Mir sollte ein langes Wochenende bevorstehen, denn einen Tag später ging es ab nach London, einen Freund besuchen und DIARY OF DREAMS beiwohnen. Ich hatte mir also viel vorgenommen und fuhr direkt im Anschluss an die Arbeit zum Flughafen, die bereits gepackten Koffer einchecken und danach machte ich mich auf den Weg nach Weinheim. Das Cafe Central, in welchem die heutigen Aktivitäten stattfinden sollten, war mir bisher nicht bekannt, aber die nicht allzu großen Räumlichkeiten strahlten eine angenehme, gemütliche Atmosphäre aus. Ich fand die Lokalität jedenfalls sympathisch und auch die niedrigen Getränkepreise stellten eine angenehme Überraschung dar. Als ich vor Ort eintraf war noch nicht viel los und es sollte im Laufe des Abends nur unwesentlich voller werden. Ich freute mich jedenfalls auf die Show von Ville Laihiala und seinen Mannen, denn nachdem mich die letzten Alben nicht hundertprozentig überzeugen konnten, blieben die Nummern vom aktuellen Werk "Drive" endlich mal wieder in meinen Gehörgängen hängen. Der Opener BATTLE BEAST wurde mir zwar wärmstens ans Herz gelegt, aber leider kam ich im Vorfeld nicht dazu, in die Songs vom Erstling "Steel" rein zu hören. Also, abwarten und erstmal eine Cola schlürfen.
Kurz vor 21 Uhr gingen dann BATTLE BEAST an den Start und nach den ersten Tönen füllten sich auch die bisher leeren Reihen vor der Bühne. Die noch verdammt junge finnische Truppe bot im Anschluss einen Querschnitt ihres Debüts, welches 2012 durch Nuclear Blast erneut veröffentlich wird. Musikalisch ging es in die Richtung U.D.O. meets epische W.A.S.P., allerdings mit einer Frau am Mikro. Sängerin Nitte Valo erinnerte mich rein optisch entfernt an Jutta Weinhold von ZED YAGO, wobei ihr Organ jedoch ein anderes Kaliber war. Sie teilte sich mit Gitarrist Anton Kabanen, welcher kreischte wie Udo Dirkschneider zu seinen besten Zeiten, den Gesang. Die traditionellen Metal-Klänge strotzen nur so vor Klischees - innovativ ist sicherlich anders, aber wenigstens ging das Sextett ambitioniert und hoch motiviert zu Werk und poste, als gäb es kein Morgen mehr. Der Spaß war der jungen Combo sichtlich anzumerken und es herrschte ständig Bewegung auf der kleinen, engen Bühne. Als störend empfand ich lediglich den an EUROPE erinnernden Keyboard-Sound. Die Fan-Reaktionen hielten sich jedoch in Grenzen und mehr als ein Nicken war vielerorts nicht auszumachen. Nichtsdestotrotz erntete die Band mehr als reinen Höflichkeitsapplaus und so vergingen die 45 Minuten wie im Fluge. Trotzdem muss ich gestehen, dass rein musikalisch nicht viel hängen blieb und BATTLE BEAST bei mir vor ein paar Jahren sicher besser angekommen wären. Zudem empfand ich den stilistischen Bruch zum Headliner für ein wenig zu groß und hoffe, dass die Sechs im Vorprogramm von NIGHTWISH 2012 besser ankommen bzw. mehr Zuspruch erhalten.
Setlist Battle Beast:
Justice And Metal
The Band Of The Hawk
Cyberspace
Steel
Armageddon Clan
Iron Hand
Victory
Enter The Metal World
Show Me How To Die
Kurz nach 22 Uhr war es dann soweit und POISONBLACK kamen - für die letzte Show dieser Tour - auf die beengte Bühne. Mit dem Opener des aktuellen Longplayers "Drive" wurde der Set eröffnet und die Zeit für ein wenig düsteren Rock 'n' Roll hatte begonnen. Leider wurde es nicht merklich voller als zu BATTLE BEAST, doch die kleine Lokation zusammen mit der Light-Show sollte trotzdem für einen schweißtreibenden Gig sorgen. Das Augenmerk des heutigen Abend lag zum Einen natürlich auf der aktuellen Veröffentlichung als auch auf "Lust Stained Dispair", auf welchem Gitarrist Ville Laihiala erstmalig auch den Gesang übernommen hatte.
Ich fand es wie immer ein wenig enttäuschend, dass das Debüt so sträflich vernachlässigt wurde, doch glücklicherweise durfte ich die Band vor Jahren in Erstbesetzung erleben, so dass sich dieses Manko vernachlässigen ließ. Das Quintett war jedenfalls gut aufgelegt und Sänger/ Gitarrist Ville Laihiala als auch Bassist Antti Remes gaben ordentlich Gas, während Keyboarder Marco Sneck teilweise dauerbangte. Die Nummern kamen live eher rockig und bei weitem nicht so melancholisch wie auf CD rüber, wobei dies dem Publikum egal war, da die Performance von den Anwesenden eher andächtig bestaunt wurde; Rock 'n' Roll ist sicher anders. "The Living Dead", "Love Infernal" und "Scars" stachen - für mich jedenfalls - aus dem Set heraus, denn diese doch eher ruhigen Songs kamen deutlich besser an, als die vergleichsweise Rockigeren. Nun gut, Geschmackssache. Die Frage nach "Dead Moon Rising" von SENTENCED wurde mit der Auskunft „Wrong Band" kurz und knapp ad acta gelegt, wobei "Buried Alive" nichtsdestotrotz dem toten SENTENCED-Gitarristen Miika Tenkula gewidmet wurde. Für einen Lacher sorgte zwischenzeitliche die Frage, welches Getränk Ville denn haben wolle. Hätte er gewusst, dass er auf seine Antwort tatsächlich ein Glas Milch bekommt, hätte er sich sicher anders entschieden, denn gerade im Hinblick auf die während des Auftritts stetig steigenden Temperaturen, wäre Wasser höchstwahrscheinlich die bessere Alternative gewesen. Gegen Ende war es so warm, dass der Schweiß bei den Musikern nur so tropfte, wobei das Cafe Central für diesen Umstand bekannt sein soll, wie man mir bereits im Vorfeld versicherte. Leider vergingen die 70 Minuten bis zum ersten Ende wie im Flug, aber mit zwei weiteren Songs wurde glücklicherweise nochmal nachgelegt. Wäre es nicht schon so spät gewesen und hätte ich nicht unbedingt noch etwas Schlaf haben wollen, so hätte mir der Sinn durchaus nach noch einem weiteren Nachschlag gestanden. Unter diesen Umständen war ich aber zufrieden und verließ mit weiteren glücklichen Fans das Cafe Central.