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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SUMMER BREEZE 2010
Ort Dinkelsbhl, Acker
Datum 18.-21.08.2010
Autor David Lang
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"Sommer, Sonne, Sonnenschein..."
"... zieh ich mir furchtbar gerne rein.", sangen schon Anfang der Neunziger Die Fantastischen Vier. Das galt bei mir schon lange davor und tut es auch heute noch, wenn ich auch zugeben muss, dass das Breeze im Summer Breeze 2010 eher fr Krach und Lrm, als fr eine Brise stand. Die Sonne ballerte nmlich die meiste Zeit ohne Gnade auf das sddeutsche Areal. Doch der Deutsche an sich meckert halt gerne, sei es wegen leichtem Regen, der uns die Hinfahrt am Mittwochmorgen verste, oder eben wegen zuviel Hitze.

MITTWOCH, 18.08.2010

Suffocation

Die erste Band, die wir bewusst wahrnehmen sind die mchtigen Suffocation. Leider komme ich zu spt, um es in den Fotograben zu schaffen. Das Zelt ist proppenvoll. Kein Wunder, wird doch auer der Partystage heuer noch keine Bhne zur Belustigung des Volkes beschallt. Gaaaanz hinten, quasi schon gar nicht mehr IM Zelt ergattern wir dann doch noch ganz nette Stehpltze (was auch sonst?!) und knnen den brutalen Death Metal der lebenden Legenden so zumindest bei sehr gutem Sound erleben. Fronter Frank Mullen hlt die Millionen (oder so) mit souvernen Ansagen und natrlich der "Mullen Hand" bei Laune, die Saitenfront bangt, post und spielt sich ins Nirwana. Schlagzeuger Mike Smith verdrischt dazu sein Kit wie ein Besessener. Es gibt einen Querschnitt durch smtliche Alben und vom schleifenden Stampfer bis hin zum rasenden Abrisskommando ist alles dabei, was der gediegene Deathhead so braucht. Meiner Meinung nach haben die New Yorker zwar nicht die groen Hits im Gepck, wie es beispielsweise bei Cannibal Corpse der Fall ist, alles in allem war dies dennoch eine beeindruckende Show.

Kleine Notiz am Rande. Ich hoffe, dass es nicht bezeichnend fr die "neue Generation" harte Musik hrender junger Leute ist, was sich vor meinen Augen bei den Mitbegrndern des Brutal Death abgespielt hat: Ein "cooles" Mdel, Anfang 20, im schnieken All Shall Perish Shirt (geile Band, dass wir uns da nicht falsch verstehen!) steht mit dem Rcken zur Band und fordert, dass sich ihr bietende Inferno ignorierend, lautstark "Walls Of Jericho!!!". Solchen arroganten Nichtsnutzen mchte man doch am liebsten nur folgendes ins Ohr hauchen: "OHNE SUFFOCATION GBE ES KEINE EINZIGE DEINER GELIEBTEN BUNTE-SHIRT-BANDS!!!"- knnt ich mich aufregen.


Rage Rage

Der Plan bei Rage sollte folgender sein: Ich gehe in den Fotograben und nach getaner Arbeit zur nicht wirklich weit entfernten Theke zurck. Ja, haben wir gedacht, doch die Kapazitten des Zelts waren bei Suffocation scheinbar noch nicht ausgeschpft. Der andauernde Regen in den Tagen zuvor, hatte das Gelnde komplett aufgeweicht. Tausende von Metalheads auf engstem Raum machen den Boden nun nicht unbedingt fester, und so erweist sich der Weg zurck als hoffnungsloses Unterfangen. Hinzu kommt die Tatsache, dass man eine Band wie Rage nicht unbedingt im Zelt spielen lassen sollte... am Mittwoch, an dem es bhnentechnisch halt noch keine Alternative gibt. Im Zelt ist kein Vor und kein Zurck und nachdem ich schlielich doch aus dem Gewhl heraus komme, ist meine Lust frs Erste dahin.

Es kann doch nicht angehen, dass ca. 500 Fans (kein Witz!) noch rund ums Zelt stehen und dann auch noch dank herunter gelassener Seitenwnde nichts sehen. Als htte das alles nicht gereicht, darf man sich mit einem Ohr auch noch die Musik auf der Camelstage anhren.

