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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing CIRCLE PIT FESTIVAL
Ort Heimersheim (Bad Neuenahr), Mehrzweckhalle
Datum 23.10.2010
Autor David Lang
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In einem Verein zu sein und gleichzeitig einen halbwegs objektiven Bericht ber das vereinseigene Festival zu schreiben ist schon eine Gratwanderung, doch dank des durchweg positiven Feedbacks smtlicher Besucher und Musiker kann ich mir wohl erlauben, das ein oder andere Loblied in meiner Nachlese zu singen. Mit dem Herbst halten auch die eintgigen Hallenfestivals wieder Einzug in deutsche Grostdte. Wohnt man jedoch ein gutes Stck von der nchsten Grostadt weg und ist ohnehin von der kulturellen Lage im Heimatort gelangweilt, hat man nicht viele Mglichkeiten.

Statt aber nun rum zu jammern, haben sich einige Freunde aus der Grafschaft, nahe Bad Neuenahr-Ahrweiler vor 2 Jahren zusammen getan und das "Circle Pit Festival" aus dem Boden gestampft. Ist man 2008 mit (den leider verblichenen) Misery Speaks als Headliner an den Start gegangen, konnte man 2009 bereits u.a. mit Deadlock und Neaera in den oberen Rngen punkten. Wie sollte man das nun toppen. Im Gesprch waren einige groe Namen und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so gewirkt haben mag, konnte man auch in diesem Jahr wieder etliche Fans hrterer Klnge nach Heimersheim locken. Letztlich waren es sogar wesentlich mehr als in den Jahren zuvor.

Sober Truth

Sober Truth

Doch der Reihe nach. Schon ber 100 zahlende Gste finden sich in der liebevoll zurecht gemachten Mehrzweckhalle gegen 15:30 Uhr ein, als Sober Truth aus Bonn in ihren Set einsteigen. Tanzlaune mag noch keine aufkommen, doch das Quartett zieht davon unbeeindruckt sein Programm durch. Heute muss man zwar auf Burlesque-Tnzerinnen verzichten, doch der extrem tight gespielte, groovige Thrash der Sober Boyz htte auch in seiner reinen Form etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

We Are Wolf

We Are Wolf

Darber knnen sich die folgenden We Are Wolf nur bedingt beschweren, lassen sich bei ihnen doch wenigstens ein paar Fans weiter vor die Bhne locken. Snger Ren motiviert den Pulk mehr oder minder erfolgreich das Tanzbein zu schwingen und sogar der erste, kleine Circle Pit geht auf das Konto der Bonner. Musikalisch war das Metal-/ Deathcore Gemisch allenfalls in Ordnung. Hat man so halt alles schon 1000 mal gehrt.

Will man sich auf dem Circle Pit Festival ein wenig von innen her erfrischen, darf man sich ber sehr moderate Preise freuen. 0,33 Liter Bier, Cola, Wasser und Limo fr 1,50 Euro und Schnpse fr 2 Euro sind ein beraus fairer Deal; bedenkt man dann noch die 2 zweistndigen Happy Hours, in denen alle Getrnke 50 Cent gnstiger zu haben waren, findet selbst der Geizigste keinen Grund zu Meckern.

Infected

Infected

Die lokalen Helden von Infected treten als drittes an und zeigen sich standesgem als wei uniformierte Einheit. Lediglich Snger Niko Kaden trgt schwarz. Die Fanbase feiert den modernen, melodischen Death Metal des Quintetts und frisst dem Fronter aus der Hand. Der sollte allerdings besser beim Gebrll bleiben, denn der Versuch eine Semiballade in ihr Set einzubauen scheiterte schon im Ansatz an Nikos begrenzten Mglichkeiten am Mikro. Da konnte dann auch der schicke Mikrostnder nicht mehr von ablenken. Im Ganzen kann man den Gig (mit Democrazed Drummer Kevin als Vertretung) aber durchaus als gelungen bezeichnen. Nette Geste der Band: Die erste eigene CD wurde am Merchstand verschenkt. So etwas steigert natrlich die Chancen gehrt zu werden enorm. Gute Sache!

