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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SWORDBROTHERS FESTIVAL X
Ort Andernach, JUZ
Datum 10.09.2011
Autor Alexander Meyer
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Zum zehnten Mal bitten die "Swordbrothers" zum Tanz ins Andernacher JUZ und haben, trotz der Absage der Zypern von Arryan Path, wieder mal ein starkes internationales Billing aufgefahren. Dementsprechend schmcken die Flaggen der teilnehmenden Nationen die Empore im Innenraum. Eine zweite Besonderheit stellt der kleine Steg vor der Bhne dar, der im Laufe des Tages noch rege genutzt werden soll. Zunchst einmal hlt sich allerdings kaum jemand freiwillig in der Halle auf, da an diesem Samstag der Sommer zurckgekehrt ist und die heien Temperaturen zum Verweilen im Freien einladen.

Warcry Warcry

Als allerdings pnktlich um eins der Startschuss fllt und WARCRY die ersten metallischen Salven ins eckige Rund (Wir sind hier nicht im Geometrieunterricht, ihr Streber!) schieen, bewegt man sich ein wenig widerwillig in den Innenraum. Dementsprechend freut sich Snger The Almighty (Die ganze Band benutzt solch putzige Pseudonyme.), dass trotz der frhen Stunde soviele Metalfans am Start sind. Leider ist und bleibt der Gute im Laufe des halbstndigen Sets der einzige Aktivposten on Stage. Er lsst seine Matte immer mal wieder kreisen und ist recht bewegungsfreudig, whrend der Rest der Band eher Standfuball zelebriert. Vielleicht liegt es ja an den schweren Nieten- und Patronengurten. Auf diese Weise avanciert die Bhnendeko, bestehend aus Kreuzen und Totenkpfen, zum optischen Highlight der Show. Musikalisch bieten WARCRY typischen True Metal, der mich nicht gerade vom Hocker reit, aber als Anheizer fr ein Festival wie dieses sind die Sddeutschen definitiv eine gute Wahl.

Die sis von MORTICIAN (Nicht zu verwechseln mit den amerikanischen Deathgrindern!) stellen optisch einen krassen Gegenentwurf zu den Nietenchristbumen von Warcry dar. Gitarrist Thomas Metzler und Bassist Lercher Patrik gehen mit ihren Kurzhaarschnitten locker als Herr Kaiser von der Hamburg Mannheimer, sprich Versicherungsagenten, durch. Aber was im Metal zhlt ist nicht das uere, sondern das musikalische Herz und das sitzt bei den schon etwas betagteren Herren (Die Band besteht mit Unterbrechungen seit 1987!) am rechten Fleck. Vor allem Thomas zaubert das ein oder andere fette Riff, untersttzt von verbissener Mimik, aus dem Hut. Hauptaktivposten ist allerdings Snger Daniel Kahn, der vom Aussehen her als Bruder von Nasty Ronnie (Nasty Savage) durchgehen wrde. Er zerlegt zwar keine Fernseher auf der Bhne, aber hat einen immensen Aktionsradius, der vor dem Bhnenrand nicht immer halt macht. Der etwas biedere Heavy Rock der Alpenlnder ist nicht wirklich weltbewegend, aber unterhaltend. Den grten Spa haben zwei Kinderheadbanger, die direkt vor der Bhne ihre Haare schtteln.

Asgard Asgard

Als ich den Namen ASGARD auf dem Billing sah, dachte ich zunchst an die Progrocker gleichen Namens, die ebenfalls aus Italien stammen, sich mittlerweile aber wahrscheinlich aufgelst haben drften. Sptestens als ich das Bandfoto mit den fnf Jnglingen erblickte, war mir klar, dass ich (leider) falsch lag. Als der Snger dann mit Kapuzenumhang die Bhne betritt, kann ich mir ein amsiertes Grinsen nicht verkneifen. Als er allerdings zum ersten Mal seine mdermige Sirene erklingen lsst, haut es mir das Grinsen schlagartig aus der Visage. Als ich gerade denke, dass der Junge den Agent Steel-Gig auf dem letzten "KIT" als John Cyriis-Ersatz sicher htte retten knnen, stimmen die Italiener doch tatschlich "Unstoppable Force" an (Oder war es doch ein eigener Song?) und ernten vom Publikum mit Recht die ersten wirklich enthusiastischen Reaktionen des noch jungen Tages - Respekt!

