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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BIOHAZARD, CALIBAN, TERROR, DO OR DIE
Ort Suppkultur, Koblenz
Datum 29.05.2003
Autor Thorsten Dietrich & Rafael Hofmann
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Unser freier Mitarbeiter Pom, intern gerne Mr. Hardcore genannt bettigte sich mal wieder als Veranstalter. Diesmal zog er die New Yorker Prollcore Knige Biohazard an Land. Schon um 19.30 h waren ber 300 Karten verkauft, was sich noch auf ca. 450 Zuschauer erweitern sollte. Nur doof, dass die Konzerte immer erst um 21.00 h beginnen, so dass die Bands oft bis nach 01.00 Uhr DO OR DIE - Klick spielen. Im Gegensatz zu anderen Lden kann sich das die Suppkultur auch leisten, da man ja an der B9 im Industriegebiet liegt und wenig mit den Anwohnern zu tun hat, denke ich. Als wir um ca. 21.15 eintrafen, spielten bereits Do Or Die aus Belgien. Vor der Bhne hatte sich ein ovaler Halbkreis gebildet, der nur von ein zwei mutigen(?) berschritten wurde, Hatte da etwas jemand hingekotzt? War da eine Sperrlinie? Seltsame Sitten! Die Band um den stmmigen kleinen Brllwrfelsnger Chris legte sich mchtig ins Zeug und spielte geflligen aber mit der Zeit eintnigen Mosh Core der gut auf die Zwlf ging. Songs wie "Tears Of Rage" oder "Demons Of War", "Angels Of Pain" knallten aber ganz gut und die Band konnte wenigstens Hflichkeitsapplaus ernten.
TERROR - Klick TERROR - Klick Die US Hardcoreler mit dem schlichten aber effektiven Namen Terror prsentierten sich als mtzentragende schlanke Sportgruppe, die abwechslungsreiche Mucke spielten und sich durch Synchronhpfen nebst gutaufgelegten Snger auszeichneten. Man prsentierte nicht unbedingt was neues, aber mit Qualitt. Die mehrmalige Aufforderung der Band an das Publikum zum Headbangen habe ich zwar nicht verstanden, aber vielleicht war das nur ein guter Gag! Immerhin war das Publikum nicht ganz so reserviert wie bei Do Or Die.
CALIBAN - Klick Wieder nach kurzer Umbaupause kamen die deutschen Metalcoreler von Caliban. Auf die Band war ich sehr gespannt, hatte ich doch einiges positives schon von ihnen im Vorfeld gehrt. Optisch waren sie mir sehr suspekt. Der dnne Snger luft inmitten der ganzen Tough Guys mit einer stufigen "Prinz Eisenherz -Frauen Frisur" herum, whrend der Basser mit seiner weien Carhartt Pullover wie ein Zwitter aus Marienhof und GZSZ wirkt. Bh! Aber musikalisch gab es nichts zu meckern! Nur das Auge ist ja auch mit. Snger Andy berzeugte mit facettenreichem Gesang von Growls, Kreischbrll und zu weinerlichen Stimmlagen kam alles vor. Eine ganz melodische Passage sang dann der adretter Bassist.
Caliban waren auf jeden Fall eine Abwechslung im Billing! Die Slayer Riffs und das abgedrehte Psychostageacting des Frontmanns zeigten auch im Publikum Wirkung, das ganz gut mitging. Eines sollte sich der Kerl aber merken: Whrend den Ansagen in Kreisen wie ein Junkie ohne Stoff auf der Bhne herumlaufen und Flstern lsst das Publikum einen kaum verstehen!
Nach Caliban folgte eine lngere Umbaupause, wo ich mir das uerst gnstige Merchandise ansah. Longsleeves gab es teilweise fr 13 Euro! Respekt!
Kurz vor dem Konzertstart der New Yorker Band merkte ich erst wie beliebt sie doch noch sind. Seltsam las ich doch frher oft, dass Biohazard total out sind und von der Harcore Szene eh nicht gemocht wrden. Biohazard erzhlen auch jedes Jahr was anderes. In einem Interview schwren sie voll auf old school Metal: "Wir waren immer Metalheads!" und andermal labern sie einen von HC. Klar man kann auch beides sein. Aber mir kam das alles wie Anbiederung vor. Vor der Bhne herrschte dichtes Gedrnge als die Band loslegte. Das Publikum hatte seine Energiereserven wohl fr die Biohasen gespart und ging richtig ab! Lustig sind die Ansagen der Band wo jedes zweite Wort "Fuck" oder "yo" ist ohne Ende und ich konnte wegen akutem Schlafmangel mir nicht das ganze Konzert geben und gebe deshalb an einen wahren Fan ab: "Rafael,yo man, you fucking rule now!"
BIOHAZARD - Klick Nach drei brenstarken Bands und einem recht hohen Puls aufgrund des Gefallens der vorherigen Mosh-Beats enterten vier stark ttowierte Jungs nach einer langen, von technischen Problemen begleiteten Umbauphase die Bhne: BIOHAZARD! Viele Erinnerungen aus meiner frhen Pubertt wurde bei diesem Anblick wieder wach, war dies doch der Stoff mit dem wir uns selber in die Metal-Abhngigkeit erzogen haben. Mit "Shades of grey" fing eine Show der guten alten Hardcore-Zeiten an. Nach dem Motto "My stage is your stage" strmten Fans und Stage-Diver die Bhne, um zusammen mit Billy und Co. zu rocken. Dies artete jedoch nach dem zweiten Lied in einem Hinweis von Snger Danny man soll doch auf die Monitore und Mikros aufpassen, denn sonst BIOHAZARD - Klick knne man nicht spielen und man wolle doch zusammen eine suuuuper Party feiern - und genau das war's: eine super Party. Danach war das Publikum nicht mehr zu bremsen, alles in diesem Raum, was nicht niet und nagelfest war, sprang und bewegte sich im unermdlichen Groovegewitter der US-Rocker. Zu meiner persnlichen Verwunderung prsentierte die Combo ein eher lteres Programm und spielten auf dem gesamten Konzert nur drei Lieder ihres neuen Albums "Kill or be killed". Was mich zunchst stark verwunderte, war der Stil des Songwritings, der - fr meinen Geschmack - stark von dem gewohnten BIOHAZARD-Groove und -Sound abweichte. "Beaten Senseless" war das erste der insgesamt vier Neuvorstellungen vom aktuellen Album. Aber trotz der Textschwche im Bezug auf die neuen Lieder konnte auch ich mich mit dem neuen Sound anfreunden.
Der ungekrnte Hhepunkt des Abends war mit absoluter Sicherheit die Massendarbietung des Songs "Punishment" wozu nahezu alle Bandmitglieder der vorherigen Bands mit auf der Bhne standen und sei es aktiv oder einfach ohne Verstrkung die Lyrics und Riffs des Biohazard-Klassikers runterprgelten.
Mein persnliches Resum nach viel Schweiverlust und einem ziemlich demolierten Brillengestell: Biohazard machen Party wie kaum eine andere Band, die ich bisher sah. Ich htte nie gedacht, dass im Jahre 2003 noch derart heftige Old-School-Konzerte gefeiert wrden.

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