Used to Remind

Used To Remind

Nach einem geilen, aber viel zu langen Intro starten Used To Remind in ihr energiegeladenes Set. Wenn das Gehopse und Rumgerenne auf der relativ groen Bhne teilweise auch recht unkoordiniert wirkte, machte es einfach nur Spa dem sympathischen Haufen zuzusehen. Leider zndete das poppige Gemoshe nicht so recht im Publikum und so gab es auf der Bhne letztlich mehr Bewegung als davor. Die Meckenheimer, die sich ihren Platz im Billing beim diesjhrigen Battle Of The Pits hart erkmpft hatten, sprhten den Umstnden zu trotz jedoch nur so vor Spielfreude.

Stage Disaster

Stage Disaster

"Deutschlands relevanteste Hardcore-Band" (Info des Gitarristen) aus Andernach ballert sofort grade aus drauf los, braucht allerdings auch einige Minuten, um das Publikum zu berzeugen. Die Band, die sich im Underground durch ein Album und diverse Splits schon einen gewissen Status erspielt hat, scheint im Ahrtal einen noch eher schweren Stand zu haben. Unbeeindruckt vom zunchst eher zurckhaltenden Mob ziehen die 5 Jungs ihr Programm ohne Kompromisse durch.

Hatedrive

Hatedrive

Auf den darauf folgenden Gig habe ich persnlich am meisten gefreut. Ein halbes Jahr fieberte ich der ersten Hatedrive-Show seit ber einem Jahr entgegen. Mit Lars Schmidt (Ephemeral Gods) haben sich meine ehemaligen Bandkollegen einen mehr als wrdigen Ersatz ins Boot geholt. Der 21-jhrige Remagener ist seit gut einem viertel Jahr der neue Fronter der Death-Thrasher und hat vor seinem ersten Auftritt ein wenig Muffensausen. Vllig unberechtigt wie sich heraus stellen sollt. Nach einem unglaublich fetten Intro sprintet der sympathische Blondschopf auf die Bhne und wird vom Publikum empfangen, als wre er schon immer dabei gewesen. Die Jungs (und auch ich) knnen kaum glauben, wie euphorisch sie begrt werden. Zum ersten mal an diesem Samstag ist vor der Bhne richtig was los. Gitarrist Bernd ist zwar sichtlich genervt von seinem kurzerhand verreckten Gitarrenkabel, dass ihm zwischenzeitlich die Klampfe versagen lsst, doch abgesehen von diesem Manko darf sich die Band ber einen Triumphzug sondergleichen freuen. Die neue Generation Metalheads hat die 5 offensichtlich ins Herz geschlossen und feiert sie ab, als sei sie eine lebende Legende. Ein feiner Zug war es auch, mich als ihren "Ex" fr einen Gastauftritt auf die Bhne zu holen. Herrlich war's, und mein anschlieender Sprung in die Menge rundete mein Highlight perfekt ab. Auch bei den Hassfahrern gab es was fr umme. Einige rare Promo CDs mit 3 neuen, noch ungemasterten Stcken konnte man hier abgreifen. Mein Loblied sei mir an dieser Stelle verziehen, aber neben meiner persnlichen Beziehung zur Band, war der Auftritt einfach vorbildlich.

Cocoon

Cocoon

My Revelations Kollege Dejan S. ist ebenfalls vor Ort, allerdings weniger (bis gar nicht) in seiner Funktion als Schreiberling, denn als Gitarrist der Metalcoreler von Cocoon. Die Westerwlder haben nach der Vorlage der lokalen Knige erfreulicherweise wenig Probleme weitere Krper zum Zappeln zu bringen. Die komplette Show wirkt sehr souvern und hat weitaus mehr als regionales Format. Lediglich der ein oder andere berhit drfte den bunten Buben zum nchsten Schritt fehlen.

Bloodwork

Bloodwork

Augenzeugen zufolge sollen die Paderborner Thrasher von Bloodwork ebenfalls die Htte gerockt und die Massen begeistert haben. Leider war ich zu diesem Zeitpunkt im Auftrag von Circle Pit-TV unterwegs. War bestimmt spitze... sorry, Jungs!

