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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing CALIBAN, ALL THAT REMAINS, SOILWORK, NEAERA & BLEED FROM WITHIN
Ort Kln, Essigfabrik
Datum 20.12.2010
Autor David Lang
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2010 war ein gutes Jahr fr Freunde hrterer Tour-Pakete. So sollte es dann mit der Caliban / All That Remains Tour auch ein passendes Ende finden. Dem miesen Wetter zum Trotz machte ich mich auf den Weg nach Kln, an einem Montagabend wohl gemerkt!
Bleed From Within Neaera Als ich, Wetter und pickepackevollem Terminkalender sei Dank, erst gegen halb Acht in der Essigfabrik eintrudele sind Neaera mit ihrem Programm schon fast durch (Bleed From Within, die davor gespielt haben, waren laut Aussage eines Bekannten verzichtbar). Viel krasser wiegt allerdings der heftige Wechsel der Temperaturen vor und in der Halle. Das Geschft an der Garderobe boomt und mit einem fachmnnischen Blick durch die recht volle Fabrik, kann das Urteil im Grunde nur lauten: Wir fahren wieder nach Hause. Zum Glck nehme ich von dem Vorhaben schnell wieder Abstand, denn was noch folgen soll, war den Weg dann doch zumindest teilweise wert. Neaera knppeln sich noch immer durch ihr Extrem-Metal-Set, haben aber gegen einen arg matschigen Sound anzukmpfen. Den Fans scheint das nichts auszumachen, sie feiern die Mnsteraner Sympathiebolzen ab, wie geschnitten Brot. Fronter Benny hat die Massen gut im Griff und das abschlieende "Spearheading The Spawn" zaubert mir dann auch das erste Lcheln auf die Lippen. In der Umbaupause sorgen viele, liebe Bekannte auch weiterhin dafr, dass ich mich wohl fhle und dann geht es auch schon musikalisch weiter.
Soilwork stehen auf dem Plan und die Freude ist gro. Ich hatte die Schweden zuletzt 2001 auf dem Wacken Open Air gesehen und war begeistert. Heute abend sah das zunchst leider anders aus. Auch Soilwork haben nmlich erst einmal mit einem formidablen Soundbrei zu kmpfen. Viel schlimmer ist allerdings der Klargesang von Snger Bjrn "Speed" Strid. Einige Hardcorefans neben mir ignorieren die verhunzten Tne konsequent und strafen meine gehssigen Kommentare mit abflligen Blicken. Sorry, aber wenn man es nicht wie auf Platte schafft, sollte man gewisse Songs doch bitte auslassen. Nach gut 4 Songs hatte sich Sir Speed dann glcklicherweise eingegroovt und der Rest des Gigs wusste dann auch zu gefallen. "Bastard Chain" vom Quasi-Durchbruchsalbum "A Predator's Portrait" stellte (leider) einen der wenigen lteren Hhepunkte dar, ansonsten wurde das Hauptaugenmerk auf Songs neueren Datums gelegt, mit Schwerpunkt auf dem grandiosen "The Panic Broadcast". "Stabbing The Drama" beendete schlielich eine Show, die sich glcklicherweise steigern konnte. Soilwork All That Remains Interessant fand ich die Entwicklung im Pit; weg vom Kung Fu-Selbstdarstellungskack, hin zu Stagediving-Selbstdarstellungskack. Unglaublich viele Besucher machten sich einen Spa daraus, ewig lange auf der Bhne zu verharren, statt runter in die Menge zu springen. Scheinbar wollen gerade viele jngere Leute auch mal im Rampenlicht stehen, aber man kann es auch bertreiben. Gerade der junge Mann, der bevorzugt via Rckwrtssalto in die Menge hpfte... das sah beim ersten mal beeindruckend aus, das dritte mal wollte es aber bereits niemand mehr sehen, auch Philip Labonte nicht. Der All That Remains Fronter schubste Don Athletico kurzerhand (und sehr zu meiner Belustigung) von der Bhne.
berhaupt war die Show der Amis mein Hhepunkt. Mit ihrem neuen, formidablen Album "For We Are Many" im Gepck konnte ja auch praktisch nichts schief gehen. Die Band wirkt routiniert, aber keinesfalls gelangweilt (wie es bei Soilwork streckenweise den Anschein machte) und besonders die Freunde melodischer Songs kommen auf ihre Kosten. Fr meinen Geschmack wird zwar ein bisschen zu viel klar gesungen, aber der durchdrehenden Masse gefllt es. Der Saltomann war brigens nicht der einzige Zwischenfall auf der Bhne. Ein junges Mdel, welches offensichtlich stark alkoholisiert gewesen ist, erklomm die Bretter und lie sich seeeeehr viel Zeit sie wieder zu verlassen. Daran konnten auch die zwei Herren von der Security nichts ndern, die bei ATR permanent die Bhne bewachten (was nach Soilwork auch nicht so verwunderlich war). Als das Raunen in der Menge immer lauter und die Situation (die Band wollte gerne weiter machen) langsam nervig wurde, schaffte sie es schlielich doch.
Der Sound war bei den Amis noch mal einen Ticken besser als bei Soilwork und mit einem Frontmann wie Labonte hat man ohnehin so gut wie gewonnen. Der Jubel beim Headliner wird zu guter letzt noch mal ein wenig lauter als schon bei All That Remains. Caliban haben sich, wie ihre Freunde von Heaven Shall Burn in den letzten Jahren durch konstantes Touren, damit verbundene gute Liveshows und regelmiges Verffentlichen von Alben eine stetig wachsende Fanschar erspielt und sind mittlerweile zurecht dort, wo sie stehen. Die, in meinen Ohren beste Entwicklung hat hierbei Fronter Andreas Drner hinter sich. Nervte mich sein hysterisches Gequke lange Zeit, so wei der schmchtige Snger mittlerweile mit einer dunkleren und monstrs druckvollen Stimme zu begeistern. Das Gekeife findet man zwar nach wie vor, doch strt es im Wechselspiel mit der erwhnten Rhre kaum noch. Die Band wirkt auf der Bhne unglaublich sicher und hat die Menge von Sekunde 1 an im Sack. Leider bin ich mit dem Material der Ruhrpttler nicht durch die Bank weg vertraut, doch es scheint mir souvern dargeboten. Mir fehlen hier und da nur zwingendere Arrangements. Mit Spielfreude und fanfreundlichen Aktionen, wie dem Singen lassen eines Fans ("24 Years" astrein prsentiert) ist man heute Abend aber definitiv eine Bank. Ganz schauen wir uns die Show zwar nicht an (am nchsten Morgen ruft die Arbeit), doch wir verlassen die Essigfabrik mit einem guten Gefhl.

Fotos: Sarah Fleischer von The Pit.de





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