Smackballz

Die Band die dort in den Umbaupausen spielt, heit Smackballz und ist recht unterhaltsam. Lediglich ein Snger mit Gitarre, ein Akkordeonspieler (!) und ein Drummer mit einem winzigen Kit geben Metalhits zum Besten. Aufs Grundgerst reduziert und mit dieser Instrumentierung klingen Songs wie "Black Magic" (Slayer), "Ostracized" (Grip Inc.) oder "The Trooper" (Iron Maiden) schon arschcool.

Annotations Of An Autopsy

Nach einer bierseligen Pause geht es zum guten Schluss noch zu Annotations Of An Autopsy. Die legen ihr Hauptaugenmerk auf relativ stumpfes Moshmaterial und knnen mich so nicht besonders lange als Zuschauer behalten, zumal ich um kurz vor 3 doch ziemlich mde werde.




DONNERSTAG, 19.08.2010
Napalm Death Ill Nino

War der Mittwoch noch unbestndig zeigte sich bereits der Donnerstag schon frh von seiner Sonnenseite, wenngleich zunchst auch scheie windig.

Napalm Death

Doch auch davon ist nichts mehr zu spren, als Napalm Death die Mainstage entern. Snger Barney fegt auf die Bhne wie bei einem spastischen Anfall, Bassist Shane hat sein brummeligstes Gesicht aufgesetzt und wedelt mit seiner Tonsur, Gitarrist Dany schreddert unentwegt die derbsten Riffs und ist zudem fr die schrillen Schreie zustndig, whrend Drummer Dany im ICE Tempo sein Set klein holzt. Business as usual quasi und genau so muss das sein. Man nimmt den Briten ihre Message und die daraus resultierende Wut halt immer noch ab. Putzig auch Barneys Ansage, dass keine andere Band auf diesem Festival dermaen viele Songs in ihrem Set hat. Wohl wahr.



Ill Nio

Wo Ill Nino pltzlich wieder herkommen kann mir wohl niemand erklren. Umso erstaunter bin ich, als ich sehe welche Massen sich zum Gig der Latinos eingefunden haben. Das rhythmusbetonte Material der Band wird euphorisch abgefeiert und die Dreads fliegen im pumpenden Takt. Bei gutem Sound feuert der Sechser all seine Hits vor die Painstage und selbst Snger Cristian transportiert sowohl sein Gebrll als auch die melodischen Parts souvern. Ordentliche Sache.

Dew-Scented Parkway Drive

Die spielen ganz netten, druckvoll engagierten, aber irgendwo auch wenig tollen Metalcore. Warum die Australier einen derart hohen Kultstatus inne haben kann ich mir nach diesem Gig jedenfalls immer noch nicht erklren.



Dew-Scented

Die Deutschen haben ein wenig Zeitprobleme, nutzen ihre gute halbe Stunde im Zelt aber perfekt aus. Thrash vom Feinsten und wer nochmal den Slayer-Vergleich bemht, dem sei gesagt, dass ein Konzert der norddeutschen wesentlich mehr Spa macht, als eine Slayer-Show. Den Jungs sieht man den Spa an der Sache wenigstens noch an und selbst das Material des neuesten Albums "Invocation" kann qualitativ mit den aktuellen Totschlger-Songs mithalten.

Die Apokalyptischen Reiter

Die Reiter klingen vom Zeltplatz aus gar nicht mal so schlecht, wenngleich ich auch wohl in diesem Leben nicht mehr mit dem Gesang von Fronter Fuchs warm werde.


Macabre Macabre

Macabre, von mir hei ersehnt, kommen ein paar Minuten zu spt auf die Bhne, tragen normale Straenkleidung und versprhen auch sonst rein gar nichts von dem morbiden Charme, den ich erwartet habe. Die Ansagen von Corporate Death sind zwar krank, wirken aber komplett einstudiert und routiniert abgespielt. Warum von den letztlich nicht mal 40 Minuten dann auch noch ca. 8 fr zwei neue, zugegebenermaen coole, Songs drauf gehen, entzieht sich meiner Kenntnis. Mit "Hitchhiker" und "Vampire Of Dusseldorf" haben es definitiv 2 Kracher ins Set geschafft. "Mr Albert Fish" und das auf deutsch gesungene (!) "Fritz Haarmann, der Metzger" wurden unverstndlicherweise nicht gespielt. Von meiner ersten Macabre-Show habe ich mir wesentlich mehr versprochen.