Im Gegensatz zu VANDERBUYST wirken die bisherigen Acts wie Schlerbands. Den Hollndern eilt der Ruf einer exzellenten Liveband voraus, den sie auch heute eindrucksvoll zementieren. Das Powertrio rockt das JUZ vom ersten Ton an wie Sau, allen voran Gitarrist Willem Verbuyst, der wieder einmal alles gibt. Der Typ zerreit sich auf der Bhne nach allen Regeln der Kunst und zeigt den zahllosen zahnlosen Mchtegernrockstars dieser Welt (und dieses Abends), wie Bhnenprsenz aussehen sollte. Der Typ bangt, post, rifft und soliert sich durch das Set, dass es eine wahre Freude fr Augen und Ohren ist. Dabei maltrtiert er seine Flying-V teilweise so brachial, dass einem Angst und Bange um Mensch und Instrument werden knnte. Der zweite Protagonist im Bandgefge ist Jochem Jonkman, der die Reinkarnation von Phil Lynott sein muss. Er spielt nicht nur so Bass und singt so wie der verstorbene Ire, sondern ist ihm auch noch wie aus dem Gesicht geschnitten. Kein Wunder also, dass Vanderbuyst gerne mit Thin Lizzy verglichen werden, zumal ihr 70er-Jahre Sound perfekt ins Bild passt. Songs wie "To Last Forever" und "Tiger" kommen live jedenfalls nochmal um einiges fetter als auf CD. Die einzige Frage, die nach einer guten dreiviertel Stunde offen bleibt, ist warum die Niederlnder so frh auf die Bhne mussten und spter am Abend keinen lngeren Set spielen durften.

Dass es nach dieser Energieleistung fr die nchste Band schwierig werden wrde, war klar. Dass der Kontrast jedoch so krass sein wrde, konnte niemand ahnen. CENTINELA mgen ja aus der Konserve nicht schlecht sein, live kommt ihr Powermetal mit spanischen Vocals jedoch leider recht zahnlos daher, sodass sich die Halle schnell zu leeren beginnt. Insbesondere der Snger, der unbedingt mal bei den Weightwatchers vorstellig werden sollte, tritt von einem Fettnpfchen ins nchste: Zuerst wei er anscheinend selbst nicht mehr, wieviele Alben seine eigene Band bisher verffentlicht hat, dann verheddert sich sein Mikrokabel und zu guter letzt hlt er das ihm gereicht Funkmikro falsch herum. Ein wenig Medienkompetenz sollte man als Frontmann einer Metalband schon mitbringen. Ich kann das Trauerspiel nicht lnger mit ansehen und folge den Massen ins Freie.

Vanderbuyst Vanderbuyst

Drauen treffe ich eine Menge Leute, die ich seit einer gefhlten Ewigkeit nicht mehr gesehen habe und verquatsche mich so sehr, dass ich die KILLERS fast vollstndig verpasse. Die kurze Zeit, die ich in der Halle verbringe, offenbart eine engagierte Leistung der Franzosen, die mich musikalisch an Trust erinnern (So viele franzsische Bands gibt's nunmal nicht!). Die Fans vor der Bhne gehen ordentlich steil, immer wieder angefeuert durch den Snger, der aussieht wie der Cousin von Anvils Lips und den kleinwchsigen, glatzkpfigen Bassisten, den man am liebsten zum Kuscheln mit nach Hause nehmen wrde.

Sei es ob der langsam einsetzenden Dunkelheit oder des ansteigenden Alkoholpegels, bei OZ fllt sich die Halle zusehens und die Leute machen richtig Party. Ich persnlich kann dem simpelen Rock'n' Roll der Finnen zwar nicht viel abgewinnen, aber ihre Losgehnummern kommen bei den Fans gut an und sorgen fr ordentlich Partystimmung. Ich bereite mich innerlich schonmal auf die beiden Bands vor, wegen denen ich heute hier bin.

