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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DEEP PURPLE, THE KORDZ
Ort Mainz, Zollhafen
Datum 15.07.2011
Autor Alexander Meyer
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Ich habe nicht schlecht gestaunt, die libanesische Nachwuchshoffnung The Kordz als Vorgruppe auf der Ankndigung der laufenden Deep Purple-Tour zu sehen. The Kordz The Kordz Da ich deren "Beauty & The East"-Debtalbum klasse finde und ich mit Snger Moe bereits ein Interview fr My Revelations gemacht habe, packe ich die Gelegenheit beim Schopfe und mache mich auf den Weg in meine alte Uni-Stadt Mainz. Die Tatsache, dass ich Deep Purple bislang noch nie live erleben durfte, erfllt mein Herz whrend der Fahrt ber die Autobahn zustzlich mit Vorfreude. Der Zollhafen ist riesig, bietet aber trotzdem kaum Parkmglichkeiten, sodass ich einen langen Fumarsch auf mich nehmen muss und gerade pnktlich zu den ersten Klngen von The Kordz das Gelnde betrete.

Vorbei an diversen Getrnkestnden eile ich, an dem bestuhlten Mittelblock vorbei, nach vorne. Es ist gerade mal kurz vor sieben und die Abendsonne hllt die groe Bhne in gleiendes Licht. Einen besseren Einstieg als "Deeper In" htten The Kordz nicht whlen knnen. Neben dem Trio Moe-Nadim-Mazen, das schon das Debtalbum eingespielt hat, stehen ein zustzlicher Gitarrist, ein Drummer und ein Bassist auf der Bhne. Leider wird meine stille Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Jeff Burrows (ex-The Tea Party), der das Album eintrommelte, nicht erfllt, aber die Neuen machen ihren Job sehr gut. Mittelpunkt der Show ist jedoch Snger Moe, dessen ausdrucksstarker Gesang auch live vollends zu berzeugen wei und der es sogar wagt, das gesetztere Deep Purple-Publikum zum mitsingen zu animieren. Leider ist nach nicht einmal einer halben Stunde Schicht im Schacht und The Kordz schlieen mit der Bandhymne "Last Call" einen Gig, der ihnen mehr als nur Hflichkeitsapplaus und mit Sicherheit viele neue Freunde eingebracht hat. Als ich die Jungs spter am Abend im Publikum treffe, zeigen sie sich jedenfalls begeistert vom warmherzigen Empfang in Deutschland. Besonders Moe erweist sich als super sympathischer Zeitgenosse und ldt mich zu den Headlinershows seiner Band ein, die man sich wirklich nicht entgehen lassen sollte.

Schon um viertel vor acht soll ich mich im Fotograben einfinden und nur wenig spter betritt das 50-kpfige Orchester der Neuen Philharmonie Frankfurt die Bretter, die die Welt bedeuten. Deep Purple-Urgestein Jon Lord war bereits 1969 mit "Concerto for Group and Orchestra" einer der Ersten, der Rock und Klassik miteinander verquickte, sodass man sich auf ein Konzerterlebnis der besonderen Art freuen kann. Allerdings soll es heute Abend so sein, dass sich das Orchester insgesamt, sowohl optisch als auch akustisch eher im Hintergrund hlt und das Rampenlicht fnf lteren Herren berlsst, die allesamt Rockgeschichte geschrieben haben. Kaum habe meine Kamera ausgepackt, geht`s auch schon mit "Highway Star" fulminat los. Vor lauter Verzckung und wildem Headbanging vergesse ich ganz Bilder zu machen. Dazu bleibt bei den darauffolgenden zwei Stcken jedoch noch gengend Zeit, bevor ich den Fotograben wieder verlassen muss. Deep Purple Deep Purple Umgehend begebe ich mich zu meinem reservierten Sitzplatz und schaue mir das Treiben auf der Bhne aus der Ferne an. "Rapture The Deep" mit seinen orientalischen Klngen und das rockige "Woman From Tokyo" sind erste kleine Hhepunkte, bevor Steve Morse mit einem kurzen Solo "When A Blind Man Cries" einleitet, bei dem das Orchester zum ersten Mal so richtig zur Geltung kommt. Ian Gillan beweist, dass er gerade in den bluesigen Passagen noch immer gut bei Stimme ist und zeigt sich auch sonst bei bester Laune. Ian Paice ist wie immer das personifizierte Understatement und Roger Glover rockt gewohnt sympathisch rechts auen ab. Aufgrund der Bestuhlung und des immer noch dominaten Sonnenlichts will noch keine richtige Stimmung aufkommen, bis die beiden Kracher "Knocking At Your Back Door" und "Perfect Strangers" vom gleichnamigen 84er-Comebackalbum zumindest einen Teil des Publikums zum Aufstehen und Mitklatschen animieren. Dazwischen mutiert der Dirigent der Neuen Philharmonie bei "Lazy" zum Teufelsgeiger und liefert sich ein packendes Duell mit Steve Morse. Nicht unerwhnt sollte auch Don Aireys Keyboardsolo bleiben, das eine flotte Reise durch alle mglichen Stilrichtungen von Boogie bis Klassik bietet. Danach flacht die Stimmung wieder ein wenig ab und man kann nur einzelne Altrocker beobachten, die trotz Bypass und ohne Gehhilfe, ordentlich mitgrooven. Fr mich persnlich ein Erlebnis der besonderen Art, da ich ausnahmsweise ein paar Jhrchen unter dem Altersdurchschnitt liegen drfte. Und dann kommt das wohl bekannteste Riff der Rockgeschichte und reit auch den letzten Stoiker von seinem Stuhl: "Smoke On The Water" beamt mich schlagartig zurck zu meinem ersten Mittelstufenball am Gymnasium, damals allerdings dargeboten von einer Coverband. Der Mob tobt wie damals, diesmal nur mit ca. 5000 anstatt mit 50 Anwesenden. Danach ist leider schon um halb zehn Schluss. Da die alten Herren anscheinend vor Anbruch der Dunkelheit im Hotel sein mchten, lassen sie sich nicht lange bitten und legen mit "Hush" und "Black Night" (dazwischen gibt`s ein Basssolo von Roger Glover) zwei Stimmungskanonen nach, die es den Leuten quasi verbieten, es sich wieder in ihren Sthlen bequem zu machen. Und so endet ein beschaulicher Klassikabend, dann doch noch als rauschendes Rockfest.

Alles in allem war dies ein sehr schner Konzertabend. Im Vergleich zu den Metalevents, auf denen ich mich normalerweise rumtreibe, waren das Publikum und das frhe Ende zwar ein wenig ungewohnt, aber so blieb wenigstens vor der Heimreise noch gengend Zeit, um im "Alexander The Great", einer Rockkneipe in der Innenstadt, noch einen Absacker bei znftiger Metalmucke zu sich zu nehmen. Im Laufe des Abends sollte sich dort noch so mancher Konzertbesucher einfinden und man konnte noch etwas ber Deep Purple und andere Bands fachsimpeln.

Setlist: Deep Purple

  • Highway Star
  • Hard Lovin' Man
  • Maybe I'm A Leo
  • Strange Kind Of Woman
  • Rapture Of the Deep
  • Woman From Tokyo
  • Contact Lost
  • When A Blind Man Cries
  • The Well Dressed Guitar
  • Knocking at Your Back Door
  • Lazy
  • No One Came
  • Perfect Strangers
  • Hard Lovin' Man
  • Maybe I'm A Leo
  • Strange Kind Of Woman
  • Space Truckin'
  • Smoke on the Water
  • Hush
  • Black Night





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