Raised Fist

Die ersten Minuten von Raised Fist fallen leider einem kurzen Zwischenstopp im Zelt zum Opfer, doch was wir dort und auf dem (schnellen) Weg zur Painstage hren, lsst pure Energie erahnen. "Sound Of The Republic" als Opener ist definitiv eine gute Wahl und auch der Rest des Sets wei voll zu berzeugen. Zwar fehlte mein persnlicher berhit "Wasting Your Time", aber dafr ballern die Schweden mit "Runing Man" ein derart intensives Brett ins Publikum, dass man nur noch staunen kann. Eine dicke Lightshow, ein unglaublich fetter Sound und Songmaterial, dass einen automatisch mitwippen lsst. Das Quintett zhlt definitiv zu meinen persnlichen Gewinnern des Festivals. Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann vielleicht den, dass das Organ von Fronter Alexander Hagmann (in etwa zu vergleichen mit einem hoch gepitchten Tom Araya) auf Dauer doch ziemlich anstrengend ist. Der Mann muss nach einem Konzert doch komplett im Arsch sein. Von einer intensiven Hardcore Band mit Metal-Anstrich zu einer intensiven und absolut perfekt getimten Death Metal Maschine.
Necrophagist
Necrophagist

Die Deutschen haben das Zelt nachts um kurz nach 1 tatschlich noch ordentlich voll bekommen. Die ersten Reihen drehen kollektiv durch, whrend der Groteil der Anwesenden unglubig staunend, bis wohlwollend grinsend einfach nur dasteht und geniet. Egal was die deutschen Ausnahmemucker um Mastermind Muhammed Suimez auffahren; ob nun ein rasend schneller Brecher wie "Stabwound" oder ein Groovemonster wie "Extreme Unction", das Quartett spielt bengstigend tight, ja geradezu perfekt. Bei gutem Sound (Perfektionismus sei Dank fingen die Jungs etwas spter an) und viel Spielfreude zeigen Necrophagist dem Summerbreeze wie technischer Death Metal klingen muss, ohne zu verkopft zu wirken. Dass der Oberhit "Seven" fehlt verzeih ich den Karlsruhern allerdings nicht.
Die hochgelobten The Devil's Blood habe ich im Vorbeigehen kurz gesehen und fr Scheie befunden. Vielleicht ein anderes mal mit mehr Muse.


20.08.2010

The Black Dahlia Murder The Black Dahlia Murder

Nach einer ausgiebigen Dusche am nchsten Morgen (hach, was kann das schn sein) und einem relaxten Sit-In, stehe ich vor dem ersten "berschneidungsproblem". Die Franzosen von Destinity, welche mich auf Platte zu berzeugen wissen, die ich allerdings noch nie live gesehen habe, oder die Amis von The Black Dahlia Murder, die ich zwar schon mehrmals on stage erleben durfte, die mich dafr aber auch jedes Mal umhauen konnten. Ich denke mir "lieber den Spatz in der Hand..." und gebe mir den Hochgeschwindigkeits-Melo Death der Amis. Die ziehen eine beachtliche Menge Leute vor die Bhne und ballern bei strahlendem Sonnenschein ihre Hits von der Pain Stage. Trotz Hitze tobt der Pit und Songs wie "Necropolis", "A Vulgar Picture" oder "What A Horrible Afternoon To Have A (Fucking) Curse" (harharhar) treiben die schwitzende Meute zu Hchstleistungen. Die Band, allen voran Vorturner Trevor Strnad wiederum lsst sich vom Enthusiasmus der Fans anstecken und gibt durchgehend Gas. Toller Gig!


