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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing METALFEST WINTER EDITION
Ort Gieen, Hessenhalle
Datum 03.12.2011
Autor Alexander Meyer
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Im Vorfeld dieses Events habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich pltzlich elf Bands auf dem Billing sah. Eigentlich hatte ich mich auf das "Thrashfest Classics" eingestellt, um dann zu erfahren, dass jenes mit dem "Hatefest" zusammengelegt wurde. Wie sich im Laufe des Tages herausstellen wird, hat dies Vor- und Nachteile. Der erhhte Eintrittspreis und ein paar Bands, auf die man auch gerne htte verzichten knnen auf der einen Seite und ein bunt gemichtes Publikum und Triptykon auf der anderen Seite. Die ersten beiden Kapellen - LOST DREAMS und AZARATH - haben wir eh schonmal verpasst als wir gegen viertel vor drei die Hessenhalle zu Gieen betreten.

Mortal Sin Mortal Sin

Mortal Sin

Also nix wie zur Bhne gesprintet, wo MORTAL SIN gerade den zweiten Teil ihres halbstndigen Sets mit "I Am Immortal" einluten. Der Zahn der Zeit scheint an den Australieren nahezu spurlos vorber gegangen zu sein. Insbesondere Bassist Andy Eftichiou ist stndig in Bewegung und prsentiert seine imposanten Muckies. Grndungsmitglied Mat Maurer lsst nicht nur die schwarze Lockenmhne mchtig fliegen, sondern ist nachwievor prchtig bei Stimme, sodass das abschlieende "Mayhemic Destruction" Lust auf mehr macht. Leider ist, wie bei allen folgenden Bands, keine Zugabe drin. Also heit es, sich das superbe neue Album "Psychology Of Death" in Zukunft noch fters reinzuziehen. Die fnfzehnmintige Umbaupause bietet gerade genug Zeit, um sich schnell in der Location zu orientieren. Neben der eigentlichen Konzerthalle befindet sich eine weitere groe Halle, in der Getrnke- und Merchandisingstand untergebracht sind. Dort kann man sich auch an eine der zahlreichen Biergarnituren setzen oder wahlweise, im spteren Verlauf des Abends, darauf schlafen, kotzen oder diese einfach umkippen.

Milking The Goatmachine

Lautes Getse ruft mich zurck vor die Bhne, wo MILKING THE GOATMACHINE mit ihrem perfiden Treiben bereits begonnen haben. Davon mal abgesehen, dass ich mit der dargebotenen Mischung aus Death Metal und Grindcore rein gar nichts anfangen kann, empfinde ich die Show der Ziegenkppe als beraus infantil und lcherlich. Dadurch, dass der "Snger" hinterm Schlagzeug hockt und alle Bandmitglieder alberne Ziegenmasken tragen, die keinerlei Mimik transporieren, entsteht ein Vakuum das MTGM mit irgendwelchen kostmierten Kaspern zu fllen versuchen. Diese stolpern relativ orientierungslos ber die Bhne und versuchen das Publikum anzuheizen - Daumen runter!

Heathen Heathen

Heathen

Umso krasser erscheint der Kontrast zu den gttlichen HEATHEN, die mit "Pray For Death" in ihr Programm einsteigen und mit "Goblin's Blade" und "Open The Grave" zwei weitere Gttergaben ihres Debtalbums "Breaking The Silence" folgen lassen. Nachdem die Jungs vor nicht allzu langer Zeit, auf dem "Killfest", fast nur Nummern ihres (ebenfalls superben) aktuellen Albums "The Evolution Of Chaos" brachten, treiben mir diese Klassiker fast die Freudentrnen in die Augen. Als absoluter Glcksfall fr die Band stellt sich einmal mehr Zweitgitarrist Kragen Lum heraus, dem Mastermind Lee Altus den Lwenanteil der Soli bereitwillig berlsst. Aber auch die Rhythmussection, bestehend aus Darren Minter an den Drums und Jon Torres am Bass, liefert einen Hllenjob ab. ber all dem schwebt natrlich Dave White, der neben Russ Anderson von Forbidden und Chuck Billy von Testament, fr mich zu den absoluten Top Thrash Metal-Shoutern zhlt. Nach ein paar Nummern vom zweiten Album "Victims Of Deception" und dem Livekracher "Death By Hanging" vom Debt, bei dem Dave einen kleinen Mitsingwettbewerb mit den Fans initiert, ist nach nur einer dreiviertel Stunde leider viel zu frh Schicht im Schacht.