Six Reasons to Kill

Six Reasons To Kill

Six Reasons To Kill aus Koblenz ballern anschlieend mindestens genau so souvern ihren Metalcore in den Pulk. Was diesem Stil halt mittlerweile abgeht, ist die Frische, da machen auch SRTK leider keine Ausnahme. Die groen berraschungen oder zwingenden Hits sind leider Mangelware. Man muss den "Kowelenzern" aber zu Gute halten, dass sie uerst energisch und motiviert zu Werke gehen. Wenn das Songwriting dann noch zwingender wird, warum nicht?!

Final Prayer

Final Prayer

Die grte berraschung stellen fr mich unmittelbar darauf Final Prayer dar. Mit einem unglaublich geilen und druckvollen Sound gesegnet ballern die Hauptstdter Hardcore de luxe in die Mehrzweckhalle. Ich bin kein groer Fan dieses Stils, doch diese Band hat den Bogen einfach raus. Mit simplen, aber umso effektiveren Moshpitgranaten und sympathischen, weil intelligenten Ansagen punkten die Berliner nicht nur bei mir. Die halbe Halle nickt, fast schon gezwungenermaen im Takt. Weniger metallisch als Hatebreed, aber auch abwechslungsreicher und mitreiender als 95% der Konkurrenz. Besser kann man Hardcore in seiner reinen Form wohl nicht spielen. Geil auch das Bandmerch in Anlehnung an ein bekanntes Darkthrone Layout.

WBTBWB

We Butter The Bread With Butter

Die eigentlichen Headliner We Butter The Bread With Butter mobilisieren dann noch einmal den Groteil der Anwesenden zum wilden Geschubse und verwandeln die Location kurzerhand in eine Schwitzhtte. Meinen Geschmack treffen die Bbchen zwar nicht, aber posen knnen sie schon wie die Groen. Vieles mag hier einstudiert wirken und auch ber Kinderlieder im Deathcore-Gewand kann ich hchstens kurz schmunzeln, aber was die, ebenfalls aus Berlin angereisten Jungspunde an Professionalitt ausstrahlen, Junge, Junge. Crazy D Nasty Selbst der Mann am Mikro gibt von Sekunde 1 an alles, dabei war dieser Auftritt gleichzeitig Premiere und "Aufnahme-Test" fr die Band in einem. Leider war der Sound mittlerweile nur noch laut, so dass man seine Ohren in den ersten Reihen durchaus in Gefahr gebracht hat. Soweit ich das beurteilen kann, haben die Jungs das was sie gemacht haben, gut gemacht. Ein Fan werde ich allerdings wohl nie.

Crazy D Nasty

Pnktlich zur letzten "Happy Hour" spielen, quasi als Rausschmeier die Belgier von Crazy D Nasty. Schndlicherweise interessiert das nur noch eine handvoll Leute in Heimersheim. Die gut 90% der Leute, die nach WBTBWB schlagartig die Halle verlassen, verpassen dafr eine Show, die so unglaublich cheesy und lustig, dabei aber auch authentisch und unterhaltsam wie kaum eine andere Band im aktuellen Musik-Zirkus daherkommt. Die Band, die uns letztes Jahr auf dem Fun & Crust (damals noch unter dem, wie ich finde passenderen Namen Steel Seana) bereits begeistern konnte, sprht nur so vor Spielfreude und rockt die verbliebenen Musik-Fans mit einer Mischung aus Klassiker-Covern und eigenem ebenfalls arg partytauglichem Material. Die meisten Reaktionen ernten aber um diese Uhrzeit natrlich Guns 'n' Roses' "Paradise City" und Motrheads "Ace Of Spades", das als Zugabe sogar noch mal unter Mithilfe einiger Fans gespielt wird. Crazy D Nasty waren ein vorzglicher Abschluss eines sehr zufrieden stellenden Festivals. In dieser Form sollte einer weitern Auflage 2011 nichts mehr im Wege stehen.





Sober Truth We Are Wolf Infected Used to Remind Used to Remind Stage Disaster Stage Disaster Hatedrive Hatedrive Cocoon Bloodwork Bloodwork Six Reasons to Kill Final Prayer Final Prayer WBTBWB



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