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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PAIN OF SALVATION, BEARDFISH
Ort Andernach, JuZ
Datum 30.10.2010
Autor Alexander Meyer
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Als ich an diesem Abend in Andernach ankomme, ist seit langem mal wieder ein Chefparkplatz gleich vor dem wohl metallischsten Jugendzentrum der Republik frei. Als ich die wenigen Raucher vor dem Eingang stehen sehe, rechne ich mit einer eher sprlichen Besucherzahl. Im Innenraum wird der erste Eindruck jedoch nicht besttigt und es versammeln sich ca. 250 Freunde gepflegter Progmucke, um sich dieses interessante Package anzuschauen.

Beardfish Beardfish

ber BEARDFISH habe ich schon viel Gutes gehrt, ohne sie allerdings selbst zu kennen. Zunchst fllt auf, dass die kleine JUZ-Bhne vllig mit Equipment zugestellt ist und den Musikern nur wenig Platz bleibt. Nun wei man, dass Progbands sich live in der Regel nicht wirklich viel bewegen. BEARDFISH bilden da jedoch eine lobenswerte Ausnahme. Inbesondere Bassist Robert fhrt immer wieder einen recht eigenwilligen Twist auf, indem er mit seinen Socken in Drehbewegungen ber den Bhnenboden gleitet. Dabei erinnert er mit seinem Rauschebart an Catweazle persnlich. Im Mittelpunkt steht allerdings Snger Rikard, der auch noch das Keyboard und die zweite Gitarre bedient. Den Stil von BEARDFISH wrde ich als "Gute Laune Retro Prog" bezeichnen. Bei einer Spielzeit von ber einer Stunde bringen die jungen Schweden gerade mal fnf Songs unter. Mir persnlich sind die Stcke teilweise zu frickelig und unstrukturiert. Das Publikum und die Hauptband PAIN OF SALVATION sind allerdings vllig aus dem Huschen. Die POS-Jungs entern sogar zweimal die Bhne. Zu Beginn des zweiten Songs werfen sie Bonbons in die Menge und als Zugabe zocken sie "Aquarius" (ein Song aus "Hair") gemeinsam mit ihren Landsleuten. Die Chemie zwischen den beiden Kapellen muss also bei dieser Tour hervorragend gewesen sein, was BEARDFISH insgesamt zur idealen Vorband fr POS macht.

Setlist: BEARDFISH

  • Destined Solitaire
  • The Hunter
  • Until You Comply
  • Green Waves
  • A Love Story
  • Aquarius

Fr PAIN OF SALVATION bedeutet dieser Abend das Ende ihrer "Road Salt One"-Tour. Traditionell werden am Tourende immer ein paar Streiche gespielt. Am heutigen Abend sind es Bananen, die an Schlagzeug und Mikrostndern befestigt sind. Neben dem lustigen Dekoeffekt haben die Gelbfrchte jedoch auch ein nicht unerhebliches Eigengewicht, das die Mikrophone immer wieder nach unten beugt, was in den ersten Minuten zu einigen unfreiwilligen Slapstickeinlagen der Musiker fhrt, bevor das Obst endgltig entfernt und ins Publikum geworfen wird. Pain of Salvation Pain of Salvation Die POS-Musiker geben sich barfu und in Beardfish-Shirts geschrzt von Beginn an bodenstndig und bedanken sich brav bei allen, die zum Gelingen der Tour beigetragen haben. Bei den ersten Stcken hat man noch mit ein paar Soundproblemen zu kmpfen, die bis auf die fr meinen Geschmack zu hohe Lautstrke schnell in den Griff gebracht werden. Die Band ist bestens aufgelegt: Daniel klettert auf den Amps herum und Johan lsst seine beeindruckende Rastermatte kreisen. Der neue Bassist Per Schelander passt auch gut ins Gesamtbild. Ob er nun mittlerweile festes Bandmitglied ist oder nur den Platzhalter fr Daniels abgewanderten Bruder Kristoffer (der berigens mit THE SHADOW THEORY ein Hammeralbum eingespielt hat!) ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Leo und Frederik thronen gewohnt souvern hinter ihren Instrumenten. Den ersten wirklichen Hhepunkt stellt fr mich "Linoleum" dar. Daniel spielt das Riff mehrmals an und lsst die Menge jedes Mal aufschreien und die Arme hochreien. Beim folgenden "Ashes", einem meiner absoluten Lieblingsstcke von POS, reit Daniel eine Saite, was ihn jedoch nicht darin hindert den Track bis zum Ende durchzuziehen. Obwohl man sich bemht hat einen reprsentativen Querschnitt durch die immerhin fast 20-jhrige Bandgeschichte zu geben, fallen viele Klassiker -gerade der ersten beiden Alben- leider durch`s Raster. Der "Road Salt One"-Block gegen Ende des Sets kommt allerdings auch sehr gut. Vor "Of Dust" wird eine Art Podest auf die Bhne getragen, das fr Mr Gildenlw als Kanzel fungiert, auf der er sich als eine Art Prediger inzeniert, was ich als etwas berzogen empfinde. Beim Rausschmeier des offiziellen Showteils "The Perfect Element" toben sich nochmals alle Musiker, bis auf Frederik, an eigens dafr auf die Bhne geschafften Trommeln aus. Nach einer kurzen Pause und vehementen Zugabeforderungen durch die Fans kehren die Schweden nochmals auf die Bhne zurck, allerdings ohne Leo, dessen Platz hinter der Schiebude von Daniel eingenommen wird. Was mit einer Art Jamsession beginnt, geht in den Jimi Hendrix-Evergreen "Fire" ber, bei dem Johan sich nicht nur intensiv auf seiner Gitarre austobt (Die nchste Saite muss dran glauben.), sondern auch den Gesang bernimmt. Danach kommt auch Leo nochmals auf die Bhne und intoniert "Nights In White Satin" von den Moody Blues mit einer sehr schnen Stimme, die ich auch gerne mal auf CD hren wrde. Zum Schluss kommen auch Beardfish noch dazu und alle singen von ganzem Herzen den Refrain "Yes, I love you" mit. Einfach schn, auch wenn mir die ein oder andere eigene Nummer lieber gewesen wre. Unterm Strich ein gelungener Gig.

Setlist: PAIN OF SALVATION

  • Remedy Lane
  • Of Two Beginnings
  • Ending Theme
  • People Passing By
  • Linoleum
  • Ashes
  • Diffidentia
  • Welcome to Entropia
  • Winning a War
  • No Way
  • Road Salt
  • Of Dust
  • Kingdom Of Loss
  • Falling
  • The Perfect Element
  • Fire (Hendrix Cover)
  • Nights In White Satin (Moody Blues-Cover)





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