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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PAUL DIANNO, PERZONAL WAR, THE RUBBERDUCKS OF DOOM
Ort Hhr-Grenzhausen, Tenne
Datum 11.11.2010
Autor Alexander Meyer & Thorsten Dietrich
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Alaaf! Helau! Die Karnevalsaison geht wieder los und alle Nrrinnen und Narren pilgern zu den Fastnachtshochburgen, um den Beginn dieses freudigen Ereignisses zu feiern. Ich finde diesen alljhrlichen Zirkus einfach nur zum Kotzen und begebe mich lieber ins nahgelegene Hhr-Grenzhausen, um zu sehen und zu hren, ob Paul DiAnno es wirklich noch drauf hat. Nachdem er sich lange weigerte alte Maiden-Songs zu spielen, ist er anlsslich des 30-jhrigen Jubilums des Jungfrauendebts sogar eigens auf Tour, um die ersten beiden Alben seiner alten Band nochmals live zu abfeiern. Wahrscheinlich hat er mittlerweile gemerkt, dass die Leute nicht wegen seiner Soloalben oder gar seiner legendren Sanftmut zu seinen Konzerten kommen, sondern um die alten Klassiker mit der Originalstimme serviert zu bekommen. Genau deshalb ist die Tenne an diesem Abend ausverkauft, was bei der bescheidenen Gre dieser Musikkneipe jedoch nicht wirklich viel bedeutet.

RUBBERDUCKS OF DOOM RUBBERDUCKS OF DOOM

Um Punkt acht ist Einlass und schnell wird deutlich, dass die Rahmenbedingungen an diesem Abend alles andere als optimal sind. Die Tenne ist recht verwinkelt und die ca. 30 cm hohe Bhne ist in einer Ecke aufgebaut, die nicht von berall einsehbar ist. Dazu kommt, dass es sich um einen Raucherclub handelt und die Luft schon nach kurzer Zeit unertrglich wird. Als die RUBBERDUCKS OF DOOM schlielich loslegen, bin ich schon vllig genervt. Der Sound ist beschissen, ich sehe nix, es ist unertrglich hei und stickig. Die Gummienten geben sich zwar sichtlich Mhe, aber ihr simpeler Heavyrock kann mich nicht lange in dieser Rucherbude halten. Die Klnge von Metallicas "The Four Horsemen" lassen zwar kurz aufhorchen, aber danach heit es nichts wie raus an die frische Luft. Meinen Kollegen Thorsten und Torsten geht es genauso, sodass man sich bei ner Cola in der Spielhalle nebenan zusammensetzt und ein wenig plaudert.

Pnktlich zu PERZONAL WAR sind wir wieder in der Tenne. Der Laden ist mittlerweile brechend voll und gleicht einer berfllten Sauna. Der meiste Platz ist witzigerweise direkt vor der Bhne. Also mache ich aus der Not eine Tugend und stelle mich ganz nach vorn. PERZONAL WAR wissen mit ihrer modernen Thrash Mucke zu gefallen. Snger/Gitarrist Matthias klingt ein wenig nach James Hetfield. Bassist Bjrn ist stndig in Bewegung und bangt, was das Zeug hlt. Leider zeigt das Publikum kaum Reaktionen, was den Drummer sichtlich enttuscht und zu der ein oder anderen Unmutsuerung hinreit, was ich als menschlich aber auch ziemlich unprofessionell empfinde. Was erwartet ihr Jungs? Ihr wart nicht angekndigt, es ist elf Uhr, die Leute sind nunmal wegen Paul DiAnno gekommen und mssen zum Groteil am nchsten Tag frh aufstehen, um zu arbeiten. Dass man da keinen Bock auf zwei lokale Vorbands hat, ist doch verstndlich. Mir persnlich hat's aber trotzdem gefallen.

PERZONAL WAR PERZONAL WAR

Als um halb zwlf zwar die Begleitband on stage ist PAUL DIANNO aber immer noch auf sich warten lsst, werden erste "Paule! Paule!"-Rufe laut. Als Paule sich dann endlich seinen Weg durch die Menge bahnt, zeigt er sich gleich von seiner Schokoladenseite: Als der Begleiter eines Rollstuhlfahrers ihm im Weg steht, beschimpft er diesen auf's belste und wird sogar handgreiflich. Was fr ein Arschloch! (Alex Meyer)
Da Paul ein steifes Bein hat, muss er von einem Hnen zur Bhne begleitet werden, dieser erklrt uns spter, dass Paule vor dem Gig eine Flasche Jack Daniels soff, mit einem Kerl, der spter erst kotzend und dann schlafend vor der Tr auf einer Treppe sitzt. Den Rollifahrer und die Situation hat er wie ich denke besoffen nicht verstanden, was mich an seine Pbeleien in Koblenz Mitte der 90er auf Tour mit Metal Church und Vicious Rumors erinnerte. Die Pbeleien auf der Bhne und seine Grlerei waren ebenfalls zum Kotzen, schade dass die Metalfans so gengsam sind und sich zu viel gefallen lassen, nicht nur von Paule. Dass viele so dachten wie ich, habe ich in den Pausen zum Luftschnappen erfahren. Fazit: Nie wieder Paul DiAnno!(Thorsten Dietrich)

