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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PROGPOWER EUROPE 2010
Ort JC Sjiwa / Baarlo (NL)
Datum 02.10.2010
Autor Torsten Butz & Alexander Meyer
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Seit 1999 ist das niederlndische rtchen Baarlo Treffpunkt fr Liebhaber progressiven Metals. Die kleine aber feine Halle fasst schtzungsweise 500 Leute, sodass das Progpower sich alleine durch seine berschaubare Gre von anderen Festivals unterscheidet. PROGHMA C PROGHMA C Dementsprechend ist die Atmosphre sehr relaxt und familir, also ein Event organisiert von Fans fr Fans. Das macht sich auch der Bandauswahl diesen Jahres bemerkbar, die weniger durch groe Namen, denn durch hohe Qualitt besticht. berstrahlt wird alles von den gttlichen Shadow Gallery, die als Headliner fr den zweiten von drei Festivaltagen verpflichtet werden konnten. Also machen wir uns am Morgen des 2. Oktober auf in Richtung Holland, um vor dem Konzert noch ein Interview mit Carl Cadden-James von SG zu fhren. Der gute Carl hat soviel Interessantes zu berichten (siehe Interview an anderer Stelle), dass wir leider den Opening Act HAKEN verpassen. Augenzeugen berichten von einer sehr guten Band, was sich spter beim Hren ihrer CD durchaus besttigen wird. (Alex)

Also fngt der Konzerttag fr uns erst mit PROGHMA C aus Polen an. Auf CD konnte deren morbide/beklemmende Mucke mich noch begeistern, aber live sieht die Sache leider ganz anders aus. Die jungen Polen stehen mehr oder weniger passiv auf der Bhne, ohne auch nur die geringsten Anstalten zu machen, mit dem Publikum zu kommunizieren. Bei Tool mag das ja funktionieren, weil die Musik fr sich spricht, bei Proghma C kommt auf diese Weise aber schnell Langeweile auf. Der krasse Wechsel zwischen ruhigen und aggressiven Passagen, der die Mucke der Gdansker auszeichnet, wirkt heute Abend eher verstrend und nervig. XERATH XERATH Vor der Bhne tummeln sich eigentlich nur Fotografen, weiter hinten lichten sich im Laufe des Gigs die Reihen immer mehr. Zwar wird die Band mit Hflichkeitsapplaus bedacht, wirklich berzeugen knnen sie leider zu keinem Zeitpunkt. Allerdings sollte man bedenken, dass die Vier noch sehr jung sind und wahrscheinlich noch nicht allzu viel Bhnenerfahrung sammeln konnten. Der heutige Tag ist sicher eine wichtige Erfahrung fr sie. (Alex)

"Wir sind hlich, beien aber nicht!". Das ist doch direkt zu Beginn eine nette Ansage der Englnder von XERATH. Wie auch bei der vorigen Band, war mir die Verbindung zum progressiven Metal nicht gleich ersichtlich. Da progressiv nicht gleich progressiv ist, mu man hier genau hinhren, was mir bei Xerath wirklich schwer fllt. Die Englnder bezeichnen ihren Musikstil unter anderem als "Filmscore Metal", wobei der Schwerpunkt wohl bei "Core" liegt und diese Richtung schmeckt mir gar nicht. Die instrumentalen Passagen bestechen und hren sich gut an, doch beim Gesang wird meiner Meinung nach viel Potential verschossen. Auf der Bhne zumindest lsst die Band nichts anbrennen und gerade der Hne von Snger fhlte sich sichtlich wohl und schmetterte seinen Text hochmotiviert in die Runde. Wie schon bei der Band zuvor, kommt dieser musikalische Stil nicht so gut an und die Halle ist schnell sehr berschaubar. (Torsten)