We Butter The Bread With Butter

Irgendwas muss mir mal wieder entgangen sein, denn als wir gegen 17 Uhr am Partyzelt ankommen, platzt dieses fast aus allen Nhten. We Butter The Bread With Butter feiern offensichtlich einen Triumphzug, die Menge reagiert bereits bei den ersten Tnen der Songs, besteht also allem Anschein nach tatschlich zu einem Groteil aus Fans und nicht etwa aus Neugierigen. So wertvoll erscheint mir der, mit elektronischen Spielereien angereicherte Deathcore der Bbchen nicht, dass ich mich dafr hnlichen Panikattacken aussetze, wie bereits am Mittwoch bei Rage. Freund Andi berichtete allerdings von einer geilen Show.


War From a Harlots Mouth War From A Harlots Mouth

Bei War From A Harlots Mouth wird es dann im Anschluss erstaunlich berschaubar. Bestimmt sind die Berliner den "Butter-Kids" nicht crazy oder s genug. Was das Quintett allerdings auf der Bhne veranstaltet verleiht dem Begriff Brutalitt eine neue Dimension. Der break- und hardcorelastige Angriff auf das Nervenkostm der Zuschauer wird von einer relativ kleinen, eingeschworenen Fangemeinde kompromisslos abgefeiert. Snger Nico schreit, grunzt und rotzt sich die Seele aus dem hageren und ber und ber ttowierten Leib und seine Mitstreiter turnen unentwegt ber die Zeltbhne. Wiedererkennungswert geht zwar anders, aber das Energielevel ist fantastisch.


Kylesa

Gleich im Anschluss folgt nach Raised Fist die zweite berraschung, die ich in der Form gar nicht auf dem Schirm hatte. Klar wusste ich schon im Vorfeld, dass allein aufgrund des fantastischen "Static Tensions" Albums ein Besuch bei Kylesa Pflicht war, doch ich konnte ja nicht ahnen, was da kommen sollte. Eyecatcher Nummer 1 ist Gitarristin und Sngerin Laura Pleasants, die permanent bangt, umher springt oder aufs derbste das Mikro maltrtiert. Erst kurz darauf fllt mir der Drummer auf, vielmehr DIE (2) Drummer, die synchron fr ein schier unglaublich groovendes Fundament sorgen. Richtig interessant wird es immer dann, wenn die zwei sich wilden Spielereien hingeben oder sich die Breaks aufteilen. Schade nur, dass das Quintett lediglich vor einem leidlich gefllten Zelt spielt. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Georgia-Bande einige neue Fans gefunden hat; bei meiner Holden wei ich es sogar. Wenigstens bekamen Kylesa einen tosenden Applaus nach dem anderen und den hatten sie sich redlich verdient.
Disbelief
Disbelief

Disbelief lassen anschlieend ein wenig den Druck vermissen, fr die ich sie sehr schtze. Nichtsdestotrotz funktionieren Abrissbirnen wie "Death Or Glory (Rewind It All)" oder "Sick" auch so. Auch den Hessen htte ich ein volleres Zelt gewnscht, aber wahrscheinlich war den meisten Festivalbesuchern bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30 Grad einfach nicht nach bsem, leicht depressivem und vor allem tonnenschwerem Death Metal.

Hypocrisy

Whrend Disbelief das Zelt platt walzen, nehmen Hypocrisy derweil die Hauptbhne in Beschlag; und tatschlich finden sich Unmengen von Fans auf dem gepflasterten (ja, eine Steigerung zum groben Schotter im Vorjahr) Platz vor der Mainstage ein. Mit "Fractured Millenium" steigen die Schweden in ihren Set ein und schon bangt der Schreiber eures Vertrauens (ich wurde tatschlich dabei bestaunt, bejubelt, ja gar fotografiert... wow, jemand bangt auf nem Metal-Festival...). hnlich wie der Aufbau einer Heuchelei-Platte, gestaltet sich dann auch die Setlist (soweit ich sie mitbekommen habe) abwechselnd aus schnellem Gekloppe und groovig-melodischen Songs. Da folgt auf "Eraser" dann halt "Pleasures Of Molestation".