Als das Intro "Ides Of March" erklingt, ist dieser traurige Vorfall jedoch schnell vergessen (Aber nur bei dir, Alex. - Anm. Thorsten D.) und bei "Wrathchild" fhle ich mich in meine Jugend zurckversetzt und brlle den Refrain lauthals mit. Sptestens bei "Prowler" kocht dann der Saal. berraschenderweise gelingt es DiAnno gerade die ruhigen Nummern wie "Strange World" und "Remember Tomorrow" wirklich gut zu singen. Im Laufe des Sets gert er dann teilweise etwas auer Atem und versucht einige Passagen vom Publikum singen zu lassen. Als dies ihm nicht laut genug ist, beschimpft er die Leute als "Schwuchteln". Was fr ein Arschloch! Zwischendurch lsst er seine anscheinend permanente Frustation auch schonmal an seinem Roadie aus, der ihm abwechselnd Zigaretten oder Whisky reichen muss. PAUL DIANNO PAUL DIANNO Was fr ein... ihr wisst schon! Aber trotz all dem hat der Typ einfach einen groen Unterhaltungswert. Mit seiner Glatze, den Tattoos und Piercings sieht er wie ein tollwtiger Bullterrier aus und dies gepaart mit seiner aggressiver Mimik und Gestik sowie seinen derben Sprchen entbehrt nicht jedweder Komik. Seine Begleitband holt die Sympathiepunkte, die Paule so leichtfertig verspielt, zum Groteil wieder rein. Die Gitarristen, von denen der eine vorhin noch bei Perzonal War auf der Bhne stand, machen ihr Sache gut. Der sympathische Bassist und der Showdrummer hinter der Schiebude sind richtig klasse. Man merkt zwar, dass man noch nicht wirklich eingespielt ist, den ein oder anderen Timingfehler verzeiht man bei Perlen wie "Killers" oder "Phantom Of The Opera" allerdings gerne. Zum Schluss werden noch "Iron Maiden" und "Running Free" rausgehauen, bevor es in einen verkrzten Zugabenteil geht, bei dem "Sanctuary", das auf der Setlist steht, leider Pauls mangelnder Kondition oder Motivation zum Opfer fllt. Als dieser die Bhne verlsst und sich ihm ein aufgebrachter Fan mit den Worten "Do your fuckin job and get back on stage!" in den Weg stellt, befrchte ich schon das Schlimmste. Aber der alte Paule scheint einfach zu fertig zu sein, um seinem Gegenber den Kopf abzureien. Was fr eine arme Sau, eigentlich!

Setlist: PAUL DI ANNO

  • Ides Of March
  • Wrathchild
  • Prowler
  • Marshal Lokjaw
  • Strange World
  • The Beast Arises
  • Children Of Madness
  • Genghis Khan
  • Remember Tomorrow
  • Faith Healer
  • A Song For You
  • Charlotte The Harlot
  • Killers
  • Phantom Of The Opera
  • Iron Maiden
  • Running Free
  • Transylvania
  • Blitzkrieg Bop

Tja, was fr ein Fazit zieht man nach einem solchen Abend? Hat es sich gelohnt nach nur vier Stunden Schlaf auf die Arbeit zu fahren und den Nikotingestank selbst nach einer ausgiebigen Dusche nicht aus Haut und Haaren zu bekommen? Ja, hat es! Denn hat einfach Spa gemacht zu den alten Maidem-Kamellen nochmal so richtig steil zu gehen. Okay, der Nacken schmerzt und die Stimme ist heiser, aber so ist das nunmal im Alter. Davon kann der alte Paule sicher auch ein Lied singen, zumal er ber die Jahre massiven Raubbau mit Krper und Geist betrieben haben muss. Dem Tenne Team wnsche ich, dass sie ihre urige Musikkneipe trotz rechtlicher Schwierigkeiten noch lange weiter betreiben drfen. Wer dazu beitragen mchte, kann dies hier tun: www.tenne-musikkneipe.de.





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