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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DEFLESHED, DIABOLICAL, TAETRE, CRUCIFIXION
Ort Trier, Exil
Datum 28.04.2003
Autor Flo
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Endlich mal wieder ein "richtiges" Metal Konzert in Trier, wenn auch diesmal nur im kleinen Exil. Allerdings durchaus verstndlich, denn an einem Montag htte man das Subway niemals fllen knnen. Allerdings habe ich auch nicht wirklich damit gerechnet, dass sich hier besonders viele Leute sehen lassen. Das Konzert war jedoch durchaus gut besucht.
Als ich gegen 9 Uhr ins Exhaus kam, hatte die erste Band, die Trierer Crucifixion, bereits angefangen. Allerdings war das ehrlich gesagt auch nicht weiter schlimm, denn ich hatte in keinem Moment irgendwie das Gefhl etwas verpasst zu haben. Musikalisch gab's Black Metal, irgendwie nicht wirklich old school, aber schon urig, also ohne Keyborad oder hnliche Spsschen. In meinen Ohren waren die Vier allerdings nicht wirklich aufregend. Die restlichen Besucher schienen das Ganze allerdings etwas anders zu sehen, denn vor der Bhne war gut Betrieb, wozu allerdings der Lokalbonus mit Sicherheit nicht unwesentlich beigetragen haben drfte.
Als nchstes baten die Schweden Taetre zum Tnzchen. Und das musikalische Niveau stieg binnen eines Liedes um einiges! Der Vierer aus Gteborg, der ja eigentlich von diversen Vs bekannt sein drfte, spielt schnellen und melodischen Death Metal. Allerdings muss man hier unbedingt hinzufgen, dass man Taerte nicht mit den blichen Gteborg-Bands in einen Topf werfen kann. Von Maiden-Melodik hrt man hier nmlich glcklicherweise ganz wenig, die Songs wirken eher Thrash Metal-beeinflusst, irgendwie dster und erhalten sich vor Allem eine gewisse Rohheit und Aggressivitt, die vielen Bands dieses Stils mittlerweile leider abhanden gekommen ist. Optisch ging auch ganz gut was, besonders der auf der Bhne ausgefochtene Poserkrieg Metal gegen Rock'n'Roll war wirklich ziemlich unterhaltsam. Rechts der Gitarrist mit Jeansjacke ber freiem Oberkrper, Silberhalskettchen mit Plek und Hundemarken und weier Les Paul mit Goldhardware, der die ganze Zeit nur ultracoole Schweinerockposen am runterreien war, links der dauerheadbangende Bassist, der zwischen den Songs ebenfalls nur am posen war, auch zwischendrin mal mit einer Bierflasche Bass spielte und auch sonst mchtig abging. Dazwischen wirkte der Gitarrist/Snger fast unspektakulr, allerdings hat man ihn wenigstens gehrt, whrend gerade die zweite Gitarre meines Erachtens nach viel zu leise war, das kam besonders bei den Soli und Doppelharmonien zum Vorschein. Trotzdem ein guter und unterhaltsamer Auftritt.
Diabolical, ebenfalls aus Schweden, durften als nchste ran. Und bei mir hatten die nach Taetre einen schweren Stand. Irgendwie wirkten die Songs grtenteils ziemlich unspektakulr, zwar technisch teils auf recht hohem Niveau (besonders der linke Gitarrist!), aber irgendwie ziemlich langweilig. Stilistisch kann man das wohl auch melodischen Death Metal nennen, allerdings eher langsam gehalten. Allerdings fehlte dadurch auf der in-die-Fresse-Faktor, der Taetre ausgezeichnet hat. Ne, also das war nicht wirklich was...
Wir schreiben das Jahr 2050. Manowar werden mittlerweile musikgeschichtlich in einem Zug mit Richard Wagner und Achim Menzel genannt, Metal ist immer noch nicht tot und es gibt mal wieder ein 80er Jahre Metal Revival. Mir wird die Frage gestellt, was denn 2003 Heavy Metal war. Es wre durchaus mglich, dass ich in dieser Situation Defleshed antworte. Irgendwie verkrpern die nmlich irgendwie alles, was Metal fr mich ausmacht. Nicht antiquiert, aber irgendwie old school, garantiert inhaltsfrei, aber dennoch nicht zu klischeeberladen, technisch versiert, aber dennoch roh und aggressiv. Ich erinnere mich noch, als ich Defleshed vor ca. 4 Jahren hier das erste Mal sah. Damals hatten sie gerade mit "Under the blade" angefangen Aufmerksamkeit zu erregen und durften als Support fr Cannibal Corpse und Marduk spielen. Damals war der Sound auch leider ziemlich scheisse, und trotzdem haben sie mich einfach nur weggeblasen. Jetzt spielen Defleshed als Headliner, hab zwei groartige Platten mehr rausgebracht und hatten auch endlich einen guten Sound. Zwar war die Gitarre am Anfang etwas matschig, aber Verlauf des Sets wurde das immer besser. Nach einem kurzen Bombenalarmintro (irgendwie geschmacklos) legten die drei Schweden los als mssten sie ihre Set in der Hlfte der Zeit spielen. Ich glaube schnell ist untertrieben! Eine knappe Stunde spter war das Inferno vorbei. Und in diesem Zeitraum haben Defleshed dermaen geil gerockt, wie ich es bei dieser Art von Musik schon lange nicht mehr erlebt habe. In einem von Hammerschlagzeuger Matte vorangetriebenen, atemberaubenden Tempo rotzten sich die Drei durch Songs der letzten drei Alben. Sogar ein paar neue Stcke wurden gespielt, die dem anderen Material in nichts nachstanden. Defleshed haben wirklich 60 Minuten NUR geknppelt, die langsamen Passagen kann man an einer Hand abzhlen. Genau so muss (Thrash) Metal sein! Nach dem Klassiker "Under the blade" war Ende, und das war auch gut so, denn noch lnger htte ich dieses Gemetzel nicht mehr ausgehalten. Heftig und geil. Das fand diesmal auch der Rest der Anwesenden, der vor der Bodenerhhung, die sie Bhne nennen, einen mchtig brutalen Pit angezettelt hat, was die drei Schweden nur noch mehr anstachelte.

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