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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing UNITOPIA, TRAUMHAUS
Ort Rsselsheim, Das Rind
Datum 14.10.2010
Autor Alexander Meyer
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Das Rind in Rsselheim ist immer gut fr ein hochklassiges Prog Rock Konzert, habe ich dort doch u.a. schon Riverside und Subsignal bewundern drfen. Diesmal haben sich UNITOPIA aus meiner zweiten Heimat Adelaide in Sdaustralien angekndigt. Als ich die weit unter 100 zahlenden Gste so betrachte, frage ich mich zwar, ob die sieben Aussies wenigstens die Flugtickets auf dieser Tour wieder einspielen werden knnen, freue mich insgeheim jedoch diebisch, dass sie den Schritt nach good ol' Germany gewagt haben, da mir ihr letztes Album "Artificial" (Review an anderer Stelle) sehr gut gefllt.

Traumhaus Traumhaus

Vorher heit es jedoch eine der berchtigten lokalen Vorbands zu berstehen, wie sie im Rind fast schon Tradition haben. Es ist ja lobenswert, dass man sich um den Prog Nachwuchs verdient macht, die Qualitt desselbigen sollte jedoch in etwa den Standard des Hauptacts halten knnen. Mit den Limburgern TRAUMHAUS meint es das Schicksal diesmal einigermaen gut mit den Anwesenden. Wie der Bandname schon suggeriert, handelt es sich um eine deutschsprachige Truppe. Der Snger Alexander Weyland macht auch gleich unmissverstndlich klar, wo der Hase lang luft und kndigt an, dass man das Konzeptalbum "Die andere Seite" komplett und ohne Pause durchspielen wird; eine Ankndigung, die er selbst im Laufe des Gigs mit kurzen Ansagen vor oder nach jedem Stck konterkarieren soll. Der deutsche Gesang klingt wider Erwarten ganz gut, da mein Namensvetter ber ein sehr angenehmes Organ verfgt. Als nervig empfinde ich lediglich den Hintergrundgesang aus der Konserve. Bester Musiker auf der Bhne ist Gitarrist Sebastian Klein. Auch die Rhythmussektion liefert einen ordentlichen Job ab. Mit der Zeit langweilt mich die Passivitt der Akteure jedoch malos. ber eine Stunde Standfuball ist einfach zuviel. Warum macht Bassist nicht einfach mal seinen Zopf auf und lsst bei den hrteren Passagen seine respektable Matte kreisen?! Das Publikum honoriert den Auftritt trotzdem mit krftigem Applaus. Wie viele Zuschauer dem vielfachen Aufruf zum Kauf der CD schlussendlich gefolgt sind, mag ich nicht zu beurteilen.

Unitopia Unitopia

Als um zehn Uhr dann endlich UNITOPIA die fr sieben Mann etwas zu kleine Bhne betreten, ist es fr einen Werktag schon recht spt und ich bereits ein bisschen schlfrig. Als die ersten Klnge von "Suffocation" erklingen ist meine Mdigkeit jedoch wie weggeblasen. Zu meiner Begeisterung spielen die Jungs die ersten fnf Stcke von "Artificial" gleich hintereinander. Aber was heit hier "Jungs", wir haben es mit gestandenen Musikern zu tun. Im Mittelpunkt steht ganz klar Snger Mark Trueack, der mit seiner imposanten Erscheinung und seiner gefhlvollen Stimme wie ein sanfter Gigant wirkt. Auch wenn oder gerade weil er in seinem schlecht sitzenden Anzug und mit seinen tapsigen Bewegungen etwas hftsteif daher kommt, hat er eine sehr positive Aura und wickelt das Publikum mit seinen sympathischen Ansagen um den Finger. Ein zweiter Blickfang ist Klampfer Matt Williams, der mit seinen Grimassen immer wieder fr Schmunzeln und mit seinem virtuosen Gitarrenspiel fr Staunen sorgt. Sein Solo in "The Garden" ist beispielsweise absolute Weltklasse. Auch sonst jagt ein Hhepunkt den nchsten: der Mittelteil von "Not Human Anymore" groovt wie Sau, die Beatles-Hommage "Nothing Lasts Forever" lsst einen in guten alten Erinnerungen schwelgen und der Mitsingteil des dreizehnmintigen "Tesla" (das "Garden Party" von Unitopia) geht mir auch Tage spter noch nicht aus dem Kopf. Im Gegensatz zur Vorband kommen die mehrstimmigen Chre nicht vom Band, da alle Akteure ber eine gute Singstimme zu verfgen scheinen. Die souverne Backline, bestehend aus Drummer David Hopgood, Bassist Craig Kelly und Keyboarder Sean Timms, wird auf den Auen kongenial von Percussionist Tim Irrgang und Ian Ritchie untersttzt. Letzterer wurde eigens fr diese Tour engagiert und spielt alle Blasinstrumente wie Flte, Klarinette und Saxophon. Da er zwar schon mit Roger Waters, aber noch nicht lange mit Unitopia musiziert hat, scheint er zuweilen ein wenig unsicher, welches seiner Instrumente er an welcher Stelle einsetzen soll. Egal fr welches er sich schlussendlich entscheidet, es klingt immer herausragend. Jedenfalls ist von der ersten bis zur letzten Minute, nach Mitternacht, immer was los on stage, sodass Unitopia eine berschaubare, aber glckliche Menschenmenge zurcklassen.

Mit einem zufriedenen Lcheln und einem frhlichen "We are, we are, all parts of the whole, all parts of the whole" auf den Lippen mache ich mich also auf den Heimweg. Schon in einer guten Woche werde ich wahrscheinlich wieder den Weg nach Rsselsheim antreten, um mir IQ anzuschauen. Das Rind ist nun mal immer eine Reise wert.

Setlist: UNITOPIA

  • Suffocation
  • Artificial World
  • Nothing Lasts Forever
  • Not Human Anymore
  • Tesla
  • Gone In The Blink Of An Eye
  • The Great Reward
  • Angeliqua
  • More Than A Dream
  • Justify
  • The Garden
  • Here I Am





      Big Ball Big Ball Big Ball



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