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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing T&T METAL FESTIVAL
Ort Trier, Exil
Datum 01.03.2003
Autor Flo
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Ich komme grade von besagtem Konzert und hre meine frisch erworbene Robocop Kraus-Platte, das Review ist also quasi noch heiss und fettisch. Zumindest waren das die Gestalten, die gerade eben aus dem Ex-Haus in Trier herausgetaumelt sind, nachdem sie sich in der obligatorischen, bis zur Unertrglichkeit steigenden, Hitze ein unterm Strich ziemlich gutes Konzert geben durften. Besonders interessant fand ich in diesem Fall das Publikum. Neben den Hardcore/Metalcore-Leuten hatten sich nmlich richtig viele Metaller eingefunden, wirklich so richtig mit Lederhose und offener Matte. Sogar einer mit einem Desaster-Shirt war da, kaum zu glauben. Und das coolste dabei war, dass bei Bands wie Six Reasons To Kill oder Caliban vorne Mattenkreiseln und Hrnchenmeisterhandzeichenrecken angesagt war. Geschickt von der Veranstaltern das ganze als Metalfest zu verkaufen, erstens hatten sie so mehr Leute und die Mischung von Besuchern aus beiden musikalischen Lagern ist sowieso eine ziemlich positive Sache, zumal die musikalischen Differenzen zwischen dem was Metal und dem was Hardcore genannt wird in vielen Fllen sowieso immer geringer werden, teilweise sogar gen Null tendieren. Die angekndigten Schweizer Cataractkamen zwar krankheitsbedingt nicht, dafr aber Narziss, die mir persnlich um einiges besser gefallen haben als das bei Cataract der Fall gewesen wre. Aber als erste Band kamen um kurz nach 20 Uhr Cornelius auf die Bhne.
Musikalisch fielen die vier hier etwas aus dem Rahmen. Anstatt dem fr den Abend charakteristischen Metalcore-Sound gab's hier teils etwas noisigen, modernen Knppelmetal. Cornelius haben wirklich ihren eigenen Stil, das muss man ihnen lassen. Auch der Sound war, wie am Rest des Abends auch, vollkommen in Ordnung, technisch konnte besonders der Drummer mit saufixen Blastparts und Double Bass berzeugen. Was mich persnlich etwas gestrt hat ist der Gesang, der eher zu einer old-school-Hardcore-Band passen wrde. Auch die langsamen Songs zogen sich in meinen Augen teils etwas, die Knppelnummern kamen jedoch cool. Die Reaktionen des zu der Zeit noch nicht so zahlreich Publikums waren aber eher verhalten.
Danach kamen Narziss, die fr Cataract, die wegen einer Erkrankung des Sngers abgesagt hatten, kurzfristig eingesprungen sind. Fr mich war das sehr positiv, da mir das vor einiger Zeit auf Per Koro erschiene Album 'Die Hoffnung stirbt zuletzt' schon ziemlich gut gefallen hat. Jetzt haben Narziss aber einen neuen Snger und auch englische Texte. Gespielt wurden neben 'Hope dies last' und hnlichen Songs von der gleichnamigen, krzlich erschienene MCD, auch 'Gotteskrieger' oder 'Entstelltes Bild' von der letzten LP. Musikalisch gab es bei Narziss fettesten Metalmosh, allerdings mit Melodie und Emotion. Da liegen natrlich als Vergleich Poison The Well und Shai Hulud nah, was in diesem Fall aber einfach sehr passend ist. Besonders das leidenschaftliche Geschreie des Sngers ging wirklich tief und das gesamte Erscheinen der Band in Kombination mit erstklassigen Songs, technischem Knnen und ultrafettem Sound machte Narziss fr mich neben Mrser zur besten Band des Abends. Wirklich eine sehr intensive und geile Show, bucht diese Band, sehr euch diese Band an!
