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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BLACKFIELD, NORTH ATLANTIC OSCILLATION
Ort Frankfurt, Batschkapp
Datum 25.04.2011
Autor Jennifer Laux
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Die erfolgreiche Osternestssuche an diesem sonnigen Sonntag war abgeschlossen. Doch der schne Frhlingstag war noch nicht zu Ende, denn es stand noch der Hhepunkt des Tages an: Das BLACKFIELD-Konzert in der Batschkapp in Frankfurt, wo sich schon einige Leute auf dem Hof sammelten um endlich die heilige, aber nicht ausverkaufte Halle zu betreten. Das war auch gut so und wahrscheinlich der Grund, warum es dieses Mal nicht ganz so stressig mit der Parkplatzsuche verlief. Nach dem einer der Security-Mnner es doch tatschlich auf mein Knoppers in der Tasche abgesehen hatte, huschten wir dann bewaffnet mit Kamera, Zettel und Stift die Stufen hinauf Richtung Bhne.

North Atlantic Oscillation North Atlantic Oscillation

Pnktlich um 20.00 Uhr startete dann der Konzertabend und alle Blicke richteten sich auf die drei Jungs von NORTH ATLANTIC OSCILLATION. Die Band aus dem schottischen Edinburgh, die sich allesamt eher im unspektakulren Jeans-Shirt Outfit prsentierten, tauchte mit uns ab in die musikalische Welt des post-progressiven und elektronischen Rock. Das Trio verffentlichte ihr Debt Album "Enterhaken" im Jahre 2010. Sam Healy (Gesang, Gitarren, Keyboards), Ben Martin (Schlagzeug, Programmierung) und Chris Howard (Bass, Bass Synth, Gesang), brigens hoch angesehen von Steven Wilson, schickte die Menge durch schwelgerische Melodien und raffinierte elektronische Sounds in andere Sphren. Man konnte das frmlich spren, denn es gab Momente, da schien die Batsche fast stumm und die Fans irgendwie konzentriert und starr nach vorne blickend. Auch selten, oder gar betrend. Ein wenig Muse und Radiohead hier, bisschen No-Man dort und ziemlich experimentell, aber alles zusammen manchmal etwas zu viel auf einmal wenn man mich fragt. NOA lieferten eine 40-mintige Show mit mittelmigem Sound und eher zurckhaltender Bhnenschau. Da fehlte mir doch etwas das Zusammenspiel mit dem Publikum. Die Musiker zeigten wirkliches Potential, obwohl ich ab und an das Gefhl hatte, dass der Schlagzeuger nicht ganz tight war, doch waren sie mir etwas zu sehr auf ihre Instrumente fixiert. Trotzdem, ein passend ausgewhlter Support fr den Headliner, der auch gut gefeiert wurde.
Dann aber wurden die Fans in der 30-mintigen Umbaupause schon sehr nervs und fieberten dem Hauptakt entgegen. Gleich schon sollte das nun dritte Album von BLACKFIELD "Welcome To My DNA" prsentiert werden. Um 21.15 Uhr hatte das anstrengende Warten dann endlich ein Ende. Die Bhne verdunkelte sich, sanft einleitende Klnge fllten die Halle und lieen die Masse langsam einstimmen. Nach und nach fanden sich dann die Bandmitglieder an ihren Instrumenten ein, bis schlielich der einzigartige und beraus musikalisch talentierte Kreativkopf der ebenfalls erfolgreichen Prog-Band PORCUPINE TREE Steven Wilson seine Position auf der Bhnen einnahm. Direkt zu seiner Rechten der israelische Superstar und Friedensbotschafter Aviv Geffen, der mit ihm die Formation BLACKFIELD ins Leben gerufen hat. Aviv stach mit seinem, in roten Leuchtdioden gehllten Outfit direkt ins Auge. Wilson, gewohnt lssig und wie immer barfuss, suchte gleich zu Beginn den Kontakt zum Publikum, was sich umgehend bemerkbar machte: Die Energie schwappte unglaublich schnell ber und die Stimmung stieg in Null Komma Nichts von 0 auf 100. Es war unfassbar. Die Stimme Avivs, die mich stellenweise total an Placebo erinnerte, zog die Zuhrer in ihren Bann und bildete in Kombination mit Wilsons