Origin Origin

Schweden-Death hin oder her, die berschall Deather von Origin rufen und Dave luft hin. Das wirklich jenseits der Schallmauer agierende Quartett hat einen relativ schweren Stand. Der Sound im Zelt ist einfach nicht differenziert genug fr das ultrabrutale Gefiedel der Amis. Doch auch ohne Feinheiten heraus zu hren mach es einfach Spa zu sehen, wie Mike Flores, der kleine, pummelige, mittlerweile kahl geschorene, mexikanische Bassist seine Finger permanent verknotet, Gitarrist Paul Ryan bei den wahnwitzigsten Riffs schelmisch ins Publikum grinst und Neuzugang Mica "Maniac" Meneke im schicken, rmellosen "Show No Mercy"-Slayer Shirt den aufgekratzten Frontkasper gibt. Sein Gesang ist schn aggressiv und reiht sich wunderbar in die Hassarien ein. Nicht zu vergessen Drummer John Longstreth, der mit Sicherheit einige Schlagzeuger vor der Bhne dazu gebracht haben drfte, seine Sticks an den Nagel zu hngen. Was fr eine Wall Of Sound.


Despised Icon

Anschlieend hie es "Pflichtprogramm", Despised Icon spielen ihren letzten Gig auf europischem Boden. Die Kanadier lsen sich nach 4 Alben leider auf. Dafr wird heute aber auch noch mal Gas gegeben. Das Breeze bescherte den Deathcore-Heroes dann auch ein gut geflltes Zelt mit massiver Pit-Action und Stage Diving nonstop. Die Kannucks bedanken sich ihrerseits mit einer geschmeidigen Setlist. Doch irgendwie hatte ich mir den letzten Europa-Gig der Mosh-Monster etwas glamourser vorgestellt. Irgendetwas fehlte, ich kann zwar bis heute nicht festlegen was, doch das i-Tpfelchen lie sich einfach nicht finden. Dicker Sound, Hits wie "In The Arms Of Perdition", "Furtive Monologue" oder das abschlieende "MVP", viel Bewegung auf der Bhne, definitiv ein runder, ja gar guter Auftritt, doch fr ein Finale etwas schwach auf der Brust.

Despised Icon Das Pack

Auf der Camel Stage schafft es Das Pack immer wieder zahlreiche Besucher zumindest vorbergehend an ihre musikalischen Auswrfe zu binden. Mir war weniger nach Liedern vom Pferdeapfel, wenn ich auch zugeben muss, dass mir die Musik prinzipiell gefallen hat.


Heaven Shall Burn

Heaven Shall Burn haben anschlieend die Mainstage fest im Griff. Abertausende Fans fressen den Thringern aus der Hand und es gibt eine Menge zu futtern. Und wenn die Jungs auch Vegetarier und teils Straight Edge sind, die Musik haut derb ins Mett. Gewiss gab es gengend Leute (mich eingeschlossen), die in den Metalcore-Helden noch keine Headliner gesehen haben, aber Pustekuchen. Das Quintett hat offensichtlich lngst die gesamte hartmetallische deutsche Infrastruktur infiziert und bringt das Gelnde zum Kochen. Zwar fllt bei einer Spielzeit von 75 Minuten recht deutlich auf, dass sich das Material auf Dauer stark hnelt, auf der anderen Seite macht die Band dieses Manko aber mit unbndiger Spielfreude, einem scheinbar grenzenlosen Energielevel und einigen Superhits wieder wett. Statt einer Wall Of Death gibt es bei "Voice Of The Voiceless" gleich mehrere, von Snger Marcus eingeforderte Circle Pits ("Das hnelte aber mehr dem Audi-Logo statt den olympischen Ringen.") und parallel dazu einige appetitanregende Bilder auf den LED-Leinwnden. berhaupt waren die riesigen, bewegten Bilder mal etwas erfrischend Neues. So hatten auch die Zuschauer, die sich die Show von weiter hinten verfolgten (unsereins z.B.) Entertainment nonstop. Dickes Ding!


GWAR

Abschlieend drfen GWAR noch die Painstage zerlegen und hierfr finden sich neben zahlreichen Neugierigen auch etliche Fans in den ersten Reihen ein, die teilweise sogar recht textsicher agieren. Oderus Orungus und seine Mitstreiter vom Planeten Scumdogia liefern die erwartete Sauerei inklusive der Dezimierung von Jesus, Hitler (brigens eine Person!), einem Extremisten, einem Polizisten und was wei ich wem noch. Dass die Musik dabei ein wenig in den Hintergrund rckt war natrlich klar, wenngleich man den Scumdogs auch attestieren darf einige Hits, allen voran natrlich das groartige "Sick Of You" in der Hinterhand zu haben. Schn zu sehen, dass die Monster Metaller offenbar ihren zweiten Frhling erleben.