Destruction

Auf MARDUK haben wir ehrlich gesagt keinen Bock, sodass wir in der Zwischenzeit in einem nahegelegenen Dnerladen etwas zu Abendessen gehen, nachdem sich die Festivalbratwurst als absoluter Flop im Gummibrtchen prsentiert. DESTRUCTION stehen nicht umsonst als einzige deutsche Band auf dem Billing des "Thrashfests", sind sie doch neben Kreator die einzige germanische Thrashband, die (mit Unterbrechung) seit Jahr(zehnt)en erfolgreich aktiv sind. On stage sind die Jungs eh eine Bank und schaffen es selbst als Trio keine Langeweile aufkommen zu lassen. Dazu sind Mike und Schmier einfach zu agil. Ersterer lsst seine Lockenpracht ununterbrochen kreisen und serviert ein old-school Riff nach dem anderen. Und Marcel (Schmier hasst es so genannt zu werden!) ist einfach ein total abgewichster Frontmann, der die Halle spielend um den Finger wickelt. Stndig erzhlt er den Leuten, dass sie das geilste Publikum sind und wirft auch noch 'ne Flasche Becks in die ersten Reihen. So richtig Spa machen an diesem Abend allerdings die alten Kamellen wie "Antichrist", "Tormentor", "Bestial Invasion", "Curse The Gods" und natrlich das unvermeidliche "Mad Butcher". Zudem haben Destruction einen Bombensound und gefallen mir insgesamt deutlich besser als noch beim "Killfest" im Mrz.

Triptykon Triptykon

Triptykon

Auf den ersten Blick scheinen TRIPTYKON als "Hatefest-Band" an diesem Abend nicht wirklich zwischen Destruction und Exodus zu passen. Beim nheren Hinsehen sind die Schweizer als CELTIC FROST-Nachfolger in hchstem Mae qualifiziert fr diese Position. Und mit "Procreation Of The Wicked" treten sie unmittelbar zu Beginn ihres Sets den Beweis dafr an. Geschickt lassen sie jedem Triptykon-Track einen Klassiker aus den goldenen Achtzigern folgen, wobei insbesondere "Circle Of The Tyrants" und "Into The Crypts Of Rays" mein Herz hher schlagen lassen. Wegen mir htten Tom Warrior und Co auch gerne die komplette "Morbid Tales"-EP am Stck spielen knnen, aber es stehen nunmal nicht Celtic Frost auf der Bhne. Dafr ist Bassistin Vanja einfach wesentlich attraktiver als seiner Zeit Martin Ain. Unglaublich wie brachial diese zierliche Frau das Langholz bearbeitet. Die beiden anderen jungen T.G. Warrior-Sidekicks an der zweiten Klampfe und dem Schlagzeug wissen ebenfalls vollends zu berzeugen. Die Band hat insgesamt eine sehr bedrckende Ausstrahlung, die durch das ber weite Strecken in "Type 0 Negative"-Grn gehaltene Licht, verstrkt wird. Das ist defintiv nix fr Suizidgefhrdete oder genau das Richtige, wie man's nimmt...

Exodus

Einen hnlich guten Sound wie bei den vorangegangenen beiden Bands htte ich mir fr EXODUS auch gewnscht. Leider hatte der Mann am Mischpult in der Umbaupause anscheinend einen Herzinfarkt und wurde durch einen absoluten Dilettanten ersetzt. Wie sonst lsst sich erklren, dass man bei den ersten drei Songs "The Last Act Of Defiance", "A Lesson In Violence" und "Exodus" vor lauter Soundbrei Gary Holts Gitarre kaum hren kann?! Gott sei Dank wird es im Laufe des Gigs ein wenig besser, denn so schafft es das Bay Area-Urgestein das umzusetzen, was ihr Frontmann Rob Dukes die ganze Zeit propagiert, nmlich die Halle in Schutt und Asche zu legen. Was knnte ein besserer Soundtrack zu solch einem Unterfangen sein als Killertracks wie "Metal Command", "Chemi-Kill" oder "Fabulous Disaster"? Wer htte mit "And Then There Were None" gerechnet, dessen Refrain aus 1000 Kehlen mitgebrllt wird? Natrlich htte ich mir noch "Deranged" und "Parasite" von "Pleasures Of The Flesh" gewnscht, aber das Titelstck und "Brain Dead" sind schlielich auch nicht von schlechten Eltern. Wie ein Hurricane fegen Exodus durch die Hessenhalle, allen voran Riffmaster Gary Holt, der mit seinem Bart, den Tattoos und seinen ungewaschenen Haaren wie ein Penner aussieht. Der ehemalige Exodus-Snger Paul Baloff lebte bis zu seinem Tod ja wirklich auf der Strae. Ich vermisse seine Ansage zu "Piranha" ("And it ain't about no goldfish"!), aber ansonsten ist Mr. Dukes ein wrdiger Nachfolger, der mit dem gleichen Charme einer tollwtigen Wildsau ausgesattet ist. Immer wieder fordert er von der Meute den Pit zu vergrern ("Thats a baby pit"!), sodass sptestens bei "Toxic waltz" der Br vor der Bhne so richtig tanzt. Bei "Strike Of The Beast" teilt Rob die Menge wie Moses das Meer und lsst beide Seiten in einer amtlichen "Wall Of Death" ineinander laufen. Dabei tut der mittlerweile siffig-klitschige Boden ein briges - "Good Friendly Violent Fun at its best!"