DARKWATER DARKWATER

Vor drei Jahren erhielt ich eine Promo-CD von den mir unbekannten Schweden DARKWATER. Ich war sogleich begeistert von der tollen Musik, doch auf ein Konzert mute ich bis heute warten. Kurz vor Verffentlichung ihres zweiten Longplayers treten sie endlich in einem in Reichweite liegenden Club auf und so eine Gelegenheit darf nicht ungenutzt bleiben. Die fnf Musiker wirkten zu Beginn ein wenig nervs, doch man mu sich vor Augen halten da sie noch nicht allzuviel Bhnenerfahrung sammeln konnten, was sicherlich nicht am Alter der Musiker liegt, sondern eher an den wenigen Auftritten. Gitarrist Markus steht stocksteif an seinem Platz und verzieht keine Miene. Snger und Gitarrist Henrik bleibt stets in Nhe des Mikros, berwindet zgerlich seine anfngliche Unsicherheit. Der erste Song "All Eyes On Me" dauert fast neun Minuten, whrend denen man vom Publikum kaum Reaktionen zu sehen bekommt. Dies blieb den Musikern gewiss auch nicht verborgen, doch als das Stck schlielich endete brach lauter Jubel aus und tosender Applaus ertnte, was wiederum fr freudige Gesichter bei Darkwater sorgte. Ich war wohl nicht der einzige Darkwater-Fan an diesem Tag. Das Eis war gebrochen, die Schweden spielten auf und brachten die Songs in einer dem Album nahekommenden Qualitt dar, die ich so nicht erwartet htte. Gleich zwei Songs vom zweiten Album wurden gespielt und diese nahm man bereitwillig an und bedachte sie mit verdientem Beifall. Viel zu schnell war das Konzert zu Ende, doch wer wollte konnte bei der spteren Autogrammstunde noch ein paar Worte mit den Schweden wechseln. Jetzt bleibt zu hoffen, da man diese Band zuknftig hufiger zu Gesicht bekommt. (Torsten)

Setlist: DARKWATER

  • 2534167 (Intro)
  • All Eyes On Me
  • Again
  • Breathe
  • Into The Cold
  • Tallest Dream
  • The Play II

Von MYRATH habe ich zugegebenermaen bislang noch nie gehrt. MYRATH MYRATH Umso positiver werde ich im Laufe ihrer Show berrascht. Mit einem orientalischen Intro weisen die Tunesier gleich mal auf ihre Herkunft hin. Als dann beim zweiten Song auch noch eine Bauchtnzerin die Bhne entert, fhle ich mich vollends in ein Szenario von 1000 & einer Nacht versetzt. Wer jetzt allerdings denkt, Myrath wrden nicht richtig rocken, der liegt weit daneben. Die Jungs strahlen eine Spielfreude aus, die sich von Beginn an auf das Publikum bertrgt, welches begeistert mitklatscht und -sofern textsicher- auch mitsingt. Im Mittelpunkt steht Snger Zaher, der in seinem weien Hemd ein wenig wie der typische Latin Lover wirkt und gesanglich eine klasse Leistung abliefert. Gitarrist Malek und Keyboarder Elyes liefern sich beeindruckende Gitarre-Keyboard-Duelle, wobei Letzterer durch seine Backing Vocals und seine beeindruckende Bhnenprsenz (abwechselndes Grinsen ins Publikum und wildes Bangen) besonders positiv auffllt. Drummer Saief scheint ein wirklicher Spavogel zu sein und gibt zwischenzeitlich ebenfalls einen kurzen Bauchtanz zum Besten, whrend Bassist Anis eher still und souvern seine komplexen Basslufe runterzockt. Insgesamt stehen Myrath mit Fug und Recht an vorletzter Position des Billings. Ohne zu sehr politisch werden zu wollen, geht mir besonders das Herz auf, weil die fnf Tunesier solch formidable Reprsentanten ihres Kulturkreises abgeben und dadurch gerade in Zeiten aufkommender Islamphobie ein wenig zur Vlkerverstndigung beitragen. (Alex)