Als nchstes gaben die Koblenzer von Six Reasons To Kill ein paar Kostproben gepflegter Gitarrenmusik zum besten. Im Klartext: ultrabrutaler mid-tempo-Death Metal mit hammerharter Soundwand in absolut perversen Doppelvocals, allerdings groteils nur von einem Snger! Gespielt wurden Songs von der 'Kiss the demon', der Split mit Absidia und schon ein neues Lied, das bald auf einer Split mit Deadlock erscheinen soll. Irgendwie war wohl die ganze Band grippebefallen, wovon ich persnlich allerdings relativ wenig gemerkt habe. Meines Erachtens nach fahren Six Reasons To Kill in diesem Stil den Grossteil der etablierten Bands aus der Metalszene locker an die Wand, Bolt Thrower und Six Feet Under inbegriffen. Das mag zwar jetzt nach Arschkriecherei klingen, aber es ist einfach meine ehrlich Meinung. Die rocken live einfach so sauderb brutal in die Fresse, das ist echt HAMMER!
Dann waren Absidia aus Stuttgart dran. Die klingen wie eine Mischung aus At The Gates und spten Carcass. In Anbetracht der Tatsache dass ich der Meinung bin, dass alles von Carcass ab der 'Necroticism' Schrott ist und ich At The Gates ebenfalls noch nie was abgewinnen konnte ging es mir bei Absidia hnlich. Die Songs sind auf jeden Fall super gespielt, die Leute sind auch ziemlich abgegangen, aber mir gefllt die Musik einfach nicht, so dass ich mich von meiner Geschmacksverirrung getrieben lieber in Richtung Plattenstnde geschlagen habe.
Caliban sind ja im Moment superdick dabei. Die neue Platte 'Shadowhearts' geht ohne Ende, die Releaseparty dazu soll wohl angeblich eines der grten deutschen Hardcorekonzerte aller Zeiten gewesen sein und auch in der Presse liest man nur Gutes. Hm, ntzt mir aber nichts, denn in meinen Augen reien Caliban echt ziemlich wenig. Slayerriffhardcore mit einigen ganz netten Moshparts, allerdings nicht wirklich berragend, NuMetal-Einschlag im Gesang, alles irgendwie weder neu noch besonders gut, und mir persnlich live eigentlich eher langweilig. Hab schon bessere Metalbands gesehen. Allerdings muss man hier wohl wieder auf Geschmacksverirrung schlieen, denn von der Publikumsresonanz waren Caliban die Kings des Abend, dicker Moshpit, austickende Leute und so weiter. Naja, wem's gefllt...
Mrser, Mrser, Mrser, Mrser, geil, endlich seh ich die mal. Diesmal leider nur mit zwei Sngern, aber dafr mit den blichen zwei Bssen und zwei Gitarren, und Schlagzeug halt. Eigentlich hatte ich ja Bedenken, dass mit so vielen Instrumenten nur Matsch kommt, allerdings wurden diese schon nach dem ersten Songs, dem Opener des 'Two hours to doom'-Albums, komplett zerstreut. Tight, fett, ultrabrutal, bse sind echt noch Untertreibungen. Gespielt wurden Songs von allen Vs, incl. einigen Kram von besagter erster Platte, die ich persnlich am besten finde. Bei Songs wie 'Doom' war echt nichts mehr auszuhalten, ich hab allen Ernstes noch nie etwas so pervers BRUTALES erlebt!!! Zwei Gitarren und zwei Bsse schrubben ein absolut abartig apokalyptisches Mrderriff, darunter ballert die Doublebass und ber allem steht des nahezu unmenschliche Gerhre des Sngers. Allerdings kamen auch die Sachen von '10.000 Bad guys dead' und 'Scum' super. Der Drummer war ein absolutes Tier, tight ohne Ende, superfett, der Kollege hat soweit ich das gesehen haben sogar einen Beater von der Doppelfussmaschine durchgeknppelt, und die Dinger sind nun wirklich zh! Zwar lagen zwischen den Songs immer recht lange Stimm-, Sauf- und Kiffpausen, allerdings konnte man das wegen dem wirklich guten Sound und der absolut asozial geilen Performance der sieben Bremer ohne Probleme verkraften. Unterm Strich in meinen Augen ein wirklich gelungener Konzertabend, und ich schtze mal das sahen die anderen Besucher auch so.

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