Setlist: EXODUS

  • The Last Act of Defiance
  • A Lesson in Violence
  • Fabulous Disaster
  • Brain Dead
  • Exodus
  • Pleasures of the Flesh
  • Chemi-Kill
  • Piranha
  • Metal Command
  • And Then There Were None
  • Bonded by Blood
  • The Toxic Waltz
  • Strike of the Beast

Kataklysm

Dass die Deather KATAKLYSM nach Exodus auf die Bhne drfen mag ihrer Headliner-Rolle beim "Hatefest" geschuldet sein, ist aber gleichwohl eine Frechheit. Noch mehr rgert mich, dass der Sound der Franko-Kanadier so dermaen brutal und trotzdem glassklar aus den Boxen drhnt. Genau diesen Klang htten Exodus verdient gehabt. Ich ziehe mich schmollend nach hinten zurck und wnsche Katalysm-Snger Maurizio Iacono, dass er zuknftig mehr Mut zum Gebrauch seiner Singstimme beweist und das Gegrunze minimiert. Sorry, not my cup of tea.

Sepultura Sepultura

Sepultura

Von SEPULTURA hatte ich mich seit dem Weggang von Max Cavalera distanziert. Ihr neues Album "Kairos" hat mich allerdings zuletzt aufhorchen lassen. Heute wird es allerdings keine neuen Tracks geben, dafr aber jede Menge alter Gassenhauer, wie z.B. "Dead Embryonic Cells" oder "Refuse/Resist". Der viel geschmhte Derrick Greene fhrt absolut souvern durch den Abend und sammelt mit seinen deutschen Ansagen massenhaft Punkte beim Publikum. Dieser Hhne ist mit seinen arschlangen Dreadlocks seinem mittlerweile sowohl optisch als auch musikalisch ziemlich verkommenen Vorgnger meilenweit berlegen. Die Cavalera Brder vermisst heute Nacht jedenfalls kein Mensch. Andreas Kisser ist es mittlerweile gewohnt auch die komplizierteren Gitarrenparts alleine zu meistern und der neue Drummer Eloy Casagrande stellt nicht nur Igor Cavalera, sondern alle Schlagzeuger dieses Festivals, inklusive Tom Hunting (Exodus), in den Schatten. Wie sehr htte ich mir ein paar Nummern von "Roots" gewnscht, um diesen Knner sein ganzes Potenzial ausreizen zu sehen! Aber das Leben ist nunmal kein Wunschkonzert und mit dem Schlusstrio, bestehend aus "Inner Self", "Territory" und "Arise" stellen die Brasilianer auch so unter Beweis, dass sie der wrdige Headliner dieses "Kombifestivals" sind.

Erschpft aber rundum zufrieden machen wir uns auf den langen Heimweg (Gieen ist irgendwie weit weg von berall und das auch noch ber Landstrae!). Die Verschmelzung der beiden ungleichen Festivals hat zwar insgesamt gesehen funktioniert, trotzdem htte man sich als Thrash-Fan mehr Spielzeit fr Mortal Sin und Heathen zu Lasten einger unntiger Kapellen, wie MTGM oder Marduk gewnscht. Warum nicht gleich mal ein "Bay Area Classics"-Festival organisieren? Death Angel, Testament und Forbidden wrden mit Exodus und Heathen ein cooles Billing abgeben. Vielleicht kann man ja sogar Vio-Lence und Mordred zu Reunion-Gigs berreden und als Headliner verpflichtet man zur Krnung noch Metallica, die unter dem Pseudonym "The Four Horsemen" nur Songs ihrer ersten drei Alben spielen...oh...da bin ich wohl auf der Heimfahrt eingeschlafen und habe angefangen zu trumen...





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