SHADOW GALLERY SHADOW GALLERY

Die Vorfreude und die Spannung auf SHADOW GALLERY steigert sich nun ins Unermessliche. Nach Jahren des Wartens werden die Unvergleichlichen endlich europische Bhnenbretter betreten und ihre musikalischen Perlen live darbieten. Doch vorher soll die Geduld der Fans noch auf eine harte Probe gestellt werden. Nachdem der Zeitplan vorher minutis eingehalten wurde, verzgern offenbar technische Probleme den Konzertbeginn um eine geschlagene dreiviertel Stunde. Der Queen-Klassiker "Bohemian Rapsody" wird von der geduldig wartenden Menge noch wohlwollend mitgesungen, danach hufen sich jedoch die Pfiffe. Pltzlich wird der Vorhang dann aufgerissen und Shadow Gallery legen ohne jedwedes Vorgeplnkel mit "Stiletto In The Sand" von "Tyranny" los. Eigentlich habe ich ein opulentes Intro erwartet und eigentlich habe ich auch auf einen guten Sound gehofft, doch leider gelingt es dem Mann an den Reglern zu keinem Zeitpunkt einen differenzierten Klang in die Halle zu transportieren. Natrlich ist dies bei sechs auf der Bhne stehenden Multiinstrumentalisten auch kein leichtes Unterfangen, aber dass man die ersten Stcke als langjhriger Fan nur erahnen kann, ist schon ein richtiger Downer. Die Band scheint den holprigen Start durch besonders energisches Stageacting wett machen zu wollen, was zunchst ein wenig bermotiviert wirkt. Einzig Gitarrist Brendt Allman stellt den ruhenden Pol zwischen den hektisch hin und her sprintenden Gary Wehrkamp und Carl Cadden-James dar. Gemeinsam sorgen sie fr die SG-typischen mehrstimmigen Chre. Gary wechselt stndig zwischen Gitarre und Keyboards und bernimmt zwischenzeitlich sogar die Drums. Carl spielt nicht nur hervorragend Bass, sondern bietet auch noch ein wunderschnes Fltensolo dar. Sein Neffe, Eric Deigert, den man wohl engagiert hat, um etwaige Soundlcher mit Gitarre und Keyboard zu stopfen, hlt sich dezent im Hintergrund. Alle Augen und Ohren warten natrlich auf den neuen Snger Brian Ashland. SHADOW GALLERY Nachdem er auf "Digital Ghost" eine wirklich beeindruckende Leistung abgeliefert hat, ist die groe Frage, ob er auch die alten Meisterwerke so interpretieren kann, dass der unvergessliche Mike Baker sich nicht im Grabe rumdreht. Trotz Fhnfrisur und eines etwas eigentmlichen Outfits macht Brian gesanglich das schier Unmgliche mglich. Dazu schnallt er sich des fteren die Sechssaitige um und gibt darauf sogar ein Solo zum besten. Gleichwohl schwebt Mike Bakers Geist stndig ber dem Geschehen. Vor "Rain" erfhrt der verstorbene Originalsnger vom zu Trnen gerhrten Carl Cadden-James noch eine bewegende Huldigung. Erst danach scheinen Shadow Gallery alle Hemmungen abgelegt zu haben und steigern sich in eine Form, die ich von Beginn an erwartet htte. Mit Krachern wie "Destination Unknown" und "Questions At Hand" fegen die Amis nun wie ein Orkan ber das niederlndische Flachland. Aber auch neue Stcke wie "Digtal Ghost" und "Strong", das durch ein uerst originelles Drumsolo von Joe Nevolo unterbrochen wird, kommen beim begeisterten Publikum sehr gut an. Klugerweise haben die Schattengalleristen bei der Zusammenstellung des Sets all ihre Alben bercksichtigt, wobei der Schwerpunkt verstndlicherweise auf dem aktuellen Album liegt, das es schlielich zu promoten gilt. Folgerichtig bilden "Room V" und "Gold Dust" die beiden Zugaben, die schlussendlich ein zufriedenes Publikum zurcklassen, auch wenn insgesamt das Europadebt fr die Perfektionisten aus den Staaten sicherlich nicht ganz so verlief, wie sie es geplant hatten. Auf der laufenden Eurotour wird die Feinabstimmung sicherlich noch verbessert werden, also kann ich nur zum Besuch einer der ausstehenden SG-Shows raten. (Alex)

Setlist: SHADOW GALLERY

  • Stiletto In The Sand
  • War For Sale
  • Mystery
  • Deeper Than Life
  • Pain
  • Destination Unknown
  • Questions At Hand
  • Ghost Of A Chance
  • Digital Ghost
  • Nobody Stands (Brian's Guitar Solo)
  • Strong Part 1
  • Drum Solo
  • Strong Part 2
  • Andromeda Strain
  • Crystalline Dream
  • Haunted
  • Room V
  • Gold Dust

Leider konnten wir das Festival nur Samstags besuchen. Durch andere Gste erfuhren wir, da es ganz in der Nhe kostengnstige Chalets gibt und somit entstand schnell der Plan ein solches im kommenden Jahr zu mieten. Der kleine Club mitten im Herzen von Baarlo ist einfach weitere Besuche wert und wenn es jedes Jahr eine Entdeckung wie Myrath zu machen gibt, dann auf nach Baarlo. Das Festival bietet noch etwas mehr als nur Live-Musik, denn im Keller des Hauses befindet sich eine Rock-Kneipe, die whrend der Show auch geffnet war. Und ebenfalls im Keller war ein kleiner Metal-Markt, in dem man das ein oder andere Schnppchen finden konnte. Fr das leibliche Wohl wurde unmittelbar vor der Halle gesorgt. Somit eine runde Sache und fr jeden der sich fr diese Musikrichtung interessiert ein mehr als nur empfehlenswertes Festival. Daumen hoch fr das Progpower in Baarlo. (Torsten)

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