Long Distance Calling htte ich mir furchtbar gerne angesehen, doch die Bullenhitze, die tagsber schon an den Krften zehrte, forderte mittlerweile ihren Tribut. 3:20 Uhr ist da keine gute Zeit mehr.


SAMSTAG, 21.08.2010

Van Canto

Musikalisch startet der letzte Festivaltag mit den A-Capella Metallern von Van Canto. Mit ihrem recht einzigartigen Konzept und ihrer sympathischen Art sammeln die 4 Snger + Sngerin + Drummer schnell Punkte beim zahlreich versammelten Publikum. Fr mich persnlich funktioniert das Konzept zwar nicht ber ein komplettes Konzert, dennoch muss ich der Band den verdienten Respekt zollen, allein dafr, dass sie ihr Ding sogar mit eigenen Songs durchziehen. Grave Diggers "Rebellion", Blind Guardians "Bard's Song" und Metallicas "Master Of Puppets" sind allerdings noch die Songs die die meisten Reaktionen hervor rufen.


Frei.Wild Frei.Wild

Mein eigentlicher Tag beginnt mit den sterreichern von Frei.Wild. Die vermeintlichen Onkelz-Nachfolger fllen den Platz vor der Mainstage bis zum ersten Wellenbrecher locker und auch das Areal dahinter lsst mal mindestens noch ein paar hundert Fans vermuten. Das Quartett hat sein Publikum fest im Griff und dieses feiert seine Helden nach allen Regeln der Kunst. Die vermeintlichen Vergleiche mit den bermchtigen Onkelz knnen sie mit ihrer Show allerdings abstreifen. Vielmehr klingt man einfach wie eine deutschsprachige Rockband mit einigen Punkeinflssen und etwas Onkelz-Flair. Die sis haben einen Nerv getroffen und sind binnen krzester Zeit von Underground Lieblingen (man muss ihnen zu Gute halten, dass es sie bereits seit 2001 gibt) zu einem Massen-Phnomen geworden. Das muss man nicht gut finden, sollte man aber auch nicht pauschal verurteilen. Ich war ein wenig enttuscht ob der eigenen Darstellung auf einer groen Bhne, ganz besonders das Anstimmen der "Proleten-Version" von White Stripes' "Seven Nation Army" kostete Punkte von meiner Seite und auch die Hitdichte lsst meiner Meinung nach noch zu wnschen brig, doch fr die Band kann man den Gig durchaus als Erfolg werten.


Hacride
Hacride

Wesentlich anspruchsvoller geht es anschlieend bei den Franzosen von Hacride zu. Die gehen optisch zwar eher als Mischung aus Schwiegermuttertraum und Mdchenschwarm durch, entfachen aber bereits um kurz vor 4 des Nachmittags ein anspruchsvolles Break-Gewitter inklusive bezaubernder Melodien. Fordernd, aber durchaus fesselnd und ohne Zweifel gut. So sympathisch das zurckhaltend-schchterne Verhalten von Frontmann Samuel auch wirken mag, dem aggressiv-progressiven Thrash der Franzmnner wrden einige Rampensau-Qualitten noch besser stehen. Das ist aber immer noch Meckern auf hohem Niveau.


