Fates Warning gehören zu meinen absoluten Lieblingsbands! Leider habe ich nicht all zu oft die Möglichkeit die wahren Götter des progressiven Metals live zu erleben, denn die Musiker rund um Mastermind Jim Matheos touren in den letzten Jahren sehr selten. Auch das letzte reguläre Album erschien bereits 2004. Aus diesen Gründen muss man Gelegenheiten wie diese Mini-Tour beim Schopfe ergreifen.
Für lediglich vier, sehr kurzfristig angekündigte Auftritte besuchten die Amis den alten Kontinent. Drei davon in den Niederlanden, einen in Essen. Kollege Alex und ich waren uns einig: Samstags geht es nach Weert! Vor der Show hatten wir noch das Vergnügen, uns mit Jim Matheos zu unterhalten, doch mehr dazu an anderer Stelle. Der Club ist toll aufgemacht und die Mitarbeiter waren sehr freundlich, schnell kam man ins Gespräch. De Bosuil ist als lohnenswertes Ziel bereits fest auf meiner Live-Club-Landkarte markiert. Weiterhin machten wir die Bekanntschaft eines sympathischen, musikverrückten Pärchens aus London. Auf die Frage, warum sie extra nach Weert reisten, wo es doch in London mit Sicherheit genügend Konzerte gebe, brachten sie es auf den Punkt: "Because it's Fates Warning!". Ja, so ist es.
Doch bevor wir Fates Warning erleben durften, betraten erst einmal SUN CAGED die Bühne. Stilistisch passte die progressive Musik der fünf gut zu FW und was sofort ins Auge fiel war der überdimensionale, gigantische Bass. Muss so was sein? Ich behaupte: nein! Die Halle die maximal vielleicht 700 Leute fassen kann war bereits angenehm gefüllt. Vor der Bühne direkt war jedoch noch ausreichend Platz, man ließ etwas Distanz zur Band und blieb ein wenig skeptisch. Davon ließen sich Sun Caged nicht beirren und spielten sehr ambitioniert ihre Songs, darunter zwei Songs als Appetizer auf das bald erscheinende dritte Album. Applaus kam zögerlich, wohl als Resultat, dass die Musik trotz des bewiesenen, musikalischen Könnens etwas austauschbar wirkte, vereinzelte langwierige Passagen schwierig zu verdauen sind. Trotzdem ein guter Job.
Während der Umbaupause kämpften wir uns nach Vorne und konnten FATES WARNING direkt vom Bühnenrand aus verfolgen. Auf Crash-Barrier wurde verzichtet, mit Stage-Diver dürfte heute aber auch nicht zu rechnen sein. Jubel brach aus, als das Intro der "Disconnected"-Platte ertönte, die Musiker nahmen ihre Plätze ein. Zu den ersten Takten von "One" stürmte Ray Alder auf die Bühne und ich war bereits gefangen von der Musik.
Ray wirbelte hin und wirbelte her, Basser Joey Vera tat es ihm gleich, hinter dem Drumkit kreisten die Sticks von Bobby Jarzombek. Jim Matheos und Frank Aresti dagegen gewohnt zurückhaltend, ganz in der Musik versunken. Jim spielte immer wieder mit geschlossenen Augen, völlig konzentriert und entlockte der Gitarre mit beeindruckender, scheinbarer Mühelosigkeit Riff für Riff. FW luden zu einer Reise durch ihr Schaffenswerk und spielten so manchen meiner liebsten Songs. Das wundervolle "The Eleventh Hour" von dem Album "Parallels", begeistert von einem hundert stimmigen Chor mitgesungen, was Sänger Ray sichtlich gefiel, oder "Monument" vom 1994er "Inside Out". "Monument", beginnend mit einem prägnanten Basslauf, zeigte wieder die Qualität eines Joey Vera, der ohne Frage zu den besten Bassisten des Planeten gehört. Das Ende eines jeden Songs wurde mit tosendem Applaus quittiert. Hätte das Konzert fünf Stunden gedauert, es wäre wohl niemand von seinem Platz gewichen. Frank Aresti, der ruhende Pol auf der rechten Bühnenseite, war neben zahlreicher Soli auch für die zweite Stimme zuständig. Ebenfalls bei "Monument" konnte man diese gut hören und sein Geschick am Instrument stellte er nicht nur bei einen weiteren Klassiker von "Parallels", nämlich "Point Of View" unter Beweis. Als Leckerbissen wurde auch ein Part von "The Ivory Gate Of Dreams" vorgetragen: "Quietus". Doch den wahren Höhepunkt hatte sich die Band für die Zugabe aufgehoben: "Still Remains"! Den kompletten Song epischen Ausmaßes, das heißt 16 Minuten! Wahnsinn! Leider heißt Zugabe auch, dass das Ende erreicht ist. Ein weiteres FW Konzert, welches mit jeder Faser des Körpers aufgesogen wurde, ist vorbei. Glückliche Gesichter überall, applaudierende Hände, begleitet von Ausrufen der Begeisterung.
Und auch für Kritik muss Platz sein: es gab kein Merchandise von Fates Warning!! Und wie komme ich jetzt an mein Shirt? Nun gut, ich werde es verschmerzen. So machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause, ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen.
Zum Schluss ein Wort des Dankes an Tour-Manager Roger, welcher die Konzerte von Fates Warning ermöglicht hat: Danke.