Front leider nur aus weiter Ferne verfolgen, Mist.
[NDK]

SOILWORK
Zu SOILWORK standen wir dann allerdings wieder brav(e) auf der Matte, glücklicherweise. Spätestens mit den letzten beiden Alben ist die Band einen Riesen-Schritt nach vorne gekommen und gereift, was sich auch deutlich in der coolen Bühnen-Performance wiederspiegelte. Hier stachen besonders der hyperaktive Bassist, der eigentlich viel eher in eine Alternative-Band passen würde und der kahlrasierte Sänger hervor. Letzterer stachelte das Publikum immer wieder an und nutzte, ähnlich dem Bassisten, die volle Breite der Stage aus. Gespielt wurde hauptsächlich Zeux von "Natural Born Chaos" und "Figure Number Five", aber auch "A Predator's Portrait" kam zum Zuge.
Neben den Titeltracks kann ich mich was die Setlist angeht vor allem noch an "As we speak" erinnern, supergeiles Stück!
[NDK]

CANDLEMASS
Als hätte der gute Messiah mit dem Wettergott persönlich ein Verhältnis, hörte es pünktlich zum Candlemass-Gig auf zu regnen. Später fielen wie auf Kommando mit dem letzten Ton dieser Mega-Kapelle wieder die ersten Tropfen aufs Gelände. Das nenn ich Timing! Offenbar waren viele Leute (nicht nur wegen der hervorragenden Kritiken des letztjährigen Balingen-Auftritts) sehr neugierig auf die Schweden, denn das Gelände füllte sich beachtlich. Die Zuschauer wurden nicht enttäuscht und bekamen ganz großen Doom-Sport geboten. Phantastisch was diese Band an Stimmung rüberbringt. Messiahs gebrochenes Deutsch trägt dazu nicht unwesentlich bei. Nachdem sein Gitarrist ihm zu verstehen gab, dass er gerade ein falsches Lied ansage, antwortete Messiah: "Oh, dann bin ich halt ein Doom-Kopf!" Sprüche dieser Art nebst volkstümlichem deutschen Liedgut ("Mein Hut der hat drei Ecken...") wurden vom Publikum amüsiert aufgenommen. Musikalisch war die gesamte Band absolut auf Zack. Arschtight kamen Kracher wie zum Beispiel "Mirror, Mirror" rüber und wurden entsprechend abgefeiert. Candlemass waren das Highlight Nummer 2 für mich.
[Olaf]

SODOM
Siehe Trouble!

IN FLAMES
Siehe Trouble! Gerade noch rechtzeitig zum letzten Akkord schaffe ich es, die Kamera klar zu machen und wenigstens noch ein Foto zu schiessen. In Flames hätte ich gerne gesehen. Na ja, man kann nicht alles haben - ab zum Bierstand!
[Olaf]

SAXON
Bevor Saxon die Bühne enterten, hatte Doro noch einen Kurzauftritt. Vorher wurde sie von Rock Hard Chef Götz Kühnemund zur Metal-Queen gekürt. Götz nutzte die Gelegenheit, sich für die nicht immer faire Behandlung in den letzten Jahren zu entschuldigen. Frau Pesch und Combo zockten u.a. "Für Immer" und "All We Are". Sabrina Classen gesellte sich auch dazu, wäre aber besser daheim geblieben!
Dann war es soweit: Der Adler sollte landen! Nach ihrem grandiosen Auftritt beim BYH 2002 und einer tollen Tour zu Beginn des Jahres waren sie wieder da: Biff Byford und seine Sachsen. Vom ersten Song an ("Heavy Metal Thunder") bis zum allgemeinen Abfeiern mit der Rock Hard-Crew nach etlichen Zugaben brachten Saxon ein Meisterstück nach dem anderen. "The Eagle Has Landed" (ja, der Adler kam wieder zum Einsatz), "Crusader", "Denim And Leather", "Dallas 1 P.M.", "Princess Of The Night", "747", "Strong Arm Of The Law", die Liste ist endlos. Auch ein paar seltener gespielte Stücke waren in dem gut zweistündigen Set untergebracht. "And The Bands Played On" habe ich aber leider vermisst. Das war aber halb so wild, man konnte sich eh nicht entscheiden welche Melodie man für den Rest des Abends vor sich hin pfeifen sollte. Saxon waren der absolute Höhepunkt eines tollen Festivals. Übrigens: Biff bewies dem regengeschwächten Publikum seinen Humor: "We know what it`s like standing in the rain the whole day - we come from fuckin' England!"
[Olaf]

Und das war er dann auch schon, der einzigste Kritikpunkt am Rock Hard Festival, den man vorbringen könnte. Das Wetter am zweiten Tag war (zumindest zwei oder drei Stunden) absolut unterste Kanone, aber dafür kann der Organisator schließlich nix!
Im Umkehrschluss also ein prächtiges Wochenende, an dem wir alle verdammt viel Spaß gehabt haben! Dazu trug die gute Bandauswahl, die selten geile Location und die rundum einwandfreie Planung des Events bei. Auch die Security muss an dieser Stelle mal positiv erwähnt werden, denn die verhielt sich so, wie es im Vorfeld breit angekündigt worden war: supernett, hilfsbereit und keinen Schlag überheblich, Kompliment!
Dass irgendwelche Vollgas-Spacken mehrere Reifen plattstechen mussten, konnte die Stimmung auch nur kurzfristig drücken: Spontan wurde vom Rock Hard Team eine Sammelbüchse zur Verfügung gestellt, in der man einen kleinen Obulus hinterlassen konnte um den Betroffenen den Heimweg zu ermöglichen.

Also, nochmal: Riesendankeschön an alle Beteiligten/Verantwortlichen, ihr habt alles richtig gemacht!!! Weiter so und vielleicht sieht man sich ja auf dem nächsten Rock Hard Festival, wäre schade, wenn es bei dem diesjährigen bleiben würde!
[NDK]



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