Pressekonferenz

Ein kleines Highlight, das ich zudem gar nicht auf dem Schirm hatte, weil gar nicht haben konnte, ist die kurzfristig angesetzte Pressekonferenz mit dem Surprise Act auf der Mainstage. Kein Geringerer als Comedian Blent Ceylan soll die Hauptbhne nmlich am letzten Abend vor Sick Of It All anheizen. Der gebrtige Mannheimer ist berzeugter Metalhead und wollte auf eigenen Wunsch einmal auf einem Metal Festival auftreten. Die Macher des Summerbreeze ermglichten dem unglaublich sympathischen Deutsch-Trken diesen Wunsch gerne. Besonders aufmerksamen Besuchern des Breeze wird der Gute schon vorher auf den offiziellen Festival-Shirts aufgefallen sein und auch Ceylan selber lie es sich laut eigener Aussage nicht nehmen, seinen Auftritt beim Bummeln ber das Gelnde jedem unter die Nase zu reiben. Blent Ceylan Leider fllt einigen Journalisten nichts besseres ein, als den 34-jhrigen auf seine Haarpracht anzusprechen. Es geht schon in Richtung fremdschmen, wenn ein deutsch-trkischer Comedian aus Mannheim, der Metaller mit Leib und Seele ist, whrend einer Pressekonferenz auf einem Metal-Festival gefragt wird, ob seine Haare vor kurzem nicht mal lnger waren oder, mein "Favorit", wie lange es gedauert hat, bis sie so lang waren. Solche albernen Fragen kann Blent wahrscheinlich ohnehin schon nicht mehr hren, doch auf einem METAL FESTIVAL hat das bestimmt noch mal so sehr geschmerzt. Ich musste dem armen Kerl helfen und fragte ihn kurzerhand nach seinen Lieblingsbands und seinen favorisierten Festivalacts. Auf dem Festival selbst seien es Sepultura, neben deren Backstage-Raum er untergebracht sei ("...die werden sich uch denke, was denn der Trk do will."... kstlich), Sick Of It All und ganz besonders My Dying Bride ("... die Leud denke immer, dass e Komiker privat uch immer lustisch is, dabei bin ich eigentlich total depressiv."). Ansonsten sei er mit Nirvana, Metallica und TOOL gro geworden. Also in der Hrteskala noch ausbaubar. GWAR gingen ihm brigens gar nicht ab. Das mit dem Schweineblut knne er nicht mit sich vereinbaren. Auf seinen Exotenbonus angesprochen (Trk, Mannheimer UND Metalhead, gleich 3 Minderheiten in einer) erwhnte er kurz die groe Metalszene in der Trkei und wunderte sich, dass fast alle Trken in Deutschland den von ihm verhassten Hip Hop lieben. Die Antworten des mehrfach ausgezeichneten Knstlers wirkten zu keiner Sekunde aufgesetzt und man merkte ihm an, wie froh er war, sein Vorhaben durchziehen zu knnen.

Breschdleng

Die Camel Stage bietet heuer einen eher traurigen Anblick. Schade, dass bei zwar unterhaltsamen, aber doch eher albernen Bands wie Das Pack oder den spter am Tag aufspielenden Mundart-Rockern Breschdleng die Luzie tobt, die Ruhrpott Metaller von The Very End mit ihrem High Class Thrash aber vor gut 10 Nasen aufspielen. Htte sich der vorbeigehende, qualittsbewusste Metaller auch nur eine Minute Zeit genommen, er wre den zeitlos geilen Riffs, dem zwingenden Groove, den Spitzenmelodien oder auch dem kraftvollen Gesang und der Ausstrahlung von Frontmann und Brllwrfel Bjrn erlegen. Ein Song wie "Flatline" z.B. hat durchaus internationales Format, nur wenn ihn keiner hrt ist das halt auch frn Arsch. Echt schade.


Sepultura

Sepultura schaffen es nicht, mich lnger als 15 Minuten vor der Mainstage zu halten. Ich werde mich wohl nie so ganz an Derrick Greene am Mikro gewhnen und auch die Studioalben nach "Roots" konnten mich nicht mehr berzeugen. Warum man nach der Trennung von Max damals nicht auf die grandiose Idee kam, einen zweiten Gitarristen in die Band zu holen werde ich ohnehin nie verstehen. Gerade die Pre-Greene Songs funktionieren ohne zweite Gitarre mehr schlecht als recht. Auch wenn mit "Arise" und "Refuse / Resist" gleich 2 Klassiker zu Beginn des Sets gespielt werden kickt mich das alles nur geringfgig. Die Reunion im Original-Line Up wrde womglich nicht mal so viel daran ndern.