Stimme ein Ganzes, dass im perfekten Einklang miteinander berzeugte. Viele Songs der ersten Platte fanden ihren Platz auf der Setlist, wie zum Beispiel meine Faves "Blackfield" und "Pain". Auch sein Solostck "Glow", bei dem er sich selbst am Piano begleitete, frei von jeglicher Percussion, (Wilsons verlies derweil die Stage), vermittelte vollkommenen Gnsehautfaktor. Auffallend auch der Schlagzeuger der Crew - Tomer Z, der in seinem Spiel die Rhythmik mit dem gesamten Krper zu leben schien, bis in die kleinste Zelle. North Atlantic Oscillation Blackfield Allein sein Gesichtsausdruck erzhlte Bnde. Perfektionismus, wie er lebendiger nicht nach aussen getragen werden konnte. BLACKFIELD bildeten eine Einheit mit ihren Fans und lieen die Musik wie durch ihren Krper flieen. Bei "1,000 People" beispielsweise, sang die Meute intensiver und lauter als Wilson selbst. Ein wahrer Ohrenschmaus. Den Titel "Zigota" prie Steven als seinen Lieblingstitel der neuen Scheibe an. Die Vorstellung der einzelnen Bandmitglieder und die Umarmung zwischen Wilson und Geffen lste einen tsenden Applaus aus. Man sprte als Zuschauer regelrecht, welch Wrme und auch Ansehen untereinander herrschen muss. Bei "Hello" rckte sich Frontmann Steven mal selbst ins Rampenlicht und posierte beim Gitarrensolo vor einer Windmaschine und kommentierte mit "... like in the 80's on the top of the mountain". Als kleinen Gag zckte er dann noch einen Osterhasen im Ozzy-Style. Das schien allen wieder zu gefallen und hob die Stimmung. Wirklich sympathisch dieser Mr. Barfu. Basser Seffi Efrat besorgte noch schnell eine Kamera um auch aus der Sicht der Musiker die jubelnde Menge festzuhalten. Das schien ihm sichtlich zu imponieren. Passend zum Kult-Song "End Of The World" streifte sich Aviv Geffen das passende Shirt mit dem Aufdruck "Endzeit" ber, um das Ganze noch zu untermalen. Nach ihren vier Zugaben verabschiedete sich die Combo mehrfach verneigend und selbst applaudierend dann endgltig.
Ohne ein "aber" lsst sich behaupten, dass dies ein sehr erfllender und erfolgreicher Abend war. "Welcome To My DNA" und all das andere Geschaffene von Blackfield vereint den rockig markanten Charakter von Steven Wilson wunderbar mit der melancholisch-poppigen Seite von Aviv Geffen und macht deren Musik zu einem einzigartigen, unvergleichlichen und extrem mitreienden sphrischem Gemisch und Konzerte zu einem echten Erlebnis. Deshalb gab es auch trotz des Osterfestes an diesem Tag nicht ansatzweise den Grund auch nur daran zu denken, vielleicht die gefundenen Eier wieder auf der Bhne loszuwerden, ganz im Gegenteil. Negativ aufgestoen ist mir leider nur wie immer wieder die fotografenunfreundliche Location. Dadurch, dass es keinen Fotograben gab, musste man sich mit teurer Kamera durch die Menge pressen. Man erntete dazu viel Gesptt der Leute und wurde beschimpft. Musste ich leider hier schon mehrfach erfahren, was ich sehr schade finde. Ein Kompromiss wre doch wenigstens, fr die paar Songs ein Security im Schlepptau zu haben, der einem kurz minimalen Freiraum schafft, damit man fr einen guten Bericht auch gute Pics gewhrleisten kann.
Danke aber, fr diesen harmonisch-rockenden Oster-Abend, der fr mich den nchsten Gig in der Nhe zum Pflichttermin werden lsst. "We are a fucked up generation".

Setlist: Blackfield

  • Blood
  • Blackfield
  • Glass House
  • Go To Hell
  • Open Mind
  • Pain
  • DNA
  • Waving
  • Glow
  • Once
  • Hole in me
  • 1000 People
  • Miss U
  • Zigota
  • Epidemic
  • Oxygen
  • Where Is My Love?
  • Dissolving With the Night
  • Hello
  • End of the World
  • Cloudy Now

Fotos: Marco Klein/Jennifer Laux





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