In der Umbaupause schlendere ich locker die Treppe zur Empore hoch, ohne mir etwas dabei zu denken. An der bislang kahlen Wand hinter der Bhne prangt endlich ein riesiges Backdrop, nmlich das von EXXPLORER. Ihr "Symphonies Of Steel"-Album von 1984 hat sie in Undergroundkreisen unsterblich werden lassen. Mitte der Neunziger lieen die Amis zwar zwei weitere Alben folgen, die aber weitaus weniger euphorisch aufgenommen wurden. Im Oktober wird mit "Vengeance Rides A Pale Horse" das fnfte Werk erscheinen, das mir glcklicherweise schon lnger vorliegt und das mir bis auf die etwas schwachbrstige Produktion sehr gut gefllt. Aber hier und jetzt ist der Sound super und Songs wie "Gypsy" und "Glory Hunter" entwickeln sich zu absoluten Mitgehnummern. Gleichwohl sind es die alten Klassiker, die das Publikum zum Kochen bringen. Auch wenn Lenny Rizzo sagt, dass er Titel wie "World War III" und "Guilty As Charged" nicht gerne singt, so macht er seine sache doch vorzglich und jagt mir eine Gnsehaut nach der anderen den Nacken hinunter. Als ich schlielich nicht mehr an mich halten kann und wild anfange zu bangen, falle ich dem Sicherheitspersonal leider auf und werde mit dem Hinweis, dass dies der Backstagebereich sei, nach unten in den Innenraum verwiesen. Dort tobt gerade der Mob und ein hnenhafter Stagediver wirft sich immer wieder auf die bemitleidenswerten Gestalten in der ersten Reihe. Ich finde das bei dieser Mucke zwar vllig unpassend und albern, aber jeder wie er will und solange der Fettsack nicht auf meinem Kopf landet, kann ich damit leben. Ich jedenfalls spare mir meine altersbedingt begrenzten Krfte fr den Headliner auf.

Exxplorer Vicious Rumors

Als Vicious Rumors gegen elf Uhr dann endlich mit "Digital Dictator" die Bhne strmen, gibt es dann auch kein Halten mehr. Diese Truppe um Geoff Thorpe ist seit ber drei Dekaden im Musikgeschft und ist sich whrend all dieser Jahre immer treu geblieben. Nachdem die Kalifornier zuletzt durch diverse Besetzungswechsel eine Durststrecke durchschreiten mussten, haben sie mit "Razorback Killers" endlich wieder ein saustarkes Album am Start und mit Brian Allen wieder einen klasse Snger und Frontmann in ihren Reihen. Der setzt auch gleich wieder seinen irren Blick auf und springt mit den Bangern in der ersten Reihe recht rde um, indem er sie tritt und sich rckwrts ins Publikum fallen lsst - natrlich in der Gewissheit sanft aufgefangen zu werden. Die gesamte Band entfacht eine unglaubliche Energie, die sich auf die Menge betrgt. Der Mob singt sowohl neue Tracks wie die Single "Murderball", den Titeltrack und im Zugabenteil sogar "Bloodstained Sunday" lautstark mit. Aber natrlich sind es auch hier die alten Kamellen, die alles in Schutt und Asche legen: "Don't Wait For Me", Minute To Kill", "Hellraiser" und "Soldiers Of The Night", bei dem ich einen partiellen Hirnaussetzer erleide, sind Perlen des US-Powermetal, die noch heute ihres Gleichen suchen. Die Tatsache, dass Vicious Rumors eine Tourband ist, die sich fast das ganze Jahr on the road befindet, wird im Laufe des Sets berdeutlich: Professionelles Stageacting, enorme Bhnenprsenz, perfektes Timing, kurz Perfektion! Geoff Thorpe und Kiyoshi Morgan treiben sich gegenseitig zu Hchstleistungen auf ihren Klampfen an und Larry Howe ist der mit Abstand beste Drummer des Abends. Nach den Gigs in Koblenz und New York mit Carl Albert ist dies die beste VR-Show, an die ich mich erinnern kann.

Und so mache ich mich erschpft, aber zufrieden auf den Heimweg. Neun Bands in zwlf Stunden sind schon eine Menge Holz, vor allem wenn eine Menge Durchschnitt dabei ist. Insgesamt war es jedoch ein gelungenes Festival und ein toller Tag, was nicht zuletzt der straffen Organisation zu verdanken ist. 2012 gibt es ein neues Festival in Andernach und ein weiteres in Lnen mit nur deutschen Bands. Zu guter letzt mchte ich mich bei Till Oberbosel und Angela Stamm noch ganz herzlich fr die Fotos bedanken, denn wenn man zwar seine Kamera mitnimmt, aber die Speicherkarte nicht reinsteckt, ist man auf solcherlei Amtshilfe angewiesen...

Fotos: Angela Stamm (Vicious Rumors, Exxplorer) & Till Oberboel (Rest)





Centinela Centinela Mortician Mortician Oz Oz



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