Blent Ceylan

Ich nehme es gleich vorweg: Der Auftritt von Comedian Blent Ceylan geriet nicht zu einem Desaster wie Martin Kesicis (Starsearch Gewinner 2003) 2005 auf dem Wacken Open Air. Ceylan will den Anwesenden ja auch gar nichts vorsingen, sondern sie rein verbal unterhalten. Das gelingt dem Mannheimer in erster Linie mit seinem Charakter Manfred, einem Altnazi, der dank seiner Tabletten immer wieder leicht rrrrrechte Anflle bekommt. Der kurz vorgestellte, neue Charakter "Gnter" (Haare vors Gesicht, Brille drber... h, ja) kommt erstaunlich gut an und als "de Trk" dann zum krnenden Abschluss tatschlich eine Runde durch die Menge surft, ist sein Glck nicht mehr zu bersehen. Operation "Comedy Meets Metal" ist geglckt.

Sick Of It All

Sick Of It All haben anschlieend leichteres Spiel, als sie es ohnehin immer haben. Die New York City Hardcore Originale platzen mal wieder vor Spielfreude. Snger Lou Koller ist top bei Stimme und wei die Massen auch zwischen den Songs immer wieder bei Laune zu halten. Sein Bruder und Gitarrist Pete springt, stampft und mosht sich die 60 Minuten durchs Set, whrend Basser Craig und Drummer Armand fr die unwiderstehlichen Grooves der HC-Institution sorgen. Immer wieder gut zu wissen, dass man IMMER SOIA bekommt solange SOIA drauf steht.
Maroon
Maroon

Kurz nachdem die Erfinder der Wall Of Death (ja, die gabs natrlich auch) ihren letzten Ton gespielt haben, rumpeln sich Maroon im Zelt durch ihren Brachial-Metal mit Hardcore Schlagseite. Zwar kann der Sound im Zelt mal wieder nicht grenzenlos begeistern, doch die Nordhausener kloppen die Menge auch so zu Mus. Snger Andre versprht mal wieder den asozialen Charme eines Vollzeitchaoten, was die, im Schritt gerissene Hose lediglich unterstreicht (interessanterweise ist mir das erst beim Durchforsten der Fotos zu Hause aufgefallen; dabei hing der halbe Sack schon raus). Mit "Stay Brutal", "Reach The Sun" und "Wake Up In Hell" haben die Knppelbarden mindestens 3 Volltreffer im Programm. Bei letzterem wird sogar ein erfolgreicher und geil anzuschauender Circle Pit rund ums Mischpult initiiert. Gewohnt gut also.


Children Of Bodom

Dass Children Of Bodom den Platz vor der Mainstage pickepackevoll bekommen htte ich mal wieder nicht erwartet. Auf der anderen Seite werden sich Festival-Veranstalter ja etwas dabei denken, wenn sie Bands als Headliner prsentieren. Ich kann den Finnen einen gewissen Entertainment-Faktor ja nicht absprechen, doch sptestens wenn die zuckersen Kirmes-Keyboards ins Spiel kommen ist bei mir Schluss; gerade bei einer Spielzeit von ber einer Stunde. Dabei finde ich manch tastenlosen Teil im COB Arsenal sogar richtig geil. Grauenvoll finde ich allerdings die peinlichen Momente zwischen den Songs und derer gibt es viele. Wenn Snger und Gitarrist Alexi nicht gerade "fuckin" Ansagen macht (ohne Schei, man sollte mal mitzhlen), macht er dem Summerbreeze das Lama. Mein "Warum spuckt die hssliche Frau soviel?" erntet in den hinteren, von Hardcore-Fans befreiten Reihen dann auch entsprechendes Gelchter. So richtig Scheie konnte ich das alles nicht finden, doch bin ich jetzt noch lange kein Bodom-Fan.


My Dying Bride

My Dying Bride, ursprnglich von mir erwartet, langweilen mich bereits whrend des ersten Songs. Den Tag mit deprimierendem Dark Metal ausklingen lassen gehrt urpltzlich nicht mehr zu meinem Plan. Auch The Crown und 1349 fallen meiner einsetzenden Band-Lethargie zum Opfer. 3 Tage Dauerbeschallung verlangen irgendwann nach einer Pause.

So geht es dann schlussendlich in den V.I.P Bereich, wo man das Summer Breeze mit guten Freunden ausklingen lsst.

Fazit: 2010 hielt ich jeden Abend lnger aus als 2009 und schn war es auch.





Annotations of an Autopsy Kylesa The Very End Unsre kleine Farm



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